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#1

Film: "Der Solist"

in Schizophrenie in den Medien 26.11.2017 18:24
von Hirnsehprogramm | 1.213 Beiträge | 2414 Punkte
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Ich habe gestern zusammen mit meiner Freundin eine schönen Film angesehen, sie dachte eine kleine Rezension passt gut in dieses Forum. In diesem Film spielt die Schizophrenie an sich eine thematische Hauptrolle. Zudem geht es um Obdachlosigkeit, Freundschaft, und die Liebe zur Musik - zu Beethoven...

Die Handlung kurz umrissen: Die Handlung entspringt einer wahren Geschichte, die der reale Gegenpart zur Hauptperson (Steve) selbst verfasst hat: Der Film dreht sich um einen Journalisten, Steve Lopez, der eines Tages auf einem öffentlichem Platz einem Mann begegnet, offensichtlich ein Obdachloser und verwirrt - Nathaniel Ayers. Nathaniel spielt auf einer Violine mit nur zwei Saiten immer wieder das gleiche Motiv. Der Redeschwall von Nathaniel weckt zusätzlich Steve's Interesse, und Steve setzt den "Violin Guy" auf seine Liste mit möglichen Themen, über die er schreiben könnte. Nach etlichen Wirren schafft Steve es einen kleinen Artikel über Nathaniel in die Zeitung zu bringen - die Resonanz ist gross, und eine Cellistin im Ruhestand ist von der Geschichte und Nathaniel's Wunsch, wieder richtig spielen zu können, gerührt, und stiftet ihr Instrument für Nathaniel, damit er wieder auf seinem angestammten Instrument spielen kann. Im folgenden entwickelt sich eine - wenn auch ungleiche, aber sehr berührende - Freundschaft zwischen Steve und Nathaniel, in der Steve einiges über sich selbst lernen kann, aber auch an seine Grenzen stösst, insbesondere durch Nathaniel's Erkrankung und seinem immer wieder durch sie beeinflussten Verhalten. Weitere Förderer wollen, immer mit Steve als Bezugsperson, Nathaniel eine Chance geben sein offensichtlich grosses Talent wieder ausleben zu können. So wird Nathaniel eine Wohnung vermittelt, er erhält Unterricht, und schliesslich eine Möglichkeit vor Publikum als Solist zu spielen. Diese Möglichkeit scheitert jedoch an Nathaniel's immer präsenter und immer wieder unberechenbar auftretenden Psychose. Der Schluss jedoch ist eher versönlich, Nathaniel's Scheitern wird akzeptiert und er kann in der Wohnung beliben, wir sehen ihn am Ende glücklich mit Steve in einem Konzert in den Zuschauerreihen. In immer wieder eingestreuten Rückblenden sehen wir die Geschichte des jungen Nathaniel, wie er seine Liebe zur Musik entdeckt, das Instrument spielen lernt, an einer Musikhochschule eine Studium beginnt, und schliesslich erkrankt und dadurch ungebremst aus seinem Leben fallen muss.


Ich finde es ist ein sehr schöner, sehr gelungener Film. Er wählt eine durchaus klassische Form, wie man sie aus vergleichbaren Filmen aus dem anglischen Sprachraum gewohnt ist. Dennoch setzt er sich nach meinem Dafürhalten durch die sehr natürliche Darstellung der Erkrankung und der Probleme um sie herum ein wenig ab. Ich halte insbesondere für gelungen, dass die Psychose gleichzeitig ohne Über- oder Untertreibungen aus Sicht des Betroffenen selbst wie auch des Umfeldes ausgewogen und realistisch dargestellt wird. Der Film ist zudem ein wirklich schönes und flammendes Plädoyer, über Betroffene und Obdachlose als Menschen nachzudenken. Einzig hat mich gestört, dass an der Tatsache und den Umständen der Obdachlosigkeit nicht wirklich gerüttelt oder hinterfragt wurde. Sie wurde in meinen Augen ein klein wenig zu sehr als unveränderliche Tatsache dargestellt, und nicht wirklich darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit der Hilfe, die Nathaniel dank seines Talentes von seinem Freund und weiteren Förderern erhält, eben vielen nicht offensteht, obwohl sie dem gleichen, aus meiner Sicht vermeidbaren Leid ausgesetzt sind wie er.

Meiner Freundin hat insbesondere gefallen, wie Steve's Sorge um Nathaniel dargestellt wurde. Sie wirkte so echt und aufrichtig, menschlich und nicht aufgesetzt. "Es ging nicht darum, dass Nathaniel mit Medikamenten vollgepumpt werden sollte, es ging nicht darum, dass Nathaniel in die Psychiatrie gehört. Der Antrieb war schlicht und ergreifend, ihm ein besseres Leben ermöglichen zu wollen. Last but not least: Nathaniel liebte Beethoven, dafür lieben wir Nathaniel!"


Eine Frage, die der Film bei ihr aufgeworfen hat, und die auch euch gestellt sein soll, ist: reicht es, dass Nathaniel in dem, was er am Ende des Filmes hat, durch und durch zufrieden sein kann - oder sollte er sein Potential ausschöpfen, indem er Konzerte gibt, um sich mehr entfalten zu können? Im Film wird diese Frage auch schon angedeutet, und ich finde, dass es, was das Konzert angeht, schon etwas über den Willen von N. hinweg gemacht wurde. Also sollte ein Betroffener quasi zu seinem Glück gezwungen werden, oder gebietet es der Respekt vor ihm, eben dies nicht bzw. nur bis zu einer gewissen Grenze zu tun?


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#2

RE: Film: "Der Solist"

in Schizophrenie in den Medien 27.11.2017 08:02
von Hotspot | 283 Beiträge | 2087 Punkte
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Tolle Rezension! Macht Lust den Film zu sehen.
Wart ihr in einem Programmkino oder gibt es den Film auf DVD?


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#3

RE: Film: "Der Solist"

in Schizophrenie in den Medien 27.11.2017 13:49
von Hirnsehprogramm | 1.213 Beiträge | 2414 Punkte
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DVD vom Sofa aus ;-) hatte meine Freundin aus einer Bibliothek ausgeliehen.


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zuletzt bearbeitet 27.11.2017 13:49 | nach oben springen


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