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#1

Er will keine Medikamente und keine Therapie!

in Treffpunkt für Angehörige 26.07.2015 16:28
von ichkannnichtmehr (gelöscht)
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Hallo zusammen,

mein Freund ist Alkoholiker, vor einem Jahr hat er so viel getrunken, dass er eine Psychose entwickelt hat und ich ihn in die geschlossene Psychiatrie gebracht habe, Diagnose paranoide Schizophrenie, zunächst war er einsichtig und nahm Neuroleptika. Nach der Psychiatrie bekam er dann eine schwere Depression, zum Glück war er auch hier einsichtig und nahm Antidepressiva. Aber seit Anfang des Jahres will er die Neuroleptika nicht mehr nehmen. Braucht er nicht, sagt er. Er fühlt sich gerade so gut wie nie zuvor, wie Batman, er denkt er sei unbesiegbar, er denkt er hat die Essenz des Lebens erkannt, er ist sehr eingebildet, hat stark abgenommen, kleidet sich plötzlich sehr anders, mit ganz vielen Goldketten, wie ein amerikanischer Hiphoper. Ich denke er ist seeeehhhhhr!!! manisch. Er trinkt seit der Psychiatrie keinen Alkohol mehr, aber kifft sehr viel. Er ist davon überzeugt, dass das sein Medikament ist. Im Internet gibt es Dokumentationen in denen Harvard Professoren sagen, dass kiffen keine negativen Einflüsse auf Menschen mit Psychosen haben. Das verstärkt seine Meinung. Ich mache mir große Sorgen, aber er zeigt keinerlei Einsicht, im Gegenteil er denkt, mir müsse man helfen, ich würde immer wieder in alte Verhaltensweisen verfallen, komme im Leben nicht voran. Ich sage ihm, dass ich mir Sorgen mache und Angst um ihn habe, aber er findet das übertrieben und sagt, ich müsse an mir arbeiten und meinem ängstlichen, sorgenvollen Verhaltensmuster arbeiten. Ich denke, dass ich kein überängstlicher Mensch bin, aber ich habe halt sehr akut um ihn Angst. Egal was ich sage, ich erreiche ihn nicht, er ist felsenfest von seiner Meinung überzeugt!!!!! Was soll ich tun, er denkt er ist Batman, ich habe Angst, dass er eines Tages denkt, er könne fliegen.

Ist er möglich einen manischen oder psychotischen Menschen zu einer Therapie zu bewegen? Kennt jemand von euch einen Trick, wie man mit so einem Menschen am besten redet?

Ich danke euch fürs lesen!


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#2

RE: Er will keine Medikamente und keine Therapie!

in Treffpunkt für Angehörige 26.07.2015 17:07
von Hirnsehprogramm | 1.224 Beiträge | 2487 Punkte
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Hallo!

Also erstmal, ich würde da jetzt keinen allgemeingültigen "Trick" kennen, ihn zu überzeugen. Einsicht ist so eine Sache bei Psychosen oder Manien - es gibt sicher viele klare Momente, aber ein noch grösseres Festhalten an den eigenen Überzeugungen. Von Amts wegen ist ein Zwangseingriff auch nur möglich, wenn jemand erkranktes in der Situation ist sich selbst oder anderen zu schaden - in dem Falle würde die Polizei allerdings auch direkt handeln können, so viel zum Thema dass er denken könnte er wäre Batman & könnte fliegen.


Was Cannabis + Harvard angeht, bin ich nur auf Berichte gestossen, die davon sprechen, dass Cannabis wahrscheinlich nicht der alleinige Auslöser einer Schizophrenie ist. Wobei die Datenlage meines Wissens nach ähnlich gelagert ist, wie bei der absoluten Gegenposition, die ja auch oft vertreten ist. Also nicht völlig bewiesen oder widerlegt.

Dazu, dass Cannabiskonsum Menschen mit Psychosen/Schizophrenie auf keinen Fall schaden würde, habe ich noch nichts in's Ohr bekommen. Es ist eigentlich mehr oder weniger eine anerkannte Beobachtung, dass viele Schizophrene durch Konsum ein starkes Aufblühen ihrer Symptome erleiden können, bis hin zu Rückfällen. Nicht müssen, aber können.

