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#1

Paranoide Schizophrenie und häusliche Gewalt

in Treffpunkt für Angehörige 01.07.2017 16:36
von laguna (gelöscht)
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Hallo,
ich bin neu hier im Forum und möchte meine Erfahrungen gerne teilen.
Ich bin 2004 mit meinem Ex-Partner zusammen gekommen. Damals war er 17 und ich 16. Er war damals schon anders als andere. Hatte andere Ansichten bzgl Staat und Überwachung. Zum Leben und der Existenz von Geld allgemein.
Nach ca 1,5 Jahren hat er angefangen mich zu schlagen und zu würgen wenn er im Streit wütend war.
Unseren gemeinsamen Sohn, der 2005 geboren wurde, hat er ab seinem 3
Lebensjahr auch geschlagen. Ich hatte immer Angst ihn zu verlassen...
Er wollte auch nicht das ich Kontakt zu meiner Familie oder meinen damaligen Freunden habe.
Es wurde immer schwieriger mit ihm zu kommunizieren. Er hat mir verboten die Pille zu nehmen und wenn ich keinen Sex wollte, hat er mir gedroht und es nicht respektiert.
Dir Gewalt zu hause wurde mit den Jahren immer schlimmer und gefährlicher.
2012 & 2014 kamen unsere Tochter und unser jüngster Sohn zur Welt. Auch die beiden haben die Gewalt bereits in der Schwangerschaft mitbekommen
Sie wurden selbst aber nie geschlagen.
Mein großer Sohn hat Gewalt in sehr großem Ausmaß (würgen, treten, beißen, boxen, ...) kennengelernt.....

2015 ist es so eskaliert das meine Ex-Schwiegermutter (waren nicht verheiratet) die Polizei alarmierte und er der Wohnung verwiesen wurde. Ich musste ins Krankenhaus und am nächsten Tag sind wir (zum Glück) mit Druck des Jugendamts ins Frauenhaus geflüchtet.

Ich habe ihn seitdem nur einmal vor Gericht gesehen. Ich weiß aber, dass in der Psychiatrie eine paranoide Schizophrenie bei ihm diagnostiziert wurde. Seitdem ist er regelmäßig, auch längere Zeiträume in der Psychiatrie und möchte sich nicht helfen lassen. Er denkt die ganze Welt will ihm was böses und keiner kann ihn verstehen.

Ich habe vor kurzem gelesen, dass Schizophrenie auch vererbt werden kann, wenn auch noch andere Umstände gegeben sind (z.b. schwaches soziales Umfeld, seelische Belastung usw).

Jetzt habe ich natürlich Angst um meine Kinder..... Vielleicht hat jemand Erfahrungen damit? Nun für Fragen immer offen.

Liebe Grüße,
Laguna


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#2

RE: Paranoide Schizophrenie und häusliche Gewalt

in Treffpunkt für Angehörige 01.07.2017 16:52
von Molly | 3.181 Beiträge | 15617 Punkte
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Liebe @laguna !

Erst mal möchte ich dir sagen, dass die Gewalt, die du mit deinem Mann erlebt hast nicht der Normalfall im Zusammenhang mit dieser Krankheit ist. Er ist wohl anscheinend außerordentlich aggressiv drauf! Ihr wart auch sehr jung, als ihr zusammengekommen seid. Da ist es einigermaßen verständlich, dass Du nicht in der Lage warst, dich und deine Kinder zu schützen.

Was die Erblichkeit angeht, besteht da schon ein gewisses Risiko. Das Risiko mit einem erkrankten Elternteil beträgt etwa 10%. Wie Du aber schon schriebst, müssen auch noch psychosoziale Faktoren dazu kommen, dass es zu einem Ausbruch der Krankheit kommt. Ich selbst habe zwei Kinder im Alter von 22 und 25 Jahren und bisher sind sie glücklicherweise nicht auffällig.

Deine Kinder haben schon sehr viel erleben müssen und wahrscheinlich schon dadurch einen seelischen Knacks erlitten. Ich würde dir raten umgehend eine Beratungsstelle aufzusuchen, wenn eines der Kinder Probleme bekommt. Es muss bei ihnen bei Weitem nicht auf das hinauslaufen, was du mit deinem Mann erlebst, aber es muss ja nicht so enden, dass sie überhaupt leiden müssen. Die seelische Qual mit dieser Krankheit ist oft sehr groß und man kann schon im Voraus mit Psychotherapie und im absoluten Notfall auch mit Medikamenten eine Menge tun.

