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#1

Und plötzlich ist alles anders....

in Treffpunkt für Angehörige 09.07.2015 20:31
von Blackswan282 (gelöscht)
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Hallo ihr Lieben!

Leider musste auch ich eine erneute traumatische Erfahrung machen...

Es war so:

Am 15.12.12 lernte ich meinen jetzigen Verlobten kennen. Zu dieser Zeit steckte ich noch in einer von häuslichen Gewalt geprägten Situation.

Als ich meinen Schatz kennenlernte wurde aber schlagartig alles anders.

Nun ist es so, dass mein Schatz aber auch schon in seiner Kindheit ein Trauma erlitten haben muss, welches nie bearbeitet wurde.
Er musste erleben wie man seine Mutter einwies, weil auch diese schon an einer psychischen Erkrankung litt. Seine Schwestern sich von ihr abwandten, er bei seinem Vater aufwuchs, wo dessen neue Partnerin meinen Schatz systematisch heraus geekelt hatte.

So stand mein Schatz auf eigenen Beinen, sollte seinen Vater auf Unterhalt verklagen, so dass dieser nichts mehr von ihm wissen wollte und Iwan sogar verstarb, ohne dass man meinem Schatz die Gelegenheit gab sich noch einmal mit ihm auszusprechen.

Bevor seine Mama verstarb fand dieses aber statt, er hat sich auch stets um sie gekümmert, wo es nur ging, und hat ihr die letzte Ehre erwiesen.

Beruflich war mein Schatz sehr erfolgreich, bis *** ihn betrogen, verleumdet und verraten hat.

Lange Jahre Rechtsstreit standen an und Phasen wo mein Verlobter durch Rufmord, seitens *** im Internet, akut drei Wochen um sein Leben bangen musste, aber von KEINER Institution Hilfe bekam!
Mein Schatz wollte doch nur Gerechtigkeit, seine Gelder aus *** und das Dinge sich von Grundauf ändern (um was es genau geht lasse ich hier zum Schutz weg, es geht um Öffentliche Sicherheit!).

Leider musste er aber eine Niederlage nach der Anderen einstecken, seine 16 Jährige Beziehung ging den Bach runter, Gelder aus der Selbstständigkeit kamen nicht mehr herein, er musste ALG2 beantragen, verliert am 22.07.15 seine Wohnung, das Leben also völlig in Trümmern.

Lediglich ich und meine Kinder sind ihm geblieben, welches für ihn erst auch noch Halt war, bis vor ca 3 Wochen.....

Vor drei Wochen fing es spürbar an, nur dachte ich ok, ein wenig Depressionen respektive "Midlive Crisis", da auch persektivlos.

Am 04.07.15 kam es aber noch ganz anders.
Er weinte nur noch, er sprach wirres Zeug, verhielt sich wirr, warf sogar mir vor ich sei eine vom Verfassungsschutz, meine Whg wäre verkabelt, wir würden abgehört, er sprach im Plural, die Sterne seinen Sateliten welche uns beobachten etc... Dennoch machte er mir einen Heiratsantrag und gestand mir ständig seine Liebe usw...

In der Nach vom 07.07.15 wurde er plötzlich so aggressiv und schrie mich an (er ist eigentlich die Gutmütigkeit in Person, hilfsbereit, zuvorkommend, respektvoll usw, liebt die Kinder wie seine eigenen, und sie lieben ihn wie ein Vater).
Plötzlich ging er auf den Balkon und griff nach einem Stein, welchen er hoch erhoben in der Hand hielt, schrie mich an "mit mir oder ohne mich, entscheide Dich" usw...

Ich hatte Todesangst!!!!!

Konnte aber irgendwie die Polizei anrufen, welche auch recht schnell kam, denn plötzlich stand er auf dem Tisch des Balkons und wollte springen.

Iwan konnte die Polizei ihn überwältigen und sie hatten ihn in Handschellen gelegt, so saß er dann in meiner Küche, wie Gott in schuf, nur eine Decke um die Hüften und diverser Blessuren.

Dann wollten sie ihn mitnehmen, einfach so! Ich aber bestand darauf ihm noch etwas anzuziehen, welches ich dann auch noch tat.

