Einloggen
Zurück Vorwärts
Aktualisieren Drucken
Neuer TAB


Zum Seitenanfang Schritt hoch Schritt runter Zum Seitenende

#1

Sorge um betreuenden Vater

in Treffpunkt für Angehörige 08.10.2016 14:42
von redgreenblue | 2 Beiträge | 10 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds redgreenblue
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Hallo,

mein Bruder Tim erkrankte im Jugendalter, in dem er mit Drogen experimentierte, an paranoider Schizophrenie. Meiner Meinung nach litt er bereits vorher an einer Persönlichkeitsstörung, die nun sich noch weiter verschlimmert hat, ich vermute hier Narzismus oder ein Borderline-Syndrom. Das Familienleben wurde damit (das war in den frühen neunzigern) sehr gestört und die nervliche Belastung war für meine Mutter, meinen Vater und auch mich immens hoch. Ich selbst war bei der Bundeswehr und studierte dann, war aber immer sehr um meine Mutter besorgt, die den Großteil der Last trug, so dass diese Entwicklung nicht an mir vorüber ging. Mein Vater entzog sich tendenziell der schwierigen Situation und untergrub gelegentlich die Bemühungen meiner Mutter für ein geregeltes Familienleben zu sorgen, z. B. indem er meinem Bruder Geld gab, das dieser wiederum in Drogen umsetzte. Doch auch diese Tage sind mittlerweile vorbei.

Meine Mutter starb vor vor ca. zehn Jahren und nun kümmert sich mein Vater um diesen Menschen, der uns so viel Leid zugefügt hat. Natürlich schiebt Tim alle Verantwortung weit von sich und überschüttet uns mit Vorwürfen: Wir hätten ihn eingesperrt (d. h. einweisen lassen, aus gutem Grund), sein Leben und seine Zukunft zerstört. Wenn er sich in seinen Wahn hineinsteigert, ist er kaum zu bremsen. Mindestens einmal hat er meinen Vater mit Kraft geschlagen, später aber erzählt, mein Vater würde zu Gewalt gegen ihn neigen (was Unfug ist).

Wenn Tim merkt, dass es für ihn "brenzlig" wird, z. B. weil er ein Gespräch mit dem Jugendamt, oder einem Arzt führen soll, kann er sehr überzeugend und charmant auftreten (und lügen, dass sich die Balken biegen). Wir dagegen fungieren als seine Fußabtreter, an denen er seinen ganzen Frust über sein verpfuschtes Leben auslässt. Im Haus meines Vaters schreit und tobt er dann stundenlang. Mein Vater ist mittlerweile "mit den Nerven am Ende" und depressiv, wie meine Mutter zum Ende ihres Lebens. Allerdings kann er Tim nach wie vor keine Grenzen setzen: Er hat ihm ein Haus in der Nähe gekauft, lässt aber zu, dass Tim sich bei ihm einquartiert und versorgt ihm mit Essen (fast ausschließlich Pizza). Er ist über 70 und ich weiß nicht, wie lange er dies noch durchhalten wird.

Mein Vater ist z. Z. der gesetzliche Betreuer von Tim. Er geht auch zu einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Betroffenen und war zeitweise deren Vorstand. Ich mache mir Sorgen um ihn. Auch frage ich mich, was wird, wenn er sich nicht mehr um Tim kümmern kann. Sollte ich dessen "Pflege" übernehmen, wäre ich vermutlich in wenigen Wochen selbst ein Pflegefall, so unangenehm ist mir dieser Mensch mittlerweile. Es ist eine Mischung aus Arroganz, Aggression und Mitteilungsbedürfnis, die noch zu seinem wahnhaften Verhalten und seinen "Eingebungen" hinzukommt. Tim ist nun fast 40.

Ich selbst lebe mit eigener Familie in einem anderen Bundesland und bekomme aus der Ferne mit, was sich im ehemaligen Haus meiner Eltern so abspielt. Ich bin in einem Pflegeberuf und versorge körperlich und geistig Behinderte. Das erscheint mir auch als die beste Lösung für Tim, der sich, trotz aller Angeberei nicht selbst versorgen, oder Ordnung halten kann.
Welche Möglichkeiten gibt es, jemanden betreutes Wohnen zu ermöglichen? Was ist, wenn derjenige sich weigert? Das wäre sehr wahrscheinlich, denn Tim kann nicht gut lange mit anderen Menschen, die er nicht "beherrschen" kann, auskommen. Gibt es denn nur die Möglichkeit, diese Bürde meinem Vater, der voller Mitleid und Sorge um seinen Sohn ist, zu überlassen und Tim nach dessen Zusammenbruch oder Tod dem Staat zu überantworten, oder ihn als Obdachlosen enden zu lassen? Werde ich möglicherweise noch pflegerisch/finanziell zur Verantwortung für meinen Bruder gezogen (klingt egoistisch, aber diesem Menschen schulde ich nichts)?

