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#1

(Wie) Kann man einem Psychose-Betroffenen Grenzen setzen?

in Treffpunkt für Angehörige 14.09.2015 19:41
von DinaBerlin (gelöscht)
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Hallo,
ich hoffe ihr könnt mir einen Rat geben.
Mein Lebensgefährte hat sich vor ein paar Monaten sehr verändert. Er bekam Halluzinationen, Wahnvorstellungen, nimmt seitdem Gerüche und Gefühle anders wahr. Das hat ihn am Anfang selbst sehr verunsichert, wodurch er sehr aufgeregt, getrieben und verwirrt war nicht mehr schlafen und essen konnte. Diese Veränderten Wahrnehmungen hat er sich damit erklärt, dass er von Gott auserwählt ist, dass Gott ihm etwas zeigen will. Computer, Handys und Telefone waren plötzlich schlecht und wollten uns kontrollieren. Er sah plötzlich überall Zeichen bzw. deutet alle möglichen Sachen wie Graffies oder Denkmäler, Statuen als Zeichen die Gott ihm sendet. Seitdem ist der der Meinung, dass die Apokalypse bald kommt und er sowas wie ein Engel ist, der entscheidet wer in den Himmel kommt und wer auf der Erde verbrennt. Es ging bis zur Zwangseinweisung. Es wurde eine psychotische Störung diagnostiziert mit Anzeichen eine Schizophrenie. Leider hat er trotzdem keine Einsicht und hat jede Behandlung und Medikamente verweigert.

Er ist seit 6 Wochen wieder zu Hause und mir kommen mal mehr mal weniger gut zurecht. Ich versuche wirklich mit der Krankheit gut umzugehen und ihn so zu akzeptieren wie er ist. Keine Vorwürfe zu machen, keinen Druck und ihm zuzuhören, wenn ihn wieder seine Gedanken umtreiben. Das Problem ist, das alle meine Bemühungen nicht zu fruchten scheinen. An manchen Tagen scheint es ihm besser zu gehen, aber es gab noch keinen Tag, wo man mit ihm mal über seine Erkrankung oder über die ganzen Kränkungen, die er mir in seinen psychotischen Phasen zumutet reden könnte. Jederzeit kann die Stimmung kippen. Manchmal reicht es schon, wenn ich mein Handy in die Hand nehme, weil er der Meinung ist, es wäre etwas in dem Telefon. Manchmal gehen wir spazieren und er riecht plötzlich den Tod. Jetzt am Wochenende war er der Meinung in unserem Wohnzimmer riecht es nach Schwein. Plötzlich fing er an mir Vorwürfe zu machen ich würde ihn betrügen, deshalb würde es nach Schwein riechen. Seit drei Tagen wirft er mir das pausenlos vor. Dazu kommen täglich 2-3 Stündige Monologe, dass jetzt bald die Apokalypse kommt und alle die nicht zu ihm halten im Feuer brennen werden. Das Problem ist er nimmt dabei auch keine Rücksicht darauf, wenn unser 1 Jähriger Sohn mit im Raum ist. Er hört auch nicht auf, wenn ich ihn darauf aufmerksam mache und ihn darum bitte. Er lässt sich auch auf keine Kompromisse ein, wenn ich z. B. sage ich habe dir Freitag und Samstag zugehört bitte lass uns heute am Sonntag nicht darüber reden. Er wird dann nur sauer auf mich und macht mir Vorwürfe.

Ich versuche wirklich ruhig zu bleiben, aber irgendwann sind dann meine Nerven auch am Ende ich fange an zu weinen oder ihn anzuschreien, weil ich so hilflos bin. Das macht dann natürlich alles nur noch schlimmer und ich fühle mich schuldig ihm gegenüber, meinen Sohn gegenüber weil ich ihn nicht davor schützen kann. Ich weiß einfach nicht wie ich mit ihm weiter zusammenleben soll, wenn er mir gar keinen Raum und keine Pausen gibt. Hat jemand Erfahrungen, wie es funktionieren kann?


