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#1

Präriefeuer

in Betroffenen-Literatur 27.01.2017 22:12
von hausschuh | 150 Beiträge | 243 Punkte
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Von weit oben fliegt ein Schneeball. Er rollt durch den Himmel und wird dabei größer und größer. Bald springt er über eine unsichtbare Schanze. Er fliegt direkt auf dich zu und...

Du wachst auf. Du hast geträumt. Du hast dich beobachtet. Deine Handlungen waren durchschaubar und unsicher. Es fühlt sich an, als wäre das ein Traum gewesen aber vielleicht war es etwas anderes. Büffelgras. Leicht wiegt es sich im Wind. Du bist Hanka, der große Häuptling der Apachen. Du hast Sex mit einem Wesen aus dem Weltall. Dieses Wesen hat sich dort entwickelt, wo nur die Sterne Licht spenden. Es wurde auf die Erde geschickt, um dich glücklich zu machen. Nach dem Sex liegt ihr in eurem Tipi. Draußen heult ein Kojote. Du sprichst mit ihr über deine Angst, dass Morgen nicht mehr stattfinden wird. Sie lässt dich in ihre Seele blicken. Dort kreisen Galaxien. Sie hat in Welten gelebt, die der unseren sehr ähnlich waren. Die Bewohner dort hatten blaues Fell und lange Schwänze. Sie trafen sich in Amphitheatern, um dem gemeinsamen Denken beizuwohnen. Hierbei gab jeder das Beste seiner Seele. Er konnte jederzeit abbrechen, wenn ihm die fremden Gedanken zu Nahe kamen. Außerdem wurde stets definiert, welche Bereiche der eigenen Gedanken er teilen wollte. So blieb er stets Herr in seinem Kopf und konnte doch Gäste hereinbitten, die wie er in dem Amphitheater saßen und auf den Gedankenautobahnen unterwegs waren zu den Knoten, die definiert wurden von den Moderatoren. Diese hatten auch die Aufgabe, das Gleichgewicht des Austausches zu sichern. Sobald eine Schräglage entstand, dass zu viel Gedanken gegeben oder genommen wurden, schritten sie ein, indem sie einen Läufer zu dem blauen Fellwesen schickten, der dieses weckte und so aus dem Gedankenpalast herausnahm.
Du wachst auf und riechst Büffelfleisch. Deine Sexgefährtin hat dir ein Frühstück bereitet. Der Morgen schiebt sich über die Prärie und lässt den Tau blitzen. Die Sonne erhebt sich. Ihr Licht taucht alles in Wärme. Dein Stamm hat sein Lager an einem Fluß aufgeschlagen. Du machst dich zu einem Bad auf. Alle Stammmitglieder grüßen dich freundlich. Als du am Fluß ankommst, machst du dein Pony aus. Es trinkt. Du pfeifst und es springt fröhlich zu dir her. Du wirfst dich auf seinen Rücken und fängst an, mit ihm über die Prärie zu reiten. Du reitest den ganzen Tag. Am Abend schlägst du dein Lager auf. Entfachst ein Feuer mit deinem Feuerstein, den du immer am Hals an einer Kette trägst. Brätst dir zwei Eier von einem unvorsichtigen Wildvogel, dessen Nest du erreichen konntest, als du auf einen Baum klettertest.
Am nächsten Morgen bist du steif von der Kälte. Du denkst an die blauen Fellwesen, von denen dir deine Freundin erzählt hatte. Wie gut, dass du in einem Körper lebst, der von anderen respektiert wird. Du reitest zurück und ziehst deine Freundin in das Tipi hinein. Ihr fallt wild übereinander her. Du überlegst, wie du den Stamm für den kommenden Herbst bereit machen wirst. Aber momentan ist erst noch Sommer! Deine Freundin und du laufen an den Fluß. Ihr schwimmt und sie spritzt dir Wasser an. Ihr legt euch auf einer Insel im Fluß auf die warmen Steine und lasst euch trocknen. Du träumst. Ein blaues Licht ergießt sich über dich. Wie in der Disko blitzen Laser um dich her. Nebel wallt aus einem kalten Zimmer hervor. Du merkst, dass deine Arme sich in Wurzeln verwandelt haben. Dort bleibst du. Wirst du bleiben. Grüner Saft fließt durch deine blauen, gläsernen Adern. Er steigt zum Gehirn, wo er durch roten Saft ausgetauscht wird. Du schlägst deine Finger wie eine Klaue in deinen Hals. Sofort klafft eine Lücke, durch die warme, graue Flüssigkeit hervorsprudelt. Um dich her versammeln sich die Mitglieder aus deinem Stamm und trinken deinen Lebenssaft. Du presst deine Hände auf die Wunde und schreist. Dann wachst du auf. Dein Stamm schläft. Nur deine Freundin ist wach und blickt dich besorgt an. „Du hast geträumt!“ Sie pustet dir leicht die Haare aus der Stirn. „Schlaf!“ Und genau das tust du.
Als du erwachst, sitzt du vor dem Bildschirm. Du liest diese Zeilen und weißt doch noch alles, was dir in der Prärie geschehen ist. Du bist es zufrieden und hebst deinen Blick. Du siehst...


