Einloggen
Zurück Vorwärts
Aktualisieren Drucken
Neuer TAB


Zum Seitenanfang Schritt hoch Schritt runter Zum Seitenende


#1

Montagsroman

in Betroffenen-Literatur 16.05.2016 19:19
von Hotte | 1.616 Beiträge | 4546 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Hotte
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Die Fenster sind vergittert. Ich sehe draußen Bäume und Wind, der sie bewegt. Da draußen ist die Freiheit und ein Weg, der an den Bäumen entlang führt. Eine Parkbank lädt zum Verweilen ein. Ja, da draußen würde ich wohl auch für eine Weile Platz nehmen wollen. Doch nicht hier drin, wo ich gezwungen bin.
So gerne würde ich das Fenster öffnen und frische Luft hineinlassen, denn hier drin ist sie abgestanden und stickig. Doch der Griff lässt sich nicht bewegen. Verschlossen.

Was habe ich nur verbrochen, dass man mich einsperrt? Außer zweimal Parken ohne Parkscheibe und einmal überhöhte Geschwindigkeit (es ging bergab) fällt mir nichts ein, wo ich gegen geltendes Recht verstoßen hätte. Und die Strafzettel habe ich bezahlt. Warum also?
Und vor allem. Wie komme ich nur hier raus?


---
Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, mach Limonade draus! (G. Sielaff)
Mein Blog: ingo-schreibt-anders.blog
1 Mitglied findet das Top!
nach oben springen

#2

RE: Montagsroman

in Betroffenen-Literatur 17.05.2016 07:38
von logo (gelöscht)
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds logo
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Nein, dachte er, Es wäre zu schön zu wohr zu - es ist nicht zu löschen. Er war drin. Wieder drin. Er war drin in diesem ganzen riesengroßen Schlamassel, und es war keine Geschichte die -
Die große Löschtaste, das wäre was. Noch mal back to square one und dann hätte er das nicht gesagt und dann hätte sie das ni,,,

"Guten Morgen" unterbrach der Pfleger seine Gedanken, ...


2 Mitglieder finden das Top!
nach oben springen

#3

RE: Montagsroman

in Betroffenen-Literatur 17.05.2016 08:11
von escargot | 3.189 Beiträge | 10186 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds escargot
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

und brachte ihm ein Schächtelchen mit den verhassten Pillen!

Er wollte sie unter keinen Umständen nehmen. Der Pfleger beharrte darauf und sagte immer wieder, dass er sonst nicht hinaus dürfe (mit Begleitung), um im Klinikpark spazieren zu gehen. Es sei nur zu seinem Besten. Der Pfleger ging vorerst wieder.
Die Sonne schien ins Zimmer und auf dem Flur war es laut, sehr laut.


>> And the day came when the risk to remain tight in a bud was more painful than the risk it took to blossom <<
Anais Nin
2 Mitglieder finden das Top!
nach oben springen

#4

RE: Montagsroman

in Betroffenen-Literatur 17.05.2016 22:02
von Molly | 2.583 Beiträge | 11732 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Molly
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Leise öffnete er ein wenig die Tür, sodass der durch den Spalt sehen konnte.

Draußen war die Hölle los!

Eine junge Frau schlug völlig außer sich auf zwei Pfleger ein, die sie festhielten um sie in das Zimmer gegenüber von seinem zu bugsieren. Sie hatte schwarzes und strähniges Haar, das ihr wirr um den Kopf hing. Sie war Barfuß. Ihre Kleider schienen nur noch Lumpen zu sein und sie schrie sich fast die Lunge aus dem Leib. Andere Patienten standen im Flur und feuerten sie auch noch an. Sie machten sich einen Spaß aus ihren Bemühungen, freizukommen.