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zuletzt bearbeitet 14.09.2015 19:59 | nach oben springen

#2

RE: (Wie) Kann man einem Psychose-Betroffenen Grenzen setzen?

in Treffpunkt für Angehörige 14.09.2015 20:02
von eartha | 63 Beiträge | 182 Punkte
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Mein Erfahrung ist, dass es gar nicht fubktionieren kann. Meine Eltern und Freunde haben schon 4 Psychosen mit mir erlebt und haben alles in ihrer Macht stehende getan, mich runter zu holen. Es hat alles nichts gebracht, außer eingewiesen zu werden und Medikamente zu nehmen.
Du kannst das nicht lösen. Er muss in die Klinik und dort runtergeholt werden von der Psychose. Wenn er wieder zuhause ist, braucht er Medikamente.
Es ist aber sehr schwer, jemanden in die Klinik zu bekommen. Er wird aggressiv werden, wenn es darum geht.


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#3

RE: (Wie) Kann man einem Psychose-Betroffenen Grenzen setzen?

in Treffpunkt für Angehörige 14.09.2015 20:07
von Sidney (gelöscht)
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Hallo, DinaBerlin,

mein erster Rat wäre, das " Wie und kann man? " umzuwandenln in ein "Ja, ich muss".
Grenzen setzen ist wichtig, wenn du nicht selbst draufgehen willst
Es ist weniger wichtig, dass der erkrankte Mensch die Grenzen kennt,
Wichtig ist, dass du auf dich selbst achtest.

Ich würde dich gerne ermutigen, Grenzen zu setzen Gehe auch achtsam mit dir selbst um..

Gruß Sidney


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#4

RE: (Wie) Kann man einem Psychose-Betroffenen Grenzen setzen?

in Treffpunkt für Angehörige 14.09.2015 20:21
von DinaBerlin (gelöscht)
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Er war in der Klinik. Er wurde zwangseingewiesen und gerichtlich in der geschlossenen Abteilung untergebracht. Er hat dort aber jegliche Behandlung und Medikamenteneinnahme verweigert. Die Ärzte haben es nicht geschafft zu ihm durchzudringen. Er wurde u.a. fixiert und gegen seinen Willen Blut abgenommen. Das hat alles nur noch schlimmer gemacht. Er ist zweimal aus der Klinik geflohen. Das hat ihn nur noch darin bestärkt, dass er auserwählt ist. Seitdem wird er richtig agressiv, wenn man das Wort Arzt nur erwähnt.
Zwischendurch gibt es auch immer Tage oder Stunden wo er nicht krank wirkt. Und auch Personen, die er auf der Straße trifft merken nichts von seinem Zustand, was ihn auch immer darin bestärkt, dass er nicht krank ist. Dann habe ich immer die Hoffnung, dass wir es alleine in den Griff kriegen können. Ich kann mittlerweile auch schon ganz gut damit umgehen, dass er glaubt, die Welt geht bald unter usw.... aber muss man vor einem 1jährigen über Tod und Weltuntergang reden, wenn man in der Sonne spazieren geht und muss man vor dem Kind die Mutter beschuldigen fremdzugehen... Ich weiß, dass es seine Krankheit ist, die da aus ihm spricht - er war vorher noch nicht mal ein besonders eifersüchtiger Mensch - aber wieso versteht er das denn jetzt nicht, dass das so nicht geht? Beeinflusst die Psychose auch die normalen Umgangsregeln, die man sonst so miteinander hat und den Respekt den man normalerweise voreinander hat? Normalerweise will man doch seinen Partner nicht verletzen und achtet darauf was man sagt aber das ist bei ihm gar nicht mehr so. Auch wenn ich sage, du machst mir Angst hat das keine Wirkung auf ihn.


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#5

RE: (Wie) Kann man einem Psychose-Betroffenen Grenzen setzen?

in Treffpunkt für Angehörige 14.09.2015 20:23
von DinaBerlin (gelöscht)
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@ Sidney: Ich versuche ja Grenzen zu setzten, aber die reißt er einfach ein. Deswegen frag ich mich, wie bzw. ob das überhaupt möglich ist, bei jemanden der in einer Psychose steckt. Langsam denke ich, ich habe nur noch die Möglichkeit Konsequenzen zu ziehen, wenn ich es nicht schaffe, dass er meine Grenzen akzeptiert. Nur dann hab ich wieder Schuldgefühle und Angst, dass er dann komplett abdriftet.


