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#1

Ein Leben ohne Neuroleptika?

in Erfahrungsberichte 05.12.2015 22:35
von Kleine_Mango | 119 Beiträge | 441 Punkte
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Leben ohne Neuroleptika



Hey ihr Lieben,

immer wieder setzte ich mich mit diesem Thema auseinander. Es lässt mich einfach nicht los. Mittlerweile nehme ich 5mg Abilif und das jetzt ein bisschen mehr als ein Jahr. Ich bin hin- und hergerissen, ob ich bald schon absetzten soll, oder eben nicht.

Mich würde interessieren, wer hier außer @Hotte noch ohne NL's auskommt bzw mit Bedarfsmedikation? Und was ihr so für eure Genesung oder viel mehr gegen eine erneute Krise so tut?



zuletzt bearbeitet 08.08.2016 19:32 | nach oben springen

#2

RE: Ein Leben ohne Neuroleptika?

in Erfahrungsberichte 06.12.2015 14:20
von Hurley (gelöscht)
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Hi Du :)

ich weiß gar nicht genau, was ich antworten soll, denn DU weißt ja schon alles, von mir. Aber vielleicht kann ich dem Thread so einen Anstoß verleihen. So weit ich das im Forum mitbekommen habe, auch aus anderen Threads, Leben die meisten mit Neuroleptika. Ich selbst sehe das sehr kritisch.

Ein Beispiel dafür soll nur sein, dass die dritte genannte Nebenwirkung im Beipackzettel von Abilify "plötzlicher unerklärbarer Tod" ist. Wie kann ein Tod eigentlich unerklärbar sein, wenn man doch eine Medikament nimmt, das eine solche Nebenwirkung hat? Könnte es nicht doch vielleicht direkt mit dem Medikament zusammen hängen und somit doch erklärbar sein - bzw. wollen manche Leute diese Erklärung nicht hören - die Pharmalobby?! Whoever - Whatever - Wilde Spekulationen.

Die neuesten Studien aus den USA schlagen übrigens vor NL nur in Akutphasen und möglichst nur als Monotherapie einzusetzen. Ein befreundeter junger Arzt in meinem Alter (ich bin mit ihm zur Schule gegangen), war während seines Studiums in den USA. Was er mir bei meiner 2. Psychose sagte?! -"David, du musst so schnell!! du kannst diese Medikamente wieder los werden!" Und das ist kein wahlloser Arzt, sondern war in meiner Jugend einer meiner besten Freunde, er meint es gut mit mir.
Auch von einem anderen befreundeten Psychologen, der auch in meinem Alter ist, erfuhr ich gleiches nach seinem USA Aufenthalt.

Leider dauert es immer bis solche Informationen überall ankommen. Und ein System, das sich so lange und langsam einspielt und gerade erst nach der Entdeckung der Neuroleptika in den 50ern, froh ist ein "Mittel" zur Behandlung gefunden zu haben, neu zu gestalten bzw. neu zu schulen, ist wieder ein langfristiger Prozess. Die meisten Psychiater die ich kenne, sind mit der Ausbildung und der Schulung zur Neuroleptika Gabe "aufgewachsen", denn sie sind um die 50 Jahre alt und handeln seit Jahren nach den früh gelernten Maximen. Bis es zu einem Umschwung kommt - dafür muss erstmal der Nachwuchs ran. Der über neueste Studien informiert ist.

Ich persönlich bin schon lange der Meinung, das die Psychiatrie sehr viel Mist baut, mit ihrem Haldol, den hochdosierten Medikamenten, wenigen Gesprächen etc. Aber auch ich unterliege der jahrelangen Programmierung durch die Psychiatrie, Ärzte, Pfleger und Mitarbeiter. Bis man überhaupt erst eingesehen hat, dass man eine "Krankheit" hat, wiederholt man schon blind die Konditionierung, WIE EIN ZOMBIE: "Ich muss meine Tabletten nehmen." "Ich brauche eine Tagesstruktur." "Ich kann nicht mehr arbeiten." "Ich habe eine schwerwiegende psychische Erkrankung." "Stress kann ich nicht." - was davon zutreffend ist und was nicht, lasse ich jetzt mal dahingestellt. Was ich glaube: Es ist ein Hirnfick feinster Sorte. Und wenn ich noch weiter ausholen würde, würde es noch böser werden. Aber ich will niemandem zu Nahe treten.

