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#1

Umgang mit kranker Mutter?

in Treffpunkt für Angehörige 27.11.2016 22:37
von Mieze123 | 31 Beiträge | 122 Punkte
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Hallo zusammen,

ich hatte vor Kurzem hier schon mal einen recht langen Text gepostet... (Mutter soll evtl. zwangseingewiesen werden).

Nun wurde sie nicht zwangseingewiesen (ein Psychiater hatte das im August mal geplant, hat es aber dann doch nicht gemacht und sich seitdem auch nie wieder gemeldet, auch nicht was andere mögliche Hilfestellungen betrifft). Medikamente nimmt sie keine mehr (hat sie vor knapp 1,5 Jahren eigenständig abgesetzt). Ihre Krankheit ist scheinbar auch erst vor 2,5 Jahren so richtig krass ausgebrochen, da war sie dann wegen mir (ich rief den Notarzt) 2 Wochen lang in der Psychiatrie.

Ich sehe sie und meinen behinderten Bruder, der bei ihr wohnt und alleine von ihr gepflegt wird, derzeit alle 2 Wochen in etwa. Ich habe das Gefühl, es wird gerade etwas schlimmer bei ihr, sie schickt mir auch vermehrt wieder Nachrichten, dass der Nachbar sie abhört, sie von dem und dort verfolgt wird, einen Mörder gesehen habe, früher immer absichtlich von ihren Arbeitsstellen herausschikaniert wurde, damit sie dieses und jenes nicht erzählen könne, ihr Handy abgehört werde, sie während ihrem 2-wöchigen Psychiatrieaufenthalt vor 2,5 Jahren umgebracht werden sollte, usw. Wenn ich sie sehe, ist sie an sich relativ normal, manchmal erzählt sie schon so etwas in die Richtung, meistens aber eher so "nebenbei". Haushalt usw. bekommt sie auch alles hin. Sie meint auch ab und zu, dass Hartz-IV-Empfänger und Behinderte getötet werden sollen...

Ich weiß jetzt mal wieder gar nicht, wie ich mit ihr umgehen soll, wenn sie mir so etwas schreibt oder erzählt. Ich kann sie in ihren Mutmaßungen doch nicht bestärken, indem ich sage/schreibe, ja du hast bestimmt Recht, wenn ich aber versuche, das alles herunterzuspielen, bin ich wieder die böse Tochter, die ihr alles ausreden möchte. Letztens schrieb ich schon mal, ob sie sich nicht evtl. doch Unterstützung holen möchte (ich schrieb ausdrücklich nur "Unterstützung"), woraufhin kam, dass sie auf Grund dieser Unverschämtheit gerade beschlossen habe, dass ich nun an Weihnachten nicht mehr kommen dürfe. Es ist also egal, in welche Richtung ich mich bewege - es ist falsch.

Hat jemand Tipps für mich, wie ich mich auf solche Nachrichten äußern kann, ohne sie in ihren (meiner Meinung nach falschen) Wahrnehmungen zu bestärken, sie aber auch nicht jedes Mal als "total übertreibend" abzutun? Das ist so schwer... man muss dazu sagen, dass sie aus meiner Sicht schon immer, sehr zu Übertreibungen neigte und eher dünnhäutig ist, und das nervte mich damals schon. Unser Verhältnis ist dadurch (und aus anderen Gründen) nicht das beste.

Noch kurz zur Info: Es gibt nur meine Mutter, meinen behinderten Bruder und mich. Freunde oder Verwandte hat meine Familie nicht, da meine Mutter im Laufe der letzten 20-25 Jahre mit allen gebrochen hat, weil alle gemein waren... Ich bin quasi der Anker dieser Familie, zumindest bin ich die einzige ohne einer schweren Erkrankung (dafür bin ich sehr dankbar).

Ich würde mich freuen, wenn jemand den ein oder anderen Tipp für mich hätte!
Eure Mieze



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#2

RE: Umgang mit kranker Mutter?

in Treffpunkt für Angehörige 28.11.2016 02:35
von suffered | 802 Beiträge | 1673 Punkte
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Hallo Mieze

Das klingt sehr nach paranoider Schizophrenie.