Hat jemand schon Erfahrungen mit einem "Umzug", bzw. einer "Überführung" in ein ambulantes Heim, in dem man betreut wird, evtl. auch gegen den Widerstand des Betreuten? Eine bessere Lösung weiß ich nun auch nicht. Danke fürs Lesen.


zuletzt bearbeitet 08.10.2016 14:43 | nach oben springen

#2

RE: Sorge um betreuenden Vater

in Treffpunkt für Angehörige 08.10.2016 17:12
von Hope (gelöscht)
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Hope
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Hallo,
ich kenne mich nur wenig aus. Aber da mein Ex-PArtner erkrankt ist, habe ich sämtliche Informationen bei zuständigen Behörden eingeholt:

Gegen den Willen eines BEtroffenen kann man gaaar nix machen! Nix! Nix! Nix!
Einzige Ausnahme: Zwangseinweisung bei fremd- oder selbstgefährdung. Aber selbst das entscheiden nicht die Angehörigen sondern Ärzte und Richter.

Heißt konkret: Ihr besorgt Eurem Bruder einen Platz im betreuten Wohnen und schmeißt ihn bei Deinem Vater raus, er weigert sich da hin zu gehen und schläft lieber im Park. DANN IST DAS SO! UND ES IST SEINE ENTSCHEIDUNG! und ihr könnt rein gar nix dagegen tun, wenn er sich nicht gefährdet oder andere.

Sprich: Ohne seine Zustimmung könnt ihr nix machen!

WEnn er schon ein Haus für sich hat: Warum wohnt er da nicht?

Vielleicht könnt ihr euch an eine Beratungsstelle wenden und dort versuchen mit Mediation eine Regelung zu treffen, die Deinem Vater hilft? Meinetwegen: Er kommt nur noch zum Mittagessen zu Deinem Vater und hält sich zwei Stunden in dem Haus auf etc.

Leider ist es aber so, dass Betroffene nicht immer in der Lage sind, sich an so Absprachen zu halten.


1 Mitglied hat sich bedankt!
nach oben springen

#3

RE: Sorge um betreuenden Vater

in Treffpunkt für Angehörige 08.10.2016 17:14
von UgoAdmin | 2.793 Beiträge | 10207 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Ugo
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Zitat von redgreenblue im Beitrag #1
Welche Möglichkeiten gibt es, jemanden betreutes Wohnen zu ermöglichen? Was ist, wenn derjenige sich weigert?


Über den Einzug in ein Wohnheim entscheidet der gesetzliche Betreuer, sofern ihm der Aufgabenbereich "Aufenthaltsbestimmung" zugewiesen wurde. [1] In diesem Fall wäre das der Vater. Wenn dieser seinen Betreuerpflichten nicht nachkommen kann, sollte ein anderer Betreuer bestellt werden.

Du kannst als Angehöriger keine Heimunterbringung veranlassen. Eventuell könntest du dich an das Betreuungsgericht wenden und einen anderen Betreuer vorschlagen oder mit dem Vater vereinbaren, dass dieser im Zuge des Betreuungsrechts die Unterbringung in ein Wohnheim veranlasst. Gegen den Willen des Betreuten wird es allerdings schwierig, ihn dort festzuhalten.

Zitat
Hat jemand schon Erfahrungen mit einem "Umzug", bzw. einer "Überführung" in ein ambulantes Heim, in dem man betreut wird, evtl. auch gegen den Widerstand des Betreuten?



Was meinst du mit einem "ambulanten Heim"? Ambulante Wohnheime gibt es nicht, aber es gibt z.B. das ambulant betreute Wohnen (Wohnassistenz), in dem Personen in ihrer eigenen Wohnung leben und Hilfe von einem ambulanten Pflegedienst erhalten. Daneben gibt es aber auch psychiatrische Wohnheime und betreute Wohngruppen.

