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#1

Ziemliche Ratlosigkeit

in Treffpunkt für Angehörige 08.02.2016 21:08
von Minka (gelöscht)
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Hallo ihr Lieben,

die Situation meiner Mutter begleitet mich nun bereits mein halbes Leben.
Bei meiner Mutter wurde vor ca. 8 Jahren eine manisch-depressive schizoaffektive Störung diagnostiziert und damals in der Anstalt auch "behandelt" oder auf Deutsch: sie wurde mit Medikamenten lahmgelegt.
So weit, so gut.. nur mache ich mir nun mittlerweile so meine Gedanken und zum Teil auch Vorwürfe. Ich hatte sie bei ihrer 2. Episode nach langer Zeit überredet in die Klinik zu gehen, da sie oft von Suizid sprach und auch oftmals aktiv wurde. In der Klinik wurde sie dann auf "Medikamente eingestellt". Bis heute - 8 Jahre später - nimmt sie nun brav diese Tabletten, weil sie glaubt sonst wieder in die Klinik zu müssen. Durch die Jahre hat sich ihre ganze Persönlichkeit verändert und sie baut hirnmäßig stets weiter ab.
Laut ihrer Ärztin ist diese Medikation völlig konform und normal.. aber ich bezweifle schon lange, dass dies der richtige Weg ist.
Ich wollte hier ihre glorreiche medikamentöse Einstellung einmal listen und mich umhören, was andere Betroffene dazu sagen.. denn sie denkt tatsächlich all ihre Nebenwirkungen seien das Ergebnis ihres Gesundheitszustandes und nicht der Tabletten.. :/

Ihre tägliche Dosis:
Seroquel 1x 25mg
Abilify 1x 15mg
Valproat 4x 300mg
Venlafaxin 1x 37.5 mg
Nortrileen 2x 25 mg
Prometazin 2x 25 mg

Meiner Meinung nach sollte sie dringend den Arzt wechseln und sich um ihre eigene Gesundheit kümmern, anstatt sich mit diesem Cocktail zuzudröhnen - oder habe ich einen falschen Eindruck und das ist tatsächlich notwendig so?
Ich meine damit natürlich keinesfalls von jetzt auf gleich jegliche Medikation zu unterbinden, aber dieses Ausmaß an Tabletten kann doch nicht die Norm sein?


zuletzt bearbeitet 08.02.2016 21:22 | nach oben springen

#2

RE: Ziemliche Ratlosigkeit

in Treffpunkt für Angehörige 08.02.2016 21:38
von Hotte | 1.639 Beiträge | 4802 Punkte
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Hallo Minka,

das ist (aus dem Bauch raus) viel viel zu viel und auch viel zu lange - zwei läppischen Episoden* absolut unangemessen.
Jetzt, nachdem sie sich an dieses Zeug gewöhnt hat, wäre es sehr hart, ihr das von jetzt auf gleich alles wegzunehmen.

Meine Diagnose ist von 2012 eine schizo-affektive Störung und meine Medikation wurde im Januar nochmal runtergefahren auf 5mg Olanzapin - bei Bedarf. Zum Ausprobieren habe ich auch 25mg Melperon bekommen, was eine sehr viel kürzere Halbwertszeit hat. Nun bin ich wohl kein Maßstab, weil für mich bereits 5mg Abilify viel zu viel waren und ich unter den Nebenwirkungen sehr gelitten habe, aber ein Beispiel für eine heute übliche Erhaltungsdosis wären 5mg Abilify.

Eine Zweitmeinung von ärztlicher Seite einzuholen kann sicherlich nicht schaden. Abzugrenzen, was "die Krankheit" sind und was "die Tabletten", ist sehr schwer bis unmöglich.
Für mich persönlich bin ich das Risiko eingegangen und habe die Tabletten ausgeschlichen und habe jetzt einen belastbaren Vergleich einer kaum bis unmedizierten Episode.

Ist die einzige Motivation, jetzt etwas ändern zu wollen, Dein schlechtes Gewissen?
Hat mal jemand mit Deiner Mutter über die Erlebnisse in der Klinik gesprochen? Hat sie Ansprechpartner, die bei Bedarf zur Verfügung stehen? Wie ist sie eingebunden? Was habt ihr für eine mögliche weitere Episode für den Notfall vereinbart?
Wie fühlt Deine Mutter sich in ihrer gegenwärtigen Situation? Fühlt sie sich überhaupt noch?