Beim Gehen sagte er mir noch das er mich lieben würde....

Ich werde diese Bilder, seine Worte einfach nicht los, immer wieder sehe ich ihn auf dem Tisch stehen oder mit dem Stein in der Hand vor mir, höre den Krach von der Überwältigung etc....

Mein Hausarzt hat mir auch gleich Tavor verschrieben....

Nun konnte ich ihn drei Mal am Telefon erreichen, man merkt natürlich noch die verzerrte Wahrnehmung, die Kälte, welche er zu mir aufgebaut hat, die uneinsichtig das es nicht böswillig von mir war, dass er nun dort drin ist, in der Klinik....

Die Klinik spricht auch nicht mit mir, ich komme mir so verlassen vor, so viele Fragen....

Wird er mir Iwan verzeihen!?

Wird er Iwan einsehen dass ich gar keine andere Wahl zum Schutze aller hatte!?

Wann kann ich mit der ersten Besserung rechnen!?

Wird er seine Krankheit einsehen!?

Wird er mich jetzt für ewig hassen!?

Usw usw usw....

Vielleicht bekomme ich hier ja Antworten.

Es tut alles so unglaublich weh...... :(

LG Blacky


zuletzt bearbeitet 09.07.2015 20:49 | nach oben springen

#2

RE: Und plötzlich ist alles anders....

in Treffpunkt für Angehörige 09.07.2015 22:29
von Hotte | 1.639 Beiträge | 4808 Punkte
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Hallo Blacky,

herzlich willkommen!

Darfst Du ihn denn besuchen in der Klinik? Ich weiss nicht, wie es geregelt ist, wenn man nicht verheiratet ist. Wünsche Dir viel Kraft für die nächste Zeit!


---
Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, mach Limonade draus! (G. Sielaff)
Mein Blog: https://ingo-schreibt-anders.blog
Ich schreibe auch in der http://www.schreibkommune.de/. Dort findet ihr Geschichten und Artikel mit Themen rund ums Schreiben.
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#3

RE: Und plötzlich ist alles anders....

in Treffpunkt für Angehörige 10.07.2015 07:19
von Blackswan282 (gelöscht)
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Hallo,

Ja, grundsätzlich schon....
Hat nur beim letzten Mal nicht so funktioniert. Er wollte das ich ins Zimmer komme, darf ich aber nicht und raus wollte er nicht.... 😔

Und dann stand ich da mit allem und 1000 Fragen alleine. Es war schrecklich!

LG


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#4

RE: Und plötzlich ist alles anders....

in Treffpunkt für Angehörige 10.07.2015 08:34
von Fiene (gelöscht)
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Oh ja, ich verstehe. Es tut sehr, sehr weh.

Ich musste meine Tochter auch vom Dach runterzerren und einweisen lassen.
Du hast jetzt viele Fragen, doch alle Psychosen können unterschiedlich ablaufen.
Deshalb kann man dir nicht alle Fragen auf einmal beantworten.
Aber du wirst hier eine Stütze finden.
Die regelmäßige Kommunikation hilft.

Eine Sorge kann ich dir allerdings schon mal nehmen.
Er wird dich nicht ewig hassen.

Meine Tochter weiß fast nichts über ihr aggressives Verhalten mir gegenüber während des
Psychose Schubs (vielleicht ahnt sie es nur noch). Wir sprechen es auch nicht an. Sie ist heute dankbar, dass wir sie nicht im
Stich gelassen haben.

Bringe erstmal einiges an Geduld mit, bis die Medikamente wirken. Aufarbeitung erfolgt später.

Wollte diesen Beitrag eigentlich gestern schon senden. Habe statt auf speichern auf bedanken gedrückt. Nun noch einen Klick kommt und er ist heute da.