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#6

RE: (Wie) Kann man einem Psychose-Betroffenen Grenzen setzen?

in Treffpunkt für Angehörige 14.09.2015 20:35
von eartha | 63 Beiträge | 182 Punkte
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Ich denke wirklich, wenn er sich nicht behandeln lässt, musst Du mit Eurem Kind das Weite suchen.
Für mich werden immer alle zu Teufeln, ich nehme da auch keine Rücksicht.


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#7

RE: (Wie) Kann man einem Psychose-Betroffenen Grenzen setzen?

in Treffpunkt für Angehörige 14.09.2015 21:47
von Hotte | 1.638 Beiträge | 4790 Punkte
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Als ich akut war, hatte ich phasenweise so gesteigerten Rededrang, dass ich gar nicht mehr den Mund halten konnte, selbst als ich es einem Freund zuliebe wollte. 20 Sekunden hatte ich vielleicht noch hingekriegt unter enormer Willensanstrengung.
Da war ich also gar nicht mehr in der Lage, die mir gesetzten Grenzen zu respektieren...


---
Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, mach Limonade draus! (G. Sielaff)
Mein Blog: https://ingo-schreibt-anders.blog
Ich schreibe auch in der http://www.schreibkommune.de/. Dort findet ihr Geschichten und Artikel mit Themen rund ums Schreiben.
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#8

RE: (Wie) Kann man einem Psychose-Betroffenen Grenzen setzen?

in Treffpunkt für Angehörige 15.09.2015 11:58
von Sidney (gelöscht)
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Hallo DinaBerlin,

es mag unüberwindbar erscheinen, dennoch habe ich für mich erlebt, durch die Schuldgefühle hindurch gehen zu müssen,
sonst hätte ich niemals erkennen können, dass die Schuld nicht bei mir lag.

Was für Erkrankte Menschen gilt - nämlich nicht an der Krankheit schuld zu sein, gilt ebenfalls für Angehörige. Sie sollten sich auch nicht
schuldig fühlen, wenn Überforderung eintritt.
Es ist für mich klar geworden, dass solche Krankheiten in uns allen stecken und irgendwann ein Auslöser in Psychosen o.Ä. führt.
Ich betrachte die Auslöser auch als irgendeine Form von Überforderung.
Also überfordere dich nicht. Auch wenn er dein Partner ist - jeder hat sein eigenes Leben zu leben und Verantwortung dafür zu
übernehemen.

Neue Lösungsmöglichkeiten sind meist erst dann ersichtlich, wenn man Abstand vom bisher gängigem nimmt.
Dazwischen liegt so eine Art von "Niemandsland".

LG. Sidney


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#9

RE: (Wie) Kann man einem Psychose-Betroffenen Grenzen setzen?

in Treffpunkt für Angehörige 15.09.2015 13:08
von Quietschi | 930 Beiträge | 1902 Punkte
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Hallo DinaBerlin.
Wie die Krankheit die Umgangsformen beeinflusst hängt, denke ich,von der Schwere der Erkrankung ab. Wenn er so uneinsichtig ist, wirst du es schwer haben zu ihm durchzudringen. Er scheint ja auch klare Momente zu haben. Wie ist es denn, wenn du ihn in solchen klaren Momenten darauf ansprichst?
Du musst aufpassen, dass du nicht selbst dabei vor die Hunde gehst. Ich finde Grenzen zu setzen auch wichtig für dein Seelenheil. Ich glaube nicht, dass es ohne Klinikaufenthalt und eine Einstellung auf die richtigen Medikamente gehen wird. Von alleine geht eine Psychose nicht weg. Ich wünsche dir viel Geduld und starke Nerven.
Liebe Grüße,
Quietschi


zuletzt bearbeitet 15.09.2015 13:08 | nach oben springen

#10

RE: (Wie) Kann man einem Psychose-Betroffenen Grenzen setzen?

in Treffpunkt für Angehörige 15.09.2015 16:31
von hausschuh | 150 Beiträge | 243 Punkte
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Hallo DinaBerlin.

