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#1

Wie geht man damit lockerer um?

in Treffpunkt für Angehörige 27.02.2015 17:24
von orange_orchidee (gelöscht)
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Hallo, ich bin neu hier. Ich habe mehrere Themen hier schon durchgelesen und mit jedem Thread verstehe, dass mein Problem eigentlich ganz klein und unwichtig ist im Vergleich. Aber es macht mich trotzdem langsam fertig und ich habe mich jetzt doch entschieden, hier mal darüber zu schreiben. Vielleicht hat jemand etwas ähnliches oder vielleicht wird es einfach schon helfen, das ausgesprochen zu haben.

Mein Mann wurde mit Psychose diagnostiziert, wenn er noch ein Teenager war. Seit der Zeit nimmt er fleißig seine Medikamente und lebt das Leben eines gesunden Menschen - studiert, arbeitet, hat viele Freunde. Jetzt hat er schon sein viertes Jahrzehnt angefangen, wir sind seit einigen Jahren zusammen. Das Problem ist, dass er mindesten einmal pro Woche mindestens ein Tag aussetzten muss und durchschlafen.

Ganz am Anfang, wo wir noch nicht zusammen wohnten, war es nicht so bemerkbar - ja, manchmal sagte er Bescheid, dass es ihm leid tut, aber heute er doch zum Treffen, Party, etc nicht mitkommen kann. Das hat zwar genervt, aber es ging - ich machte trotzdem ruhig meine Pläne weiter nach, ging zu geplanter party und traf meine Freunde.

Aber als wir zusammen gezogen sind, ist es für mich mit jeder Woche immer schlimmer geworden. Wir planen etwas zusammen, ich freue mich auf den nächsten Tag, und dann - er kann nicht aufstehen. Er wirkt als ein anderer Mensch in diesen Momenten, wie ein drogensüchtiger, der bereit ist alles zu tun, nur um sein Dosis zu kriegen - in unserem Fall ist es Dosis vom Schlaf. Manchmal klappt es nach 1-2 Stunden ständigen Reden und Erklärungen, dass das Leben doch schön ist, ihn zu wecken. Aber dann muss ich mir immer vorbereiten, dass wenn er jetzt schon so schwer aufgewacht ist, wird er morgen das sicher nicht mehr schaffen. Das ist, als ob diese Müdigkeit sich in ihm sammelt und ab bestimmter Menge man nichts mehr dagegen machen kann. Und solche Tagen, wo er nicht mehr aufsteht und mich mit gemeinsamen Plänen "sitzen lässt" machen mich fertig. In letzter Zeit habe ich danach keine Kraft mehr, sich zusammenzureissen und doch alleine dahin zu gehen, was wir geplant haben, oder einfach alleine mal spazieren zu gehen und Kopf zu "lüften". Ich bleibe dann einfach zu hause sitzten, weine, und will keine Freunde sehen und nichts mit denen unternehmen. Das macht mich verrückt. In den restlichen Tagen, wo er normal wach sein kann, ist unsere Beziehung fast perfekt. Bis wieder dieser Schlaf-Tag bei ihm kommen muss.

Ärzte sagen nichts konkretes dazu. Möglicherweise ist es wegen irgendwelche Reaktionen auf Medikamente, die er nimmt, aber diese abzusetzen kommt für uns überhaupt nicht in Frage. Es wurden bei ihm schon die Mengen einer oder anderer Tablette hoch und runtergeschraubt, aber das Schlaf bleibt trotzdem.

An solchen Schlaf-Tagen habe so viele verschiedene Gedanken im Kopf... Ich frage mich jedes Mal - was wird, wenn wir ein Kind haben werden? Wenn ich oder das Baby seine Hilfe dringend brauchen werden, und mein Mann wird genau gerade sein Schlaftag haben "wollen/müssen"? Heisst es, dass ich nie wirklich mit seiner Hilfe rechnen können werde und immer nur mit mir alleine rechnen, als wäre ich allein ohne Mann? Wofür heiratet man dann und gründet Familie, wenn nicht um zusammen zu sein und für einander immer eine Hilfe zu sein? Diese und Tausende noch solcher Fragen drehen sich bei mir im Kopf in solchen Tagen, und ich fühle mich irgendwie verlassen. Ich verstehe, dass an anderem Tag, wenn er wieder wach ist, wird er mir nicht nur im Wort sondern auch im Tat bestätigen, dass er für mich immer da sein wird etc... Aber trotzdem, immer wieder, jede Woche und manchmal sogar öfter, mache ich mich selbst mit meinen Gedanken und Fragen über die Zukunft fertig...
Wo kriegt man für sowas Kraft her, um diese schreckliche Phasen zu überleben, ohne sich so kaputt zu machen, wie ich es tue... :(


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#2

RE: Wie geht man damit lockerer um?

in Treffpunkt für Angehörige 27.02.2015 18:39
von Hirnsehprogramm | 1.227 Beiträge | 2493 Punkte
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Hi und willkommen im Forum!

Weisst du, ich schilder jetzt mal was aus der Sicht eines selbst erkrankten. Erstmal muss man Hochachtung davor haben, was dein Freund trotz der Erkrankung und Medikation so alles gemeistert hat! Nicht wenige werden um ein enorm grösseres Maß von dieser Erkrankung aus ihrer kompletten Lebensplanung gebombt, kommen nicht mehr wirklich auf irgendwelche Füsse, oder behalten noch viel grössere Einschränkungen bei.