LG. Fiene


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zuletzt bearbeitet 10.07.2015 08:40 | nach oben springen

#5

RE: Und plötzlich ist alles anders....

in Treffpunkt für Angehörige 10.07.2015 16:43
von Quietschi | 930 Beiträge | 1907 Punkte
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Hallo BlackSwan.
Nein, nein, zieh dir den Psychose - Schuh nicht über. Ich denke die Vorwürfe dir gegenüber werden sich legen, wenn er medikamentös eingestellt ist und sich mit den Symptomen auch die Überzeugung, dass du ihm dadurch schaden wolltest, legt. Das dauert schon eine Weile, also: Geduld mitbringen.
Liebe Grüße und Willkommen im Forum,
Quietschi


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#6

RE: Und plötzlich ist alles anders....

in Treffpunkt für Angehörige 10.07.2015 17:22
von Wolf (gelöscht)
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Hallo Blackswan,

ich möchte dir da wie ich das schon oft getan habe, von mir erzählen. Ich selbst bin Erkrankter, habe ähnliches ge3macht und gedacht, nur, dass ich für meine Wesensart nicht aggesiv werde.
Damals (neben anderen psychotischen Symptomen) dachte ich, meine Frau würde mich nicht mehr lieben und fremdgehen. Eich scheußliches Gefühl, das natürlich nicht real war, wie ich heute weiß. Aber ich wäre fast daran kaputt gegangen. Denn die eigene Uberzeugung ist so stark, dass man sich nicht dagegen wehren kann.
Du weißt, dein Mann war schon man in dieser Situation, genau wie ich, dass man so schlimm betrogen und vernichtet wurde. Da spiegelt sich dann in der Psychose die ganze Angst wieder, die man schon mal durchgemacht hat.

Paranoid Schizophrene beziehen immer auf das, was einem im Leben wichtig besonders wichtig ist. Daher weiß ich, wie wichtig du deinem Freund bist. Daher versuche ihm das nicht nachzutragen (wenn soetwas überhaupt möglich ist), wenn er seine paranoide Denkweise sich gegen dich richtet. Es ist nicht er, sondern die Erkrankung.

Aber ich muß dir noch weiter von mir erzählen. Das ganze ist bei mir nun 12 Jahre her. Und ich lebe heute immernoch in guter Beziehung mit meiner Frau. Ich nehme immer meine Medikamente. Denn ich will und kann das von damals nicht noch einmal durchstehen. Und meier Frau darf ich das von damals nicht noch einmal zumuten.

Es hat natürlich etwas gedauert, bis ich wieder real denken konnte und auch meine damaligen Reaktionen und denkweisen aufarbeiten konnte. Zu Anfang war ich auch nicht krankheitseinsichtig, denn der Wahn fühlt sich so real an. Erst später, als ich mich mit näher mit der Erkrankung beschäftigt habe, hab ich Stück für Stück realisiert, dass das natürlich diese Erkrankung ist.

Ich drücke dir die Daumen, dass du etwas zur Ruhe kommst. Du bist jetzt in der schlimmen Situation, wie meine Frau damals. Laß bitte deine Selbstzweifel zurück, denn die braucht du nicht zu haben. Du hast das einzig richtige getan. Es hat sogar etwas positives. Denn jetzt ist er in der Klinik und kann behandelt werden. Viele andere laufen immer wieder der Behandlung davon und türannisieren ihre Partner weiter. Daher habt ihr jetzt eine viel bessere Ausgangsposition.
Und versuche etwas Hoffnung zu haben. Die Erkrankung ist sehr gut behandelbar. Dazu kommt, dass dein Freund intelligent ist. Da wird er früher oder später einen guten Weg finden.

Herzlichen Gruß vom Wolf


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#7

RE: Und plötzlich ist alles anders....

in Treffpunkt für Angehörige 10.07.2015 18:15
von Blackswan282 (gelöscht)
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Hallo Wolf (auch den anderen),

Lieben Dank!

Als ich deinen Text las, kamen mir zum Schluss die Tränen... Muss mich allerdings gerade in der Öffentlichkeit etwas zusammen nehmen....

Ich rief ihn heute schon zwei mal an.
Er ist soweit ganz "klar", aber dennoch teilweise eine verzerrte Wahrnehmung.

Sehr Krankheit-uneinsichtig, vermag (vermeintlich!?) nichts mehr von diesem Alptraumhaften Geschehen in dieser Nacht wissen, möchte von mir "saubere" Zigaretten haben -ich wüsste Bescheid!?-, redet einerseits sehr liebevoll mit mir, auf der anderen Seite ist er sehr verletzt ob der Tatsache durch mich nun dort zu sein und legt auch dann wortlos auf (schaffe es Max ihn 3-5 Minuten am Telefon zu halten!)....