Und so sind wir weiterhin die Opfer der Psychiatrie. Wie wir es seit Jahrhunderten sind. Es wird experimentiert, aber eine wirkliche Lösung/Heilung hat man noch nicht gefunden. Das System arbeitet und bewegt sich, aber so langsam, dass bis zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon sehr viel zerstört wurde - vielleicht nichtmal aus Badwill. Vielleicht ist es ähnlich wie das grundsätzliche menschliche Verhalten: Die Psychiatrie müsste sich selbst eingestehen, dass sie Jahre falsch behandelt hat. Und ob einem das so leicht über die Lippen kommt - und *lach* mit welchen Konsequenten sie in der heutigen Zeit rechnen müsste. Nennt mich Verschwörungstheoretiker!

Einen schönen 2. Advent euch allen

David


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#3

RE: Ein Leben ohne Neuroleptika?

in Erfahrungsberichte 06.12.2015 14:54
von Malwina | 10 Beiträge | 35 Punkte
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Hey Hurley,

lebst du denn mit oder ohne Medikamente?

Ich setze gerade ganz langsam ab. bin jetzt bei 5mg Abilify jeden zweiten tag. ich bin auch äußerst skeptisch was neuroleptika angeht. ich habe aber auch angst vor einer absetzt-psychose, weil sich das gehirn eben so sehr an den stoff gewöhnt. ein elender teufelskreis.

hier ein guter text zum thema absetzen: http://www.antipsychiatrieverlag.de/arti...eit/rez-ver.htm

Gibt es hier menschen die erfolgreich abgestetzt haben?



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#4

RE: Ein Leben ohne Neuroleptika?

in Erfahrungsberichte 06.12.2015 15:02
von Kleine_Mango | 119 Beiträge | 441 Punkte
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Hey @Malwina

darf ich fragen, wie lange du jetzt Abilify genommen hast und wie viele Psychosen du hattest? Hast du das mit deinem Arzt besprochen, dass du nur alle zwei Tage 5mg Abilify nehmen sollst?

Ich möchte auch gern absetzten. Aber, wie David schon geschrieben hat, wird einem ja regelrecht Angst gemacht, ohne die Medikamente nicht mehr arbeiten zu können bzw auf jeden Fall wieder psychotisch zu werden.

Viele liebe Grüße


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#5

RE: Ein Leben ohne Neuroleptika?

in Erfahrungsberichte 06.12.2015 15:09
von Hurley (gelöscht)
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Hi @Malwina,

nein, ich lebe nicht ohne Medikamente - ich unterliege ja auch der Gehirnwäsche und muss da erstmal raus kommen. Ich nehme zur Zeit 5 mg Abilify alle 2-3 Tage... mal so mal so. Es gibt übrigens Studien, die Kleine Mango mir gestern gezeigt hat, die einen sehr positiven Effekt der 2-3 Tage Einnahme der Medikamente belegen und das ist auch der beste Weg um da raus zu kommen denke ich.

Grundsätzlich denke ich, dass Angst vor einer erneuten Psychose fehl am Platz ist. Damit macht man sich zu viel Druck. Klar gibt es diese Angst - aber die wurde unserem Unterbewusstsein geradezu eingeprügelt. Wenn man von so vielen Fachleuten immer das gleiche hört, setzt sich das nun mal fest und daraus manifestiert sich eine Angst die man schwer abschalten kann. Deswegen sollte man sich das alles Bewusst machen. Kritische Literatur lesen, Medienberichte zum Thema, Menschen kennenlernen, die ohne NL leben. Und somit neue Zuversicht aufbauen und die Angst abschalten. Unter Angst abzusetzen setzt einen wahrscheinlich unter unglaublichen Druck, der dann dadurch vielleicht erst zur erneuten Psychose führt. Habt. Keine. Angst. Ein Volk das Angst hat, ist am leichtesten zu kontrollieren, und ein Geist der Angst hat ebenso. Was soll schon passieren? WTF?!