Plötzlich sah sie in seine Richtung, wo er durch den Türspalt spickte und erstarrte. Die Pfleger waren im ersten Augenblick völlig überrascht, nutzten dann aber die günstige Gelegenheit um sie zu packen und in das Zimmer zu schleppen. Sofort ging das wilde Kreischen wieder los. Jetzt erst sah er die Stationsärztin mit einer Spritze in der Hand. Sie hatte die ganze Zeit in der Nähe gestanden. Auch sie verschwand im Zimmer und nach weiterem Kreischen und Gepolter wurde es langsam ruhig. Nach circa fünf Minuten kamen die Ärztin und die Pfleger heraus. Der dickere von Beiden rieb sich eine blutige Schramme auf der linken Backe. Sie schienen überhaupt ziemlich derangiert, schlossen leise die Tür und verschwanden wortlos und mit bleierner Miene durch den kahlen Flur.


Mein Wahlspruch: Halte niemals mit einer Hand die Vergangenheit fest, denn du brauchst beide Hände für die Zukunft!
3 Mitglieder finden das Top!
zuletzt bearbeitet 17.05.2016 22:14 | nach oben springen

#5

RE: Montagsroman

in Betroffenen-Literatur 25.05.2016 15:26
von Hotte | 1.616 Beiträge | 4546 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Hotte
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Völlig reizüberflutet schloss er sofort wieder die Tür. Auch wenn er eingesperrt war, war es hier im Zimmer noch besser als draußen im Flur. Wenn nur nicht die Klingel direkt über seiner Zimmertür angebracht wäre, wo jeder von draußen kommende Mensch sich mit einem Heidenlärm ankündigte: Besucher, Personal, der Essenswagen....

Alle von draußen dürfen rein, nur die drinnen dürfen nicht raus. Dabei müsste es doch genau andersherum sein. Ich bräuchte die Möglichkeit, zu entscheiden, wann die anderen draußen bleiben und wann sie reindürfen.
Und vor allem müsste ich einfach mal ein Machtwort sprechen und für Ruhe sorgen. Aber ohne Kittel habe ich überhaupt keine Rechte hier drinnen. Auch wenn ich jetzt nicht mehr fixiert bin, sind mir dennoch die Hände gebunden.


---
Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, mach Limonade draus! (G. Sielaff)
Mein Blog: ingo-schreibt-anders.blog
1 Mitglied findet das Top!
nach oben springen

#6

RE: Montagsroman

in Betroffenen-Literatur 25.05.2016 20:21
von Molly | 2.583 Beiträge | 11732 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Molly
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Was war nun wohl mit der jungen Frau passiert? Sicher lag sie drüben, völlig weggetreten durch die Sedierung in ihrem Bett. Vielleicht könnte er sich mit ihr verbünden, um hier herauszukommen? Ihr ging es ja anscheinend wie ihm. Wie lange würde die Medikamentenwirkung anhalten? Je nach dem was sie ihr gegeben hatten, ein paar Stunden bis einen Tag. Mit ein wenig Glück würde er sie am nächsten Morgen beim Frühstück sehen. Dann könnte er sie ansprechen. Alle Patienten der Station trafen sich zu den Mahlzeiten im Speisesaal. Das war eine gute Gelegenheit! Er würde sich zu ihr setzen und versuchen herauszufinden was mit ihr los war. Möglicherweise konnte er sie dazu kriegen, ihn bei einem Fluchtversuch zu unterstützen.

Das war doch endlich eine Perspektive! Seit geschlagenen drei Wochen saß er nun hier fest. Ihm fiel nun schlagartig ein, was wirklich zu seiner Einweisung geführt hatte. Er hatte auf dem Dach des Luxushotels am Stadtpark gedroht, sich herunterzustürzen.

Die Stimmen hatten ihm an diesem Tag gesagt, sie hätten das Bewusstsein schon sehr vieler Menschen gelöscht und wären nun in ihnen. In Wirklichkeit kämen sie vom Mars, wo sie normalerweise als Unsichtbare lebten. Nun hatten sie sich aber schon vor Jahrtausenden zur Erde aufgemacht, weil hier die Lebensbedingungen besser waren und nun war die Endphase ihrer Invasion angebrochen. Sie seien nun auch dabei seine Seele zu töten, um dann endgültig die Weltherrschaft zu übernehmen. Das konnte er nicht zulassen! Er hatte keine andere Möglichkeit gesehen, ihnen zu entkommen, als seinen Körper zu töten. Vielleicht ginge es aber auch anders! Deshalb müsste er unbedingt hier weg. Nun verweigerte er aber die Medikation und die Ärzte machten keine Hoffnung dass er bald nach Hause dürfte.