Dann soll ich ihm helfen, ihn da raus holen, hat die Verlobung für aufgelöst erklärt, will mir auch keine Procura erteilen um Dinge wie mit der Wohnung Regeln zu können (ist also absolut misstrauisch) und meint dann einfach die Räumung laufen lassen zu wollen...

Es tut mir SO UNENDLICH WEH!!! Ich kann doch nicht zulassen, dass alles jetzt auch noch ganz heftig krass hinzu kommt, ohne nicht irgendetwas versucht zu haben tun zu können....

Ich liebe ihn doch so sehr!!!!

Er meint er solle Medis nehmen, welches er aber abweist (er wäre ja schließlich nicht krank), er solle sich um raus zu kommen seine Paranoidität eingestehen, etc...

Es tut einfach nur weh!

Wie kann ich ihm nur helfen!? Wie kann ich ihm klar machen, dass teilweise seine Gedanken eben nicht gesund sind!?

Dann möchte er, dass ich ihm meine Karten (ich lege Karten -Esoterik-) mitbringen, mit welchen er sich die 2-3 Wochen vor seinem Ausbruch exzessiv beschäftigte.

Ich meine es wäre nicht ok, der Arzt meint es sei Ok, dann könne man vielleicht.... Und dann verstummte er....

Was könne man dann vielleicht!? Einen nächsten krassen Schub provozieren!?

Ich fühle mich so hilflos!

Wann wird er voraussichtlich einsichtig sein, sich behandeln lassen, die Medis nehmen (oder bekommt er die gar "heimlich" doch!?), wann wird er erkennen dass ich nicht anders handeln konnte....!?

Ich bin so verzweifelt... 😭😭😭😭😭😭


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#8

RE: Und plötzlich ist alles anders....

in Treffpunkt für Angehörige 10.07.2015 19:05
von Wolf (gelöscht)
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Hallo Blackswan,

danke für deine Antwort. Es ist für mich immer wieder schön zu erleben, dass meine grausamen Krankheitserfahrungen nicht umsonst waren.
Ich weiß aber leider nicht, wie du dich richtig verhalten sollst. Mir fallen da Strategien ein:
- Ja, sagen, dass du ihn da rausholen wirst, wenn er sich der Erkrankung stellt (das kann Misstrauen bei ihm auslösen oder steigern)
- Sagen, dass er doch so viel im Leben erlebt hat, dass er doch intelligent ist, sich mit der Erkrankung zu beschäftigen (dto)
- oder sprich ihn einfach an, ob er dir das wieder antun will, was er getan hat. (Warscheinlich der einzig gute Weg)
- Karten legen. (Damit kenne ich mich nicht aus) Aber sicher kannst du ihm einen Weg aufzeigen, wie ich meinen beschrieben habe
(den Arzt kann ich gut verstehen, dass er so reagiert hat. Da kann man schön seinen Denkprozess ablesen)
mehr fällt mir in der Kürze nicht ein. Und ehrlich gesagt, taugen meine Ratschläge nicht viel. Man kann eben immer nur versuchen, nicht resignieren und kämpfen.

Mißtrauen ist natürlich ein Symptom der Erkrankung. Man fühlt sich verfolgt, beeinflusst und bedroht.
Das ist ja gerade das schlimme an der Erkrankung. Gegen alle und besonders gegen die Menschen, die einem wichtig sind, kommt bei Hilfe sofort Mißtraun auf.
Eine scheußliche, hinterhältige Erkrankung. Aber gib den Ärzten Zeit. Ich hoffe, er nimmt seine Medikamente. Viele Erkrankte nehmen wegen der Krankheitsuneinsicht ihre Medikamente nicht. Sie sehen es als Bedrohung an. (man wollte sie vergiften)

So, nun habe ich dir die Probleme bei der Erkrankung erzählt. Ich bin mir unsicher, ob das der richtige Zeitpunkt dazu war. Sicher nicht.
Deshalb Sorry, es sprudelt eben aus mir heraus.
Es ist sehr schwer, aber steck den Kopf nicht in den Sand. Denn der Kampf gegen die Erkrankung lohnt sich.

