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#1

Schwesternbeziehung und Psychose (langer Text)

in Treffpunkt für Angehörige 07.02.2014 22:05
von zheng1sao (gelöscht)
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Hallo und n'Abend in die Runde!

Ich bin neu hier, eine jüngere Schwester und mir völlig im Unklaren, was man mir raten oder wie antworten wird auf mein "Geständnis" in Hinblick auf Tanja (Name geändert), meiner elf Jahre älteren Halbschwester, die seit knapp 15 Jahren eine schizoaffektive Psychose hat.

Ich erhoff' mir vielleicht auch, dass mir mal der Kopf gewaschen wird, was meinen Umgang mit Tanja angeht, denn der beschränkt sich seit Jahren auf ein Minimum. Unnötige Details bitte ich ebenso zu entschuldigen wie Auslassungen, die sowohl von Unwissen herrühren als auch von meinem Versuch, möglichst strukturiert zu schildern (war nie so meins!).

Fing alles damals an mit dem Krebstod meiner zwanzigjährigen Tante; sie und Tanja waren nur zwei Jahre auseinander und unzertrennlich gewesen. Da brach sich die Krankheit einfach Bahn. Dann gabs in (halb-)jährlicher Regelmäßigkeit das volle Programm: Negativ- und Positivsymptome, Fehldiagnosen, Suizidversuche, schwere Magersucht, Polizei vorm Haus, Stimmen, monatelange Klinikaufenthalte, nächtliche Umrenovierungsaktionen, und so weiter. Klar, immer mit dem pharmazeutischen Reigen in Begleitung, Abilify, Tavor und so, mit allen hundselenden Nebenwirkungen.

Unsere Mutter avancierte im Laufe der Jahre zu einem Routinier (einer Routinierin?) der Psychose, ja zur Pflegerin meiner Schwester.

Tanja wohnte mit Ausnahme einer ziemlich blöden Episode ganz zu Anfang (Wohnungsbrand wegen Dutzender Kerzen in der eigenen Wohnung, die von einem Psychiater als wichtig zur "Abnabelung" von meiner "überfürsorglichen" Mutter erachtet worden war) immer im Elternhaus. Nach dem Fiasko mit der eigenen Wohnung, wo sie zudem nachts auf dem Bahnhof Kippen aufhob und letztlich noch 35 Kilo wog, pfiff meine Mutter auf die Psychotherapeuten und holte sie heim. Sicher wäre sie sonst tot.

Mittlerweile hat meine Schwester seit des letzten Monsterschubs 2012 eine Wohnung samt Betreuer ein paar Häuserblöcke von meinen Eltern entfernt. Den subtilen Schnitt in meiner Familie gibts nach wie vor: meine Mutter und sie auf der einen, ihr Adoptiv- d.h. mein biologischer Vater und Ehemann meiner Mutter, auf der anderen. Mein Vater behandelt sie seit jeher wie eine Tochter, doch für Tanja ist meine Mutter der Fixpunkt schlechthin.

Sie wird z.B. von Tanja seit ein paar Monaten von kleinen Talismanen beschenkt, die sie schier unsterblich machen sollen (jünger wird meine Mutter ja schließlich auch nicht mehr; übrigens Mama, im Falle, dass du mitliest, du bist noch ziemlich rüstig, keine Sorge! D:).

Dass wir Halbschwestern sind, erfuhr ich im übrigen, als Tanja psychotisch wurde. Meine Mutter wollte die Sorge ausräumen, dass ich wegen einer Veranlagung auch erkranken könnte. Meine Familie gab es in der heutigen Konstellation schon Jahre vor meiner Geburt, weil meine Mutter Tanjas Vater ganz früh verließ (er war ein Idiot).

Meine Mutter schulterte also die Betreuung neben Arbeit und Haushalt, mein Vater arbeitete sechs Tage die Woche und hatte den Hund, mit dem er Frisbee schmiss auf Teufel komm raus. Das ging Jahre so.

Ich war beim Tod der Tante neun, und dann war ich in der Schule irgendwann still und allein und schrieb Heft um Heft mit Geschichten voll, bis ich mit etwa 15 für ein Dreivierteljahr die Schule hinwarf, in der Psychiatrie landete, dann die Schule wechselte, ein Halbjahr für'n Schüleraustausch nach Japan ging, meine Familie während des Abis mit spätpubertären cholerischen Anfällen plagte und in einer entfernten Stadt auf die Uni ging, dann ein Jahr nach China. Ich hatte mit 15 auch eine Therapeutin, aber da kam ich mit dem Etikett Asperger-Syndrom und Schulangst raus und war keinen Deut schlauer.