Berichte über eine lindernde Wirkung sind eher anekdotenhaft, ich wüsste wissenschaftlich dokumentiert nur eine Quelle, die Linderung bei einzelnen ausgewählten schwerst chronischen Patienten beschreibt, bei denen Medikamente nicht anschlagen, und das bei kontrollierter Gabe von THC in niedriger Dosierung und in Tablettenform und nur bei der Hälfte der wenigen und wie gesagt ausgewählten Patienten. Vermutlich wurde diesem Weg nicht weiter nachgegangen, da THC bei den meisten Patienten eher drastisch das Gegenteil bewirken kann.

In der Erforschung befindet sich ausserdem eine andere Substanz aus Cannabis, der wirklich gute Wirkung nachgesagt wird, CBD bzw. Cannabidiol - die aber in gewöhnlichem Grass zum Rauschkonsum meist nur in kleinen Spuren, oder sogar so gut wie gar nicht, vorhanden ist. Evtl. verwechselt er hier die Wirkung der beiden Substanzen, die im Grunde gegensätzlich ist, und das nicht grade zu seinem Vorteil. Selbst wenn es in seinem Cannabis vorhanden sein sollte, dann in sowieso viel zu niedriger Dosierung als bei den Studien, die diesen Effekt untersuchen, und zudem mit viel THC, das den gegenteiligen Effekt hat.

Zudem ist Cannabis vom Schwarzmarkt äusserst riskant, da davon ausgegangen werden kann, dass ein Grossteil der Ware nicht rein ist.


Vielleicht helfen dir diese Argumente im Dialog mit ihm.


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#3

RE: Er will keine Medikamente und keine Therapie!

in Treffpunkt für Angehörige 27.07.2015 12:01
von Mona | 89 Beiträge | 159 Punkte
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Ich mache mir große Sorgen, aber er zeigt keinerlei Einsicht, im Gegenteil er denkt, mir müsse man helfen, ich würde immer wieder in alte Verhaltensweisen verfallen, komme im Leben nicht voran. Ich sage ihm, dass ich mir Sorgen mache und Angst um ihn habe, aber er findet das übertrieben und sagt, ich müsse an mir arbeiten und meinem ängstlichen, sorgenvollen Verhaltensmuster arbeiten.



Ich kann deine Sorge um deinen Lebensgefährten so gut verstehen! Trotzdem, vielleicht steckt auch ein ganz kleiner Funken Wahrheit in dem, was er sagt. Vielleicht wäre es gar keine verkehrte Idee, wenn du dir für dich Hilfe suchst. Bitte versteh mich nicht falsch, ich teile nicht die Auffassung deines Freundes dass du überängstlich bist, aber ich kann mir vorstellen, dass dir ein wenig Unterstützung gut tun würde und dich stärken könnte. Einen Schritt hast du ja gemacht, in dem du dich hier im Forum angemeldet hast. Du könntest schauen ob es andere Formen der Unterstützung für dich gibt: Selbsthilfegruppen für Angehörige, Sozialpsychatrischer Dienst, veilleicht sogar ein paar Sitzungen beim Psychologen.

Ich bin ja selbst Angehörige (mein Sohn hat paranoide Schizophrenie, übrigens vermuten die Ärzte dass exzessiver Cannabisgenuss seinen psychotischen Schub ausgelöst hat) und weiß, wie hilflos man sich da fühlt. Ich bin froh dass ich so eine Art 'Hilfsnetzwerk' aufbauen konnte, denn wäre ich ganz allein mit alledem wäre ich wohlmöglich schon zusammengeknackst.

Liebe Grüße,
Mona


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#4

RE: Er will keine Medikamente und keine Therapie!

in Treffpunkt für Angehörige 27.07.2015 13:14
von ichkannnichtmehr (gelöscht)
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Vielen lieben Dank für euer Mitgefühl. Du hast absolut Recht und ich fühle mich auch nicht angegriffen, ich brauche Hilfe. Ich habe auch schon eine Therapeutin, die sich mit der Psychosethematik auskennt. Ich war bereits einmal dort und es war unglaublich gut. Die gibt total gute Tipps und checkt alles und hilft mir klarer zu sehen. Blöderweise ist sie jetzt erstmal 6 Wochen im Urlaub :-( Aber ich werde bei dem psychologische Krisendienst anrufen und vielleicht versuchen mal vorsichtig mit der Mutter meines Freundes zu sprechen. Nochmal, vielen Dank für eure Antworten, schön dass ich dieses Forum entdeckt habe!!