Ich weiss nicht wie sie den Haushalt schmeissen kann und den behinderten Bruder behüten kann. Ich denke sie müsste mal in die Klinik und aufgeklärt werden, was für eine Krankheit sie hat. Dass es ihr selbst mal absolut bewusst wird, und dass es dagegen Medikamente gibt.


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#3

RE: Umgang mit kranker Mutter?

in Treffpunkt für Angehörige 28.11.2016 11:04
von mmausal (gelöscht)
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Liebe @Mieze123

deine Geschichte ist meiner in einigen Punkt sehr ähnlich.
Auch meine Mutter schafft den Haushalt ohne Probleme (+ ist sehr auf ihr Äußeres bedacht), nichts desto trotz führen wir inhaltlich sehr ähnliche Gespräche wie ihr.
Die Herausforderung, die sich im Bezug auf meine Mutter stellt, ist die fehlende Krankheitseinsicht. Dadurch werden meine Antworten nur gehört, wenn sie ihrer Meinung entsprechen. Ansonsten werde ich auch zu Weihnachten etc. ausgeladen (und eine Woche später wieder eingeladen; das Spiel kann man öfters spielen) oder sie meint, dass in meinen Worten (wenn ich ihr widerspreche oder auf die Realität hinweise) beispielsweise versteckte Botschaften für sie enthalten wären (= Diagnose: paranoide Schizophrenie).

Eine Klinikeinweisung unter Zwang habe ich einmal leider durchführen müssen (d.h. ich habe die Polizei verständigt und diese den Amtsarzt). Diese Einweisung trägt sie mir auf Grund der fehlenden Krankheitseinsicht bis heute nach.

D.h. ich kann dir leider keinen Tipp geben - ich suche "die" Lösung selbst noch.

Vielleicht, aber nur vielleicht hilft es, wenn du in Richtung Psychotherapie in der Argumentation gehst --> professionelles Zuhören, sich ausquatschen können (über dieses und jenes) ... das hätte bei meiner Mutter geholfen, wenn sie nicht das Arbeitsverhältnis mit einem Psychotherapeuten/Seelsorger/Psychiater* mit einer Freundschaft verwechselt hätte, die verständlicherweise nicht erwidert wurde (damit ist dieses Thema für meine Mutter gestorben).

*es war ein Seelsorger (sowieso schon schwieriges Thema, da sie im religiösen Wahn ins Krankenhaus kam); aber nun lehnt sie alle "ähnlichen" Berufsgruppen ab.

Liebe Grüße
mmausal


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#4

RE: Umgang mit kranker Mutter?

in Treffpunkt für Angehörige 28.11.2016 11:42
von UgoAdmin | 2.903 Beiträge | 11843 Punkte
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Hallo,

paranoide Wahninhalte sind oft mit Größenideen und Selbstüberschätzung vergesellschaftet, die eigene Person wird als zentral erlebt. Die Betroffenen fühlen sich abgehört und verfolgt, weil sie glauben, eine Schlüsselrolle zu spielen. In solchen Fällen ist es hilfreich, sich mit der eigenen Größe realistisch auseinandersetzen. Man ist ja gar nicht so wichtig, wie man sich vorkommt. Insistierender Wahn ist schwer korrigierbar, aber als Angehöriger kann man darauf Einfluss nehmen, indem man sich mit den Wahninhalten rational auseinandersetzt und den Betroffenen ein gesundes Selbstwertgefühl vorlebt. Man soll sich nicht ganz groß fühlen, aber auch nicht ganz klein fühlen, eben seine Mitte finden. Um seine Balance wiederzufinden, braucht es Stabilität, aber auch Ablenkung von dem Wahnerleben.

Abhörung und staatliche Überwachung sind ja durchaus auch ein Thema in den Tagesmedien. Könnte man nicht über diesen Umweg ein vernünftiges Gespräch führen und darauf hinweisen, dass diese Gefahr zwar vorhanden ist, aber von den Betroffenen überbewertet wird? Auf diese Weise würde der Wahn der Mutter nicht heruntergespielt, aber man darf ihm auch nicht zu viel Raum geben.