Jetzt studiere ich gerade in dieser fernen Stadt fertig und versuche, auf den Punkt zu kommen:

Ich kann meine Schwester nicht mehr riechen, seit ich denken kann. Ich vermeide es, mit ihr im selben Raum zu sein (wenn ich während der Semesterferien im Elternhaus wohne), geschweige denn ein Wort wechseln.
Was mich wurmt: Jede Logik kollabiert vor der Psychose, und so auch Verantwortung. Meine Eltern opfern sich auf, wo sie nur können, und auch nur durch eine Schenkung war das Geld für den Umzug da, denn ich wollte weg von zuhause. Das ist wirklich unglaublich. Ich stehe daneben und staune Bauklötze, welche Mühen meine Mutter der Psychose in den Schlund wirft. Ich verstehe diese grenzenlose Liebe nicht und empfinde für Tanja gar nichts mehr, höchstens Unwillen und, wenn ich mir ehrlich bin, Hass. Nicht erst, seit sie meinen Vater 2012 angezeigt hat, er habe sie als Kind misshandelt (okay, hat er nicht, und sie hat die Anzeige in einem Schub gestellt).

Im Studium kriegt man jeden Fehler um die Ohren gehauen (vielleicht mach ich aber auch einfach viele), und sie quatscht mit ihrer Therapeutin über ihre Gefühle? Ich weiß, wie bescheuert das klingt, ist sie doch schließlich krank, und ist das nicht tragisch? Weder meine Mutter noch ich noch irgendwer können auseinanderhalten, wo der Mensch ist und wo die Krankheit und ob diese Trennung überhaupt möglich ist.
Eine Weile konnte meine Schwester eh nichts falschmachen; sie war doch das Opfer und jede Kritik könnte sie in einen weiteren Suizidversuch stoßen. Half nicht, dass einige ihrer ebenfalls erkrankten Freunde den ihren nicht überlebt hatten.

Der erste Urlaub seit acht Jahren im letzten Sommer endete mit einem Notruf meiner Schwester (die daheimgeblieben war), weil sie aus Angst neun Stunden unter der Dusche zugebracht hatte. Seitdem wohnte sie wieder bei meiner Mutter, die dann im Herbst unkontrollierte Gesichtszuckungen und sonstige psychosomatische Wehwehchen bekam. An dem Weihnachten erwischte es dann mich. Da traf ich dann bei meinen Eltern am Festtag auf eine Fünfjährige im Körper einer Dreißigjährigen. Ich war baff, kriegte das Zittern und konnt's mir nicht erklären. Ich hab nie körperlich reagiert, vielleicht war's ja auch der Überkonsum an Lebkuchen; kann vorkommen.

Wie hatte das meine Mutter die Monate zuvor ausgehalten? Ihre Belastbarkeit ist unwirklich. Sie tut's aus Liebe. Ich halte mich für einen Moralisten, aber wie nimmt sich mein Unheilswunsch demgegenüber aus? Wie kann ich meiner Mutter helfen? Wie kann ich, obschon ich den Kontakt auf ein Minimum beschränke, von meiner Schwester loskommen? Ich spiele seit Jahren die hilfsbereite Schwester vor (mit Ausnahme von der Zeit während des Abis und dem 2012er Schub). Ist mein Hass nicht nur verwerflich, sondern schlichtweg unverständlich? Wie kann ich sonst damit umgehen? Meine Mutter weiß von meinen Gefühlen, was sie zusätzlich belastet, und sie versteht nicht, dass mein Selbstbild unterm Nullpunkt rumkriecht. Der nächste Rückfall von Tanja kommt bestimmt, Medikation hin oder her, und es reicht mir nicht, vor meiner Mutter herzugehen, wenn sie wieder ihre unfreiwilligen Grimassen schneidet.

tl;dr

Ich komme mit meiner psychotischen Schwester nicht klar und auch nicht von ihr los. Ich fand im Internet nichts zu Geschwistern und Psychose. Ich bin nicht in Therapie, weil ich skeptisch und hoffnungslos bin. Jetzt aber suche ich (wg. erstem Freund und Einstieg in den Arbeitsmarkt) Rat, um Ballast abzuwerfen, den ich so vielleicht nicht brauch, oder zumindest um daraus zu lernen. Meine Schwester war nie berufstätig und arbeitete dann und wann in der Werkstatt; jetzt kümmert sich die Stiftung mit Ausflügen um sie, sonst ist sie häufig bei den Eltern und erholt sich gerade vom letzten Rückfall.

