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#1

Mutter soll evtl. zwangseingewiesen werden

in Treffpunkt für Angehörige 28.07.2016 13:25
von Mieze123 | 31 Beiträge | 122 Punkte
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Hallo zusammen,

ich bin neu hier, und das ist das erste Mal in meinem Leben, das ich etwas in ein Forum schreibe...also fange ich einfach mal irgendwie an.
Achtung: lang!

Ich bin 29 Jahre alt, und meine Mutter ist vermutlich bzw. ziemlich sicher psychisch krank. Sie war schon immer recht seltsam fand ich, hat wahnsinnig viel immer auf sich bezogen etc., hatte aber nie eine ärztliche Diagnose oder Behandlung o.ä.
Vor ca. 2 1/4 Jahren hat an ihrer Wohnung wohl jemand (lt. ihren Angaben ein "falscher" Polizist) an ihr Küchenfenster von außen geklopft, sie hat dem Mann eben geöffnet und der wollte wissen, ob das ihr Küchenfenster ist. Ob das wirklich so bzw. warum das so war weiß ich nicht...
Das war, würde ich behaupten, so ein Schlüsselereignis. In den Wochen darauf war sie dann auf einmal extrem komisch (zuerst dachte ich mir nur, momentan spinnt sie aber extrem), sie dachte plötzlich, dass die Nachbarn sie abhören können, sie verfolgt werde, nachts jemand in ihre Wohnung reinleuchtet, der Nachbar sich durch die Küchenwand bohrt, ständig Leute bei ihr einbrechen möchten etc. Das war natürlich sehr besorgniserregend und zuerst dachte ich mir dann, oh Gott meine arme Mutter, wer tut ihr das alles an. Ich ab dann sogar mit ihr die Steckdosen in ihrer Wohnung abgeklebt, weil sie solche Angst hatte, dass sie darüber abgehört wird und ich dachte, ich helfe ihr liebe, nicht dass da am Ende wirklich noch jemand ist (ma muss dazu sagen sie lebt in einem größeren Sozialwohnungskomplex, da laufen schon auch teilweise fragwürdige Personen rum).

Nen leichten Verfolgungswahn hatte sie allerdings schon immer, nur hatte ich damit halt nie ne Krankheit wirklich in Zusammenhang gebracht, ich dachte mir halt immer sie hat schwache Nerven auf Grund schlechter Erlebnisse in der Kindheit, überfordert sein bzw. übertreibt einfach.

Eines Abends wollte ich dann mit meinem damaligen Freund (die Beziehung war zu dem Zeitpunkt leider schon quasi auf dem Nullpunkt, trotzdem war er so lieb und hatte mich unterstützt) die Nacht bei ihr verbringen, um zu gucken, ob bzw. was da jetzt nachts bei ihr so los ist. Ende vom Lied war, dass wir dort waren, sie die Tür allerdings nicht mehr öffnete und ich nicht reinkam, da der Schlüssel von innen steckte.
Also riefen wir den Schlüsseldienst, der die Tür öffnete. Meine Mutter lag auf dem Boden und konnte sich nicht bewegen, ich war natürlich total erschrocken und wir riefen den Notarzt. Mein damaliger Freund dachte an einen Schlaganfall.

Als dieser da war, konnte sie schon wieder aufstehen und hatte sich hingesetzt, äußerte sich aber relativ wahnhaft ("die bohren sich hinter den Schränken durch, ich solle ihnen (also den Ärzten) die Wahrheit sagen; fragte einen Arzt, ob er ein Nazi sei usw.). Da sie nicht freiwillig ins kh mit wollte, musste die Polizei gerufen werden, die sie dann schließlich überzeugen konnte. Es war an sich jedoch alles recht friedlich.

