Einloggen
Zurück Vorwärts
Aktualisieren Drucken
Neuer TAB


Zum Seitenanfang Schritt hoch Schritt runter Zum Seitenende

#1

Erweiterte Vorstellung-unsere Geschichte

in Treffpunkt für Angehörige 01.05.2017 11:41
von Morgan | 5 Beiträge | 24 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Morgan
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Hallo,
ich hatte uns schon grob Vorgestellt im Mitgliederbereich. Möchte hier nochmal sehr ausführlich werden und hoffe das das kein Problem darstellt. Leider sind viele Mitmenschen und Angehörige teils massiv überfordert mit der Situation. Vielleicht ergeben sich auch für uns hier einige nette Kontakte/Hilfen um im Alltag besser zurechtzukommen.
Hier unsere Geschichte und was auf einen zukommen KANN (nicht muss).
Wem es zuviel wird sollte nicht weiterlesen.

Wir sind eine Familie (Sie 36 Jahre und ich 38 Jahre) mit 2 Kindern (15 und 8 Jahre alt) und seit 11 Jahren ein Paar. 2013 wurde eine Psychose/Schizophrenie Diagnostizert mit Zwangseinweisung und danach Tagesklinik (ca 3 Monate). Ein erneuter Schub fast genau 3 Jahre später und aktuell ein ständiges Auf und ab
Aber wie immer-wir schaffen das...zusammen.

Meine Freundin war schon immer recht "Kompliziert" was ich aber immer als Charakter/Wesenszug an ihr sah. 2013 (unser Sohn wurde 2009 geboren) wollte sie nochmal eine Ausbildung machen im Pflegebereich bei unserem LKH hier in der Nähe. Es sah gut aus, wir lernten zusammen und sie war unter den Besten. Plötzlich aber wurde alles anders. Sie fing an schlecht zu schlafen, vll noch 3 Stunden die Nacht. Sie wurde fahrig und fing an sich Krankheiten einzubilden. Plötzlich war ich nicht mehr der Partner sondern ein verbündeter, sie vertraute keinem mehr. Anekdote am Rand: Sie hatte sehr früher mal sehr kurze Haare, aktuell waren sie mehr als Schulterlang. Ich kam mit dem Junior vom einkaufen und sie war im Bad. Ich mache die Tür auf und sehr sie mit Langhaarschneider und mit auf vll 5 cm gestutzen Haaren im Bad sitzen. Ich war geschockt! Heute kann ich darüber schmunzeln denn sie sagte mir das ich mal erwähnt hatte das sie mir mit kurzen Haaren gefiel und sie mir deswegen einen Gefallen machen wollte. Auch an so etwas musste ich mich als Angehöriger erst "gewöhnen". Es war ein auf und ab, einen Tag wollte sie mich Heiraten und am nächsten standen als ich von der Arbeit kam meine Sachen gepackt vor der Tür! Ich merkte das etwas ganz und garnicht stimmte aber das Kind hatte noch keinen Namen für mich. Also fing ich an mich schlau zu machen was mit ihr nicht in Ordnung war. Sie war nicht mehr in der Lage zu Arbeiten und lies sich krankschreiben. Sie war sonst nie krank gewesen. Wir fuhren zu Ärzten/Krankenhäusern wegen ihrer Beschwerden aber nichts half. Sie dorthin zu bekommen um sich Hilfe zu holen war schon sehr schwer. Eine Ärztin nahm mich zur Seite und erklärte mir das sie Psychische Probleme vermute. Sie tat mir unendlich Leid und ich wusste nicht wie ich ihr helfen konnte. Schlieslich rief ich ihre Mutter an (arbeitet selbst in der Pflege). Ich überspringe einige Details und komme zum wesentlichen- Ihre Mutter lies sie aufgrund Eigen/Fremdgefährdung zwangseinweisen. Ich hatte das nicht übers Herz gebracht obwohl ich schon vom Arzt einen Schein dafür hatte. Ich konnte diesen Schritt nicht tun. Das war unglaublich belastend für uns alle.
Ich musste meinem Arbeitgeber Bescheid geben, meine Schichten umstellen und dann meine Zeit einteilen um allem gerecht zu werden in der Zeit wo sie nicht da war.
Morgens aufstehen, Kinder fertig machen und zur Schule/Kindergarten bringen. Danach zur Arbeit und direkt danach wieder zum Kindergarten den Kleinen holen. Dann essen/Haushalt, den Kleinen zur Oma bringen und dann zur Klinik fahren. Ich habe das über 1 1/2 Monate JEDEN Tag so gemacht. Danach war ich nur noch jeden 2 oder 3 Tag in der Klinik und als es ihr besser ging war sie Tagsüber wieder zu Hause und ich habe sie dann Abends zurück gefahren. Wir hatten Eine Patientenverfügung/Vorsorgevollmacht für mich mit der ich den Ärzten wohl auch gehörig auf den Wecker ging. Ich wollte nicht das sie alleine steht und immer im Bilde sein. In der Zeit habe ich 10 Kilo abgenommen durch den Stress... Die Ärzte sagen das sie noch nie erlebt hatten das jemand das so macht wie ich
Was mann nicht alles tut für seine Familie.
Ich habe mich ausfürlich informiert, viele Berichte über die Erkrankung gelesen und alle in Frage kommenden Medikamente inkl der Nebenwirkungen studiert. Dabei selbst gesehen das wir in der Potenz der Medis immer weiter nach oben gingen...eine Harte Zeit für uns. Sie war in der ganzen Zeit nie Krankheitseinsichtig und hat die Medikamente strikt abgelehnt. Am schlimmsten war Seroquel, sie ist damit sogar gegen den Schrank im KH gelaufen und umgefallen. Aktuell eingestellt war sie auf Abilify und Risperdal.
Nachdem es ihr wieder besser ging bekam sie ihren alten Job sogar zurück. Sie hat in der Zeit viel Blödsinn angestellt was aber Gottseidank ohne Folgen blieb. Danach zogen wir um da wir uns sicher waren der Tapetenwechsel tut uns gut. Die Medikamente hat sie schnell wieder abgesetzt das sie immer sagte das sie damit nicht gescheit Arbeiten kann.
Fast genau 3 Jahre später hatte sie einen erneuten Schub...der zieht sich mit einem ständigen auf und ab Aktuell bis jetzt. Ich habe das gefühl sie rutscht von einem Extrem ins andere. Aber sie geht viel Arbeiten inkl 2 Job. Sie mutet sich viel zuviel zu aber ich kann sie nicht davon abhalten. Immerhin setzt sie sich mit der Erkrankung auseinander und nimmt Aktuell wieder ihre Medikamente. Für mich ein wesentlicher Meilenstein.

