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#1

Soll ich versuchen sie zu besuchen oder ihr schreiben?

in Treffpunkt für Angehörige 08.11.2017 18:43
von Ronja | 16 Beiträge | 93 Punkte
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Hallo ihr Lieben.

Ich brauche ein paar weitere Meinungen zu unserer akuten Lage. Soll ich versuchen, meine Schwester zu kontaktieren, obwohl sie will (laut Mitteilung des Betreuers), dass ihr Aufenthaltsort (welche Psychiatrie) allen Angehhörigen verschwiegen wird? Näheres im Folgenden...

Meine Schwester wurde vor einer Woche in eine Psychiatrie zwangseingewiesen. Vor 5 Jahren hatte sie eine psychotische Entgleisung mit freiwilligem Klinikaufenthalt, im März schon einemal Zwangseinweisung mit Klinikaufenthalt. Sie hat einen gesetzlichen Betreuer für Wohnen, Gesundheit und Finanzen, der da initiativ wurde, nachdem sie ihre Medikamente nicht mehr nahm und Termine nicht wahrnahm, anscheinend auch die Krankenvesicherung verlor, die Nachbarn sich über Drohungen beschwerten.

Jedenfalls wurde sie seit dem Frühjahr gegenüber meinen Eltern, seit wenigen Wochen auch mir gegenüber immer misstrauischer und aggressiver. Sie sieht uns als Einheit, drohte vor einigen Wochen meiner Mutter Schläge an und stahl mir mei ihrem letzten Überraschungsbesuch Geld und als ich etwas Angst vor ihr bekam und nach 2 Stunden sagte, ich müsse nun leider weiterarbeiten und würde mich gern noch einmal richtig verabreden, wollte sie nicht gehen, wurde aggressiv und sagte sie sei uns allen egal und wir würden sehen, was wir davon hätten, ich sei ihr scheißegal. Ich hab mich bestimmt nicht immer perfekt verhalten, aber war im Notfall immer da und hab versucht, mich mit ihr zu verabreden und Kontakt zu halten.

Das Dilemma:
Wenn sie im Moment keinen Kontakt möchte, will ich das respektieren.
Aber was, wenn sie das im akuten Schub gesagt hat und inzwischen nach Medikamenteneinnahme anders denkt, aber sich nicht traut, den ersten Schritt zu machen? Beim letzten Schub schämte sie sich hinterher für Dinge, die sie gemacht hatte. Sollte ich ihr nicht doch versuchen zu signalisieren, dass ich sie liebe und für sie da sein möchte? Es gibt eine Vermutung, in welcher Klinik sie sein könnte. Vielleicht Sachen vorbeibringen, einen Brief schreiben, vorsichtig nachfragen, ob sie mich vielleicht doch sehen wollen würde und wenn nicht, natürlich gehen? Ihr anonym etwas zukommen lassen, was ihr gut tun könnte? Sie hat außer der engsten Familie (Eltern und mir) keinerlei soziale Kontakte. Der Betreuer kennt sie noch nicht besonders gut. Und was, wenn ihr erneut solche Neuroleptika verschrieben werden, die bei ihr bislang schlechte Nebenwirkungen hervorriefen?

Oder wäre ein solcher Versuch schon übergriffig? Müsste man warten, bis sie sich meldet?

Danke für eure Meinungen. Ich wüsste gerne, wie es ihr geht...und möchte so früh wie möglich versuchen, wieder Vertrauen aufzubauen.

Alles Liebe Ronja


zuletzt bearbeitet 08.11.2017 18:45 | nach oben springen

#2

RE: Soll ich versuchen sie zu besuchen oder ihr schreiben?

in Treffpunkt für Angehörige 08.11.2017 19:00
von Woody | 141 Beiträge | 655 Punkte
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@Ronja - wenn Du die Möglichkeit hast, ihr (z.B. über den Betreuer) eine Nachricht zukommen zu lassen, würde ich ihr Deine obigen Überlegungen mitteilen und signalisieren, dass Du offen bist für den Kontakt, aber unsicher, ob sie das wünscht. Es kann ja sein, dass sie entweder noch in der Abwehr ist - oder sich schämt für das, was sie gemacht hat.
Später wird sie Dir sicher auch dankbar sein können, dass Du sie nicht fallenlässt.
Alles Gute euch!
Woody


