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Prof. Dr. Niko Tien - ein ganz ausgesprochen feiner Herr

in Betroffenen-Literatur 21.10.2015 18:21
von Hirnsehprogramm | 1.189 Beiträge | 2250 Punkte
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Nikotin - ein kleiner läppischer Teufel, der mal staatsmännisch, mal neckisch daherkommt, immer frei wirkend, und vor allem gelassen und gepflegt dabei. Eine Erscheinung, die vielleich am Rande etwas zerschlissen wirken mag, aber scheinbar immer darauf bedacht den Schein zu wahren, mit Zylinder, mit Cowboyhut oder Indianerschmuck, einer äusserst beeindruckenden Perücke, hauptsache man sieht seine picklige, runzlige Glatze darunter nicht, sie könnte ja den Schein der Freiheit stören. Oh, und all die Freunde, die er hat! Verleiht er ihnen nicht irgendwie so etwas wie Wäschestärke über die ganze Erscheinung? Dort wo überall scheinbar etwas freudvolles passiert, auch wenn eigentlich alle wie statisten dabei stillstehen?

Nun, lässt man sich auf ihn oft genug ein - er wird einen sehr mögen, zum hineinkriechen, er setzt sich bei einem in den Bauch, und erzählt einem den ganzen lieben langen Tag immer wieder, wie schön diese Geselligkeit doch ist. Und will immer wieder gefüttert werden, schier unersättlich, aber nein, er schreit dabei nicht, und wirkt kaum gierig, er isst gelassen und genüsslich all die schönen Zigaretten, die man in ihn reinstopft, und statt zu rülpsen tupft er sich nur milde das Maul, und erzählt in den feinsten Tönen wie genüsslich das doch grade gewesen ist. Welch Freude so sein Essen mit sich selbst zu teilen. Das Feuer-Essen, das Rauch-Essen, es hüllt ja so in ein feinstes Gewand, gekräuselt aus schillernden graubläulichen Reflexen die sich anmutig um sich selbst winden - hauptsache nur, man kommt nicht auf die Idee mal das zu betrachten, was da bekleidet wird, wirkt es anfangs noch natürlich legt sich da nicht doch ein leicht russiger, schmieriger Schein auf nieder, ein Schatten, verschmierte Asche, Kohlenstaub und klebrige, stinkende gelbe Flüssigkeit, wie Harz nur so endlos bitter und bitter...

Füttert man ihn nicht, nun ja, dann beisst er. Ja, erst nagt er nur ein wenig, säuselt einem dabei aber noch um's Ohr. Diese vertraute Stimme, wir Raucher kennen sie gut. Verkennen sie gut. Sie zieht sich fast unmerklich durch die Glieder, und in die Hand die nach der Schachtel und dem Feuerzeug greifen, wie nebenläufig, es soll ja niemand den Hunger leiden. Den Hunger, der einst der nach Freiheit gewesen sein mag - er war doch niemals wirklich Gier, wohl aber oft schon Angst, ja Panik, und je hungriger er wird desto panischer der hungrige, er grollt, er greift, so nahe dran jede andere Anstalt fallen zu lassen nur um gestillt zu werden, wie es ihm gebührt nach Gewohnheitsrecht... erst sieht er den Schatten, die Asche, den Kohlenstaub nicht, doch dann klebt er selbst an einem, wie diese stinkende schmierige bittere Flüssigkeit, die sich schon in allen Ritzen niedergeschlagen hat und diese verklebt, genau wie den Blick, der nicht mehr sieht was er die ganze Zeit sucht...