Aus meiner Erfahrung (ich bin selbst betroffen von einer Schizophrenie und hatte auch einen Wahn mit einem Selbstmordversuch am Ende) würde ich behaupten, dass man die Grenzen von anderen Menschen in einer akuten Psychose nicht wahrnimmt. Ich fühlte mich auch als Auserwählter. Bei mir ging es so weit, dass ich andere Menschen als Roboter ansah, die gesteuert sind. Demzufolge musste ich diesen "Robotern" so gegenübertreten, dass sie meine Pläne nicht durchkreuzten. Ich konnte sogar Freunden, die mich nach Hause bringen wollten, vorspielen, dass alles ok wäre. Ich verletzte meine Familie, vor allem meine Schwestern in dieser Zeit extrem mit meinen Wahnvorstellungen, da ich zum Beispiel behauptete, meine Schwester sei von unserem Vater missbraucht worden.

Offensichtlich kannst du deinen Freund nicht dazu bringen, sich einweisen zu lassen. Du steckst in einer sehr schwierigen Lage. Wenn du ihn sich selbst überlässt, kann das für ihn schief gehen, weil er sich etwas antut. Das hängt natürlich extrem von den Inhalten seines Wahns ab. Ich habe es damals einfach nicht mehr ausgehalten und das als Lösung gesehen, um meine "Seele zu retten".
Wenn du aktiv wirst, kann das dazu führen, dass er sich von dir nicht verstanden fühlt und dich als "böse" einstuft. Trotzdem würde ich es dir empfehlen. Der ganze Wahn ist ja auch gefühlsgesteuert und wenn er ein Grundvertrauen zu dir empfindet, bist du wichtig für ihn. Das musst du nutzen! Such dir Hilfe, zum Beispiel beim Sozialpsychiatrischen Dienst, die gibt es in jeder größeren Stadt und dort arbeiten Menschen, die sich mit dem Krankheitsbild gut auskennen. Medikamente dämpfen ihn am Anfang einfach nur extrem, können ihm aber auf Dauer dabei helfen, die Krankheit richtig einzuordnen und sie nicht zu stark werden zu lassen.

Scheiße, dass das gerade mit eurem kleinen Kind zusammenfällt. Ich bin selber gerade Vater geworden und weiß daher, dass man eigentlich die ganze Kraft für das kleine Leben braucht.

Ich wünsche euch Kraft und Glück, dass ihr es gut hinbekommt!


Was wir wissen ist ein Tropfen; was wir nicht wissen, ein Ozean. Isaac Newton
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#11

RE: (Wie) Kann man einem Psychose-Betroffenen Grenzen setzen?

in Treffpunkt für Angehörige 15.09.2015 20:38
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Vor der Zwangseinweisung Anfang Juli habe ich mehrmals telefonisch an den psychiatrischen Dienst gewandt. Leider war die Frau, die für unsere Adresse zuständig ist sehr unfreundlich und nicht bereit mir zu helfen. Ihr einziger Vorschlag war ihn zur Behandlung zu überreden oder ich solle ins Frauenhaus gehen. Sie war nicht bereit mal vorbei zu kommen oder einen Amtsarzt zu schicken oder mich ausführlich über die Krankheit zu beraten. In meiner Verzweiflung hab ich dreimal innerhalb von 3 Wochen angerufen und Sie war sehr unfreundlich und meinte nur ich bräuchte nicht so oft anrufen und ihr jedes mal das gleiche zu erzählen.
Als er endlich in der Klinik war, dachte ich es würde ihm endlich geholfen werden, aber wie gesagt, es hat nichts gebracht. Eher im Gegenteil jetzt ist er noch weniger bereit sich medizinisch behandeln zu lassen und in der Klinik sowieso nicht. Ist sowieso unmöglich, dass er zweimal aus der geschlossenen abhauen konnte. Beim ersten Mal wurde er von der Polizei zurück gebracht. Beim zweiten Mal ist er untergetaucht und hat 4 Wochen (etwas länger als die gerichtliche Anordung ging) auf der Straße gelebt. Ohne Geld, Kleidung usw. Aber er kam dort gut zurecht und die Psychose ist in dieser Zeit erstaunlicher Weise eher zurückgegangen als weiter fortgeschritten. Das merkwürdige ist, auch an den Tagen, wo es ihm anscheinend besser geht ist er weiterhin davon überzeugt, dass die Erkenntnisse, die er in der Psychose gewonnen hat, real sind. Daher bringt es auch nichts, wenn ich ihn in diesen Momenten anspreche und versuche darüber zu reden. Das endet dann nur im Streit oder darin, dass es wieder los geht... Dazu kommt, das umso mehr ich es anspreche, langsam der Punkt kommt, wo er mich wie ihr sagt, als "böse" einstuft.