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#3

RE: Soll ich versuchen sie zu besuchen oder ihr schreiben?

in Treffpunkt für Angehörige 08.11.2017 19:05
von Henri | 232 Beiträge | 794 Punkte
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Hallo Ronja,

ich würde sie kontaktieren. Bestimmt kann sie signalisieren, wenn sie den Kontakt nicht möchte. Das war bei mir jedenfalls so. Meine Mutter hat mich fast jeden Tag besucht, und ich habe mich darüber gefreut. Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander. Mein Vater hat mich auch einmal besucht, aber das war nicht so toll. Hab es über mich ergehen lassen und ihn nach einer Stunde verabschiedet. Leider hat er es nicht mitbekommen, dass mir der Besuch unangenehm war. Das ist natürlich schlecht. Aber ich schätze, Du wirst bemerken, wenn Deine Schwester den Kontakt nicht wünscht. Also auf einen Versuch würde ich es ankommen lassen.

Grüße
Henri


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#4

RE: Soll ich versuchen sie zu besuchen oder ihr schreiben?

in Treffpunkt für Angehörige 08.11.2017 20:25
von Neuanfang | 10 Beiträge | 77 Punkte
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Hallo Ronja.

Ich kenne es von mir wenn ich akut psychotisch bin ich erstmal Abstand von vielen Dingen brauche.
Aufjedenfall ich denke deine Schwester muss erst gerade gebogen werden in der Psychiatrie.
Sicherlich braucht sie derzeit erstmal Abstand. Lass ihr den frei Raum denn sie braucht.
Gehe mit dem Kontakt zu ihr langsam an. Schritt für Schritt.
So eine Psychose ist wircklich sehr belastend. Angehörige und Freunde wissen oft nicht was sie tun sollen.
Dennoch brauchen viele Leute die Psychosen hatten sehr viel Feingefühl im Umgang.
Sie kann dich jetzt hassen. Im nächsten Moment wird sie den Kontakt wollen.
Lass ihr erstmal den Abstand. Ich denke sie muss erstmal für sich sein in vielen Dingen.
Und kontaktiere sie langsam und behutsam.

Alles gute Dir und deiner Schwester.


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#5

RE: Soll ich versuchen sie zu besuchen oder ihr schreiben?

in Treffpunkt für Angehörige 14.11.2017 13:07
von Ronja | 16 Beiträge | 93 Punkte
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Liebe alle,

vielen herzlichen Dank für eure Antworten.
Da ihr mir eine Unterstützung in der Entscheidung wart, möchte ich euch gern erzählen, wie es ausgegangen ist.

Nach eineinhalb Wochen bin ich, nach langem Hin und Her, zu einer der Kliniken gefahren, in der sie sein könnte, um an der Pforte Kleidung und Hygieneartikel für sie abzugeben. Zu der Pflegerin sagte ich, ich wisse nicht ob meine Schwester hier sei, aber falls ja und falls sie etwas braucht, wäre es schön, wenn sie ihr das zukommen lassen würde. Die Pflegerin sagte von sich aus, sie sei dort und sie werde doch einmal nachfragen und dann kam das große Wiedersehen nach langer Zeit, ich war unglaublich glücklich. Sie hat sich über die Sachen sehr gefreut und sagte, sie hätte sich nicht gemeldet, weil sie dachte, sie hätte so viel Scheiße gebaut. Naja, ich hab ihr natürlich gesagt, dass sie mich so schnell nicht los wird und ich sie liebe und ich ja auch oft genug was anstelle.

Geschockt war ich allerdings, als sie mir erzählte, dass sie sich seit Einweisung (1,5 Wochen) nicht umziehen konnte, da sie nur hatte, was sie im Leib trug und also auch nicht ihre einzige Kleidung waschen konnte, sondern nur duschen. Der Betreuer wusste als enziger, wo sie ist, und hat ihr nichts gebracht oder uns nicht gesagt, wir sollten etwas bereitstellen. Die Tasche stand die ganze Zeit gepackt bei meiner Mutter.

Das ist doch menschenunwürdig, einen Menschen in so einer schwierigen Situation auch noch mit nichts als muffiger Schlafanzughose und Schlabberpulli in die geschlossene zu stecken, und nicht einmal Unterwäsche oder irgendwas zum Wechseln bereitzustellen? Mit ihren Körpermaßen kann sie ich auch von kaum jemandem etwas leihen.