Ich bitte den Schreibeschwall zu entschuldigen und würde mich freuen über Antworten jeglicher Art,

zhengyisao


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#2

RE: Schwesternbeziehung und Psychose (langer Text)

in Treffpunkt für Angehörige 07.02.2014 22:45
von Isabell (gelöscht)
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Hi Zheng,

zunächst herzlich Willkommen bei uns!

Ich finde keinen rechten Grund, dir den Kopf zu waschen. Betroffene reagieren manchmal entsetzt und erschrocken, wenn Partei für scheinbar lieblose Angehörige ergriffen wird. Ich möchte dir trotzdem gerne schreiben, wie ich das sehe.

Die Ablehnung deiner Schwester gegenüber finde ich verständlich, jedoch nicht gerechtfertigt. So wie du es schilderst, ist es (leider) ein Fass ohne Boden und für dich eine schier hoffnungslose Situation. Nach so vielen Jahren der Pflege von kranken Familienangehörigen kann ich mir vorstellen, dass irgendwann einfach ein Punkt erreicht ist, an dem es nicht weitergeht. Ich habe nicht so sehr das Gefühl, dass du darunter leidest, dass du deiner Schwester nicht besser beistehen kannst. Ich halte es aber auch nicht für deine Geschwisterpflicht, die Schwester liebend zu umsorgen. Deinem Beitrag entnehme ich, dass ihr beide wohl so um die 30 Jahre alt seid. Leider kann ich nicht mit Sicherheit sagen, ob nun die Schwester an sich das Problem ist, oder mehr die Psychose und die vielen Eskapaden von ihr. Mag sein, dass beides eine Rolle spielt, aber vielleicht wäre das Verhältnis zur Schwester auch ohne die Krankheit beeinträchtigt.

Für die Betreuung in der Wohnung der Schwester ist anscheinend ausreichend gesorgt und die Mutter kümmert sich auch permanent um sie. Wenn dir die Nähe zur Schwester so schwer fällt, also du musst ja nicht zwingenden Umgang mit ihr haben! Dein Leben ging doch bisher auch ganz normal weiter mit Studium und Fernreise, aber klar, es lässt sich natürlich nicht vermeiden, dass ihr euch zB an den Feiertagen seht oder auch zwischendurch gelegentlich. Was das angeht, musst du einfach damit leben, dass diese Schwester ein Teil deiner Familie ist und ihr auch dann und wann Kontakt habt. Ansonsten steht es dir frei, den Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren.

Sieh es locker und beachte, dass für deine Schwester gut gesorgt ist. Kann auch verstehen, wenn du vielleicht die Mutter entlasten möchtest, aber die ist alt genug und die entscheidet das selbst, ob und in welchem Maß sie der Tochter hilft. Das Verhalten deiner Schwester liegt leider vollends im Rahmen der Möglichkeiten einer Psychose, also in einem akuten Schub kann es durchaus peinlich werden, auch für Angehörige. Ich denke aber auch, dass "Tanja" sehr wohl mal einen lichten Moment hat, indem sie auch weniger psychotisch ist. In so einer Phase könntest du dir sie zur Seite nehmen und ggf. mal über deine Belange sprechen. Du wirst allerdings nichts daran ändern, dass sie dauerhaft krank ist und dass sie deine Halbschwester ist.

Falls du dich bisher nicht wesentlich in deinem Leben eingeschränkt hast, besteht weiterhin auch kein Anlass dazu. Wenn die Sympathie zur Schwester einfach nicht gegeben ist, dann ist das eben so. Etwas Verständnis solltest du ihr gegenüber aber schon aufbringen. Sie verhält sich nicht aus Boshaftigkeit so, sondern weil sie schwer krank ist. Das macht es nicht besser, aber wahrscheinlich verzeihlich.

Wünsche dir alles Gute auf deinem weiteren Weg.