Was wir wissen ist ein Tropfen; was wir nicht wissen, ein Ozean. Isaac Newton
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#2

RE: Präriefeuer

in Betroffenen-Literatur 27.01.2017 22:25
von Gelöschtes Mitglied
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echt cool einen traum beschrieben!würd ich gern so erleben.und nicht nur als traum...


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#3

RE: Präriefeuer

in Betroffenen-Literatur 09.02.2017 21:49
von hausschuh | 150 Beiträge | 243 Punkte
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...Bananen. Sie baumeln ca 2 Meter weit entfernt von dir in der Mitte des Raumes. Sie hängen noch am Baum. Das beeindruckt dich wenig. Auch die Ameisenstraße, die quer durch das Zimmer läuft, ist für dich nicht außergewöhnlich. Wie bist du aber hierher geraten? Eben warst du noch in der Prärie, hast mit deiner Freundin gebadet... Deine Freundin ist weg! Das ist jetzt doch etwas, was dich wachrüttelt! Du blickst dich in deinem Zimmer um. Nichts deutet auf ein weibliches Wesen in deiner Umgebung hin. Du trittst aus dem Zimmer heraus. Die Hitze trifft dich wie die Faust eines überdimensionalen Affen. Du gehst zur Rezeption und bestellst frische Handtücher. Hier arbeitet wenigstens eine Frau! Aber wo ist deine Freundin hin? Hat sie dich verlassen? Oder hattest du genug von ihr? Du weißt es nicht. Das ist ein gutes Zeichen. Dann gab es zumindest kein schreckliches Trennungsdrama. Oder es ist schon länger Vergangenheit. Du beschließt, heute Abend Essen zu gehen. Vorher springst du noch einmal kurz an den Strand. Dort rauschen die Wellen ans Ufer und streicheln deine Füße. Du gräbst dich im Sand ein. Spürst, wie der Wind über deinen Rücken pustet. Dann wirfst du dich in die heranstürzenden Wasserwalzen. Du schreist! Es macht Spaß. Du lebst. Dann gehst du ein bisschen am Strand entlang und lässt dich vom Seewind trocknen. Bisher hast du noch keine Menschenseele getroffen. Du hast nicht das Gefühl, dass es keine Menschen gibt. Eher so, als wären gerade eben keine da.
Am Abend machst du dich frisch. Du ziehst ein feines Hemd und eine hübsche Hose an. So fühlst du dich wohl. Dann gehst du durch die laue Abendluft rüber in das Restaurant. Der Kellner begrüßt dich überschwenglich und zeigt dir einen Tisch in einem gemütlichen Eckchen. Du sitzt am Rand des Gartens, wo du Eidechsen und Schmetterlinge beobachten kannst. Langsam wird es dunkel und überall im Restaurant beginnen Lichter im Boden zu leuchten. Sie tauchen die Szene in ein etwas unwirkliches Licht, als ob ihr euch am Meeresboden befinden würdet. Nach dem Hauptgang bekommst du einen „Gruß aus der Küche“, das ist eine lecker verzierte Pina Colada. Nach einer Weile merkst du, dass du schon ein paar Minuten nur noch auf die Brüste einer hübschen Frau am Nebentisch starrst. Du beschließt, ins Bett zu gehen. Also machst du dich auf den Weg. Während du langsam durch die Nacht schlenderst, denkst du darüber nach, wie sich dein Leben so hat entwickeln können. Dir fällt auf, dass du definitiv das Leben mit einer Frau vermisst. Die Sehnsucht danach drückt sich in deine Gedanken. Du folgst den Gedanken bis zu ihrem Ende. An diesem stehst du später und blickst in den funkelnden Sternenhimmel. „Morgen ist auch noch ein Tag!“, denkst du. Du kuschelst dich in deine Hängematte und hörst noch ein bisschen den Zikaden zu. Dann bist du eingeschlafen. In deinem Traum triffst du einen zupackenden Teufel. Er klopft dir auf die Schultern und will dir irgendetwas verkaufen. Du weißt nur, dass du nichts unterschreiben darfst, hast aber vergessen, worum es sich bei dem Vertrag dreht. Vor dir dehnt sich ein Meer aus Blei. Du springst mit einem Köpfer hinein. Steigst wie ein Engel daraus empor. Langsam bis zum Mond. Der wärmt dich. Du umarmst den Mond und schläfst in seiner Umarmung bis sich irgendwann die Sonne aus dem Meer erhebt. Du öffnest die Augen und siehst...