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#12

RE: (Wie) Kann man einem Psychose-Betroffenen Grenzen setzen?

in Treffpunkt für Angehörige 15.09.2015 22:16
von DinaBerlin (gelöscht)
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Leider hat er gehört, dass ich etwas im Computer geschrieben hab. Er ist total ausgerastet und meinte er würde jetzt meinen Plan kennen. Er will jetzt so lange auf der Straße leben bis "der Tag" kommt. Und er sagt ich habe jetzt keinen Platz mehr um dann mit ihm nach "oben" zu gehen. Er hat jetzt unsere Wohnung verlassen. Jetzt kann ich nur abwarten, was die nächsten Tage passiert und hoffen, dass er vielleicht doch irgendwann bereit ist sich freiwillig behandeln zu lassen. Ich hab nur die Angst, dass die Psychose sich jetzt noch eher verschlimmert und er uns oder sich selbst was antut. Oder er taucht nach ein paar Tagen wieder auf und will weiter machen wie bisher. Dann fällt es mir auch immer schwer ihn wegzuschicken, weil er niemanden hat außer mich und unseren Sohn. Keine Familie, die ihn auffängt, keine Eltern oder Geschwister. Er hat nur uns.


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#13

RE: (Wie) Kann man einem Psychose-Betroffenen Grenzen setzen?

in Treffpunkt für Angehörige 16.09.2015 00:02
von Jela | 1.480 Beiträge | 4750 Punkte
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Dir viel Kraft. Hoffentlich nimmt alles einen guten Ausgang. Dein Mann muss sich unbedingt behandeln lassen. Reden, Anschreien und Grenzen setzen bringt eher nichts. Man kann nur darauf einwirken, dass er in Behandlung kommt. Seine Wahnvorstellungen sind nach dem was Du schreibst schon sehr ausgepraegt. Er lebt in der Psychose in seiner eigenen Welt, seine eigenen Realität und Warnehmung. Das kennen wir als Betroffene nur zu gut. Fuer sachliche Argumente ist man da eher weniger empfaenglich. Denn man nimmt die Umwelt und das Tun von Menschen anders wahr als es der Realitaet entspricht. Hilfe, auch fuer Dich muss von aussen kommen. Versuch doch mal eine Angehoerigengruppe bei Euch in der Naehe zu finden. Rat, Tat und Unterstuetzun waere in diese Situation bestimmt hilfreich. Auch koenntest Du das Gespraech mit dem behandelnden Arzt aus der Klinik suchen. Leider ist die Zwangseinweisung oftmals der einzige Weg, um helfen zu koennen und Schlimmeres zu vermeiden. Dank fuer eine solche Handlungsweise darf man aber erstmal nicht erwarten. Dieser Prozess kommt dann viel, viel spaeter. Da muss erstmal Krankeneinsicht usw. vorliegen.
Wuensche Dir die Unterstuetzung, die Du jetzt brauchst
LG Jela


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#14

RE: (Wie) Kann man einem Psychose-Betroffenen Grenzen setzen?