LG,
Isa


zuletzt bearbeitet 07.02.2014 22:48 | nach oben springen

#3

RE: Schwesternbeziehung und Psychose (langer Text)

in Treffpunkt für Angehörige 07.02.2014 23:00
von Hirnsehprogramm | 1.166 Beiträge | 2101 Punkte
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Ich weiss jetzt nicht, was du damit aussagen, oder fragen willst, zumal in einem Forum wo hauptsächlich selbst Erkrankte unterwegs sind? Dir geht es ja auch mehr um Rat in Bezug auf dein eigenes Verhalten, als dazu, was sich bei der Erkrankten ändern könnte? Wie du deine Mutter schonen kannst, oder was auch immer?

Ich kann das schon verstehen, ist oft 'ne heftige Erkrankung, die bei fortschreitendem Abbau auch immer fordernder werden kann - und du siehst dich jetzt deswegen von deiner Familie vernachlässigt, und das ist dein Problem? Ich kann schon verstehen, wenn Angehörige die erkrankten trotz Problemen nicht auf- oder abgeben wollen, denn die einzige Alternative ist ja betreute Kälte, die jemand in psychotischem Zustand vielleicht schwer ertragen kann. Und auch dazwischen, stell dir mal vor _du_ wärst periodisch völlig ausserhalb jeder Ratio, und kommst dann wieder zu dir, nur um mit deinem kompletten Scheitern konfrontiert zu werden - in einem Umfeld wo alles was dann gemacht wird Pillen reindröhnen ist. Stell dir solche Schübe nicht zu lustig für den Betroffenen vor, man kann wirklich alles dabei verlieren - vor allem sich selbst. Und sich mieser dabei fühlen, als du es dir vielleicht vorstellen kannst. Und angesichts dieses Leidens, sind wohl die meisten Suizidtendenzen nicht unbedingt nur ein greinen nach Aufmerksamkeit.

Wie klar ist sie denn zwischen den Schüben? Und wunder dich nicht, das so jemand, selbst wenn er meistenteils klar ist ausserhalb der Schübe, trotzdem unter Traumata und ähnlichem leiden kann, was die Persönliochkeit verhundst, ist nämlich wirklich die absolute Hölle. Stell dir das nicht so lustig vor wie die leichten depressiven Verstimmungen und Sinnkrisen, die ein nichtbetroffener mal haben kann (und deswegen auch mal zu Psychologen in Therapie gehen mag, wenn er will), sondern das ist echt richtig übles Autoprogramm.

Ich kenne aber auch die Thematik, dass Geschwister von behinderten Kindern oft klagen, dass der Behinderte alle Aufmerksamkeit bekommt und sie selbst keine. Und auch die Thematik, dass die Behinderten selbst auch mal über die Stränge schlagen und sich an die dargebotene Aufmerksamkeit klammern. Das müsst ihr alle selbst wissen, deine Mutter, wie sie das so mitmacht, du selbst, ob du deine Mutter unterstützen willst, oder es ihr ausreden, auch deine Schwester, ob sie sich vielleicht mal zusammenreissen will und richtig kämpfen... Wie das ganze ausgeht, steht eh in den Sternen.


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#4

RE: Schwesternbeziehung und Psychose (langer Text)

in Treffpunkt für Angehörige 07.02.2014 23:17
von zheng1sao (gelöscht)
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Hallo nochmal; danke für eure Antworten,

ich habe wirklich überlegt, ob ich hier schreiben sollte; was es nutzen sollte, worüber du dich, Hirnsehprogramm, denn auch zu Recht wunderst. Falls ich jemanden brüskiert haben sollte mit dem Post, so war dies wirklich nicht meine Absicht! Einerseits ist Raushalten keine Lösung, da meine Mutter nicht ewig da sein wird und ich es leid bin, meine Schwester nur als Belastung zu sehen oder sie auf die Krankheit zu reduzieren. Ich weiß nur nicht, wie. Einblicke in dieses Forum deuten auf Dinge, bei denen ich meiner Schwester keine Chance mehr gebe. Andererseits, daran glaube ich, hilft es, wenn ich nicht bloß "Buchwissen" über Psychose einhole, sondern auch hier lese, wie es anderen Leuten damit ergeht, um es in Kontext zu setzen.