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zuletzt bearbeitet 09.02.2017 21:53 | nach oben springen

#4

RE: Präriefeuer

in Betroffenen-Literatur 03.03.2018 17:17
von hausschuh | 150 Beiträge | 243 Punkte
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...Runzeln! Was? „Du siehst Runzeln“? So sollte der Satz heißen? Sind es nicht eher Wurzeln oder Schrunden oder irgendetwas ganz anderes? Sicher nicht. Wieso überhaupt diskutieren? Wer ist hier der Herr im Kopf? Also: Du siehst Runzeln. Sie blinzeln dir zu. Verschwörerisch. Fröhlich. Vertraulich. Dein Kopf wird klar. Durchsichtig wie Glas leuchtet die Sonne durch ihn hindurch. Schnee fällt langsam auf deinen Glasschädel und schmilzt. Auch über deine Augen läuft das Himmelswasser. Um genau zu sein, läuft es durch deine Augen in deinen Kopf. Füllt diesen mit Frostschutzmittel, welches verhindern soll, dass du weinst. „Wenn du es dann doch tust“, so der kluge Kinderarzt, „brennt das wie Hölle und du hörst ganz schnell auf zu weinen. Keine Angst, nach ein paar Tagen Schmerz hast du das drauf.“ Du bist nicht überzeugt. Überhaupt ist viel von dem, was der Kinderarzt dir erzählt eher mit negativen Gefühlen verbunden. Muss dran liegen, dass du nur dann zu ihm musst, wenn du krank bist. Oder dass er dich gerne quält. Wer weiß das schon. „Heutzutage quält ja jeder jeden“, hörst du deinen Papa. Das heißt, denkst du, dass auch mein Papa meine Mama quält und meine Mama quält den Papa und ich quäle meine Eltern... Du hörst auf zu denken. Das ist die einzige Methode, um gesund zu bleiben. Gesund bleiben für das Weltenwohl. In der letzten Zeit überlegst du dir öfters, ob du als Staatenlenker glücklicher wärst. Du stellst dir vor, wie der auf dem Klo sitzt oder über Millionen von Menschen entscheidet und ob es dir dann danach besser geht. Du bist zufrieden mit deinem Leben. Erfährst Dankbarkeit und spürst, dass du etwas bewirkst. Du veränderst die Welt indem du ihr ein Lächeln schenkst.