Angesichts dessen war es dann doch gut, es direkt zu versuchen. Ich hoffe, dass das ein guter Start war. Danke für all eure Tipps, das hat mir sehr geholfen.


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zuletzt bearbeitet 14.11.2017 13:10 | nach oben springen

#6

RE: Soll ich versuchen sie zu besuchen oder ihr schreiben?

in Treffpunkt für Angehörige 14.11.2017 13:58
von Michibz | 14 Beiträge | 60 Punkte
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Ich bin in einer ähnlichen Situation mit meiner Frau. Meine Frau hat ein Kontaktverbot ausgesprochen. Aber außer mir ist niemand, der ihr irgend etwas bringen könnte, auch kein Taschengeld. Ihr Handy ist ihr gestohlen worden...

Das ist eine äußerst üble Situation, aber die Pfleger schirmen sie ab und ich darf noch nicht einmal mit der Ärztin sprechen, weil sie ihr keine Erlaubnis gegeben hat. Echt übel.



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#7

RE: Soll ich versuchen sie zu besuchen oder ihr schreiben?

in Treffpunkt für Angehörige 14.11.2017 14:08
von Ronja | 16 Beiträge | 93 Punkte
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Lieber Michibiz, ich wünsche dir ganz viel Kraft! Das muss sehr frustrierend sein und es ist so schwer, jemanden beschützen zu wollen und es nicht zu können! Mein Eindruck ist, dass Kliniken, Ärzte, Pfleger ganz unterschiedlich "durchlässig" sind und man manchmal Glück hat und einbezogen wird und manchmal gar nicht.
Kann man dort vielleicht irgendetwas anonym abgeben?


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#8

RE: Soll ich versuchen sie zu besuchen oder ihr schreiben?

in Treffpunkt für Angehörige 29.11.2017 23:28
von Ronja | 16 Beiträge | 93 Punkte
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Liebes Forum,

und wieder habe ich einige Fragen und hoffe auf Anregungen. Es geht um Krankheitseinsicht und Vertrauen.

Inzwischen habe ich wieder Kontakt zu meiner Schwester und besuche sie regelmäßig sonntags. Sie ist nun seit Anfang November in der geschlossenen Psychiatrie und soll wohl noch bis mindestens Ende Dezember dort bleiben. Sie freut sich sehr über Besuch, und redet relativ offen mit mir, ich glaube wir bauen Vertrauen auf.

Ärzte und Pfleger geben wegen bislang wegen fehlender Schweigepflichtentbindung keine Auskunft. Meine Schwester erzählt, dass es immer noch keine Diagnose gebe: erst wurde eine wahnhafte Störung ausgeschlossen und Depression diagnostiziert, dann doch eine wahnhafte Störung, dann sei das doch wieder nicht sicher gewesen. Sie hat größte Ängste vor der Diagnose wahnhafte Störung oder Schizophrenie. Als die Ärzte dies erwähnten, sei sie fast ausgerastet und hätte ihnen nicht mehr vertraut. Sie glaubt, dass sie bereits vor 5 Jahren mit der wahnhaften Störung fehldiagnostiziert worden sei. (Was vielleicht stimmt?)

Gleichzeitig laufen die vorbereitungen für die Zeit nach der Psychiatrie: Betreutes Wohnen wurde nun ausgeschlossen, weil sie das nicht wollte und wohl momentan relativ einsichtig und verlässlich nach außen wirkt. Immerhin soll das Betreuungsnetz nun verstärkt werden.

Der Knackpunkt ist: Heute erzählte sie mir, dass sie über längere Zeit und kurz vor der Einweisung immer so viel Lärm in der Wohnung gehört hätte und die Nachbarn alles kommentiert hätten, was sie machte. Das hätte sie den Ärztinnen und dem Gesundheitsamt nicht erzählt, weil sie es erstmal "sacken lassen" wollte, es ihr gruselig sei und sie Angst hätte, wieder mit Schizophrenie fehldiagnostiziert zu werden. Denen hat sie nur gesagt, sie hätte einfach generell Angst und so diagnostizierte der Amtsarzt eine Angststörung.

Sie überlegt, mir eine Schweigepflichtentbingung zu geben. Ich hoffe es.