Herzlichen Gruß vom Wolf


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#9

RE: Und plötzlich ist alles anders....

in Treffpunkt für Angehörige 10.07.2015 19:36
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Hey Wolf,

alles gut!
Je mehr ich erfahren kann, "wie ihr tickt", desto besser kann ja auch ich verarbeiten...

Du glaubst also der Arzt verfolgt evtl damit "einen bestimmten Plan", wenn mein Schatz die Karten wieder bekommt!? Trotz dass er damit so exzessiv hantiert hat und sich dadurch schon fast anfing "Dinge einzureden"!?

Wie lange hat es bei Dir gedauert, bis Du einsichtig warst...!?


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#10

RE: Und plötzlich ist alles anders....

in Treffpunkt für Angehörige 10.07.2015 20:42
von Wolf (gelöscht)
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Nein, einen Plan verfolgt der Arzt da sicher nicht. Es ist unmöglich, das dein Freund durch Kartenleserei erkrankt ist (denn für die Erkrankung gibt es körperliche-chemische Ursachen) aber ihn schon sehr in der Psyche beeinflusst hat. Man sagt, es gibt einerseits Veranlagung und anderseits Auslöser für die Erkrankung.
Eigentlich geht es im Leben darum, miteinander über wirklich wichtige Gespräche zu führen, sich damit zu beschäftigen, warum man sich immer falsch versteht, nicht an übersinnliches zu glauben, falsch gelerntes zu erkennen und vieles mehr.
Diese Antwort ist mir schwer gefallen, da ich so sehr gegen Esoterik bin, weil sie den Menschen kaum hilft. Es sei denn, man setzt es bewusst für die Hilfe anderer Gläubiger ein.
Du kannst du deinem Freund sonst so nicht helfen, denn Psychose ist das reale Leben, dem man nur mit Realismus begegnen kann.
Sorry, wenn ich keine andere Antwort geben kann.

Was meine Krankheitsdauer anbetrifft, war ich erstmal froh, von dem Horror verschont wurde. Da war mir egal, wie die Erkrankung hieß. Ich merkte nur, dass das Leben wieder lebenswert erschien. (Ich weiß nicht, ob das bei deinem Freund so ist) Ja, wie lange hat das gedauert? Darauf habe ich eigentlich keine genaue Angabe, da es ein längerer Prozss war. Nach 9 Monaten war ich jedenfalls so wieder hergestellt, dass ich wieder halbwegs meinen Beschäftigungen nachgehen konnte. Das Mißtrauen hat sich schnell gelegt, denn ich war in der Klinik, Menschen, denen ich vertrauen konnte. (Ich kann aus meiner Erfahrung auf Ärzten vertrauen) Daher gibt es so viele Faktoren, die ich nicht kenne, warum und wie lange Psychosen andauern.

Gruß vom Wolf


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#11

RE: Und plötzlich ist alles anders....

in Treffpunkt für Angehörige 10.07.2015 22:19
von Hirnsehprogramm | 1.331 Beiträge | 2755 Punkte
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Ich kann jetzt zu dieser speziellen Wahnproblematik an sich nicht so viel sagen. Meine Ausprägung der Erkrankung war und ist etwas anders - stärker von Illusionen, Halluzinationen geprägt. Ich dachte nur grade mal wieder - im Grunde bräuchte es, neben Medikamenten, und wenn diese nicht so gut anschlagen, einfach viel Zeit, Ruhe, und die richtige Art von Gesprächen um einem Menschen mit solchen Vorstellungen irgendwie helfen zu können. Aus meiner Erfahrung ist diese Komponente in der Psychiatrie deutlich unterbesetzt. Viele begreifen aber auch so irgendwann, und gestehen sich die Problematik ein.