Ich habe ihn dennoch nicht mehr gefüttert. Er nagte, er biss, er schrie!, ...und ich sah ihm einfach nur in's Auge, wie ich es bei Schrecken gewohnt bin. Meinen Kopf, meinen Blick, er konnte sie greifen und festhalten, jeden anderen Gedanken wegwischen, mir in's Gesicht brüllen!, aber obwohl er diesen albernen Cowboyhut noch nicht einmal abgesetzt hatte, ich nahm ihm nur seine Friedenspfeife aus den mittlerweile zittrigen Fingern, wo er sich schon gar nicht mehr traute mich darauf hinzuweisen, dass sie ja Frieden bringen würde, sie zerfiel doch schon sehr früh zu Staub, hinterliess keine gelben klebrigen Flecken mehr, die bitter schmecken, die man aber normalerweise nicht ansieht...er starb, so wie er immer wieder sterben kann und wieder gebohren werden, er machte eine hässliche abfällige Geste, und ohne Geräusch liess er sich rückwärts gleiten um zu zerfallen...in viele kleine und grosse schwarze verkohlte Teile, schmierig, von dieser gelben Flüssigkeit mit dem bitteren Geschmack, der Geruch danach wurde aber schon immer schwächer um meine Nase, der Indianerschmuck - so lasse ich es doch drauf ankommen, statt faulem Rauch und Schwefel einen frischen klaren Wind um ihn wehen zu lassen, denselben, der einst um die Federn streichen durfte, als sie noch den Vögeln gehörten, den Wind, und hoffentlich sind die Federn noch nicht zu verklebt, von dieser widerlichen gelben stinkenden Flüssigkeit mit dem Bitteren Geschmack...der einst so nach Erleichterung schmeckte, wohl dosiert und immer wieder nach und nach, und jetzt nur noch nach Leid und Pein...

Jetzt sitze ich hier immer noch, und immer noch würge ich immer wieder. Würge hoch, unter Schmerzen, diese scharfkantigen verkohlten vielen kleinen Teile, aus all dem, was mit dank dieses kleinen feinen Herrens über viele Jahre erspahrt geblieben ist, ich hätte es doch alles zu seiner Zeit durchleben sollen, eines nach dem anderen, nun kommt es alles in Wellen nach seiner Zeit, schon halb verwest, weh durch die Kehle, und klebt und schmerzt und stinkt nach dieser gelben klebrigen bitteren... Es nimmt sich extra was heraus, wenn Teile des dunklen kleinen Herzens heraus müssen, so würge ich zwischen den Phasen, wo mir schon der Wind endlich ohne bittere Note um die Nase wehen darf, diese Herzenssplitter heraus, getränkt mit dem Leuchten meines eingenens, das vor langer Zeit darin gefangen wurde, und verklebt in diesem Bitteren Saft, ich war zu lange cool, aber es war nur der Vorhang der mich unberührt liess, dahinter schlürfte in meinem Bauch dieses schwarze Männlein an meinem Leuchten und verklebte es in gelbem Saft in seiner leeren Magengrube, und ich weiss auch nicht warum.

Jetzt wo der Vorhang zerbröselt zu Asche, zerfliegt wie der Rauch, und die letzten gelben klebrigen stellen sich nach und nach auflösen, es nimmt mir so den Zusammenhalt, das was mich so lange zusammenhielt, ich fliege immer wieder auseinander also seid mir bitte nicht böse wenn ich meinen Kopf an euch anschlage, statt ihn gegen die Wand zu schlagen, wie ich eigentlich wollte aber nicht konnte, und diese meine Hörner euch kurz durchbohren müssen, ich sollte sie mir doch in meinen eigenen Bauch bohren, und würgen. Lasst mich einfach eine Weile in meiner Ecke sitzen und würgen, noch die letzten gelben klebrigen, bitter schmeckenden Brocken dieses Teufelchens, ich höre schon den Wind rauschen hinter mir, fühle den Zug in meinen Haaren, mich mitzunehmen, wenn die Federn nicht mehr als gelbe verklebte Attrappe auf der faltigen grauen Glatze dieses Männleins sind, sondern gereinigt und befreit hinter meinen Schultern Flügel bilden können. Diese Flügel, die ich mir verkümmern liess, so ich doch lieber auf dem blauen Dunst schweben wollte, unberührt von allem...mein Kopf muss noch die letzten bläulichen Wölkchen entlassen, naja, sie sehen nicht mehr so aus, und schweben auch nicht, sie tropfen nur zäh und gelb und stinkend aus der Magengrube, die Wunde nicht mehr betäubend, die jetzt hoffentlich heilen kann, ich wette die schmecken noch bitter und nach Leid für mich, diese kleine Weile dich ich jetzt noch durchhalten werde, um endlich meine Flügel sehen zu dürfen und im Leben mit ihnen zu fliegen, ohne faule gelbe bittere stinkende Zaubertricks...


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