*Meine Episoden waren läppisch; was Deine Mutter durchmachen musste kann ich nicht beurteilen.


---
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Ich schreibe auch in der http://www.schreibkommune.de/. Dort findet ihr Geschichten und Artikel mit Themen rund ums Schreiben.
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#3

RE: Ziemliche Ratlosigkeit

in Treffpunkt für Angehörige 08.02.2016 21:57
von Minka (gelöscht)
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Hallo Hotte,

danke für deine Antwort.

Nein, meine einzige Motivation ist nicht mein schlechtes Gewissen. Ich bin mit den Depressionen und sonstigen psychischen Problemen meiner Mutter aufgewachsen. Bereits in jungen Jahren habe ich mich um sie gekümmert, zugesehen dass sie isst, duscht.. . Viel meiner eigenen Lebenszeit ist dafür drauf gegangen. Ich habe zahllose Stunden investiert, mit meiner Mutter über Lösungswege zu philosophieren.. habe Vorschläge erbracht, Anregungen gegeben.. recherchiert. Jedoch war ich immer der Meinung, dass dieser Schritt letztendlich von meiner Mutter kommen muss, bzw. gewollt sein muss, denn sonst wären jegliche Versuche ja zwecklos. Langsam bekomme ich aber Angst, dass die Zeit, in der sie einen Schritt machen hätte können, für sie vorbei ist, weil sie gar nicht mehr die Kapazität besitzt sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Ich möchte nicht gerne dabei zusehen, wie sie einfach weiter ihre Tabletten schluckt und sich nichts für sie verändert. Sie lebt in den Tag hinein, hat keine Interessen, kann nicht einmal eine Seite eines Buches lesen, da sie sich überforder fühlt. Jegliche Geräusche, seien es Telefon, Klingel oder auch bloß der Kopierer, den sie aus Versehen betätigt, bringen sie völlig aus dem Konzept. Es wäre äußerst traurig, wenn dies "alles" wäre, was ihr noch vom Leben bleibt - nachdem sie bereits so viele Jahre mit sich selbst und ihren Problemen kämpft. Es kann nicht die Lösung sein sich bis ans Lebensende zuzudröhnen.


zuletzt bearbeitet 08.02.2016 21:59 | nach oben springen

#4

RE: Ziemliche Ratlosigkeit

in Treffpunkt für Angehörige 12.02.2016 03:06
von Hotte | 1.639 Beiträge | 4802 Punkte
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Sorry Minka, falls ich zu hart war. Die Position von Angehörigen nachzuvollziehen fällt mir mangels eigener Erfahrung nicht so leicht.
Meine Mutter würde ich in dem von Dir beschriebenen Zustand jedoch auch nicht erleben wollen. Deine Schilderung macht mich tief betroffen.

Asmus Finzen, der unter Psychiatern wohl als "Psychose-Papst" gilt, schreibt von einem Nicht-Wollen-Können, das die Krankheit mit sich bringe. An dieses Konzept will ich nicht so recht glauben. Aber daran, dass die Neuroleptika so etwas bewirken können, habe ich keinen Zweifel mehr.

Versuche es also bitte mit einer etwas deutlicheren Einladung. Aufsuchende Ergotherapie wäre vielleicht ein geeigneter Weg zu mehr Handlungsfähigkeit.


---
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#5

RE: Ziemliche Ratlosigkeit

in Treffpunkt für Angehörige 15.03.2016 12:23
von graueWolke | 3 Beiträge | 5 Punkte
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Hallo Minka,

ich habe deinen Eintrag gerade gelesen und ich bedauer sehr was deiner Mutter, aber auch dir wiederfahren ist. Ich bin selbst Betroffener jedoch auch weit von der Einstellungshöhe deiner Mutter entfernt. Ich persönlich mit auch eher ein Verfechter der "so wenig wie möglich" Ansicht, jeodch kann das am besten wohl ein Arzt beurteilen. Du solltest also unbedingt eine oder auch mehrere andere fachliche Meinungen einholen. Vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit einer Beratungsstelle in deiner / eurer Umgebung?



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