Dort war sie dann (ab Tag 3 unfreiwillig, es wurde ein Unterbringungsbeschluss eingeholt) für 16 Tage, ich besuchte sie jeden Tag, bekam die vorübergehende Betreuung. Natürlich musste ich mir Vorwürfe anhören, dass sie mir das nie verzeihe, dass sie jetzt hier ist wegen mir etc.
Es ging ihr gewissermaßen dann besser, leider litt sie unter starken Nebenwirkungen der Medikamente und in der Klinik ging leider keiner wirklich darauf ein, so dass sie nach dem Klinikaufenthalt zwar daheim war, aber wie ein Zombie war und ich mit ihr in ein anderes KH gefahren bin, wo ihr ein Gegenmedikament gegeben wurde. Ein paar Wochen nach ihrer Entlassung musste ich auch nicht mehr jeden Tag zu ihr fahren, und sie konnte wieder selbst Einkäufe etc. erledigen.
Kurz gesagt: Eingewiesen, mit Medikamenten versorgt/vollgestopft, und dann einfach fallen gelassen. So hatte ich es empfunden. Als sie entlassen wurde, hielt es nicht einmal der Arzt für nötig sich von uns persönlich zu verabschieden und uns noch ein Input für die nächsten Wochen zu geben, bis auf natürlich, dass eine ambulante Weiterbehandlung empfohlen wird (stand im Arztbrief), aber auf eine Wichtigkeit/Dringlichkeit hatte keiner hingewiesen. Ich war damals was das Ganze anging ja noch total grün hinter den Ohren.

Das war vor wie gesagt ca. 2 1/4 Jahren, und es ging ihr an sich ganz gut, unser Verhältnis war auch echt super (ansonsten ist das eher nicht so). Jedoch hatte sie immer noch Ängste/Einbildung (?), dass jemand bei ihr einbrechen könnte.

Dann vor knapp 1 Jahr entschied sie sich dazu, die Medis ganz abzusetzen (sie war zu der Zeit in ambulanter Behandlung, aber eben noch nicht ganz symptomfrei), da die Psychiaterin, bei der sie dann in ambulanter Behandlung war, ihr "einredete, es gäbe niemanden, der bei ihr einbrechen will". Diese Angst hatte sie also weiterhin. Seitdem sie die Medikamente absetzte (und natürlich auch die ambulante Behandlung abbrach), sind ihre Vorstellungen wirklich schlimmer geworden.

Bis Januar diesen Jahres hatten wir noch regelmäßigen Kontakt, und sie schrieb mir täglich oft mehrere sms, was die Nachbarn alles trieben, welches Auto sie verfolgte, dieser und jener Iraker oder Russe an der und der Bushaltestelle sah sie böse an usw. Ich wusste irgendwann nicht mehr, was ich darauf schreiben soll, hab aber auf jede mir erdenkliche Art versucht, sie dazu zu bringen, wieder zum Arzt zu gehen (sowohl auf die einfühlsame als auch auf die forsche Art). Hat leider nicht geklappt, bis sie mir dann wieder einige sms schrieb, in denen ich nun die Böse war. Dass sie wegen mir in der Psychiatrie gewesen sei, es dort so schlimm war, ich sei Abschaum und solle zusammen mit meinem Vater und meinem (aktuellen) Freund bald sterben, denn ohne uns sei es schöner usw. War natürlich schlimm für mich, ich hab mich aber auch bei ihr entschuldigt, dass es mir leid tut, dass das in der Psychiatrie so unschön war. Inzwischen kann ich es mit Abstand betrachten, dass es einfach an der Krankheit liegt.
Naja seitdem haben wir nicht mehr sooo viel Kontakt, den hatte sie dann eingestellt; zuerst gings mir gar nicht gut damit, weil ich ständig in Sorge war, aber nach ner Zeit merkte ich, dass es mir sogar auf eine gewisse Weise besser geht, nicht mehr jeden Tag solche Nachrichten zu bekommen und mir solche Sorgen zu machen und nicht zu wissen, ob sie jetzt krank ist oder da vielleicht wirklich jemand was Böses möchte.

So, nun aber zu dem eigentlichen Punkt. Sie ist teilweise wohl weiterhin wahnhaft bzw. psychotisch, obwohl ich mir immer noch nicht 100 %ig sicher bin, ob das jetzt alles wirklich ausschließlich Wahn und ver-rückt ist, oder vielleicht doch bei dem einen oder anderen was Wahres dran ist (bei Recherchen in der Vergangenheit bin ich auf organisiertes Stalking gestoßen, das hat mich nur noch mehr verwirrt, was jetzt wahr oder falsch ist), und so nur alles verstärkt wird bzw. wurde.

Nun kann man sagen, sie lebt halt in ihrer Welt, gefährdet jedoch niemanden, kommt aber zurecht in ihrem Leben, würde ich sagen.

Allerdings gibt es noch meinen Bruder (33), der schwerbehindert ist (Grenze zu geistig-psychisch krank i. Verbindung m. Autismus) und bei meiner Mutter lebt. Ich bin seine Betreuerin. Sie kümmert sich trotz ihrem Wahn sehr gut (manchmal evtl. ewas zu sehr einnehmend) um ihn, er hat inzwischen auch ne recht erhöhte Pflegebedürfigkeit. Er musste allerdings vor 1,5 Jahren auch (durch mich) zwangseingewiesen werden, da sein Zustand sich total verschlechtert hatte und er richtig abgemagert war, das Haus schon seit ca. 1,5 Jahren nicht mehr verlassen hatte, mehr oder weniger nur mehr so vor sich dahinsiechte. Hier lag also wirklich Selbstgefährdung vor, so dass die Zwangseinweisung (leider) der unumgängliche Schritt war. Andere Ärzte/Stellen, die wir vorher um Rat bzw. Hilfe baten, brachten auch keine Besserung.

Er war dann 3 Monate in einer Klinik, das hatte auch meine Mutter damals befürwortet, und wir hatten irgendwie einen richtigen Familienzusammenhalt, es ging ihm dann auch wirklich besser und seitdem ist eigentlich alles erst mal wieder gut, was ihn betrifft.
Nun geht meine Mutter jeden Dienstag in ne Arbeitstherapie mit ihm (also sie bringt und holt ihn mittels Öffentlichen, Auto hat sie keins), und alle paar Wochen gibts auch ein Gespräch mit dem meinen Bruder behandelnden Arzt. Der weiß, dass sie schon mal eine Psychose hatte, und vor ein paar Monaten hatte er mich mal ein bisschen dazu befragt, weil er fand, dass sie recht auffällig wäre im Vegleich zu einigen Monaten zuvor. Scheinbar äußere sie auch vor ihm (sprich auch vor meinem Bruder) seltsame Dinge wie oben beschrieben.

Vor ein paar Tagen rief er mich wieder an, dass die zwei letzte Woche wieder da waren, und es inzwischen sehr extrem sei mit ihren Äußerungen (Schafschützen stehen auf dem Dach, sie legt sich in die Badewanne nachts, weil sie Angst hat, jemand kommt in die Wohnung etc.), und er denkt, dass sie nun dringend in Behandlung gehört. Er hat mir quasi angeboten, dass er das Gesundheitsamt zu ihr schickt, also das von ihm als Arzt ausgeht, damit ich sozusagen "aus dem Schneider" wäre. Er befürwortet also eine Zwangseinweisung, da sie sich auch die Haut häufig aufkratzt (ob das auch im Wahn ist oder physische Ursachen hat, weiß ich nicht). Allerdings sind die Wunden nicht so schlimm, als dass es extrem eigengefährdend ist, würde ich sagen...

Nun will ich natürlich, dass es meiner Mutter wieder besser geht, andererseits ist eine Zwangseinweisung ja sehr schlimm, vor allem natürlich für sie. Hinzu kommt eben mein behinderter Bruder; unsere Familie besteht nur aus uns dreien, wir haben nichts und niemanden an Nachbarn oder Bekannten (wurden alle von meiner Mutter vergrault), die mir da mithelfen könnten, d.h. ich müsste vermutlich in der Zeit zu ihnen ziehen, um irgendwie meinen Bruder zu versorgen. Und ihm das irgendwie versuchen zu erklären. Vor zwei Jahren war er so gefangen in seiner eigenen Welt, dass er das gar nicht wirklich mitbekommen hatte, dass unsere Mutter zwei Wochen weg war.

Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll. Ich habe heute schon ein Telefonat mit dem Krisendienst geführt, der mir sagte, dass das an sich ein nettes "Angebot" sei von dem Arzt, dass er die Büße quasi auf sich nimmt, und die Alternative nur wäre, dass der Wahn immer schlimmer wird und die Behandlung auch immer längerwieriger würde. Andererseits konnte die Frau auch verstehen, als ich meinte, dass ich glaube dass meine Mutter eher zu der Sorte "nie einsichtig werdend" gehört, und ich deshalb eine Zwangseinweisung nicht befürworte, und die Situation so belasse.
Meine Mutter redet(e) mir immer ein, ich soll den Ärzten nicht alles glauben und mich in Acht nehmen vor Psychiatern und Psychologen, und zwar schon viele Jahre vor dem (endgültigen) Ausbruch ihrer Krankheit. Das hat mich natürlich gewissermaßen geprägt, und ich möchte eigentlich nicht, dass ihre Seele unter einer neuen Zwangseinweisung noch mehr verletzt wird.

Ich stelle es mir auch sehr schwer bzw. noch schlimmer vor, jemanden, der überhaupt nix von Ärzten (und schon gar Psychiatern) hält, unter Zwang bzw. gar Gewalt eben genau dann zu solchen Leuten gebracht wird.

Ich muss noch dazu sagen, unser Verhältnis ist nicht sonderlich gut, ich hab meine Mami zwar lieb und wünsche mir für sie, dass es ihr mal endlich gut geht, aber auf Grund Ereignisse in meiner Kindheit/Jugend bin ich da etwas abgestumpft, und habe manchmal halt auch nicht zu 100 % so reagiert, wie man es evtl. als Tochter macht. Das wirft sie mir auch bis heute vor, ich kenne keinen Familienzusammenhalt etc. Obwohl ich schon finde, dass ich zu ihr halte und mich kümmere, evtl. etwas distanzierter als eine Tochter, de mit ihrer Mama immer eine innige Beziehung hatte, was bei uns halt einfach nie war. Ich werfe ihr auch die Dinge von damals nicht vor, da ich denke, dass es auf Überforderung bzw. gar Krankheit zu schieben ist (behindertes Kind, keine wirkliche Unterstützung von Verwandten etc.), aber dadurch ist es einfach unterkühlt bei uns.

An sich würde ich den Arzt bitten, von einer Zwangseinweisung erst einmal Abstand zu nehmen (der Witz an sich, er sagte sogar zu mir am Telefon, er weiß gar nicht wie genau das am Ende abläuft o.o) und ihm ins Gewissen zu reden, erst einmal versuchen mit ihr zu reden oder ähnliches. Das ist eine große Klinik, die genug Psychologen etc. haben, und sie vielleicht mal anrufen oder beim nächsten Therapiebesuch mit ihr sprechen können.

Auf mein Reden hört meine Mutter nicht, ich hab Anfang des Jahres und davor alle mir eingefallenen Varianten versucht (über "ich glaube dir was du hörst/siehst, aber ich sehe es nicht" bis "du musst bitte zum Arzt, dir gehts so schlecht, das sehe ich", Termin bei nem Hausarzt ausgemacht, zu dem sie natürlich nicht mit mir gehen wollte). Im Mai rief sie mich tagsüber 3-4x an und beschrie mich aufs Übelste, wann ich ihr endlich eine neue Wohnung suche und sie nur wegen mir in der jetzigen Wohnung ist und sie es nicht mehr aushält...ich hab dann schon versucht normal mit ihr zu reden, aber auch kurz was von Arzt gesagt.. dann kam eine sms von ihr etwas später, dass meine Äußerung, sie müsse zum Arzt, mal wieder meine primitive Niederträchtigkeit zeigte, sie nicht so verblödet sei wie ich und sie mich nicht bräuchte.

Vielleicht hat jemand einen Rat oder Tipp für mich. Und tut mir leid, dass es ein so langer Text wurde ;-) Mir gehen nur so viele Gedanken durch den Kopf. Muss eine Zwangseinweisung sein, wie würde das ihre Seele verkraften, was wird aus meinem Bruder, während der Klinik und vor allem danach.. was wird aus meinem Leben bzw. unser aller Leben.

Danke euch schon einmal.

Grüße
Mieze



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#2

RE: Mutter soll evtl. zwangseingewiesen werden

in Treffpunkt für Angehörige 28.07.2016 18:34
von Hotte | 1.638 Beiträge | 4790 Punkte
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Hallo Mieze123, herzlich willkommen hier!

Erstmal gratuliere ich zu Deinem ersten Forenbeitrag. :)

Leider weiß ich nicht, was Du schon weißt und alles ausprobiert hast...

Mir fällt als erstes ein, dass gerade bei der großen Angst vor Ärzten und Psychologen, um die sich auch der Wahn Deiner Mutter dreht, Vertreter dieser Berufsgruppen sicherlich keine große Hilfe sein können, weil man diese "Hilfe" aufzwingen müsste...

Aus eigenem Erleben - große Angst vor Psychologen, Ärzten und später Behandler_innen jeglicher Art bis hin zu beratenden Berufen - kann ich sagen, dass mir die Betreuung durch Genesungsbegleiter (Peerberater, EX-IN) eine Tür geöffnet hat, Hilfe annehmen zu lernen und Krankheitseinsicht zu gewinnen.

Gibt es solche krisenerfahrenen Menschen, die Teams psychosozialer Träger verstärken, auch bei Deiner Mutter in Wohnortnähe? Jemand mit eigener Psychoseerfahrung wäre sicherlich nicht so plump wie die damalige Psychiaterin, in der Art und Weise, wie sie damit konfrontiert wurde, dass ihre Auffassung der Realität von der ihrer Mitmenschen stark abweicht.

Es ist schlimm in der Psychiatrie, ja. Damals hast Du mE richtig gehandelt, indem Du Verantwortung übernommen und eingegriffen hast.
Ein Aufenthalt in der Psychiatrie, wie ich sie kennengelernt habe, ist gut dazu geeignet, die Patienten mit frischen Traumen zu versorgen. Deshalb würde ich auch in dem Fall von Zwangsbehandlungen absehen wollen, da ja keine akute Fremd- oder Selbstgefährdung vorliegt. Inwieweit sie der Aufgabe, den Sohn zu pflegen, noch gewachsen ist, kann ich nicht beurteilen. Aber das sind zwei verschiedene Sachen.

Bei einem Arzt, der selbst unsicher ist, welche Konsequenzen sein Handeln hat, wäre ich vorsichtig. Seine Ehrlichkeit spricht für ihn, aber das war es auch schon. Er würde ja, vermute ich, nur ihren Wahn verstärken, wenn er der von ihr phantasierten Rolle gerecht wird.

Für mich persönlich war es sehr heilsam, dass ich die Erfahrung machen durfte, dass es eben nicht eintrifft, was ich befürchtet habe. So konnte ich mich Schritt für Schritt aus meiner Annahme über die Wirklichkeit heraustasten. Und ohne Peers wäre mir das nicht gelungen.

Bevor das hier wieder wieder zu lang wird: https://lysander2016.wordpress.com/genes...rung/psychosen/
Da habe ich mein Wissen zum Thema Genesung von Psychosen möglichst straff zusammengefasst und Seiten verlinkt, die für mich sehr wegweisend waren.
Leider habe ich es noch nicht geschafft, eine spezielle Seite für Angehörige zusammenzustellen, aber dafür sind mE auch die Angehörigenberater zuständig.


---
Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, mach Limonade draus! (G. Sielaff)
Mein Blog: https://ingo-schreibt-anders.blog
Ich schreibe auch in der http://www.schreibkommune.de/. Dort findet ihr Geschichten und Artikel mit Themen rund ums Schreiben.
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#3

RE: Mutter soll evtl. zwangseingewiesen werden

in Treffpunkt für Angehörige 28.07.2016 20:35
von Molly | 3.181 Beiträge | 15617 Punkte
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Hallo @Mieze123: !

Ich finde, am wichtigsten wäre, dass Dein Bruder dort raus kommt. Wenn Eure Mutter in so einem Zustand ist, macht sie ihm doch total Angst. Klar dass es ihm dann noch schlechter geht als so schon.

Ich würde Dir raten, den sozialpsychiatrischen Dienst zu rufen und sie ambulant betreuen zu lassen, damit immer mal jemand bei ihr vorbeischaut. Dass sie von ihrem Wahn komplett loskommt, ist nach einer so langen Zeit selbst mit Medikamenten ziemlich schwierig.