1 Mitglied hat sich bedankt!
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#5

RE: Er will keine Medikamente und keine Therapie!

in Treffpunkt für Angehörige 27.07.2015 14:10
von DA JAGNA | 375 Beiträge | 669 Punkte
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Solange er sich selbst und auch sonst niemanden gefährdet kannst du nichts machen. Sieh zu das du nicht kaputtgehst dabei


OM
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#6

RE: Er will keine Medikamente und keine Therapie!

in Treffpunkt für Angehörige 27.07.2015 14:47
von Quietschi | 930 Beiträge | 1902 Punkte
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@Ichkannnichtmehr:
Ist er möglich einen manischen oder psychotischen Menschen zu einer Therapie zu bewegen? Kennt jemand von euch einen Trick, wie man mit so einem Menschen am besten redet?

- Nun, einen Trick gibt es leider nicht. Bei den meisten Leuten läuft es so ab, dass sie sich entweder irgendwann selbst einweisen, weil sie die Psychose nicht mehr aushalten, oder dass sie eingewiesen werden, weil sie z.B. aggressiv gegen sich selbst, oder andere, werden. Du kannst nur weiterhin versuchen ihn zu überzeugen. Aber es kann eben sein, dass das nicht auf fruchtbaren Boden fällt.
Dann musst du auf dich selbst aufpassen, dass du nicht vor die Hunde gehst und evt. irgendwann die Reißleine ziehen.

Wenn er sich für Batman hält, hat er Wahnvorstellungen und ist vermutlich nicht manisch, sondern schizophren. Und entgegen dem, was er gelesen zu haben behauptet, ist Cannabis nicht gut bei Schizophrenie, weil es die Wahnvorstellungen noch unterstützen kann.
Liebe Grüße,
Quietschi


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#7

RE: Er will keine Medikamente und keine Therapie!

in Treffpunkt für Angehörige 30.07.2015 09:45
von ichkannnichtmehr (gelöscht)
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Er ist verschwunden. Er wollte am Dienstag von München aufs Land zu seiner Mutter fahren mit dem Zug. Er ist dort nie angekommen. Ich glaube er rennt irgendwo durch München rum. Ich glaube auch, dass er kein Geld mehr hat. War gestern bei der psychologischen Ambulanz, die haben mich zur Polizei geschickt. Die Polizei kann aber auch nichts tun, denn für eine Fahndung nach ihm reicht das nicht. Ich hab alle möglichen Leute kontaktiert, die ihn kennen, keiner weiß wo er ist. Man kann ihn nicht erreichen, sein Handy hat er nicht an, ich glaub sogar gar nicht dabei. Gibt es irgendetwas was ich tun könnte, außer ihn auf eigene Faust zu suchen? Ich habe Angst, weil er so Größenwahnsinnig ist, dass er stirbt. Oder dass die Stimmen zurückkommen und ihm sagen, dass er sich töten soll. So wie beim letzten Mal.


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#8

RE: Er will keine Medikamente und keine Therapie!

in Treffpunkt für Angehörige 30.07.2015 13:44
von Jela | 1.480 Beiträge | 4750 Punkte
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Du, dass tut mir unheimlich leid fuer Dich. Ist eine echt schwierige Situation. Die Ungewissheit und dann noch das Wissen um die Kranheit. So leide es mir tut, auch wenn es nicht beruhigt, ganz im Gegenteil Du wirst wirklich nur abwarten und versuchen koennen alles abzuklappern oder zu kontaktieren, wo er aufschlagen koennte. Kennst Du auch seine Kifferkreise ? Und eine Vermisstenanzeige aufzugeben, sobald moeglich. ( weisst Du ab wann das machbrar ist ? Ich glaube drei Tage ) Dann vielleicht noch klaeren, ob Du den Geldhahn zudrehen kannst ( EC Karte, Kredit Karte, Kontovollmacht ? ), je nach dem wie er "drauf" ist koennt das sinnvoll sein. Sehr viel mehr wirst Du nicht tun koennen. Hoffentlich ist er "nur" mit Groessenwahn und nicht als Stimmenhoerer, Batman unterwegs. Druecke Dir beide Daumen, dass nichts passiert. Und sich Krankeneinsicht und damit auch die Moeglichkeit zu helfen einstellt. Scheiss Krankheit ( Sorry )
Liebe Gruesse, fuehl Dich gedrueckt Jela


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