Was mich besorgt, sind die Abnutzungserscheinung bei meiner Mutter (die sind neu, und durch meine Beispiele habe ich gehofft es zu illustrieren), als auch meine Schwester, die sich immer langsamer von einem Rückfall erholt. Ihre Medikation ist sehr heftig. Daher wollte ich mal was schreiben. Ich will wirklich kein schlechter Mensch sein, obwohl ich womöglich gerade den Eindruck erwecke.

Isabell, diese zwei Seiten an ihr zusammenzuführen ist vielleicht der springende Punkt. Ich kann mich nicht erinnern, seit wann es so ist, oder was ich hätte besser machen können, aber die Blickwinkel in diesem Faden halte ich für einen guten Ansatz. Vielleicht rede ich mal mit meiner Schwester drüber. Ich bin Anfang zwanzig, sie Anfang dreißig.

Schönen Abend und danke nochmal.


zuletzt bearbeitet 07.02.2014 23:21 | nach oben springen

#5

RE: Schwesternbeziehung und Psychose (langer Text)

in Treffpunkt für Angehörige 07.02.2014 23:25
von Isabell (gelöscht)
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Hi,

so richtig deutlich finde ich das immer noch nicht. Also du möchtest der Mutter behilfich sein, aber selber siehst du dich außerstande, auf deine Schwester zuzugehen. Wir können dir in diesem Forum keine Absolution für dein Verhalten erteilen, du entscheidest selbst, ob du den Kontakt haben willst oder nicht. Wie ich das sehe, willst du die Schwester weiterhin meiden, da kannst du eigentlich nur mit der Mutter übereinkommen und das mit ihr besprechen, wie es weitergehen soll. Die Pflege muss natürlich weiterhin gewährleistet sein, auch wenn die Mutter irgendwann selbst zu alt oder zu krank ist, den Job zu machen. Da es aber anscheinend eine gesetzliche Betreuung für die Schwester gibt, wird die Mutter sicherlich in Teilen verzichtbar. Bestimmt habt ihr auch schon einmal über einen ambulanten Pflegedienst nachgedacht, der die Mutter von ihren Aufgaben etwas ablöst?

LG,
Isa


zuletzt bearbeitet 07.02.2014 23:27 | nach oben springen

#6

RE: Schwesternbeziehung und Psychose (langer Text)

in Treffpunkt für Angehörige 07.02.2014 23:47
von zheng1sao (gelöscht)
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Meine Mutter ist der Mittelpunkt der Welt für meine Schwester, die nach jedem Schub in soziale Isolation zurückgeworfen wird, die die Stiftung in dieser Zeit mit ein bisschen Programm ergänzt. Meine Mutter erachtet natürlich als selbstverständlich, für ihre Tochter da zu sein, Behördengänge und finanzielle Unterstützung gehören dazu. Sie misstraut mit Ausnahme der Klinikaufenthalte, wenn nun wirklich sonst nichts mehr geht, Therapien und sonstigem und zeichnet sich verantwortlich, Tanja wieder halbwegs hinzukriegen, sodass diese wieder in ihre Wohnung zurückkehrt, dort ihre Unternehmungen mit der Stiftung hat und einigermaßen durch den Alltag kommt.
Ich möchte zu dem Punkt kommen, wo ich mich auf sie einlassen und diese Kinderei des Meidens sein lassen kann, weil ich merke, dass eine Distanzierung zwar räumlich, nicht aber emotional möglich ist, weil wir als Familie immer zusammengehalten haben.
Danke, dass du dir Zeit nimmst für dieses Thema, einiges stimmt mich gerade nachdenklich. Mit dem Betreuer versteht sie sich nicht mehr so gut, weil er mit ihre Abhängigkeit zu unserer Mutter ansprach. Darüberhinaus hält er derzeit Verabredungen manchmal nicht ein, sodass meine Mutter einspringt. Meine Schwester möchte niemanden anderen als Beistand, da "meine Mutter allein sie verstehen könne". Ist das vielleicht ein Armutszeugnis für mich als Schwester, nicht geholfen zu haben?

Sollte ich mich einfach raushalten, weil ich weder Mutterliebe empfinde noch selber die Krankheit habe? Wäre das die einfachste Lösung?
Ein Pflegedienst wäre zu teuer und würde von der Stiftung nicht gedeckt, wenn ich mich nicht irre.