Alles Liebe,

sollen wir einen Abilify Absetzthread starten? Wir sind schonmal zu dritt :-P


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#6

RE: Ein Leben ohne Neuroleptika?

in Erfahrungsberichte 06.12.2015 15:47
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meine akute psychose ging von februar bis april diesen jahres. sie entstand durch jede menge stress (eine dramatische beziehung und dann die trennung) und auch cannabis konsum. ich hatte mein leben lang nie gekifft, weil es mir nicht gut bekommen ist. doch dann als mir der stress zu viel wurde, wegen des schreibens meiner abschlussarbeit, hatte ich mit 30 jahren damit angefangen, um abends besser entspannen zu können. ich kiffte ein halbes jahr täglich abends und zack kam die psychose. es war meine erste psychose. das kiffen ist für mich heute absolut kein thema mehr und ich bin heilfroh, dass ich wenigstens noch meine magisterarbeit zu ende bringen konnte.

in der klinik wurde ich nach viel rumprobiere auf zyprexa eingestellt, erst 15 mg, dann als ich zu hause war auf 7,5 mg. weil ich vom olanzapin zunahm wurde ich schließlich auf abilify 10 mg eingestellt. von den 10 mg spürte ich aber eine enorme innere unruhe und bin dann auf 5 mg runtergegangen.

da ich laß, dass man je schneller man absetzt, das risiko einer absetzpsychose sinkt, beschloss ich vor drei wochen die 5mg nur noch jeden zweiten tag zu nehmen. ich hab den unterschied gar nicht bemerkt und hatte auch seit mai keinerlei positiv-symptome mehr. das einzige was mich jetzt noch plagt ist die antriebslosigkeit und dass ich kognitiv noch nicht 100%ig auf der höhe bin.

ich bin jetzt erstmal noch ein halbes jahr krank geschrieben, dann muss ich noch zwei mündliche prüfungen absolvieren für den abschluss meines studiums. dann hoffentlich arbeiten.

meinen arzt habe ich über meinen reduktionsschritt informert. er sagte mir, dass ich erst reduzieren soll, wenn ich die prüfungen geschafft habe, da die wahrscheinlichkeit mein studium beenden zu können mit einer zweiten psychose sinkt. ich denke aber dass meine kognitiven defizite mit dem abilify in einem zusammenhang stehen und ich merke auch, dass ich besser lesen etc. kann je weniger ich nehme.
trotzdem hat mein arzt eine recht gute prognose für mich und gibt mir allen grund zur hoffnung, dass es für mich auch ein leben ohne tabletten geben kann.

falls es bei mir zu einer absetzpsychose kommt, habe ich entschieden hier in berlin in die krisenpansion zu gehen, in der man nicht zur medikamenteneinnahme gezwungen wird, und es aussitzen kann. das tückische ist ja, dass wenn man auf null geht die ersten monate alles gut geht und es dann nach 3-6 monaten nochmal gefährlich wird.

ich bleibe jetzt noch 3 wochen (insgesamt 6 wochen) bei 5 mg jeden zweiten tag und lasse dann für weitere 6 wochen 2 tage pause dazwischen und so weiter.

und jaaa, ein abilify-absetz-thread! dafür! :)

liebe grüße an alle!



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#7

RE: Ein Leben ohne Neuroleptika?

in Erfahrungsberichte 06.12.2015 15:57
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@Hurley ...

Zitat von Hurley im Beitrag #2
Nennt mich Verschwörungstheoretiker!