Aber zu den Karten: der Arzt sieht ja nun den Mann jeden Tag, bzw. das Pflegepersonal, und beobachtet. Ich kann mir gut vorstellen, dass er im Sinn hat eine gewisse Beschäftigung für ihn zu finden, damit er von ungesunden Routinen oder Rückzug etwas herauskommen kann. Oder seine Vorstellungen mit Hilfe der Karten einfach bewusster wahrnimmt. Mir hatte in der Klinik neben der Zeit mit anderen Patienten auch geholfen, z.B. sachen zu malen, viel zu schreiben und dergleichen. Paranoide Ideen sind am schlimmsten, wenn man allein in seinem Kopf mit ihnen gefangen ist. Allein sie irgendwie zu verarbeiten, drüber nachzudenken, oder sie auf Papier "in die Welt zu stellen" kann schon grosse Erleichterung bringen. So etwas könnte ich mir auch bei der Reflektion über das Kartendeuten vorstellen, vor allem wenn andere darin beteiligt sind. Vielleicht hofft der Arzt so auch, dass er selbst (wäre aber ungewöhnlich), bzw andere Patienten zu einen gewissen Zugang bekommen können - Kartenlegen ist ja eine Tätigkeit, die man nach aussen sichtbar macht, und darüber könnten auch Dialoge entstehen.

Wenn er schon massiv in einer "Macke" mit den Karten war, ist es vielleicht auch nicht wirklich förderlich in direkter Hinsicht. Das kann man so vermutlich nie eindeutig abschätzen. Man sollte auch nicht vergessen, dass viele Betroffene nicht nur paranoide Ideen zu ihrem Lebensumfeld, sondern oft auch Wahnvorstellungen spiritueller bzw. religiöser Natur haben können. Die auch gefährlich oder belastend sein können. Andererseits wäre so ein Deck widerum etwas, was ihm vorrübergehend neuen Inhalt und Beschäftigung geben kann, wenn er grade in einem ganz schlimmen Loch ist. Ich hoffe, der Arzt weiss was er tut, und beobachtet diese Dynamik genau. Ich schätze eine Beschäftigung mit den Karten ist vielleicht an sich eher noch "schadloser" als die alten Ideen immerzu im Kreis zu wälzen und völlig verweigernd auf der Station zu sein. Zumal es ja sein eigener Wunsch zu sein scheint.


Ein scharfsichtiger Mensch würde sie erblicken, würde über sie nachsinnen, sie gründlich untersuchen. Ihm, der sie erblickt, über sie nachsinnt, sie gründlich untersucht, eben als leer, als hohl, als kernlos würde sie da erscheinen. Wie sollte auch in einer Schaummasse ein Kern sein!
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#12

RE: Und plötzlich ist alles anders....

in Treffpunkt für Angehörige 10.07.2015 23:28
von Hotte | 1.639 Beiträge | 4808 Punkte
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Ich glaube nicht, dass solche Karten schädlicher sein könnten als Bücher oder Fernsehen.
Meiner Erfahrung nach nimmt man alle Reize anders war, weil man sie anders verarbeitet als sonst. Zunächst durch die Erkrankung, dann durch die Medikamente. Das, was auf mich einprasselte, beeinflusste unweigerlich meine Gedanken und somit auch Handlungen.
Sprach eine Mitpatientin davon, Kaffee zu trinken sei das Beste, das es gibt, so probierte ich es mit Kaffee, darauf zu wirken, dass ich mich besser fühlte. Las ich in einem Buch über Wandern in Neuseeland, wollte ich uuuuunbedingt dort wandern gehen. War im Fernsehen in einer Sendung die Rede davon, dass gleich der Bus komme, schnappte ich meine Siebensachen und setzte mich in der Jacke und mit gepacktem Rucksack in den Fernsehraum, um auf den Bus zu warten.
Das liest sich vermutlich jetzt lustig und mir selbst im Nachhinein ist auch klar, wie ungeordnet das wirkt. Schuld ist u.a. die sogenannte erhöhte Suggestabilität. Einmal hat man (Pflegepersonal) behauptet, ich hätte einen Termin versäumt und man hätte mir doch einen Zettel gegeben, wo dieser draufstehe und ich sah vor meinen Augen tatsächlich einen Zettel. Ich glaubte mich an etwas zu erinnern, das gar nicht passiert war. Es fiel mir dann später auf, dass es sich um einen anderen Zettel handelte, an welchen ich mich erinnert hatte. Das war ein Test gewesen, um eben rauszufinden, ob ich tatsächlich schon so klar bin, wie ich wirke.
Man hat von außen als Behandler immer nur sehr begrenzte Möglichkeiten, da man keinerlei Kontrolle darüber hat, was das Gehirn des Patienten mit gegebenen Informationen anstellt.