Diese blonde, immer perfekt geschminkte und auf hohen Hacken im Minirock herumstolzierende Stationsärztin sah schon sehr danach aus, dass auch sie schon mit einer Stimme besiedelt war. Sie wollte ihn sicher mit diesen Medikamenten lahmlegen und dann hätte er gar keine Chance mehr, sich gegen die Besiedlung zu wehren. Da er nie aggressiv geworden war, gab es allerdings keine Möglichkeit für sie, ihm die Medikamente aufzuzwingen. Dass er sie ablehnte, lieferte ihnen aber natürlich die Begründung dafür, dass er jede Chance verlor, gehen zu dürfen. So lange er keine Krankheitseinsicht zeigte und die Gefahr bestand, dass er den Selbstmordversuch wiederholen könnte, war das ausgeschlossen.

Wahrscheinlich konnte er nun die ganze Nacht wieder nicht schlafen, weil ihn diese so plötzlich auftuende Möglichkeit aufwühlte und sich alles in ihm anspannte. Er fühlte das Adrenalin in seinen Adern prickeln. Jetzt bemerkte er auch starkes Herzklopfen. Oje, das würde wieder eine Nacht werden! Keine Aussicht auf Schlaf! Er konnte den Morgen kaum erwarten, aber es waren nun mal noch 12 Stunden bis zum Frühstück.


Mein Wahlspruch: Halte niemals mit einer Hand die Vergangenheit fest, denn du brauchst beide Hände für die Zukunft!
2 Mitglieder finden das Top!
zuletzt bearbeitet 25.05.2016 22:17 | nach oben springen

#7

RE: Montagsroman

in Betroffenen-Literatur 25.05.2016 23:42
von Hotte | 1.616 Beiträge | 4546 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Hotte
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Sie fragte sich, was dieser Arme Mann wohl verbrochen haben mochte. Nur kurz war ihr Blick auf seinem Gesicht gelandet, mitten in dem Tumult auf dem Flur, als sie vom Personal überwältigt worden war. Doch dieser Moment war in ihrer Erinnerung wie eingefroren. Sie hatte den Schmerz in seinem Gesicht gesehen. Es war, als habe sie auf einen Blick all das Leiden erfasst, das er in sich trug.

Doch natürlich wusste sie genau, dass das nicht sein konnte. Sie kannte ihn ja überhaupt nicht. Aber sie kannte Trauer aus eigener Erfahrung. Und auch sie war eingesperrt wie er und hasste es, auf Gedeih und Verderb der Gewalt der Weißkittel ausgeliefert zu sein.
Nachdem sie die Erfahrung hatte machen müssen, dass man ihr auch dann Gewalt antat, wenn sie alle Regeln einhielt - es war die reinste Willkür! - sah sie keinen Sinn mehr daran, sich der hiesigen Struktur zu unterwerfen. Sie hatte keine Angst mehr. Was sollte auch passieren? Eingesperrt war sie bereits, gefesselt und niedergespritzt hatte man sie, nachdem sie sich auf dem Flur entkleidet hatte. Sterben wäre das einzige, das ihr noch passieren könnte, und das war besser, als das Leben gar nicht mehr zu spüren.