Hier ein Link zu den Ursachen der Schizophrenie: http://www.onmeda.de/krankheiten/schizop...hen-1542-3.html

LG,
Molly


LG,
Molly

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zuletzt bearbeitet 01.07.2017 16:56 | nach oben springen

#3

RE: Paranoide Schizophrenie und häusliche Gewalt

in Treffpunkt für Angehörige 01.07.2017 17:06
von laguna (gelöscht)
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Hallo @Molly,
Lieben Dank für deine Antwort.
Ja er war sehr aggressiv.. Meine Kinder haben schon einen Knacks und insbesondere der Große ähnelt seinem Vater sehr. Auch ein Einzelgänger, unfähig richtige Freundschaften aufzubauen, andere Einstellungen als andere usw.
Bei einer Beratungsstelle bin ch schon eine Weile. Auch mein großer Sohn geht einmal wöchentlich dorthin in eine Gruppe mit anderen Kindern, die sozialen Umgang lernen. Auch sind er und sein Vater beide hochbegabt.

Die Dame der Beratungsstelle empfindet meine kleinen (nach einer (!!!) Stunde Beobachtung im Kindergarten) unauffällig.

Ich empfinde meine Kinder aber nicht als unauffällig...

Das beste wäre wahrscheinlich direkt psychologische Hilfe für alle 3 Kinder. Ist es möglich, bei kleinen Kindern eine "Veranlagung" oder so festzustellen?

Hatte schonmal jemand Kinder mit dieser Krankheit?

Es ist auf jeden Fall gut zu wissen, dass es außergewöhnlich ist, das er so aggressiv gehandelt hat. Ich weiß auch nicht, wie lange er die Krankheit schon hat... Möchte nur verhindern das meine Kinder mehr leiden, als sie es eh schon haben...


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#4

RE: Paranoide Schizophrenie und häusliche Gewalt

in Treffpunkt für Angehörige 01.07.2017 17:10
von Molly | 3.181 Beiträge | 15617 Punkte
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Ich denke, ein guter Psychologe kann das feststellen. Allerdings entwickelt sich speziell Schizophrenie oft erst in der Pubertät oder in anderen Phasen des Lebens, wo es zu großen Veränderungen kommt, also zB. Schulabschluss, Hochzeit, Geburt eines Kindes oder Tod eines Angehörigen. Drogen können natürlich auch eine Rolle spielen. Vom Cannabisgebrauch wird im Zusammenhang mit einer Veranlagung zur Psychose absolut abgeraten!

Schizophrenie ist in diesem Zusammenhang auch erst mal der falsche Ausdruck. Kommt es erstmalig zu solch einer Phase, spricht man von einer Psychose. Erst wenn es chronisch wird, nennt man es Schizophrenie.

Dass Deine Kinder fachliche Betreuung habe, finde ich sehr gut!


LG,
Molly

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#5

RE: Paranoide Schizophrenie und häusliche Gewalt

in Treffpunkt für Angehörige 01.07.2017 17:21
von laguna (gelöscht)
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Ok, dann heißt es wohl aufmerksam sein. Aber "untersuchen" lasse ich sie trotzdem schonmal. Der große ist auch schon 12 und kommt bald in die Pubertät.
Ich persönlich kann gar nicht nachvollziehen bzw nachfühlen wie man sich als betroffener einer solchen Krankheit fühlt und warum man sich einfach nicht helfen lassen möchte...
Deshalb finde ich es auch schwierig zu erkennen wenn jemand die Krankheit hat. Bei meinem Ex habe ich es 2015 (!) Erst vermutet, weil er durch Schlagwörter aggressiv wurde und einen scheinbar unnormalem Wahn bzgl Überwachung vom Staat usw.
Er wusste es auch schon da (er sagte mir er glaubt schizophren zu werden), nimmt aber trotzdem weder Tabletten noch sonst irgendwelche Hilfe. Ich weiß nicht, wie das in der geschlossenen Abteilung gehandhabt wird wenn ein Patient alles ablehnt...
Mein großer Sohn würde ihn auch irgendwie gerne wiedersehen obwohl er große Angst hat, aber er sagte selbst das es keinen Sinn macht so lange sein Vater krank ist. Und er leidet darunter das es seinem Vater so schlecht geht....


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#6

RE: Paranoide Schizophrenie und häusliche Gewalt

in Treffpunkt für Angehörige 01.07.2017 17:30
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So lange er die Medikation ablehnt, wird er kaum Chancen haben wieder aus der Geschlossenen entlassen zu werden. Wurde er wegen der Kindesmisshandlung verurteilt? Dann müsste er ja eigentlich in der Forensik sein.