Einen schönen 2. Advent euch allen

David




Danke.(zum 2ten Advent) Aber: nein:

Wobei eine Verschwörung wäre ja die Handlung in Absicht...

Es wäre interessant, die Motivation der Beteiligten Nicht-Betroffenen herauszuschälen, da befinden sich in einem
bunten Potpourri sicherlich auch Ängste (viele, tiefe), Kontrollzwänge, Sicherheitsdenken, Autoritätshörigkeit.

Im Übrigen haben schon die Psychoanalytiker Mitscherlich über die Beteiligung der Psychiater an den "Vorfällen"
in der NS Zeit geschrieben, ich meine gelesen zu haben, daß sich kein PsychiaterVerband dazu mal öffentlich und umfänglich
geäußert hätte.
Das ist ja nun auch nicht soo lang her und eine Prägung auf wissenschaftliches Arbeiten, daß nur dann Geltung hätte, wenn
die Gefühle dabei ausgeschaltet bleiben und alle vermeintlich "rational und vernünftig" vorgehen, ist doch auch immer
noch gang und gäbe in Studium und Praxis.

Ich mag gar nicht hier so mitdiskutieren, ich bin ja keine Schizophrenie-Betroffene, andererseits habe ich auch immer
mehr den Eindruck, daß immer mehr Symptombekämpfung von Ärzten betrieben wird.
Und zwar in allen Bereichen.
Und NL sind mE höchst bedenklich...

Was mich auch irritiert, ist, daß wenn soviel Betroffene Angst vor einer Absetzpsychose haben und dies auch von den
behandelten Ärzten/Psychiatern als ernstzunehmendes Problem (also die Wahrscheinlichkeit der Absetzpychose bzw dem erhöhten Stress etc, nicht der Wahrnehmung ..)
wahrgenommen wird, warum fühlt sich niemand zuständig,
dafür zu sorgen, daß Betroffene Unterstützung dafür bekommen?
Warum sind Betroffene im Wesentlichen damit allein? Wo bleibt die Verantwortung der Pharmahersteller, die ja nun gerade deswegen
´ne Menge daran verdienen...

just my 2 cents,

grüße, Bella23


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#8

RE: Ein Leben ohne Neuroleptika?

in Erfahrungsberichte 06.12.2015 16:27
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@Malwina

Danke für deine ausführliche Antwort. Du hast, wenn man dem, was es so zu lesen gibt, tatsächlich sehr gute Chancen. Bei der ersten Psychose ja sowieso. War es denn eine dogeninduzierte Psychose?

Bei mir ist es leider die zweite gewesen, und mein Problem ist, dass nächstes Jahr ganz schön viel bei mir ansteht. Ich werde mir wieder einen Job suche, heiraten und wir möchten gern schauen, ob es mit Kinderkriegen klappt. Ich habe schon seit letztem Jahr Dezember keine Positivsymptome mehr und habe auch das "Glück", dass die Medikamente sehr schnell bei mir greifen. Aber ich möchte das nächste Jahr nicht so gedämpft erleben, bei meiner eigenen Hochzeit unter Medikamenten stehen, geschweige denn, welche nehmen zu müssen, wenn ich tatsächlich schwanger werden sollte. Auf der anderen Seite habe ich natürlich eine riesen Angst, wieder krank zu werden.
Aber auf mein Leben gesehen, war ich die meiste Zeit ja eher gesund, als krank. Und "Interkulturelle Vergleiche zeigen, dass Menschen mit Schizophrenie in Entwicklungsländern wie Indien, Nigeria und Kolumbien sehr viel seltener mit Neuroleptika behandelt werden, aber insgesamt deutlich weniger Episoden und mehr vollständige Revisionen erleben..."( Quelle:http://www.pinel-online.de/index.php?id=573)
bringt mich doch sehr zum nachdenken. Ich möchte einfach nicht mein Leben lang Tabletten nehmen und ich denke, dass man gegen eine erneute Psychose sehr viel unternehmen kann. Wie z.B. Meditation, Achtsamkeit, kein Alkohol, Yoga, Ausgeglichenheit, Wachsamkeit, in sich hineinhören, Sport, Ernährung, Frühwarnzeichen erkennen...