---
Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, mach Limonade draus! (G. Sielaff)
Mein Blog: ingo-schreibt-anders.blog
2 Mitglieder finden das Top!
nach oben springen

#8

RE: Montagsroman

in Betroffenen-Literatur 26.05.2016 07:18
von Henri | 197 Beiträge | 617 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Henri
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Das Gesicht des Mannes erinnerte sie an frühere Zeiten, an frühere Männer. Einige hatte sie kennengelernt. Ein paar Beziehungen hatte sie gehabt. Sie sei ein wildes Ding, dachte sie, zu keiner festen Bindung fähig. Einer jener Männer hatte sie sogar geschlagen. Sie war daraufhin mit ihrem Kind in ein Frauenhaus gegangen. Keiner der Männer konnte sie verstehen, Frauen verstanden sie auch nicht. Sie sei etwas besonderes, hatte sie gedacht. Jetzt hatte sie nur noch eine Krankheit. Das war die größte Enttäuschung. Sie glaubte nicht, dass dieser Mann an der Tür anders wäre als die anderen Männer.
Wie war sie überhaupt hierher gekommen? Langsam hatten sich die Symptome entwickelt. Zunächst gab es andere Erklärungen. Diese wiesen auf einen besonderen Charakter hin. Sie sei eben launisch oder verträumt, wild oder rebellisch. Dass dem eine Krankheit zu Grunde liegen könnte, darauf war sie nicht gekommen. Ihre Mutter war genauso gewesen. Ihre Tochter ähnelte ihr ebenfalls. War das alles? Schizophrenie? Ein weiterer Schicksalsschlag. Das Leben hatte es nicht gut gemeint mit ihr. Sie war kein Sonnenschein. Immer musste sie kämpfen. Um jedes bisschen Stück Leben. Nun diese Behinderung. Damit kämpft es sich nicht gerade leichter.


2 Mitglieder finden das Top!
zuletzt bearbeitet 26.05.2016 07:27 | nach oben springen

#9

RE: Montagsroman

in Betroffenen-Literatur 27.05.2016 21:43
von Quietschi | 930 Beiträge | 1901 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Quietschi
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Am nächsten Morgen erfuhr er, dass die junge Frau nicht mehr ans Bett gefesselt war, sondern wie alle anderen am Frühstück teil nahm. Er passte sie auf dem Weg zu ihrem Sitzplatz ab und stellte sich vor. Die junge Frau stellte sich als Lydia vor und er nahm neben ihr Platz, um sie erst ein mal etwas abzuklopfen, bevor er mit seinem Plan heraus poltern würde aus der Klinik abzuhauen.


2 Mitglieder finden das Top!
nach oben springen

#10

RE: Montagsroman

in Betroffenen-Literatur 27.05.2016 23:42
von Hotte | 1.616 Beiträge | 4546 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Hotte
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

"Sag mal, Lydia... Wie lange bist Du hier schon drin?", fragte er, nachdem er sich vergewissert hatte, dass sie nicht beobachtet wurden.
"Viel zu lange. Und Du?"
"Ich auch." Er wippte mit dem Bein auf und ab.
Sie blickte zu Boden. "Wie heißt Du eigentlich?"
Er runzelte die Stirn. "Das habe ich Dir doch gerade eben gesagt oder bilde ich mir das jetzt ein?"
"Oh, das kann sein, ja. Mein Gedächtnis... Ich habe ständig Aussetzer, tut mir leid. Die Medikamente, weißt Du."
"Also nochmal, Lydia." Er zögerte. Das war eigentlich die Gelegenheit. Wem konnte er besser vertrauen als einer Person, die ein Gedächtnis von zwölf bis bimbam hatte? Sie würde seinen Namen sofort wieder vergessen. Trotzdem musste er vorsichtig sein. "Also gut, aber - das bleibt bitte unter uns. Ich bins, Jesus."


---
Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, mach Limonade draus! (G. Sielaff)
Mein Blog: ingo-schreibt-anders.blog
1 Mitglied findet das Top!
nach oben springen

#11

RE: Montagsroman

in Betroffenen-Literatur 28.05.2016 00:14
von Molly | 2.583 Beiträge | 11732 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Molly
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Plötzlich ging ein Ruck durch ihren Körper. "Sag mal, hältst Du mich eigentlich für total unterbelichtet? Ich bin zwar psychotisch aber nicht schwachsinnig!" Abrupt drehte sie sich um, ging zu ihrem Tisch und setzte sich. Dabei warf sie ihm noch einen bitterbösen Blick zu, um sich dann sehr intensiv ihrem Brötchen und der Marmelade zu widmen.