Okay, das wird jetzt vielleicht einfach zu konfus auf meiner Seite. Ich bin auf jeden Fall dankbar für die Zeit, die ihr euch für Antworten genommen habt. Ich werde mal sehen, was kommt, wenn ich in den Semesterferien bei den Eltern vorbeischaue.


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#7

RE: Schwesternbeziehung und Psychose (langer Text)

in Treffpunkt für Angehörige 08.02.2014 00:03
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Hi,

nur kurz: Der Pflegedienst wird von der Krankenkasse bezahlt. Ich meinte eher sowas wie den sozialpsychiatrischen Dienst. Den gibt es auf ärztliche Verordnung und es ist gut denkbar, dass deine Halbschwester dort eine Ansprechperson findet, die tatkräftige Unterstützung anbietet. Die würden auch mit ihr die Behördengänge erledigen, Einkäufe, Arztbesuche etc. Der SpD hat einen ganz guten Ruf, weil die auch in der Alltagspraxis von vielen Betroffen als wertvoll angesehen werden. Ich kann das auch empfehlen. Sogar Spaziergänge sind mit dem SpD möglich, also die Tätigkeitsfelder sind nahezu unbegrenzt.

LG,
Isa


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#8

RE: Schwesternbeziehung und Psychose (langer Text)

in Treffpunkt für Angehörige 08.02.2014 00:17
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Hallo,

wir waren mal vor Jahren wegen Familientherapie entweder bei der Diakonie oder im SpD. Ich frage meine Mutter auf jeden Fall, ob das nicht was wäre. Letztlich liegt's ja wirklich an meiner Mutter, sie ist erwachsen und muss wissen, was sie kann. Aber gut, von Erfahrungen mit dem Dienst nicht von Therapeutenseite zu hören.

Gute Nacht und viele Grüße,

zhengyisao


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#9

RE: Schwesternbeziehung und Psychose (langer Text)

in Treffpunkt für Angehörige 08.02.2014 11:56
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Zitat von zheng1sao im Beitrag #4

Was mich besorgt, sind die Abnutzungserscheinung bei meiner Mutter (die sind neu, und durch meine Beispiele habe ich gehofft es zu illustrieren), als auch meine Schwester, die sich immer langsamer von einem Rückfall erholt. Ihre Medikation ist sehr heftig. Daher wollte ich mal was schreiben. Ich will wirklich kein schlechter Mensch sein, obwohl ich womöglich gerade den Eindruck erwecke..



Deine Mutter ist ein erwachsener Mensch. Sie hat sich für diese Existenz entschieden. Und wenn es da "Abnutzungserscheinungen" gibt dann muss sie das selbst verantworten.

Meiner Meinung nach hört sich das an als wäre es exakt der selbe Effekt wie die sogenannte Co-Abhängigkeit von Angehörigen bei Süchtigen. Lies dich mal ins Thema Co-Abhängigkeit ein, dann werden dir vermutlich die Augen aufgehen.

Deine Reaktion finde ich völlig normal und gesund. Das was da abgeht zwischen deiner Halbschwester und eurer Mutter ist wirklich krank. Also sowohl deine Schwester als auch deine Mutter haben massive Probleme, das spürst du ganz richtig und dein Angewiedertsein ist nur eine natürliche, gesunde Reaktion darauf. Sozusagen das Warnsignal das dich davor bewahrt dich in diesen Sumpf mit reinziehen zu lassen.

Daß du mit deiner Halbschwester nichts mehr zu tun haben willst kann ich nachvollziehen so wie du die Situation beschreibst. Eine akute Psychose ist schon belastend genug für die Leute drumherum, aber daß das betüddelnde Trallala das um deine Schwester veranstaltet wird, die kranke symbiotische Beziehung zwischen beiden und ihre daraus resultierende Regression in Kleinkindverhalten macht das ganze dann absolut unlebbar. Eigentlich gehört deine Schwester in eine gute betreute Wohngemeinschaft wo sie von den qualifizierten Betreuern mehr in Richtung Eigenverantwortung geschubst wird und deine Mutter in eine Psychotherapie.

Wie alt warst du denn als das ganze Theater losging? Übrigens kannst du als Angehörige einer psychisch kranken Person und durch diese Umstände belastet auch psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Evtl könntest du dich auch beim sozialpsychiatrischen Dienst oder einer anderen Krisenberatungsstelle beraten lassen im Umgang mit der Situation.