Vielleicht schreibe ich später den Aktuellel Teil, bin mal gespannt ob das den einem oder anderen sogar behilflich sein kann was ich hier schreibe. Mir hilft es als Angehöriger mir manchmal die Last von der Seele zu schreiben.
Kommentare sind ausdrücklich erwünscht.


8 Mitglieder haben sich bedankt!
nach oben springen

#2

RE: Erweiterte Vorstellung-unsere Geschichte

in Treffpunkt für Angehörige 01.05.2017 12:56
von Woody | 146 Beiträge | 683 Punkte
avatar_m
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Woody
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Toll, dass Du als Partner bei der Stange geblieben bist - chapeau!
Im Grunde tust Du ja schon, was Du kannst - aber vielleicht noch eine kleine Anregung: Es gibt neuerdings Gruppen für Angehörige, v.a. auch für die Kinder, die ja darunter leiden, dass Mama anders ist, die evtl. keinen mit nach Hause bringen können etc. Falls irh das noch nicht nutzt, wäre das eine Option.
Für mich als Kind war es klar, dass Mutters Krankheit ein Tabu war, das man verschweigen musste - das hat sicherlich meine Außenseiterrolle gefördert.
LG
Woody


nach oben springen

#3

RE: Erweiterte Vorstellung-unsere Geschichte

in Treffpunkt für Angehörige 04.05.2017 22:49
von check | 5 Beiträge | 52 Punkte
avatar_m
X

Auszeichnungen


des Mitglieds check
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Hab deine Geschichte gerade verschlungen.. und ich lese eigentlich nicht gern ;)
Zu meiner Person, bin zurzeit 20 Jahre alt, mit 18 hatte ich bis jetzt meinen ersten Schub. Nehme nach einigem hin und her Abilify.
In unserer Beziehung ist es halt so dass meine Freundin Krebs "hatte" und deswegen sich ein bischen vorstellen kann wies in mir vorgeht..
Das ihr das mit der Familie iwie meisterst giebt mir Hoffnung für meine Zukunft.
War bis jetzt bei 4 Psychiatern. Die meisten sahen mich entweder in einem Berufsbildungswerk, oder sonst wo.
Der aktuelle Psychiater spricht mir immer nur Mut zu, auf diesen Weg zu bleiben und will mir auch keine Antidepressiva dazu geben, weil er anders als die anderen Psychiater erst im Notfall solche Medikamente einsetzen will.