Wichtig finde ich auch, dass man der Mutter Anerkennung zuteil werden lässt für die Pflege des behinderten Bruders und die Tätigkeiten im Haushalt. Wenn man trotz der Einschränkungen, die sich durch die Erkrankung ergeben, dennoch am Leben teilnehmen und seinen Alltag bewältigen kann, ist das eine beachtliche Leistung. Vielleicht kann man der Mutter ein Gefühl von Größe vermitteln, das außerhalb ihrer wahnhaften Vorstellungen einen ganz realen Gegenwert hat.

Das sind nur kurz meine Überlegungen dazu. Mir hat es immer geholfen, wenn ich Menschen in meinem Umfeld hatte, die mich auf die eine oder andere Weise "geerdet" haben, so dass ich mehr Bodenhaftung hatte. Als Angehöriger kann man durchaus mal sagen: "Jetzt übertreibst du aber" oder "Da geht deine Fantasie mit dir durch". Das hat dann auch nicht so sehr diesen Beigeschmack von psychischer Krankheit, wenn man es ganz nüchtern zurückmeldet. Ich weiß aber, dass es für Angehörige ganz schwierig ist, einen geeigneten Umgang zu finden, der Umgang mit dem Wahn kann wirklich zermürbend sein.

Viele Grüße,
ugo


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zuletzt bearbeitet 28.11.2016 11:49 | nach oben springen

#5

RE: Umgang mit kranker Mutter?

in Treffpunkt für Angehörige 28.11.2016 13:01
von Mieze123 | 31 Beiträge | 122 Punkte
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Liebe mmausal,

als ich gerade deine Zeilen las, ging es mir schon etwas besser, da du schreibst, dass es bei euch ähnlich ist. Auch meine Mutter wirft mir ihren (bisher einzigen) Psychiatrieaufenthalt, der quasi durch mich veranlasst wurde, schwer vor. Auch Spiele wie mich zu dem und dem ausladen weil ich Böse dieses und jenes gesagt habe etc. kenne ich zu gut.

Psychotherapie usw. habe ich auch schon alles vorgeschlagen, mit den Worten wie du es schreibst ("jemandem zum Zuhören haben"). Das Problem bei ihr ist, dass sie einfach zu niemandem auf der Welt - vor allem nicht zu Therapeuten, Sozialpädagogen, Psychiater etc. - auch nur noch irgendein Vertrauen hat. Dies bedingt auch durch meinen Bruder, der als Kind bei etlichen dieser Berufsgruppen war und es damit wohl immer Probleme gab (ob die wirklich da waren oder meine Mutter fehlgedeutet hat, weiß ich nicht). Sie kann sozusagen mit Menschen generell irgendwie nicht, was wohl aus ihrer schlimmen Kindheit herrührt.

Darf ich fragen, wie oft du deine Mutter siehst, also inwieweit du dich kümmerst? Ich sehe sie inzwischen ja eher selten (alle 2 Wochen), was mir an sich zu wenig erscheint, jedoch packe ich es ehrlich gesagt nicht viel öfter. Ich weiß, das ist sehr egoistisch.

Liebe Grüße
Mieze123



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#6

RE: Umgang mit kranker Mutter?

in Treffpunkt für Angehörige 30.11.2016 11:48
von seeing-her-ghosts (gelöscht)
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Hey,

meine Mutter bekam mit 21 die Diagnose "endogene Psychose" und ist seitdem medikamentös eingestellt. Wie sich das alles auswirkt und wie ihr Leben ist erzähle ich mit ihr in einem Buch das wir "Seeing Her Ghosts" genannt haben.

Vielleicht hast Du ja Lust einen Beitrag zu schreiben?
Wie haben auch ein Kapitel, das sich mit Erfahrungsberichten befasst. Also hättest Du da die Möglichkeit Deine/Eure Geschichte zu erzählen.

Alles Liebe


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