LG,
Molly

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#7

RE: Paranoide Schizophrenie und häusliche Gewalt

in Treffpunkt für Angehörige 01.07.2017 17:44
von laguna (gelöscht)
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Nein, er wurde nicht verurteilt. Ich habe dir Gewalt an meinem Kind anfangs, nachdem wir geflüchtet sind, nicht auf den Tisch gelegt...
Als ich dann mit der Beraterin im Frauenhaus gesprochen habe, haben wir nicht mehr über Anzeige o.ä. gesprochen, sondern den Fokus auf meine Kinder und mich gelegt. Ohne es ihm noch schwerer zu machen. Da war er auch schon in der Klinik, soweit ich weiß freiwillig, aber auch ohne Hilfe anzunehmen und auch nicht lange. Einmal soll et eine Zwamgsspritze bekommen haben.
Die Zeiten in denen er nicht in der Klinik war war er bei seinen Eltern und auch da hat er seiner Gewalt freien lauf gelassen... Sogar seine Eltern sind inzwischen umgezogen damit er nicht wiederkommen kann...


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#8

RE: Paranoide Schizophrenie und häusliche Gewalt

in Treffpunkt für Angehörige 01.07.2017 17:47
von Molly | 3.181 Beiträge | 15617 Punkte
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Ich kann dir nur raten, dich und die Kinder von ihm fern zu halten. So jemand ändert sich nicht ohne Weiteres.

LG,
Molly


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#9

RE: Paranoide Schizophrenie und häusliche Gewalt

in Treffpunkt für Angehörige 01.07.2017 17:50
von laguna (gelöscht)
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Ja, das tue ich sowieso, mit Auskunftssperre, Umgangsverbot und Sorgerechtsentzug... Danke :)


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#10

RE: Paranoide Schizophrenie und häusliche Gewalt

in Treffpunkt für Angehörige 01.07.2017 19:57
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Ich will auch noch mal eintreten hier, mit dem was ich zu der Thematik denke. Dir ist bewusst, dass die meisten hier mitschreibenden selbst mit Psychosen oder Schizophrenie diagnostiziert wurden? Ich übrigends auch. Andere Angehörige sind natürlich auch hier vertreten.

Also erstens, hat die häusliche Gewalt meiner Meinung nach sicher nichts direkt ursächlich mit der Erkrankung zu tun. Schizophrene sind nicht grundsätzlich Psychopathen. Es kommen wahrscheinlich nur ungünstige Faktoren zusammen, also seine aggressive Veranlagung, sowie evtl. Leidensdruck und Verwirrung durch die Erkrankung, die Nährboden für solches Verhalten sein können. Das soll aber jetzt keine Entschuldigung für ihn sein, versteht sich!

Es kommt immer wieder vor, dass Betroffene aufgrund einer Psychose gewalttätig werden, jedoch meiner Einschätzung nach eher aufgrund von akuter Verblendung durch Wahnvorstellungen, als dass die Erkrankung grundsätzlich aggressiv machen würde. Beispiel: wer glaubt - und genau das ist Wahn, schlichtweg das unabrückbare Glauben an vorgestellte Dinge, die so für einen gesunden teils sehr abwegig wären - jemand würde ihm nach dem Leben trachten o.ä. wird demjenigen gegenüber das entsprechende Verhalten an den Tag legen, eine extreme Möglichkeit davon wäre Aggression. Viele Betroffene schildern aber als Reaktion eher einen leidvollen Rückzug in eine Isolation. Ich sage mal so, mir ist noch ein Studienergebnis im Hinterkopf, wonach Schizophrene im Vergleich zur Gesamtbevölkerung eher häufiger selbst Opfer von Gewalttaten werden, und trotz der natürlich immer wieder vorkommenden Taten im Wahn (statistisch) seltener selbst welche begehen.