@Bella23

Ich finde, dass du da einen wichtigen Punkt ansprichst. Ja verdammt, wo bleibt die Verantwortung der Pharmahersteller oder den Psychiatern? Warum verweigern so viele Psychiater ihre Hilfe, wenn Patienten kritisch sind und gerne absetzten möchten? Das ist einfach sehr traurig.

Ich werde jetzt demnächst mit meiner Psychiaterin über dieses Thema sprechen. Mal sehen, ob sie mich unterstützen wird.

Was die Nicht-Betroffenen angeht, ich beziehe dies jetzt einfach mal auf meinen Partner... Da habe ich wirklich Glück. Er unterstützt mich sehr und auch wenn er anfangs ziemlich verunsichert war und wollte, dass ich das mache, was die Psychiaterin sagt, hat doch ein Umdenken bei ihm stattgefunden und er ermutigt mich, die Tabletten abzusetzen und das ganze kritisch zu betrachten.


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#9

RE: Ein Leben ohne Neuroleptika?

in Erfahrungsberichte 06.12.2015 16:48
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Hallo Kleine_Mango,

mit der Bedarfsmedikation hilft nicht wirklich. Denn es dauert ja ca. 4 Wochen, bis die Wirkung einsetzt. Gut, wenn man sich 4 Wochen wegschließen kann geht das. Aber leider geht das nur in seltene Fällen.
Aber natürlich interessiert es mich, wwie es mit dir weiter geht. Ich wünsche dir, dass deine Strategie aufgeht!
Ich selbst musste leider alle Absetzversuche abbrechen. Aber ich lebe, und das ist erstmal das Wichtigste. Ich will nicht mehr diese ewigen Suizidgedanken. Und nein, ich habe nie gekifft.

Viel Erfolg und alles Gute für dich!



Kleine_Mango hat sich bedankt!
zuletzt bearbeitet 06.12.2015 16:50 | nach oben springen

#10

RE: Ein Leben ohne Neuroleptika?

in Erfahrungsberichte 06.12.2015 17:00
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Lieber Wolf,

das stimmt so nicht ganz. Als ich das zweite mal psychotisch wurde, war es sehr brenzlig und mein Papa hat mir dann 10 oder 15mg Zyprexa gegeben. Danach habe ich 2 Tage und Nächte durchgeschlafen und war ich wieder normal und konnte sogar eine Chicagoreise antreten. Leider hatte ich da noch immer keine Krankheitseinsicht und habe die Tabletten sehr schnell wieder abgesetzt und bin dann leider doch abgerutscht. Ich glaube aber, hätte ich besser auf mich geachtet und wäre nicht nach Chicago geflogen + hätte die Tabletten weiter genommen vorerst, dann bin ich mir sehr sicher, dass ich die zweite Krise hätte abwenden können. Also wie gesagt, bei mir griff Zyprexa in wenigen Stunden.



zuletzt bearbeitet 06.12.2015 17:01 | nach oben springen

#11

RE: Ein Leben ohne Neuroleptika?

in Erfahrungsberichte 06.12.2015 17:01
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Danke für die Info,
Dein Vater ist Arzt?

Ja in jungen Jahren stellt man manchmal Blödsinn an.
Das ist ja Teil der Selbsterprobung, die jungen Menschen machen müssen! Als ich noch jung war, habe ich auch vieles in Frage gestellt, was meine Eltern mir beigebracht hatten. Das muss einfach so sein, um genau zu wissen, was richtig oder falsch ist.

Schön, dass die NL so gut bei dir anschlagen. Daher denke ich, du machst das richtig.