Aber zurück zu den Schrundeln. Den verschmitzten. Sie grinsen dich an. Du legst deine Hand auf die Felswand, vor der du plötzlich im Regen stehst. Die Felswand ist rot und nass und zu deinen Füßen sammelt sich das Wasser zu einem Flüsschen, dass fort von dir fließt. Fort von dir, fort von uns. Hin zu dem Sonnenuntergang. Endlich! Denkst du. Das Gefühl, den Tag geschafft zu haben. Das Gefühl dass der Abend vor dir liegt, an dem du deine Erlebnisse in Geschichten verpacken kannst und damit angeben. Du bist froh, dass der schwierige Teil des Tages, der, an dem du Entscheidungen treffen und mit den Auswirkungen leben musst, sich jetzt dem Abend zuneigt.

Du gehst nach Hause und singst ein Lied. Schließt die Tür auf. Rufst „Hallo!“ und bekommst Antwort. In diesem Augenblick weißt du, dass du alles richtig gemacht hast. Es gibt jemanden, der dir antwortet. Du hast ein Nest, in dem du bleiben darfst. Jeden Tag schließt du die Tür auf. Und für dich ist es normal, eine Antwort zu bekommen, wenn du „Hallo“ rufst. Sei froh darüber. Pflege dein Heim. Nähre die Angst, es könnte vorbei sein, damit es nie dazu kommt. Hör nicht auf, dir vorzustellen, wie es wäre, wenn du weniger hast und versuche zu verhindern, dass sich etwas zum Schlechten ändert. Das heißt natürlich auch, dass du versuchen solltest, positive Impulse zu setzen. Solange noch alles ganz gut läuft, solltest du dich darum bemühen, einzelne Punkte zu verbessern um so immer weiter zu kommen. Sobald du stehenbleibst, wirst du schwarz und fällst um. Das passiert so schnell.

Aber nochmal zurück zum Kinderarzt: Schrei ihn an! Sag ihm, dass du es nicht willst. Er muss damit klarkommen, dass er der Buhmann ist, schließlich will er auch die Lorbeeren, wenn es dir wieder besser geht.

Du siehst: Runzeln. Der Baum biegt sich langsam zu dir und knuspert deine Ohren weg. Er schmatzt leise. In seinem Inneren liegt eine neblige Höhle aus vergessenen Zeiten. Dort schwingen Affen durch den Dschungel und kleine gelbe Smileys hüpfen durchs Moos. Du folgst dem Fluss durch das Tal und entdeckst auf der anderen Böschung einen Raubvogel. Er sitzt und beobachtet. Du pfeifst laut durch deine Zähne und er schwingt sich in die Luft. Zieht einen Kreis. Dann noch einen. Steigt höher und höher. Dort oben ist die Luft dünn und er ist ganz nah an der Sonne. Du ziehst den Reißverschluss zu der Szene herunter und schießt damit dein Zelt zu, welches alles eben erzählte einschließt. Du blickst auf und schlenderst herunter an den See. Ein Schwan fliegt langsam heran und landet graziös in einiger Entfernung. Du bist weich. Dein Körper ist weich. Der Abend legt sich sanft über den See. Du sitzt noch ein bisschen im Schilf, deine Frau sitzt bei dir und ihr erzählt euch flüsternd vom Tag. Erwähnt beiläufig die schwarzen Löcher, die nur wenige Meter von eurem Schilfplatz entfernt im See lauern. Ihr lacht.

Und morgen? Was ist morgen?


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