Siehe auch: Betreutes Wohnen


2 Mitglieder finden das Top!
1 Mitglied hat sich bedankt!
zuletzt bearbeitet 08.10.2016 17:30 | nach oben springen

#4

RE: Sorge um betreuenden Vater

in Treffpunkt für Angehörige 08.10.2016 17:20
von erdbeere | 3.790 Beiträge | 11754 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds erdbeere
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

hallo @redgreenblue

helfen kann ich dir bei deinem problem leider nicht...
aber wollte trotzdem erstmal herzlich willkommen sagen...fühl dich wohl im forum...
auf einen guten austausch...

liebe grüße
erdbeere


"Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust,dann wird es dir sein,als lachten alle Sterne.
Weil ich auf einem von ihnen wohne,weil ich auf einem von ihnen lache.
Du allein wirst Sterne haben,die lachen können."

(aus "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry)
1 Mitglied hat sich bedankt!
nach oben springen

#5

RE: Sorge um betreuenden Vater

in Treffpunkt für Angehörige 08.10.2016 17:21
von UgoAdmin | 2.793 Beiträge | 10207 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Ugo
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Zitat von Hope im Beitrag #2
Heißt konkret: Ihr besorgt Eurem Bruder einen Platz im betreuten Wohnen und schmeißt ihn bei Deinem Vater raus, er weigert sich da hin zu gehen und schläft lieber im Park. DANN IST DAS SO! UND ES IST SEINE ENTSCHEIDUNG! und ihr könnt rein gar nix dagegen tun, wenn er sich nicht gefährdet oder andere.


Ja, das sehe ich auch so.


1 Mitglied hat sich bedankt!
nach oben springen

#6

Danke!

in Treffpunkt für Angehörige 21.10.2016 10:33
von redgreenblue | 2 Beiträge | 10 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds redgreenblue
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Ich wollte mich nur noch einmal melden und zeigen, dass ich die Beiträge alle las und euch dafür dankbar bin. Es sieht also wirklich nicht so aus, als könne man viel machen.

Zitat
WEnn er schon ein Haus für sich hat: Warum wohnt er da nicht?


Er ist sehr gesellig und muss wohl auch Wut/Druck abbauen, daher geht er bei meinem Vater ein und aus.

Zitat
aber wollte trotzdem erstmal herzlich willkommen sagen...fühl dich wohl im forum...
auf einen guten austausch...


Vielen Dank!


nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Entmündigung vs. gesetzliche Betreuung
Erstellt im Forum Rechtliches, Ämter und Behörden von Ugo
6 16.12.2016 05:52goto
von biennis • Zugriffe: 892
Studie zu betreuenden Angehörigen der Universität Augsburg
Erstellt im Forum Wissenschaftliche Studien von Studie_Angehoerige
0 24.06.2016 12:01goto
von Studie_Angehoerige • Zugriffe: 258
Hirngespinster (Film über schizophrenen Vater)
Erstellt im Forum Schizophrenie in den Medien von Serendipity
14 23.11.2016 10:19goto
von Hope • Zugriffe: 707
Sorge um guten Freund
Erstellt im Forum Treffpunkt für Angehörige von sneeker
6 09.03.2015 21:23goto
von Wolf • Zugriffe: 363
Schwesternbeziehung und Psychose (langer Text)
Erstellt im Forum Treffpunkt für Angehörige von zheng1sao
11 08.02.2014 15:37goto
von Hotte • Zugriffe: 1445
Google Translator

Besucher
9 Mitglieder und 24 Gäste sind Online:
Maja, lucky, erdbeere, Schnitzelchen, escargot, WHOAMI, frog91, steffen, Milarepa

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Iel
Besucherzähler
Heute waren 753 Gäste und 40 Mitglieder, gestern 1824 Gäste und 72 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 3195 Themen und 50617 Beiträge.

Heute waren 40 Mitglieder Online:
Agi007, check, Das Mutti, DaSchizoo, Eleonore, erdbeere, escargot, Felinor, Feuerlilie, Freia, frog91, Fränzchen, h1ght, Hirnsehprogramm, Jela, Jenie, Julzz, lucky, Maja, Mango, marie luise c, Melisse, Mi Ri, Milarepa, Molly, PapaRa113, Sartorius77, Schnitzelchen, sensitive, Shining, Sirod, SkyOfHope, steffen, Steffie, suffered, Summer, Teebeutel, Ugo, WHOAMI, wir2

Besucherrekord: 150 Benutzer (17.05.2014 08:28).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen