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#1

Vormundschaft für meine Schwester beantragen?

in Treffpunkt für Angehörige 09.04.2015 08:56
von Sigrid1966 (gelöscht)
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Hallo, liebes Forum,
ich bin neu hier und sage erst mal ein 'Hallo' in die Runde. Ich bin 49 Jahre alt und komme aus dem Rhein-Main-Gebiet.
Es geht hier weniger um mich, als um meine Schwester, die in Berlin lebt. Sie ist 48 Jahre alt.

Wir beobachten schon seit längerer Zeit, dass meine Schwester ein schizophrenes Krankheitsbild an den Tag legt: Sie wird abgehört, hört Stimmen im Radio und aus den Lautsprechern der S- und U-Bahnstationen, fühlt sich von einer Frau verfolgt, die ihr alle Jobs und Männer streitig machen möchte, wird von kleinen Kindern mit Laser behandelt, hält ihre eigene Mutter für ein Double, usw. Ich könnte die Liste der Anwandlungen endlos fortsetzen, aber gut ... sie lebt in ihrer eigenen, kleinen Welt, hält seit Jahren stur an ein paar Ritualen fest, die ihr noch ein bisschen Sicherheit im Leben geben.

Unser Problem ist, dass sie vor ca. 2 Monaten ihren Job verloren hat, und sie hat sich danach nicht arbeitslos gemeldet, d.h. sie bekommt kein Arbeitslosengeld. Die Folge davon ist, dass sie derzeit auch keine Krankenversicherung hat. Diverse Schreiben von der Krankenversicherung hat sie ignoriert. Wenn man sie daraufhin anspricht, dann antwortet sie aggressiv: Sie ist alt genug, sie könne auf sich selbst aufpassen, wir würden rumschnüffeln, wir stecken mit dem Nazi-Berlin unter einer Decke, das Arbeitsamt und die Krankenversicherung würden sowieso eine Dreckskampagne gegen sie fahren. Wir kommen diesbezüglich nicht an sie ran! Es geht jetzt um ihre Existenz, und sie scheint die Folgen ihres Tuns nicht zu realisieren, und bei den Ämtern können wir auch nichts erreichen.

Wäre es überreagiert von uns, wenn wir eine Vormundschaft für sie beantragen?
Dieser Schritt würde uns sehr schwer fallen, aber in unserer Verzweiflung sehen wir derzeit keine andere Möglichkeit, wenn wir sie vor einem sozialen Abstieg bewahren möchten. Wir sind nicht so reich, dass wir ihr eine Wohnung und ihren Lebensunterhalt den Rest ihres Lebens finanzieren könnten. Den Kontakt zu einer sozialpsychiatrischen Seelsorgestelle hat sie bereits vehement abgewiesen. Sie hat keinerlei Krankheitseinsicht.

Vielen Dank vorab!


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#2

RE: Vormundschaft für meine Schwester beantragen?

in Treffpunkt für Angehörige 09.04.2015 10:22
von LuckyLive (gelöscht)
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Hallo Siegrid1966,

das ist in meinen Augen schwierig zu beantworten, denn ich kann deinem Text nicht entnehmen, ob deine Schwester bereits in Behandlung ist.
Denn man kann heutzutage Schizophrenie durchaus behandeln.
Daher wäre meine erster Schritt, sie in eine Therapieeinrichtung zu bringen.
Das sich ihr Zustand dort verbessern läßt halte ich durchaus für möglich. Und es kann durchaus sein, daß ihr um eine vorrübergehende Vormundschaftsbeantragung nicht herumkommt. Die meisten Kliniken haben Sozialarbeier, die sich mit sowas auskennen. Dort würdet ihr also auch in Sachen Vormundschaft beraten werden. Und was ich für persönlich wichtiger halten würde, deine Schwester würde behandelt werden.
Manchmal kommt man um eine Zwangseinweisung nicht herum. Wenn gutes Zureden oder andere Überzeugungsarbeit nicht möglich ist. Und je eher man eine Psychose behandelt, umso besser für die Patientin.
Vielleicht hast du dich ja schon bei einer Klinik in der Nähe informiert ?

Es ist schwierig, so etwas über das Internet zu beurteilen, doch so würde ich vorgehen, wenn sie meine Schwester wäre.

LG


zuletzt bearbeitet 09.04.2015 10:30 | nach oben springen

#3

RE: Vormundschaft für meine Schwester beantragen?

in Treffpunkt für Angehörige 09.04.2015 10:43
von Sigrid1966 (gelöscht)
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Vielen Dank für die Antwort.

Das Problem ist, dass meine Schwester keinerlei Krankheitseinsicht zeigt. Wenn man sie auf ihre Symptome anspricht, reagiert sie aggressiv und beteuert, dass sie gesund ist.
Ich habe mich nach einer möglichen Zwangseinweisung in einer Klinik erkundigt. Dort sagte man mir, dass sie nur dann zwangseingewiesen werden kann, wenn sie eine Gefahr für sich selbst oder für andere Leben darstellt. Das ist (noch) nicht der Fall.

Und freiwillig würde sie sich niemals in Behandlung begeben. Wir sind absolut hilflos.
Mal abgesehen davon, wäre eine Einweisung eine teure Angelegenheit, die wir finanziell nicht leisten könnten. Wie schon erwähnt: Sie hat derzeit KEINE Krankenversicherung!


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#4

RE: Vormundschaft für meine Schwester beantragen?

in Treffpunkt für Angehörige 09.04.2015 11:39
von Hurley (gelöscht)
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Als eine Vormundschaft von so nahe stehenden Verwandten halte ich für eine absolut falsche Maßnahme. Solche Schritte Betreuung u.ä. sollten immer besser Außenstehende übernehmen, damit ihr eure Beziehung nicht noch mehr gefährdet, und weil diese Personen schließlich dafür bezahlt werden und genau wissen was sie dürfen und was nicht. Und tatsächlich ist es rechtlich mehr als in Ordnung, dass man niemanden einfach so zwangseinweisen kann, weil sein Verhalten nicht mit den eigenen Ansprüchen konform geht.
Ich denke es liegt bei euch Hilfe zu organisieren und liebevoll auf sie zuzugehen. Wenn jemand nicht behandelt werden will, darf man ihn nicht dazu zwingen, das halte ich für falsch. Ob und inwieweit die Krankheit einen einschränkt soll der Person überlassen werden die alleine damit lebt. Hilfe anbieten ja, Hilfe aufzwingen nein.
Und da sein, wenn sie doch irgendwann nach Hilfe fragt.

Meine 5 Cent.


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#5

RE: Vormundschaft für meine Schwester beantragen?

in Treffpunkt für Angehörige 09.04.2015 12:53
von Fiene (gelöscht)
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Hallo Sigrid,

ich halte es nicht für eine Übereaktion, eine Vormundschaft für deine Schwester zu beantragen.

Du magst ja deine Schwester gut kennen, aber dennoch steckst du nicht in ihr drin.
Wenn sie Stimmen hört, kannst du doch nicht dafür garantieren, ob diese ihr mal irgendwann einen
sich selbst oder andere gefährdenden Befehl geben.

Ich würde amtliche Betreuung beantragen, also nicht selbst die Vormundschaft wollen.
Diese gilt ohnehin nur für Teilbereiche, je nach Schwere der Krankheit.

Krankenversichert zu sein ist bei uns eines jeden Menschen Pflicht.
Zu dieser Pflichterfüllung ist deine Schwester offensichtlich nicht in der Lage.

Stell dir einfach mal vor, sie fühlt sich wieder verffolgt und rennt vor Angst vor ein Auto (nur als ispiel).
Ein Amtsrichter müsste einen Amtsarzt zu deiner Schwester bestellen, der den
Grad der Erkrankung einschätzt. Dann kann auch gegen den Willen deiner Schwester
für eine Betreuung gesorgt werden.

Meine Tochter hat auch einen staatlichen Betreuer und inzwischen bin ich ganz froh, nicht mehr alleine
mit der Last der Krankheit zu sein.
Je nach Erfolg einer Behandlung kann deine Schwester später wieder ihre Eigenständigkeit zurück erhalten.
Dies war bei meiner Tochter auch möglich. Sie konnte 2 Jahre auf amtliche Betreuung verzichten.
Leider hat sie dann aber doch wieder Medikamente verweigert.

Alles Liebe

Fiene


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#6

RE: Vormundschaft für meine Schwester beantragen?

in Treffpunkt für Angehörige 09.04.2015 12:59
von Sigrid1966 (gelöscht)
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Vielen Dank für die Hilfe.

Zitat von Hurley im Beitrag #4
Als eine Vormundschaft von so nahe stehenden Verwandten halte ich für eine absolut falsche Maßnahme.

Da hatte ich mich falsch ausgedrückt: Wir wollten eine Vormundschaft beantragen. Ich vergass dazu zu schreiben, dass wir dies beim Vormundschaftsgericht beantragen wollten, und eine fremde Person einsetzen lassen wollten.

Zitat
Solche Schritte Betreuung u.ä. sollten immer besser Außenstehende übernehmen, damit ihr eure Beziehung nicht noch mehr gefährdet, und weil diese Personen schließlich dafür bezahlt werden und genau wissen was sie dürfen und was nicht. Und tatsächlich ist es rechtlich mehr als in Ordnung, dass man niemanden einfach so zwangseinweisen kann, weil sein Verhalten nicht mit den eigenen Ansprüchen konform geht.


Sehe ich ganz genauso.

Zitat
Ich denke es liegt bei euch Hilfe zu organisieren und liebevoll auf sie zuzugehen. Wenn jemand nicht behandelt werden will, darf man ihn nicht dazu zwingen, das halte ich für falsch. Ob und inwieweit die Krankheit einen einschränkt soll der Person überlassen werden die alleine damit lebt. Hilfe anbieten ja, Hilfe aufzwingen nein.
Und da sein, wenn sie doch irgendwann nach Hilfe fragt.


Sehe ich ganz genauso.


Die Wahnvorstellungen hat meine Schwester schon seit mehreren Jahren, und wir haben dies akzeptiert, was oft nicht einfach war, wenn sie uns unvermittelt und ohne Vorwarnung verbal angegriffen hat, weil sie wieder ihre Stimmen, die sie vor uns warnten, hörte. Wir haben immer den Mund gehalten und uns ihre Beleidigungen gefallen lassen. Das werden wir auch weiterhin über uns ergehen lassen.
Aber dass sie sich nun nicht mehr krankenversichern möchte, weil die Krankenversicherung angeblich eine Dreckskampagne gegen sie führt, das können wir nicht hinnehmen. Es geht hier um ihre Grundversorgung!
Wir haben mit der Krankenversicherung gesprochen. Wir können nichts machen ohne ihre Vollmacht, und die würde sie uns niemals geben. Und sie selber reagiert auf kein Schreiben ihrer Krankenversicherung.

Meine Frage war, ob wir überreagieren, wenn wir einen neutralen Vormund beim Vormundschaftsgericht beantragen? Was wäre die Alternative?


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#7

RE: Vormundschaft für meine Schwester beantragen?

in Treffpunkt für Angehörige 09.04.2015 13:02
von Sigrid1966 (gelöscht)
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Vielen Dank, Fiene,
deine Antwort hat mir moralisch und inhaltlich sehr geholfen!


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#8

RE: Vormundschaft für meine Schwester beantragen?

in Treffpunkt für Angehörige 09.04.2015 13:29
von Schneepferdchen (gelöscht)
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Hallo Sigrid,

mein Bruder hat auch einen neutralen Betreuer seit so ziemlich am Anfang. Das ist eine große Hilfe und ich denke, das ist gar nicht überreagiert. Und ich denke auch, daß es für ihn eine große Hilfe ist, mit jemandem zu reden, der nicht zur Familie gehört.
Ich hoffe, sein Betreuer bleibt uns noch lange erhalten und er kommt nicht auf die Idee seinen Job zu wechseln.

LG
Schneepferdchen


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#9

RE: Vormundschaft für meine Schwester beantragen?

in Treffpunkt für Angehörige 09.04.2015 14:26
von Jela | 1.070 Beiträge | 3688 Punkte
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Hallo Sigrid,
Ich glaube nicht, dass ihr ueberreagiert. Nach Deiner Schilderung glaube ich das schnelle Hilfe angesagt ist.
Zumal ihr nicht auf irgendeine Krankeneinsicht hoffen duerft und die Gefaehrdung, die unsinnigen Handlungen mit Fortschreiten des Verlaufe erfahrungsgemaess immer mehr zunehmen Das wird, koennte jetzt wirklich sehr schnell existenzgefaehrdend werden. Von den eigenen Risiken fuer Deine Schwester ganz abgesehen. Den von Dir geschilderten Krankheitsverlauf kenne ich als Betroffene nur zu gut.

Eine Einweisung sollte nach meinen Erfahrungen nicht das Problem sein. In meinem Fall hat der Richter ( im Krankenhaus nach der Zwangseinweisung durch meine Familie in Kombination mit dem Hausarzt) das abschliessende Sagen gehabt.Dieser Weg ging relativ schnell. Vielleicht ist dieser Weg auch eine Moeglichkeit schnell die anderen Dinge ( vor allem Arbeitsamt und Krankenkasse) zu regeln.Wir hatten in der Klinik einen sehr kompetenten Sozialdienst, der auch sehr engagiert geholfen hat. Vielleicht koenntest Du dort auch im Vorfeld etwas in Erfahrung bringen. Auch wuerde ich parallel dazu mit dem zustaendigen Amtsgericht ( Betreuungsgericht ) sprechen, was in diesem Fall getan werden kann. Es kann doch nicht sein, dass die Hilfe an der Krankenkasse scheitert.
Euch viel Kraft LG Jela


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