in Treffpunkt für Angehörige 16.09.2015 19:57
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Danke für Eure bestärkenden Antworten.
Im Moment weiß ich wirklich nicht, wie das noch gut ausgehen kann. Als er zwangseingewiesen wurde, habe ich wirklich gedacht jetzt wäre das schlimmste vorbei und dass er endlich professionelle Hilfe bekommt. Ich hatte auch ein Gespräch mit seinem Arzt aber sehr ergiebig war das auch nicht er meinte nur wir müssten jetzt auf die Krankheitseinsicht warten. Nur die kam leider nicht, sondern die Flucht aus der Klinik. Es wurde nach ihm gefahndet und er wurde von der Polizei zurück in die Klinik gebracht. Dann ist er erneut geflohen und untergetaucht. Ehrlich gesagt, hab ich nach dieser Erfahrung auch das Vertrauen in die Klinik verloren. Es war sehr schwer ihn erstmal da rein zu kriegen und dann tragen die auch die Verantwortung, dass er auch in der geschlossenen bleibt, da hätte ja auch sonst was passieren können als er abgehauen ist.
Ich glaube nicht, dass ich nochmal die Kraft hab ihn über Notarzt/Polizei zwangseinweisen zu lassen. Und im Moment sieht es nicht so aus als würde ich auf ihn einwirken können sich freiwillig behandeln zu lassen. Er hat auch bereits zu allen Leuten den Kontakt abgebrochen, die es in dieser Richtung versucht haben - also ihm gesagt haben er solle zum Arzt gehen. Bisher hat er immer nur noch an mir und unserem Sohn festgehalten, aber jetzt bei dem erneuten Schub, hat sich das ja auch schon etwas gewandelt, weil er denkt ich plane etwas gegen ihn und hintergehe ihn.

Es ist so schwer und traurig für mich, wenn ich an meine Schwangerschaft und die ersten Monate mit unserem Sohn zurück denke. Er war so fürsorglich in der Schwangerschaft und wir waren so glücklich über die Geburt unseres Sohnes und er war so ein liebevoller Papa für den Kleinen. Das ist als wäre es in einem ganz anderen Leben gewesen. Dabei ist es gerade mal ein paar Monate her. Und dann denke ich immer, wenn er sich einfach behandeln lassen würde, dann könnte es wieder so sein. Wenn so eine Psychose akut auftritt und schnell behandelt wird, gibt es ja ganz gute Prognosen - aber er sieht das einfach nicht ein. Und alles was er früher mal wollte und ihm wichtig war ist es jetzt einfach nicht mehr. Er war sich immer sicher, dass wir mal drei Söhne kriegen, dass wir mal zusammen nach Afrika verreisen und solche normalen Wünsche/Pläne halt und jetzt wartet er einfach nur noch darauf, dass in den nächsten Tagen die Welt untergeht...


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#15

RE: (Wie) Kann man einem Psychose-Betroffenen Grenzen setzen?

in Treffpunkt für Angehörige 16.09.2015 21:04
von Quietschi | 930 Beiträge | 1902 Punkte
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Hallo Dina.
Ich kann gar nicht verstehen, wie er da ausbrechen konnte. Normalerweise kommen schwer akute Patienten seines Kalibers erst mal auf die geschlossene und da in einen Überwachungsraum, wo sie ein paar Tage rund um die Uhr beobachtet werden, damit sie sich z:b. beim Randalieren nicht selbst weh tun. Außerdem sind - wie ich beim Besuchen eines Patienten dort mitbekommen habe - ein Eingänge elektrisch gesichert. Ohne dass einem ein Pfleger aufschließt kommt man da nicht raus, deshalb heißt es ja Geschlossene. Wenn ich mich recht erinnere hast du geschrieben, dass er außer dir keinen hat, also keine Personen, die ihn sonst einweisen lassen könnten?!?
Dann wird es wohl an dir liegen ihn zwangseinweisen zu lassen. Es sei denn die Polizei greift ihn akut psychotisch irgendwo auf. Dann stecken die ihn in die Klinik. Ich wünschte ich wüsste dir einen besseren Rat zu geben, doch den hab ich leider nicht. Ich wünsche dir dennoch die Stärke, das alles durchzustehen.
Liebe Grüße,
Quietschi


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