LG,
Molly


LG,
Molly

Mein Wahlspruch: Halte niemals mit einer Hand die Vergangenheit fest, denn du brauchst beide Hände für die Zukunft!
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#4

RE: Mutter soll evtl. zwangseingewiesen werden

in Treffpunkt für Angehörige 28.07.2016 20:47
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Hallo Hotte,

vielen Dank :-) Und vielen Dank für deine Antwort natürlich!

Von Peerberater und EX-In höre ich zum ersten Mal, das schaue ich mir auf jeden Fall genauer an! Scheint es auch bei uns zu geben, was ich gerade auf die Schnelle im Internet gesehen habe. Ich habe zwar schon zwei mal beim Psychiatrischen Dienst angerufen und nach Lösungshilfen gefragt, aber von so etwas wurde mir noch nie berichtet.

Das Problem ist, dass der Arzt eben schon denkt, dass sie selbstgefährdet ist, weil er meint, dass sie ziemlich abgenommen habe (wenn ich bei ihnen bin, isst sie zumindest immer normal, und mir persönlich ist nicht aufgefallen, dass sie extrem dünner ist als sonst, aber ich habe auch noch nicht aktiv darauf geachtet bisher), und sie sich ihre Wunden etwas aufkratzt. Außerdem stellte er auf einen Suizidversuch in den 70er Jahren ab und meinte, man könne ja nie wissen, ob das nicht wieder passiert.. allerdings finde ich, ist das mehr als 30 Jahre her, und ich finde, meine Mama hat seitdem schon wieder schlimmere Sachen durchgemacht, und nie auch nur ein Anzeichen von Suizidgedanken gemacht. Sie drehte zwar oft ab, aber nicht so :D

Ich finde diese Argumente, die er bringt, natürlich schon bedenklich dahingehend, dass man sie beobachten muss und ich auf jeden Fall wieder 1x wöchentlich hin will, ob´s ihr passt oder nicht :D Ich kann mir halt vorstellen, wenn er dem Gesundheitsamt ne Meldung macht, und dort seine Ansichten reinschreibt, wird von dort das nicht mehr so gut überprüft und einfach in ein Gutachten übernommen (ist vielleicht abhängig vom Mitarbeiter), und schwups gibts nen Unterbringungsbeschluss mit nem gesetzlichen Betreuer.

Ich hoffe, dass ich den Psychiater davon abbringen und vernünftig mit ihm reden kann, dass er das lassen soll, ansonsten überlege ich natürlich, dagegen Widerspruch einzulegen (oder was auch immer man dagegen dann machen kann).

Danke auch für deinen Link; als erstes ist mir "Psychose als Traumafolge" ins Auge gestochen, leider funktioniert der Link scheinbar nicht ;-)

Ach so, meine Mutter hat übrigens als Diagnose vor zwei Jahren ne schizophrene Psychose gestellt bekommen.



1 Mitglied hat sich bedankt!
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#5

RE: Mutter soll evtl. zwangseingewiesen werden

in Treffpunkt für Angehörige 28.07.2016 20:57
von Mieze123 | 31 Beiträge | 122 Punkte
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Hallo Molly,

danke für deine Antwort :)

Da hast du an sich natürlich Recht... leider ist das nicht so einfach! Man würde ihn ja wohin geben wollen, wo es passt, was scheinbar echt nicht leicht ist bei ihm, da er seine Behinderung am Grad geistig-psychisch hat und ich schon von etlichen Wohnheimen etc., wo ich angerufen hatte vor nem Jahr (damals dachte ich eigentlich auch, es wäre besser, wenn er quasi aus dem KH gleich in ein Wohnheim kommt), zu hören bekam, "nee passt nicht, zu "klug", zu schwach... ein Teufelskreis :(
Ich glaube an sich auch, dass er auch weiß, dass viel davon nicht stimmt, was sie so erzählt... letztens habe ich ihm schon so Andeutungen gemacht. Da sagte sie z.B., dass die Nachbarn nen Schlüssel ja zur Wohnung hätten und versuchen würden einzubrechen. Dann war ich mit ihm alleine spazieren und hab gesagt, dass ich das nicht glaube und dann meinte er, "ja er auch nicht".