Vielleicht ist dir das auch wichtig zu wissen, weil du dir nun mal um deine Kinder Sorgen machst, auch falls sie selbst erkranken würden. Die Erkrankung kann sehr schlimm für alle Beteiligten sein, aber heisst nicht zwangsläufig, dass man dadurch zum Monster wird. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, bei erblicher Vorbelastung zu erkranken, auch nicht so extrem hoch wie bei den typischen direkt vererbten Krankheiten, es scheint mehr ein vererbtes Risiko als eine vererbte Krankheit zu sein, gewissermassen. Ich habe hier z.B. im Forum Fälle im Hinterkopf, wo gesunde Kinder mit ihren erkrankten Eltern(!) umgehen müssen, selbst aber nicht erkrankt sind. Ich meine auch, es wird oft von einer generellen Häufung bestimmter psychischer Leiden in Familien gesprochen, also geht es bei dem Thema nicht nur um Psychosen, sondern auch Neigungen zu Depressionen, Bipolar und ähnliche Erkrankungsbilder. Vorsorgeuntersuchungen sind mir eher nicht bekannt, die grundsätzliche Ursache von nichtorganischen Psychosen ist der Wissenschaft auch meines Wissens nach noch nicht bekannt. Dennoch ist natürlich sinnvoll, wenn du was die Kinder angehst achtsam bist und ihnen auch genug Rüstzeug (sich der Erkrankung bewusst zu sein hilft womöglich mehr, als zwangweise verordnete Pillen...) mitgibst später mit ihrer eventuellen Vorbelastung umgehen zu können & was die Risiken angeht achtsam zu sein.

Ich finde aber nicht gut, wie du quasi negativ über die Eigenheiten deines Sohnes schreibst, also dass er sich anders verhält, andere Ansichten hat als andere usw. Dies kann glaube ich durchaus ein kleiner Hinweis auf eine Veranlagung sein, aber nicht zwingend. Weisst du, die Menschen sind nun mal untereinander Bunt verschieden, das finde ich persönlich auch gut so, und das hat doch vorerst nicht viel zu bedeuten mit Hinblick auf die Erkrankung. Ausser, dass er als Reaktion auf seinen eigenen Weg evtl. grössere Gefahr laufen könnte, ausgegrenzt zu werden bzw Rückzug zu suchen, im Gegensatz zu Menschen, die sich blind allem anpassen und mit dem Strom schwimmen können. Aber auch Eigenbrödler und Individualisten können in dieser Welt einen Platz finden, der für sie Glück bedeutet, und wo sie eventuell eben genau diese Eigenschaften zu ihrem Nutzen und dem anderer ausspielen können. Es mag schwieriger sein, als für Menschen, die sich einfach mal so anpassen können. Aber ein Vogel fliegt nun mal nur wirklich gut mit den Flügeln, die ihm die Natur mitgegeben hat, und ganz schlecht mit solchen, die von jemand anderem aus blinder Angst mit einer Stumpfen Schere in Form gestutzt wurden.

Dass der Vater sich nicht helfen lassen will, liegt möglicherweise in einer der Natur der Erkrankung. Er lebt vermutlich im Wahn, das heisst er glaubt eben (unter anderem) mehr oder weniger steif und fest an Dinge, die anderen absurd oder unbeweisbar erscheinen können. Viele Erkrankte schaffen es nicht, dies im Entscheidenden Moment bzw. in einem lichten Moment oder nach einem Schub, zu erkennen. Leider. Viele schaffen diesen Sprung aber sehr wohl. Viele Erkrankte, die sich mit Behandlung schwer tun, glauben schätze ich wahnhaft, dass sie eben NICHT psychosekrank sind, sondern Kerngesund was die Psyche angeht, und die Probleme einen anderen Ursprung haben. Sie empfinden eventuell die medizinische Behandlung auch als Teil einer Verschwörung gegen sie selbst und lehnen sie deswegen rigoros ab. Zudem fällt es Menschen nun mal nicht leicht, einzusehen dass sie sich, im Zweifel Jahrelang, fundamental in etwas geirrt oder verstiegen haben. Überleg mal, was das für das Selbstbewusstsein bedeutet, sich solchen Irrtum einzugestehen - manche können das, andere sind vielleicht schlichtweg zu stolz oder fürchten die Abkehr von den ihnen gewohnten alltäglichen Bahnen. Welche Bahnen die Wahnvorstellungen und anderen produktiven Symptome im Verlauf einer Erkrankung so einschlagen, ist aber individuell sehr unterschiedlich.

Ich finde natürlich gut, dass du dich informieren willst, und alles mögliche tun um sicherzustellen, dass es deinen Kindern gut ergehen wird. Ein krankheitsuneinsichtiger Vater der zudem zu Gewalttaten neigt, und keinen an sich ranlässt, ist natürlich, wenn er sich nicht ändert, nicht gut für dich und die Kinder, ausser vielleicht in sehr kontrollierter und dosierter Form um den Bezug nicht völlig zu verlieren. Deine Schritte dahingehend finde ich nur konsequent und richtig.