Ich würde mich da persönlich komplett rausziehen und sowohl der Mutter als auch Schwester gegenüber auf Distanz gehen. Weil sonst wirst du zum Co-Co-Abhängigen und auch in den Sumpf von zwei psychisch kranken Menschen die umeinander kreisen reingezogen.


zuletzt bearbeitet 08.02.2014 12:05 | nach oben springen

#10

RE: Schwesternbeziehung und Psychose (langer Text)

in Treffpunkt für Angehörige 08.02.2014 13:49
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Zitat von zheng1sao im Beitrag #6
Sie misstraut mit Ausnahme der Klinikaufenthalte, wenn nun wirklich sonst nichts mehr geht, Therapien und sonstigem und zeichnet sich verantwortlich, Tanja wieder halbwegs hinzukriegen, sodass diese wieder in ihre Wohnung zurückkehrt, dort ihre Unternehmungen mit der Stiftung hat und einigermaßen durch den Alltag kommt.




Kann es sein daß deine Mutter erstens Schuldgefühle hat daß ihr Kind diese Krankheit entwickelt hat und diese mit dieser kranken Betreuungsarie kompensieren will?

Und kann es sein daß sie als langjährige Hausfrau ihr diese kranke Tochter ganz gelegen kommt um nicht vor dem Problem eines leeren Hauses und der Sinnlosikgeit nach aus dem Haus gehen der Kinder konfrontiert zu werden?

Eins solle dir klar werden: Um es mal ganz drastisch auszudrücken, das was deine Mutter mit deiner Tochter tut ist keine Fürsorge sondern emotionaler Missbrauch im Gewand von Fürsorge. Sie missbraucht sie für ihren höchst egozentrischen Trip die einzig kompetente Helferin zu sein und sie schädigt mit ihrem Verhalten deine Schwester, indem sie sie in der emotionalen Abhängigkeit gefangen hält und null Kompetenz in der Therapie von psychisch kranken Menschen hat nachhaltig.


zuletzt bearbeitet 08.02.2014 13:54 | nach oben springen

#11

RE: Schwesternbeziehung und Psychose (langer Text)

in Treffpunkt für Angehörige 08.02.2014 14:05
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Zitat von zheng1sao im Beitrag #4
HEinerseits ist Raushalten keine Lösung, da meine Mutter nicht ewig da sein wird und ich es leid bin, meine Schwester nur als Belastung zu sehen oder sie auf die Krankheit zu reduzieren. Ich weiß nur nicht, wie.




Doch, du kannst dich da nur rausziehen. Raushalten ist die Lösung für dich. Die Probleme anderer Menschen (hier deiner Mutter und Schwester) kannst du nicht lösen.

Du hast auf das was da abläuft keinerlei Einfluss, ausser du kriegst deine Mutter dazu ihr Verhalten im Bezug auf deine Schwester zu ändern. Es wird wenn sie auf ihrer Schiene beharrt da vermutlich irgendwann mal einen grossen Knall (wie auch immer der dann aussehen mag) geben. Das kannst du nicht ändern. Du kannst nur dafür sorgen daß es dich nicht mit runterreisst. Und wenn der Knall passiert kannst du immer noch sehen ob und wie du dich da konstruktiv einbringen kannst.

Im Moment kannst du wenn Appelle an deine Mutter ihr Verhalten und ihre Sichtweisen zu ändern nicht helfen absolut NICHTS tun. Und es ist auch nicht deine Aufgabe. Da sind zwei erwachsene Menschen die sich entschlossen haben sich in einer kranken symbiotischen Beziehung zu verstricken und du wirst keinen von beiden retten können.

Mir scheint da du diese Sache schon seit Kindheit mittragen musstest (und ja ganz offensichtlich massiv darunter gelitten hast) hast du den kranken Helfertrip deiner Mutter andere Menschen retten zu müssen leider auch schon verinnerlicht.


zuletzt bearbeitet 08.02.2014 14:08 | nach oben springen

#12

RE: Schwesternbeziehung und Psychose (langer Text)

in Treffpunkt für Angehörige 08.02.2014 15:37
von Hotte | 1.616 Beiträge | 4550 Punkte
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Hallo zhengyisao,
ich möchte Dir einmal sagen, dass es auch ohne eine psychische Krankheit vollkommen okay ist, wenn man mit seinen Geschwistern nicht ein Herz und eine Seele ist.


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