Außerdem will er bei ihr bleiben... und ihr kann man das Kind ja auch nicht einfach so wegreißen, sozusagen ist er ja ihre Lebensaufgabe; ich könnte mir vorstellen, dass so Behandlungsbereitschaft und vielleicht sogar Wahn noch weniger bzw. schlimmer werden

Ich werde den sozialpsychiatrischen Dienst auf jeden Fall noch mal anrufen! Vielleicht macht es auch Sinn, diese Woche noch mit jemandem von dort bei ihr hinzuschauen... die sind ja schnell zur Stelle, wenns ist...so zumindest die telefonische Auskunft mir ggü.



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#6

RE: Mutter soll evtl. zwangseingewiesen werden

in Treffpunkt für Angehörige 15.09.2016 21:48
von kajak (gelöscht)
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hallo mieze,

danke, dass du über hier über dich und deine Situation schreibst.

hast du den sozialpsychiatrischen Dienst erreicht und was ist dirt dort geraten worden?

ich stelle mir die Situation sehr schwer vor, einerseits bist du Betreuerin deines Bruders, andererseits hast du keinen Kontakt mit deiner Mutter, bei der er ja wohnt. Der behandelnde Arzt deines Bruders sollte in erster Linie für deinen Bruder da sein, finde ich. Das bedeutet auch, wenn er der Meinung ist, dass es deiner Mutter zu schlecht geht, um deinen Bruder adäquat zu betreuen, dass er mit dir gemeinsam Lösungen finden sollte, auch was z. B. ein passendes Wohnheim betrifft. Als Betreuerin deines Bruders sollte sein Wohl für dich an erster Stelle stehen oder? Andererseits befürchtest du, dass du mit einer Unterbringung den Wahn deiner Mutter verschlimmern bzw. den Ärger auf dich vergrößern würdest?


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#7

RE: Mutter soll evtl. zwangseingewiesen werden

in Treffpunkt für Angehörige 20.09.2016 20:12
von Nadi | 892 Beiträge | 5301 Punkte
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Hallo @Mieze123

für mich klingt das auch, als ob Du mit der ganzen Situation ziemlich alleingelassen wirst.

Gibt es denn da nicht zuerst einmal eine Unterstützungs-Möglichkeit/Angebot für Dich? Ich meine, Du mußt Dein eigenes Leben managen, dazu hast Du noch die Verantwortung für Deinen Bruder und Deine Mutter. Und wohl auch keine Verwandten oder Bekannten, die Dir einen Teil abnehmen könnten.

Ich denke auch, wenn jemand zwangseingewiesen wird, wird derjenige erstmal mit Medikamenten vollgepumpt, damit Zeit gewonnen wird, in der Hoffnung, daß sich bei dieser Person Krankheitseinsicht einstellt, wobei es wohl in vorderster Linie um Einsicht in die Zwangsmaßnahme geht, das ist ja eigentlich etwas anderes.

Also ich würde von mir behaupten, ich habe Krankheitseinsicht, aber die Zwangsmaßnahme, die man mir einmal angetan hat, finde auch auch nach etlichen Jahren noch unangebracht gewesen.
Damals hat sich kein Arzt oder Sozialarbeiter ernstlich um ein Gespräch mit mir bemüht, alle kamen mir nur mit Drohungen und mit so einer arroganten von oben auf die "Kranke" herab Attitüde, so wie man ein Kleinkind behandelt.


Also ich würde mir für Dich wünschen, daß sich ein Sozialarbeiter/in findet, der mit Deiner Mutter redet, indem er ihr das Krankheitbild erklärt und auch wie er sie einschätzen würde, und so als eine unabhängige, objektive Quelle dienen kann.


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Sie denken, weil Sie mich nicht mögen, mag Jesus mich auch nicht. Aber, können Sie das beweisen?
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#8

RE: Mutter soll evtl. zwangseingewiesen werden

in Treffpunkt für Angehörige 02.10.2016 15:07
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Hallo zusammen,

danke noch für eure Antworten! :-)

Zwischenzeitlich ist ja nun einige Zeit vergangen. Ich hatte im August mit dem sozialpsychiatrischen Dienst telefoniert, aber die würden auch nicht mehr machen, als mit meiner Mutter versuchen zu reden, dass sie in Behandlung gehört.