Er seufzte und setzte sich auch an seinen Tisch. Da hatte er sich anscheinend getäuscht. Schief gegangen... und schon wieder der gleiche Kram zum Frühstück. Bestimmt auch wieder der lasche, koffeinfreie Kaffee, durch den man den Boden der Tasse erkennen konnte. Aber was sollte er klagen, das Frühstück war immer noch das Highlight des Tages. Meistens hatte er mit dem Mittagessen in letzter Zeit Pech. Ständig bekam er etwas anderes, als was er bestellt hatte und am Abendessen konnte man eigentlich nur verhungern. Auf der offenen Station hätte man wenigstens Pizza beim Lieferdienst bestellen können, aber das ging hier nicht.

Jetzt war wahrscheinlich alles vertan. Warum war er nicht einfach ehrlich zu ihr gewesen? Sicher gab es ab und an vielleicht Leute, die sich für Jesus hielten, aber so wirkte er anscheinend nicht auf sie. Sein Tischnachbar sah ihn an: "Was ist los? Du bist ja heute noch schlimmer durch den Wind als sonst immer. Ne Abfuhr von der Kleinen gekriegt?" Dann grinste er diabolisch.


Mein Wahlspruch: Halte niemals mit einer Hand die Vergangenheit fest, denn du brauchst beide Hände für die Zukunft!
1 Mitglied findet das Top!
nach oben springen

#12

RE: Montagsroman

in Betroffenen-Literatur 28.05.2016 00:27
von Henri | 197 Beiträge | 617 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Henri
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Sie verzog keine Miene. Sie hatte das schon oft gehört. Sie war nicht enttäuscht. Genauso hatte sie sich das vorgestellt. Ein Verrückter. Kaum zu glauben, dass sie dazu gehören soll. Sie, die immer alles im Griff hatte. Zu diesen Verrückten soll sie jetzt gehören. Das war es, was sie dachte. Der Mann interessierte sie nicht. Er war auch gar nicht ihr Typ. Sie hatte jetzt mit sich zu tun. Sie gehörte nicht zu diesen Verrückten. Noch einmal: Wie war sie hierher gekommen? Das konnte alles nicht wahr sein. Es musste sich um ein Missverständnis handeln. Aber da fiel ihr wieder ein, wie sie sich betragen hatte, wie sie um sich geschlagen und sich ausgezogen hatte. Natürlich! Das war es! Deshalb hielt man sie für verrückt, für eine genauso Verrückte wie die anderen hier. Sie schwor sich, dass ihr das nicht noch einmal passieren und dass sie sich in Zukunft wieder betragen würde.
Dann, so dachte sie, würde alles besser werden, würde alles wieder gut werden. Sie wäre geheilt und würde entlassen werden, und schon wäre sie wieder in Freiheit. Das war ihr das Wichtigste: frei zu sein. Sie sah sich ihren Nachbarn genauer an. So wie der wollte sie nicht werden. Sie bemitleidete ihn. Einer, der sich für Jesus hielt. Davon hatte sie gehört. Dass es viele gab, die sich für Jesus hielten. Dieser war also einer von denen. Er sah nicht besonders auffällig aus, trug Haare und Bart aber tatsächlich wie Jesus, vermutlich mit Absicht. Sie hatte nur Mitleid übrig für diesen Mann. Sie konnte ihm nicht helfen. Sie hatte genug mit sich selbst zu tun. Sie hoffte, dass das Gespräch damit beendet sei, und dass es das letzte Gespräch überhaupt sei, dass sie mit diesem Mann führen musste.


1 Mitglied findet das Top!
nach oben springen

#13

RE: Montagsroman

in Betroffenen-Literatur 28.05.2016 00:28
von Molly | 2.583 Beiträge | 11732 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Molly
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

...