Aber erstmal hoffe ich, dass ich dir bald zur Hochzeit gratulieren kann!
Denn eigentlich sieht dein Leben aus meiner Sicht, trotz der Erkrankung sehr positiv aus. Da freue ich mich.

noch mal bearbeitet



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zuletzt bearbeitet 06.12.2015 17:09 | nach oben springen

#12

RE: Ein Leben ohne Neuroleptika?

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Nein, mein Vater ist Pharmareferent. Aber bedingt durch seinen Beruf kennt er sich sehr gut aus und natürlich auch dadurch, dass meine Mama schon seit 30 Jahren an Schizophrenie leidet. Er hat in der Situation einfach schnell gehandelt. Wir sind, als ich mich erstmal ausgeschlafen hatte, auch zu einer Psychiaterin gefahren. Aber ich hab dann in Alleingang einfach wieder die Tabletten abgesetzt, und da kam dann alles zusammen, mit der Zeitverschiebung in den USA, der ganze Stress etc. Naja, ich habe draus gelernt...

Danke für deine lieben Worte. :)



zuletzt bearbeitet 06.12.2015 17:19 | nach oben springen

#13

RE: Ein Leben ohne Neuroleptika?

in Erfahrungsberichte 06.12.2015 19:30
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Hallo,

ich hatte auch Anfang diesen Jahres eine Absetzpsychose. Bei mir kam dann noch die Arbeitslosigkeit dazu. Allerdings hatte ich die Tabletten schon im Juli/August abgesetzt. Von 5mg Olanzapin abrupt auf 0mg. Es ist aber nicht so, dass man das im Vorfeld nicht merkt, dass man wieder psychotisch wird. Ich hatte schon mehrmals vorher vor allem nachts Halluzinationen und dann Bedarfsmedikation genommen, die bei mir ebenfalls sehr gut wirkt, auch in der akuten Psychose. Bevor ich die Psychose bekam, habe ich diese ersten Halluzinationen aber ignoriert, in der Meinung, das gibt sich mit der Zeit wieder von alleine, weil es mir mit der Zeit immer besser ging und es immer länger gedauert hat, bis ich diese Symptome bekam. Man sollte also nicht dem Trugschluss erliegen, wenn von 10mg auf 5mg problemlos geht, das völlige Absetzen ebenfalls so gut funktioniert. Man muss sie viel langsamer ausschleichen. Nachdem ich nach der letzten Episode wieder bei 5mg angelangt war, habe ich das mal getestet. Erst habe ich auf 3,75mg reduziert. Danach hatte ich wochenlang leichte psychotische Symptome, aber dann besserte sich mein Zustand. Einige Zeit darauf habe ich auf 2,5 mg reduziert. Auch hier wieder das gleiche. Vor einigen Tagen hatte ich wieder ein paar Probleme und musste Bedarfsmedikamente nehmen, was aber an Dingen lag, die mich aufgewühlt haben.
Dieser Risikofaktor sollte einem bewusst sein, wenn man weniger oder gar keine Medikamente mehr nimmt. Das Risiko wieder zu erkranken ist höher und man ist auch empfänglicher für Emotionen und Gefühle, die einen belasten könnten. Deshalb sollte man nur in einem emotional stabilen und weitestgehend stressfreien Zustand versuchen die Medikamente abzusetzen. Auch sollte man sich selber dabei genau beobachten und das Umfeld ebenso.

Mein Fazit:
Man kann ohne Medikamente leben, sollte sich des Risikos aber stets bewusst sein. Ich persönlich werde nicht mit meinen Medikamenten noch mehr heruntergehen, da ich eine gewisse emotionale Abgestumpftheit positiv finde und die medikamentöse Eingeschränktheit sich bei der Dosis im Rahmen hält.



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#14

RE: Ein Leben ohne Neuroleptika?

in Erfahrungsberichte 07.12.2015 11:36
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Hallo @horst364

vielen Dank für deinen Beitrag. Was hattest du denn für psychotische Symptome, als du runtergegangen bist?