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#11

RE: Paranoide Schizophrenie und häusliche Gewalt

in Treffpunkt für Angehörige 01.07.2017 21:37
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Hallo @Hirnsehprogramm !

Ich finde, du schützt diesen Mann in deinem Posting zu sehr! Wenn es um das Kindeswohl geht und jemand so dermaßen aggressiv ist, bin ich nicht bereit das in irgend einer Weise entschuldigen oder verstehen zu wollen und denjenigen zu schützen, selbst wenn er mit derselben Krankheit wie ich diagnostiziert ist.

Was die Kinder angeht, sollte @laguna natürlich in erster Linie hinter ihnen stehen sie einfach wie Kinder behandeln.

LG,
Molly


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#12

RE: Paranoide Schizophrenie und häusliche Gewalt

in Treffpunkt für Angehörige 01.07.2017 21:49
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Ein krankheitsuneinsichtiger Vater der zudem zu Gewalttaten neigt, und keinen an sich ranlässt, ist natürlich, wenn er sich nicht ändert, nicht gut für dich und die Kinder, ausser vielleicht in sehr kontrollierter und dosierter Form um den Bezug nicht völlig zu verlieren.



Entschuldigt, wenn das ansonsten zu verteidigend rübergekommen ist. Natürlich ist die Gewalt schrecklich und hätte nie passieren dürfen.

Mir ging es neben anderen Punkten hauptsächlich darum, zu versuchen, es ein klein bisschen verständlicher zu machen. Und meine Meinung zu äussern, dass häusliche Gewalt nicht generell mit Schizophrenie in Verbindung gebracht werden sollte.

Zudem ist es kein schönes Thema, und der Abstand muss sein, dennoch wollte ich nebenbei auch durch die Blume anmerken, dass man Familienhistorie nicht vorschnell durch so etwas auslöschen lassen sollte. Mit "kontrolliert und dosiert" meinte ich mehr, dass trotz der Probleme des Vaters im Hinterkopf gehalten werden sollte, dass die Kinder eines Tages wissen wollen werden, wer der Vater ist, und ihm vielleicht auch in die Augen sehen wollen werden. Das ist auch ihr gutes Recht, finde ich. Vielleicht - hilft ihnen ja grade die Vorgeschichte, und das Bewusstsein darüber, mit ihrer eigenen Vorbelastung eines Tages besser und achtsamer umgehen zu können. Aber das ist gewiss Spekulation, mehr eine kleine Träumerei die ich nebenbei mitgeben wollte.


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#13

RE: Paranoide Schizophrenie und häusliche Gewalt

in Treffpunkt für Angehörige 01.07.2017 21:52
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Hallo @Hirnsehprogramm,
Danke für deine ausführliche Antwort.
Natürlich möchte ich nicht negativ über meinen Sohn reden, ich sehe halt nur viele Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten in Bereichen, die andere so nicht haben.
Es ist gut, dass Menschen unterschiedlich sind und mein Sohn ist gut und richtig so wie er ist. Als Mutter, wenn man die Entwicklung des Vaters vom 16.-28. Lebensjahr mitbekommen hat, macht man sich halt nur Sorgen wenn man sieht das der Sohn irgendwie den gleichen "seltsamen" Weg wählt.

Deshalb ja mein Interesse an der Krankheit und insbesondere dem Beginn der Krankheit. Erste Anzeichen. Woran haben es andere gemerkt?

Mir ist bewusst, dass hier viele unter dieser oder ähnlichen Krankheiten leiden. Es tut mir leid für jeden einzelnen und auch für dessen Familien.

Ich weiß auch durch Recherchen, dass man mit der Krankheit gut umgehen kann wenn man die entsprechende Unterstützung und ich glaube in den meisten Fällen, die richtigen Medikamente hat. Ich denke auch nicht, dass jeder der an Schizophrenie erkrankt ist, ein Monster ist.

Natürlich bin ich nicht gerade behutsam mit der Krankheit in Berührung gekommen und für mich klang die Diagnose auch sehr drastisch.

Kontakt habe ich zu dem Vater meiner Kinder gar nicht mehr und es ist meinerseits auch absolut nicht erwünscht. Ich bin mittlerweile auch in einer glücklichen Beziehung.