Mein Wahlspruch: Halte niemals mit einer Hand die Vergangenheit fest, denn du brauchst beide Hände für die Zukunft!
zuletzt bearbeitet 28.05.2016 00:33 | nach oben springen

#14

RE: Montagsroman

in Betroffenen-Literatur 28.05.2016 01:25
von ashen-shugar (gelöscht)
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds ashen-shugar
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Der Mann der sich für Jesus hielt, setzte sich plötzlich neben Sie und zwinkerte ihr zu.
"Hör mal...", setzte er an und räusperte sich, "der Bart stört mich auch und lange Haare habe ich nur weil man hier noch nicht mal zum Friseur darf", er hielt kurz die Luft an und sprach weiter, "Sorry wenn ich dich verängstigt habe, mein Hallos stören mich beim denken".
Sie guckte ihn schief an, blieb aber ruhig. "Es ist so....", sprach er weiter, "...das ich gar nicht so genau weiß warum ich hier drin bin. Eben war ich noch mitten im Leben und auf einmal lande ich hier und muss irgendwelche Pillen schlucken und weiß noch nicht mal warum...". Er schaute niedergeschlagen.
Hatte sie sich gerirrt und spielte der Typ ein Spiel mit ihr? Oder..",sie hielt die Luft an," nein, das konnte nicht sein, wusste er nix davon!? Und wenn das wahr war wusste sie auch nix davon?". Bei dem Gedanken wurde ihr schlecht. DAS musste sie erstmal verdauen.
Sie schaute auf den Jesus Typen. Der jetzt müde lächelt ihr nochmal zu zwinkerte und wohl merke das sie schockiert war und setzte sich dann an einen anderen Tisch.
Sie überlegte "Was ich wohl sage ohne es zu merken? oder war es bei mir anderes?".


1 Mitglied findet das Top!
nach oben springen

#15

RE: Montagsroman

in Betroffenen-Literatur 28.05.2016 21:06
von Henri | 197 Beiträge | 617 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Henri
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Sie hatte immer gedacht, bei ihr sei es etwas anderes. Sie war offenherzig und ehrlich. Sie konnte nicht lügen. Sollte alles Unsinn sein, was ihr durch den Kopf ging? Nicht, dass sie etwas gegen Jesus hätte oder Maria. Ganz im Gegenteil. Sie konnte sich für diese Figuren erwärmen. Ihr kam es sogar so vor, als hätte sie viel mit Maria gemeinsam. War sie am Ende auch Maria? Oder nur verrückt? Wäre es nicht schade, wenn sie nur verrückt wäre? Sie mochte sich von dem Gedanken nicht lösen, die wiedergeborene Maria zu sein. Aber die Pillen dagegen, die schluckte sie. Jetzt erschien ihr jener Gedanke nur noch wie ein weit entfernter Traum.
Sie saß nun mit einem jungen Mann am Tisch. Dieser hatte anscheinend keinen Appetit. Er machte sich aus den Weißbrotscheiben, dem Käse und dem Schinken ein Sandwich. Dieses teilte er quer, wie es sie zu kaufen gibt, und aß sie ganz langsam. Ihr Appetit war dagegen gesund. Nur dass es viel zu wenig zu essen gab. Heimlich schaute sie nach links und rechts, ob jemand was übrig ließ. Sie würde dann danach fragen. Das war absolut üblich in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie. Manche hatten einen Riesenhunger. Da fragte sie der junge Mann, ob sie seine Wurst haben wolle. "Ja gerne", antwortete sie.


2 Mitglieder finden das Top!
nach oben springen

Google Translator

Besucher
12 Mitglieder und 32 Gäste sind Online:
conny, marie luise c, Jela, kati1201, Mi Ri, erdbeere, Milarepa, sensitive, Sartorius77, Rebus, Freia, lucky

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Martin Henniges
Besucherzähler
Heute waren 1177 Gäste und 61 Mitglieder, gestern 1762 Gäste und 75 Mitglieder online.


Xobor Ein eigenes Forum erstellen