Bzw. weiß nicht, ob ich als Betroffener hier überhaupt schreiben sollte, aber die Geschichte war grad zu schön geschrieben


zuletzt bearbeitet 04.05.2017 23:06 | nach oben springen

#4

RE: Erweiterte Vorstellung-unsere Geschichte

in Treffpunkt für Angehörige 04.05.2017 23:53
von Morgan | 5 Beiträge | 24 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Morgan
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Danke, das freut mich. Als Angehöriger ist es auch schwer über manches zu schreiben. Aber es hilft mir, den manche Dinge lassen sich so für mich besser verarbeiten. Ich bin an der Situation auch schon sehr gereift und lerne auch immer neue Seiten an mir kennen (und schätzen). Die Hoffnung verliere ich nie, denn dann würde ich ich ja alles aufgeben wofür ich kämpfe. Manche Dinge die passiert sind würde ich auch gerne streichen, manche Fehler die ich gemacht habe gerne rückgängig machen. Aber für meine Freundin und uns als Familie ist das nun ein Teil von ihrem Leben und nach einigen Jahren wo sie die Diagnose und alles was dazugehört hat immer von sich gewiesen hat ist sie nun bereit sich damit auseinanderzusetzen und sich zu informieren was da genau passiert und was eine Psychose denn überhaupt ist. Sie meinte sie hat jetzt den GAG-GAG Stempel was ihr schwer zu schaffen macht.
Nur für mich ist sie nicht Gaga.
Den Umgang mit ihr in Zeiten wo sie psychotisch ist muss man erst mühsam ertasten. Und immer nur kleine Schritte wobei auch manchmal erst einen zurück und dann wieder 2 vor.
In der heutigen Stressigen Zeit und bei dem Leistungsdruck den man immer eingehämmert bekommt ist es ja auch kein Wunder das immer mehr Menschen krank gemacht werden. Manche kommen damit irgendwie zurecht und manche eben nicht.
Könnte noch soviel schreiben aber bin grad zu KO von der Arbeit.
Vielleicht morgen.
Gute Nacht


nach oben springen

#5

RE: Erweiterte Vorstellung-unsere Geschichte

in Treffpunkt für Angehörige 05.05.2017 08:38
von check | 5 Beiträge | 52 Punkte
avatar_m
X

Auszeichnungen


des Mitglieds check
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Das mit dem Gaga Stempel find ich auch schlimm. Aber das ist nur ein Ausdruck davon wie kaputt die Gesellschaft ist. Ich glaub mittlerweile das hier selbst die USA schon weiter ist.

Kann ihr nur Empfehlen die Meds (Abilify) auch Mal über 1 - 2 Jahre zu nehmen. Ich nehme sie zurzeit in einer Dosierung von 5 mg vor allem wegen der Prüfung. Bzw. weil ich schon von vielen Leuten gelsen hab die sie schnell abgesetzt haben und es dann wieder kam. Bzw, wollte der Psychiater selbst das noch reduzieren :)
Ich denk es ist mega anstrengend wenn man sieht, wie es früher Mal war mit der Leistungsfähigkeit und danach (zu mindest ist es bei mir so) .. Haben einen Bauernhof / Landwirtschaft Zuhause und ich schaffe da zurzeit einfach nix.
Mir reicht meine Arbeit da völlig aus (auch wenn ich ned weiß wie es weiter geht, weil ich Ned übernommen werde).


zuletzt bearbeitet 05.05.2017 08:52 | nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Johanna Sällstrom - ein nachträglich erweiterter Suizid?
Erstellt im Forum Schizophrenie in den Medien von Woody
5 14.05.2018 18:49goto
von Sirod • Zugriffe: 1082
möchte mich vorstellen ...
Erstellt im Forum Treffpunkt für Angehörige von co2405
15 20.11.2016 15:36goto
von Hope • Zugriffe: 689
Narrationen - Wie Geschichten, die wir uns selbst immer wieder erzählen unser Leben beeinflussen
Erstellt im Forum Allgemeines von Serendipity
1 08.04.2014 19:07goto
von Isabell • Zugriffe: 460
Google Translator

Besucher
12 Mitglieder und 21 Gäste sind Online:
Agi007, Serendipity, WHOAMI, erdbeere, lathyrus_odoratus, Schlendrian, PapaRa113, Sirod, 2009er, sensitive, Schnitzelchen, DaSchizoo

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Katharina
Besucherzähler
Heute waren 497 Gäste und 45 Mitglieder, gestern 1575 Gäste und 69 Mitglieder online.


Xobor Ein eigenes Forum erstellen