Und nun meine Fragen:

1) Ist angesichts dieser Infos eine wahnhafte Störung wahrscheinlich und schwanken die Ärzte wirklich so oder probieren ihr ab und zu die Diagnose nahezubringen und zu sehen, ob sie es annehmen kann? Ist das gängige Praxis?

2) Sie hat mir diese Dinge mit den Stimmen der Nachbarn, die alles kommentieren, erzählt, nachdem ich ihr sagte, dass ich ihr ihre Wahrnehmungen glaube (das tue ich auch, für sie sind es ja reale Wahrnehmungen). Zwar möchte ich ihr Vertrauen nicht missbrauchen, aber ist nicht die Therapie und Pflegeform zum Scheitern verurteilt, wenn sie entscheidende Wahrnehmungen gar nicht erwähnt, wenn sie sie für diagnoserelevant bei Schizophrenie hält? Sie sagte auch, aus dem Grund hätte sie die Medikamente abgesetzt und ihrem Arzt nicht mehr vertraut, weil sie von einer Fehldiagnose ausging. Und dass es diese Probleme mit den Nachbarn eben gab und sie wegen der falschen Diagnose nichts machen konnte.

Intuitiv würde ich jetzt so vorgehen:

Ich weiß ja nicht, wie die Lage ist und habe nur bruchstückhafte Infos von meiner Sis. Ihr also weiterhin Vertrauen geben, erneut vorsichtig die Schweigepflichtentbindung vorschlagen, und wenn ich diese bekomme, das Gespräch mit den ÄrztInnen suchen (meine Mutter wurden von denen wohl schon etwas abgewimmelt, aber versuchen kann mans ja). Selbst wenn ich das Dokument nicht habe, würde ich denen wohl erzählen, was ich an Infos habe, damit ihr geholfen werden kann. Das heißt, damit sie behutsamer vorgehen und sie da abholen können, wo sie ist. Selbst wenn die Ärzte mir nichts sagen dürfen, darf ich denen ja etwas sagen - oder? (Natürlich will ich das Vertrauen meiner Sis nicht missbrauchen, aber es ist doch wichtig, dass die Ärzte das wissen?). Oder besser versuchen, sie sanft dazu zu bewegen, das gleiche (mit mir) den ÄrztInnen zu sagen?

Außerdem scheint mir ihre große Angst vor der Diagnose teilweise von der Stigmatisierung durch die Gesellschaft herzurühren: Sie habe Angst vor dem Stempel, dass Leute sie dann für aggressiver halten und dass das ja wörtlich "gespalten" hieße. Ich versuche ihr das ein bisschen zu nehmen á la selbst wenn sie diese Diagnose hätte, würde ich sie weiter annehmen - und dass sie dann ja auch nicht gespalten wäre (wie eine gespaltene Persönlichkeit), selbst wenn es natürlich eine leidvolle Krankheit sei.

Mein Vater sagte eben, wenn sie keine Krankheitseinsicht habe, würde ich mich da jetzt vielleicht sinnlos an ihr "abarbeiten". Ich kann das so nicht teilen.

Was meint ihr zu dieser Situation? Irgendwelche weiteren Vorschläge oder Anmerkungen zum Umgang mit ihr und dem Gesundheitssystem?

Danke für die Geduld mit dem langen Text. <3

Ronja


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zuletzt bearbeitet 29.11.2017 23:40 | nach oben springen

#9

RE: Soll ich versuchen sie zu besuchen oder ihr schreiben?

in Treffpunkt für Angehörige 30.11.2017 06:40
von Hotspot | 286 Beiträge | 2119 Punkte
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Hm, ich würde ihr vielleicht versuchen näher zu bringen, dass es so schlimm nicht ist schizophren sein. Ich lebe recht gut damit. Und meine Probleme hängen nicht an der Diagnose. Es wäre schade, wenn sie die falschen Medikamente bekommt- bin mir da aber nicht sicher, ob überhaupt anders medikamentiert wird.
Warum hat sie so Angst vor der Diagnose? Die Diagnose müssen nur ihre Ärzte und das Pflegepersonal wissen- ich meine damit, dass sie das für sich behalten kann. Eine Schizophrenie muss nicht chronisch sein, es kann auch bei nur einer oder wenigen Psychosen bleiben. Vielleicht kannst du ihr durch Informationen über die Krankheit die Angst davor nehmen.