Bei mir ist es so, dass ich keine direkten Halluzinationen habe und als ich bei meiner ersten Psychose danach die Medikamente schon 2 Monate später abgesetzt habe, hat es bald 2 Jahre gedauert, bis ich wieder erkrankt bin, davor ging es mir sehr gut und ich habe keine Symptome bekommen. Bei mir ist es entweder ganz, oder gar nicht. Jetzt, wo ich die NL nehme, leider ich allerdings sehr unter den Nebenwirkungen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es mir ohne die Medikamente besser ginge. Nur werde ich mir nach meiner Kur, die ich im Januar antrete, wieder einen Job suchen wollen und im Oktober 2016 werde ich heiraten, eigentlich kann ich es mir da nicht erlauben, noch mal krank zu werden. Aber ich möchte eben auch absetzten. Eine richtige Zwickmühle.

Gerade habe ich diesen Artikel gefunden: http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizi...n-13379742.html

Sehr kritisch und sehr lesenswert. Auch wenn der Aufhänger ein bissechn sehr plakativ ist.


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#15

RE: Ein Leben ohne Neuroleptika?

in Erfahrungsberichte 07.12.2015 17:17
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Meine erste Psychose begann sehr schleichend, indem ich nur noch 4-6 Stunden schlafen konnte und allmählich immer mehr Wahrnehmungsveränderungen und Konzentrationsstörungen hatte. Eben diese Wahrnehmungsteigerungen (Licht ist greller und klarer, Geräusche werden bewusster wahrgenommen, ich kann Dinge aus den Augenwinkeln besser wahrnehmen, alles wirkt viel plastischer und detailreicher) habe ich lange bevor ich überhaupt Halluzinationen habe. Seit meiner letzten Psychose Anfang des Jahres ist noch hinzugekommen, dass ich auch im Denken Veränderungen wahrnehme. Ich bin das etwas wirr und habe den Eindruck Informationen nicht mehr linear wahrzunehmen und zu verarbeiten und meine innere Stimme verändert sich. Wenn diese Anzeichen stärker werden, muss ich wieder Medikamente nehmen. Bei einer sehr kleinen Dosisreduzierung verschwinden sie aber zumindest bei mir nach einiger Zeit von alleine, da die Symptome nur sehr schwach ausgeprägt sind.

Ich bin gerade in einer ähnlichen Situation wie du. Zur Zeit bin ich arbeitslos (krankgeschrieben) und fahre im Januar zur Kur. Danach möchte auch ich wieder arbeiten. Im Moment fahre ich mit den 2,5mg Olanzapin zuhause und weitestgehend stressfrei ganz gut. Wenn ich wieder arbeten gehe werde ich die Dosis wohl vorsichtshalber erst wieder einmal erhöhen. Vor dem Schlafengehen genommen machen mir aber auch eigentlich 5mg nichts aus. Als ich noch gearbeitet habe, habe ich anfangs noch 10mg/ später 5mg früh genommen, bevor ich um 6 Uhr angefangen habe zu arbeiten. Das hat nie richtig funktioniert. Jeden zweiten Tag bin ich direkt nach der Arbeit eingeschlafen und erst frühs wieder aufgewacht. Deshalb hatte ich auch die Medikamente abgesetzt, was am Anfang auch gut geklappt hat. Ich hatte sogar immer noch Energie, auch zu Hause noch etwas zu machen. Am Ende hatte ich aber trotzdem wieder eine Psychose und der Arbeitsvertrag wurde nicht verlängert.

Nimmst du Abilify frühs oder abends? Ich habe jahrelang 10mg frühs genommen. Außer einem Magengrummeln und einer gesteigerten Nervosität (nur körperlich) hat das aber bei mir nie etwas bewirkt. Ich hatte das gerade gegen den Antriebsmangel von meiner Ärztin bekommen. Also sollte das beim Arbeiten doch eher förderlich sein.



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