An sich ist aber nicht viel passiert - der Arzt meines Bruders hat sich nicht mehr bei mir gemeldet, obwohl zwischenzeitlich schon zwei oder drei Arztgespräche wieder mit ihm, meiner Bruder und meiner Mutter waren. Ich weiß nun nicht, ob er findet, dass sich ihr Zustand verbessert hat, oder einfach nen Rückzieher gemacht hat. Ich warte schon die ganze Zeit, dass er mich mal anruft, bisher kam jedoch nichts. Ich werde ihn dann wohl mal anschreiben die Tage. Ehrlich gesagt empfinde ich das als typisch, erst will er über das Ziel hinausschießen, aber wenns um noch andere Lösungen geht als gleich zwangseinweisen, wird wieder nix weiter gemacht, da zu aufwendig oder was auch immer.

Zu der Situation bei meiner Mutter und meinem Bruder: Wenn ich da bin, ist alles ganz normal, wie gehabt. Ich habe weiterhin nicht den Eindruck, dass sie das mit meinem Bruder und dem drumherum (Haushalt etc.) nicht schafft, ganz im Gegenteil, ich habe das Gefühl, es klappt ziemlich gut. Die zwei kommen auch regelmäßig raus, machen kleinere Ausflüge usw. Die Wohnung ist auch sehr ordentlich, sauber. Sie erzählt mir natürlich nach wie vor (so gut wie) nichts, aber ich bin mir zu 100 % sicher, dass sie ihren Wahn mit den Nachbarn usw. immer noch hat, lässt es bei mir halt nicht raushängen. Aber es macht mir nicht den Eindruck, dass es meinen Bruder belastet, ihm dadurch schlechter geht oder in irgendeiner Weise benachteiligt ist. Dass unsere Mutter manchmal etwas "seltsam" ist kennt er ja auch wie ich von früher schon.

So weit so gut also, alles läuft nach außen hin ganz gut, nur den Wahn hat sie vermutlich immer noch. Tut mir dann schon weh, wenn ich mir vorstelle, was bei bzw. in ihr dann wohl manchmal so abgeht :-( Andererseits ist sie auch ein sturer Hund... Im Rahmen meiner Telefonate mit dem sozialpsychiatrischen Dienst (hatte im August dort 3-4x angerufen) habe ich mit ingesamt 3 Personen geredet, und zwei davon meinten sogar, dass sie es auch verstehen könnten, wenn ich die Situation so belassen würde, da ich davon ausgehe, dass jeglicher Versuch, ihr eine Krankheitseinsicht beizubringen, scheitern würde. Und eine Zwangsbehandlung kommt für mich wie gesagt keinesfalls in Betracht und ist mE auch nicht notwendig.

@Nadi, ich kann mir gut vorstellen, dass dich diese Zwangsmaßnahme von damals heute noch beschäftigt....und ich denke auch, wie du es schilderst, es größtenteils doch einfach eine Art von Arroganz ist, mit der man in Kliniken konfrontiert wird...mit meiner Mutter damals wurde auch nicht wirklich geredet, als sie 2 Wochen in der Klinik war. Und aus diesem und anderen Gründen möchte ich, dass sie möglichst nie wieder dorthin muss.



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#9

RE: Mutter soll evtl. zwangseingewiesen werden

in Treffpunkt für Angehörige 02.10.2016 17:09
von Molly | 3.181 Beiträge | 15617 Punkte
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Hallo @Mieze123 !

Wenn bei Deiner Mutter alles gut läuft, würde ich es so lassen wie es ist. Es ist ja nicht gesagt, dass es ihr hinterher mit einer Medikamentösen Behandlung besser geht. Die Medikamente haben manchmal recht gemeine Nebenwirkungen, die es einem schwer machen einen Haushalt zu schmeißen und Lebensqualität zu haben. Vielleicht schafft sie es, auch mit ihrem Wahn einigermaßen normal leben zu können.

LG,


LG,
Molly

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