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#10

RE: Soll ich versuchen sie zu besuchen oder ihr schreiben?

in Treffpunkt für Angehörige 30.11.2017 09:21
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Möchte den Beitrag von @Hotspot ,dem ich mich anschließe, noch ergänzen.

Wäre schon therapeutisch wichtig,wenn die behandelnden Ärzte die Wahrnehmungen deiner Schwester von dir erfahren würden.
Sehe es nicht als petzen,salopp gesagt.

Sehr schön ist die wiedergefundene Verbundenheit zwischen deiner Schwester und dir.

Lieber Gruß
Maja


Egal,wie oft ich am Boden liege,ich muss immer einmal mehr aufstehen.
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#11

RE: Soll ich versuchen sie zu besuchen oder ihr schreiben?

in Treffpunkt für Angehörige 30.11.2017 12:18
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Liebe @Ronja
es ist immer schwierig, diese Diagnose anzunehmen. Nicht in erster Linie den anderen Menschen gegenüber. Sondern eher, weil diese Erkrankung hinterlistig ist und man selbst nichts davon merkt. Bei mir war das so, dass ich auch erst nach Jahren die Erkrankung für mich annehmen konnte. Schließlich mißtraut man den Ärzten, weil man der Meinung ist, dass diese einem was unterjubeln wollen. Daher ist auch meistens keine Krankheitseinsicht vorhanden.
Eigentlich bleibt für alle Beteiligten nur die Möglichkeit den Erkrankten immer wieder vorsichtig darauf hinzuweisen, dass das eine Erkrankung ist. Oft hilft dabei auch Psychoedukation.
Ich bin mir aber auch sicher, dass du die relevanten Zusammenhänge schon sehr gut erfasst.

Zu 1. Die Ärzte probieren eher nicht, weil sie schwanken, sondern weil es so schwierig ist, das der Erkrankte das für sich annehmen kann.
Zu 2. Therapie ist nicht automatisch zum Scheitern verurteilt. Denn jedes Heranfüren an die Erkrankung ist wieder ein Baustein der helfen kann

Herzlichen Gruß vom Wolf


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zuletzt bearbeitet 30.11.2017 12:20 | nach oben springen

#12

RE: Soll ich versuchen sie zu besuchen oder ihr schreiben?

in Treffpunkt für Angehörige 30.11.2017 14:29
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Danke, ihr macht mir Mut!


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#13

RE: Soll ich versuchen sie zu besuchen oder ihr schreiben?

in Treffpunkt für Angehörige 01.12.2017 17:40
von Sirod | 190 Beiträge | 1535 Punkte
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Hallo Ronja!

Wie alt ist deine Schwester denn? Ich habe selbst zwar keine Schizophrenie, bin als Angehörige aber selbst psychisch krank und hatte in jüngeren Jahren ganz große Schwierigkeiten und Ängste, eine psychische Krankheit haben zu können. Bei mir spielte ganz viel Scham da rein. Irgendwie dachte ich, man könne bemerken, daß mit mir was nicht stimmt und mich deshalb meiden, verurteilen und ausgrenzen. Ich fände es wichtig herauszufinden, welche Ängste genau deine Schwester mit der Diagnose hat. So daß sie langsam lernen kann das anzunehmen und Krankheitseinsicht zu gewinnen. Das kann ein lang dauernder Prozeß sein.

Ich könnte mir vorstellen, daß die Ärzte da ganz vorsichtig bei ihr sind, wenn sie gemerkt haben, daß sie mit dieser Diagnose nicht gut umgehen kann.

Mein Mann hat übrigens auch gehört, daß die Nachbarn sein Verhalten kommentieren. Einmal sogar in meiner Gegenwart, so daß ich genau wußte, daß da nichts war. Da das nur im Garten passiert ist, haben die Ärzte in Frage gestellt, ob er tatsächlich Stimmen gehört hat, draußen kann man die Nachbarn ja tatsächlich hören. Wir haben auch wirklich Ärger mit einem Nachbarn, der uns nicht leiden kann. Sein Wahnkonstrukt basierte also auf wahren Tatsachen, ging aber weit darüber hinaus. Er wurde trotz der angeblich fehlenden Hallus mit einem Neuroleptikum behandelt.

Wenn es dich beruhigt, kannst du auch das Gespräch mit einem Arzt suchen oder einen Brief schreiben, um deine Beobachtungen mitzuteilen. Du kannst ja dazu schreiben, daß du das Vertrauensverhältnis zu deiner Schwester nicht gefährden willst und sie deshalb ihr gegenüber diskret mit diesen Informationen umgehen sollen.

Alles gute für deine Schwester und dich!
Sirod


Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das “gesunden Egoismus”, aber heute weiß ich, das ist “Selbstliebe”.

*Charlie Chaplin*
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#14

RE: Soll ich versuchen sie zu besuchen oder ihr schreiben?

in Treffpunkt für Angehörige 02.12.2017 13:58
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Liebe @Sirod , sie ist erst 28. Und ja, ich glaube auch, dass sie Hallus hatte, die auf wahren Tatsachen (Mobbinggeschichten) beruhten und sich nun generalisieren. Vielleicht haben die Nachbarn sie auch wirklich ablehnend behandelt. Allerdings beschrieb sie es so, dass sie kommentiert hätten, was sie genau in ihrer Wohnung mache - was sie ja nicht sehen konnten, sodass ich davon ausgehe, dass es nicht so stattgefunden hat. Aber es ist sehr schwer, zu trennen, was real ist und was nicht! Auch für sie. Bei ihrer ersten Einweisung hat sie psychologische Hilfe gesucht, weil alle ihre Kollegen ständig über sie zu reden schienen. Jemand von ihrer Arbeit wurde hinzugezogen und verneinte das, was sich wohl auf die Diagnose auswirkte.

Ich werde, versuchen, das Thema weiterhin vorsichtig anzusprechen. Es tut mir so leid für sie. Wie schlimm muss es sein, so unsicher zu sein, was Realität ist und was nicht, und sich von allen Seiten bedrängt zu sehen. Ich werde versuchen, ihr die Scham über die möglichen Diagnosen weiter zu nehmen. Da wollte ich auch noch dich, lieber @Wolf_minus fragen, welche Dinge dir damals gut geholfen haben und wie die Psychologin in der Tagesklinik sich verhalten hat. Und wie du angesichts der echten Mobbing-Erfahrung (das habe ich in einem anderen Thread von dir gelesen) geschafft hast, zu realisieren, dass bestimmte Wahrnehmungen doch nicht stattfanden?

Was mich manchmal etwas wütend macht, ist die Vorgehensweise in der Klinik. Es gibt ja keine Gesprächstherapie o.ä. für sie, sondern alles soll mit Medikamenten eingestellt werden. Wenn ich dort bin und sie sich mit einer Frage oder einem Bericht an die Pfleger wendet, nicken diese immer kurz und laufen dann einfach vorbei und wimmeln sie ab. Anscheinend gibt es keine Bemühungen, sie behutsam an die Diagnose heranzuführen, sondern nur die Visiten, wo dann testweise mal eine Depression, mal wahnhafte Störung verkündet wird. Als ob sie völlig unzurechnungsfähig wäre, nur weil ein Teil der Rationalität oder Wahrnehmung vorübergehend verzerrt war. Das werde ich mir noch weiter anschauen, und vielleicht ist es auch nur ein falscher erster Eindruck. Es gibt mir aber das Gefühl, mich nicht zurückziehen zu können, obwohl ich gerade selbst meine Abschlussarbeit im Studium schreibe. Wenn sie nun wieder nur medikamentös behandelt wird und es nicht innerlich annehmen kann, dann könnte sie bald wieder dort landen...Es gibt doch bei vielen chronischen Krankheiten eine extra Therapie, um mit der Diagnose umgehen zu lernen - so war das bei meiner Mutter auch. Warum nicht bei dieser heftigen Erkrankung?

Danke jedenfalls für eure Anregungen und Unterstützung! Ich fühle mich so viel besser und ruhiger, seit ich in diesem Forum angemeldet bin und andere Betroffene nach ihrer Meinung fragen kann und nicht immer alles völlig einsam entscheiden muss. Selbst meine besten Freunde können das einfach nicht nachvollziehen (und das ist auch verständlich).

Eine herzliche virtuelle Umarmung an euch!!


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zuletzt bearbeitet 02.12.2017 14:10 | nach oben springen

#15

RE: Soll ich versuchen sie zu besuchen oder ihr schreiben?

in Treffpunkt für Angehörige 02.12.2017 14:57
von Wolf_minus | 672 Beiträge | 2504 Punkte
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Ich antworte dir heute abend, liebe @Ronja


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