Für meine Kinder ist es momentan definitiv noch das richtige, keinen Kontakt zu ihrem Vater zu haben. Er hat auch einen gesetzlichen Vertreter weil er gar nicht geschäftsfähig ist. Wie das ganze irgendwann mal aussieht weiß ich natürlich nicht. Ich weiß auch nicht, ob man ihn früher oder später zu Therapien und/oder Tabletten zwingen wird. Ich kenne die Vorgehensweisen in Psychiatrien ja auch nicht.

Ja wie du das beschrieben hast mit dem Wahn trifft es bei ihm auf jeden Fall zu. Also er dachte auch immer das alle Ämter und überhaupt die ganze Regierung nur zur Show und zur Ablenkung da sind und die Ärzte usw alle mitspielen. Jeder der ihm sagte das er eine komische Denkweise hat und das nicht zutrifft, war schon integriert in das System.

In der Klinik steht er teilweise mehr als 5 Stunden auf einem Fleck, nicht ansprechbar. So kenne ich es auch noch aus der Zeit der Beziehung.

Für mich ist es einfach unvorstellbar was in einem schizophrenen Menschen vor sich geht. Und das meine ich nicht abwertend, sondern interessiert.
Ich würde das gerne irgendwie verstehen können, um im schlimmsten Fall meinen Kindern bestmöglich helfen zu können. Dadurch das ich mehr oder weniger freiwillig mit dem Thema konfrontiert wurde, ist es für mich sehr interessant geworden.

Ich finde es auch sehr erfreulich festzustellen, dass es vielen Menschen, die auch an Psychosen, Schizophrenie o.ä. erkrankt sind, tatsächlich gut gehen kann.


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#14

RE: Paranoide Schizophrenie und häusliche Gewalt

in Treffpunkt für Angehörige 01.07.2017 22:40
von laguna (gelöscht)
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Das tue ich, so gut es geht. Natürlich hat man immer im Hinterkopf was sie durchgemacht haben (aus welchen Gründen auch immer)... Was die Erziehung bzgl Konsequenz z.b. Schon etwas beeinträchtigt... Aber muss man das beste draus machen


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#15

RE: Paranoide Schizophrenie und häusliche Gewalt

in Treffpunkt für Angehörige 02.07.2017 08:41
von Molly | 3.181 Beiträge | 15617 Punkte
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Liebe @laguna !

Du hattest folgendes geschrieben:

Zitat von laguna im Beitrag #5

...Ich persönlich kann gar nicht nachvollziehen bzw nachfühlen wie man sich als betroffener einer solchen Krankheit fühlt und warum man sich einfach nicht helfen lassen möchte...


Wie man sich fühlt, kannst Du hier in den vielen Berichten der Betroffenen nachlesen. Schau gerne auch mal auf meine Homepage:
https://alxdo.jimdo.com/

Und warum man sich nicht helfen lassen will?

Erst mal weiß man am Anfang der Erkrankung in den meisten Fällen nicht, dass man krank ist. Es gibt nur merkwürdige und ängstigende Begebenheiten, die von außen auf einen einwirken. Hört man Stimmen, hört sich das oft so an, als würden die Menschen in unserer Umgebung (meist schlecht) über uns reden. Es kann aber auch sein, dass man sich von höheren Mächten telepathisch überwacht fühlt. Entwickelt man Beziehungsdenken, passieren scheinbar Dinge in unserer Umgebung, die uns misstrauisch machen und uns fürchten lassen, verfolgt oder beobachtet zu werden. Das untergräbt dann das Vertrauen zum sozialen Umfeld und macht Angst.

Wenn man dann doch behandelt wird, sei es auf eigenen Wunsch oder gezwungenermaßen, erlebt man die Medikamente, die Mittel der ersten Wahl sind, als äußerst unangenehm. Besonders die alten, aber auch die neuen Medikamente haben viele schlimme Nebenwirkungen, wo man sich nicht vorstellen kann, auf Dauer so zu leben und man muss sie ja bei der ersten Psychose Jahrelang, wenn es chronifiziert für immer einnehmen um der Symptomatik zu entkommen. Psychotherapie kann zwar helfen, ist aber eher nicht so sicher. Lies gerne mal über die Nebenwirkungen, die nicht wie bei vielen anderen Medikamenten selten, sondern eher oft auftreten. Einiges davon erwischt einen immer!

Nebenwirkungen Haldol:
http://www.onmeda.de/Wirkstoffe/Haloperi...ikament-10.html

Nebenwirkungen Leponex:
http://www.onmeda.de/Medikament/Leponex+...lwirkungen.html

Nebenwirkungen Zyprexa:
https://www.sanego.de/Medikamente/Zyprexa/

LG,
Molly


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