---
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1 Mitglied hat sich bedankt!
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#13

RE: Und plötzlich ist alles anders....

in Treffpunkt für Angehörige 11.07.2015 10:19
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Hallo Blackswan282, es tut mir so leid dass du diese schlimmen Erfahrungen machst. Ich bin ebenfalls Angehörige, und ich kann es dir gut nachempfinden wie verletzt, verwirrt und unglücklich du dich fühlst. Mein Sohn hat eine Zeit lang geglaubt, dass ich ihn vergiften wolle. Er sagt er empfindet keine Liebe für mich, und er hatte schon Angst, dass er mir irgendwann etwas antut. Das ist sehr schlimm und schwer zu ertragen.

Aber es wird besser werden! Für mich ist das auch alles Neuland, mein Sohn hat seine Diagnose erst seit ein paar Monaten. Er bekommt seine Medis, und so langsam geht es ihm besser. Es geht ihm sogar deutlich besser. Halte durch und hab Geduld... du hast zum Forum gefunden, das wird dir sicherlich viel Kraft geben. Mir haben die lieben Menschen hier schon sehr geholfen als ich verzweifelt war wegen meinem Sohn.

Viele liebe Grüße,
Mona


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#14

RE: Und plötzlich ist alles anders....

in Treffpunkt für Angehörige 11.07.2015 11:12
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Lieben Dank für die Antworten, die Versuche mir Mut zu machen und das aufbauen...

Gleich werde ich zu ihm fahren, ich habe Angst....

Angst er könnte wieder ausrasten und versuchen mir etwas anzutun, aber ich versuche es zu verdrängen, versuche darauf zu bauen und zu hoffen, dass er bald einsichtig wird und sich behandeln lässt....

Aber dennoch, ich habe verdammte scheiß Angst!!!!

Er ist die Liebe meines Lebens, und es tut unendlich weh ihn so zu sehen...

Ich bete jeden Tag dass es besser wird, versuche ihm positive Gedanken und Energie zu schicken.

Die Kinder malen ihm gerade Bilder, welche ich ihm geben werde.

Wenn ich ihm doch mehr helfen könnte, wenn ich ihn doch zur Einsicht bringen könnte sich helfen zu lassen etc, wenn ich ihm doch klar machen könnte, dass ich nicht seine Feindin bin, ihn unendlich liebe, zu ihm stehe, ihn beschützen möchte, ihn nicht im Stich lassen werde (wie viele andere Menschen schon in seinem Leben).


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#15

RE: Und plötzlich ist alles anders....

in Treffpunkt für Angehörige 11.07.2015 11:34
von Schneepferdchen (gelöscht)
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Was mir als Angehörige von Anfang an geholfen hat, ist das Bewußtsein, daß alles "nur" Phasen sind. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie Du Dich fühlen mußt in dieser sehr unschönen Zeit.
Man geht aber auch gestärkt daraus hervor und mit jeder Phase und jeder weiteren Phasen kommen schöne Momente hinzu. Also ich meine bei mir jetzt, ich kann ja nicht für alle Menschen sprechen.
Es ist auch schön zu sehen, wie sich die Dinge so langsam entwickeln. Manche Dinge sogar auch recht schnell und dabei bin ich selbst auch ein eher langsamer Mensch, da ich immer alles erst durchdenken muß.
Ich hatte auch Zeiten, in denen ich ziemlich große Angst hatte, weil ich nicht wußte, was los war und manchmal habe ich die noch, aber längst nicht mehr so schlimm.
Durchhalten lohnt sich und den Humor nicht verlieren und das Gefühl dafür, daß das Fundament der Beziehung in all den Phasen stärker wird.
Ich bereue keinen einzigen Tag

Viele liebe Grüße,

Schneepferdchen


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