Was den Schlaf angeht, so kann dieser enorm wichtig für einen erkrankten sein. Da gäbe es sicherlich mehrere Möglichkeiten ein erhöhtes Ruhebedürfnis zu erklären...einerseits, dass mit der Erkrankung ein labileres Gleichgewicht im Hirnchen vorhanden ist, das mehr Ruhe und vor allem Schlaf braucht, um es immer sicher aufrechtzuerhalten. Andererseits habe ich z.B. bei mir selbst beobachtet, dass mein Schlafbedürfnis analog zur eingenommenen Dosis der Medikamente ist, d.h. je mehr ich nehme, desto mehr Schlaf brauche ich (täglich!), als ob die Medikamente verhindern würden, dass (normaler) Schlaf ausreichend erholsam ist. Und letztenendes habe ich feststellen müssen, dass es mir ganz fürchterlich gehen kann, wenn ich zu wenig Schlaf hatte, während es mir ziemlich gut geht, wenn ich ihn hatte. Auch von den Krankheitssymptomen her, die bei mir leider nicht ganz von den Mitteln "verschwunden" sind. Auch ein gewisser, dosierter, Rückzug von "fordernden" Situationen (dazu gehören durchaus auch Parties u.ä., alles wo viele Reize auf einen einprasseln), ist eher normal mit Schizophrenie-/Psychoseerkrankungen. Die Filter sind einfach offener, sowas strengt einen dann mitunter massiv an!

Das kann ich auch verstehen, dass du Sorgen um dich und deinen Freund hast, wenn er nach einer gewissen Weile einfach früher "ausgebrannt" ist als es ein gesunder wäre, und die Ruhe konsequent nachholen muss. Glaub mir, mit Schizophrenie im Hinterkopf geht es einem auch ziemlich fürchterlich, wenn man leere Batterien hat, ganz anders als bei einem Gesunden, der sich auch in gewissem Maß zusammenreissen kann. Vielleicht wäre es aber besser für deinen Freund, wenn er seine komplette Struktur etwas umstellt, um so eine Gleichmässigkeit in der Belastung/Erholung herzustellen, also besser als immer zuviel zu geben und dann regelmässig einen ganzen Tag auszufallen. Eine gewissenhafte Veränderung an der Medikation könnte unter Umständen auch Verbesserungen bringen. Aber bei Schizophrenen/Psychotikern...ist eigentlich fast immer viel Power da, nur eben nicht die 120%, die die Menschen so von einem erwarten würden.

Vielleicht solltest du auch mal ein bisschen weniger an deine eigene Lebensvorstellungen dabei denken, sondern mit deinem Freund reden (wenn er grade gut drauf ist, und nicht wenn er mal wieder etwas Rückzug und Reizabschirmung braucht!), wie es ihm so dabei geht. Wirst wahrscheinlich merken, ihm ist das auch ziemlich unangenehm.


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#3

RE: Wie geht man damit lockerer um?

in Treffpunkt für Angehörige 27.02.2015 18:58
von Wolf (gelöscht)
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Hallo orange_orchidee,

nur kust von mir:

ich selbst bin Erkrankter und verheiratet. Daher weiß ich, wie belastend das für eine Angehörige ist, wenn der Mann an dieser Erkrankung leidet.
Ich selbst brauche wenigstens am Wochenende meinen ausgiebigen Mittagsschlaf. Ich weiß aber auch, dass meiner Frau das nicht leicht fällt, so oft allein zu sein. Da bin ich schon in der Woche den ganzen Tag auf Arbeit und am Wochenende Regenerationsphase. Nun ist sie nicht diejenige, die Party machen will. Da habe ich Glück gehabt.

Aber es ist eben halt so: Als Erkrankter braucht man oft Auszeiten, um nicht wieder doch zu viel Stress psychotisch zu werden. Aberseits ist das Leben für Erkrankte sehr anstrengend. Das kann oft kein Gesunder nachvollziehen.

Die meisten Erkrankten sind verrentet und leben allein, weil kein Partner, oder Partnerin sich das antun will. :-(

Nun ist genau das eben die Frage: Wo willst du hin?
Mit einem Erkrankten leben, der ja Defiziete aufweist?
Kinder bekommen und einen Mann haben, der allerzeit verfügbar ist? (alleinerziehende Mütter machen das sogar ganz alleine)

Oder darauf einlassen, dass dein Mann an einer schlimmen Erkrankung leidet.

Das alles weiß ich nicht so richtig. Und ich vermute, du findest selbst keine Antwort darauf.

Aus meiner Lebenserfahrung weiß ich aber auch, dass es keine idealen Beziehungen gibt. In jeder Beziehung bleiben auch Schwierigkeiten. Die Frage muss sich jeder Mensch selber beantworten: was bin ich bereit, mitzutragen?

Ich hoffe, hier melden sich noch Angehörige selbst.

Herzlichen Gruß vom Wolf


zuletzt bearbeitet 27.02.2015 19:10 | nach oben springen

#4

RE: Wie geht man damit lockerer um?

in Treffpunkt für Angehörige 27.02.2015 20:26
von Quietschi | 930 Beiträge | 1902 Punkte
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Hallo und willkommen im Forum, erst mal.
Vielleicht hilft es dir, wenn du ihn besser verstehst. Alles kostet einen erkrankten Menschen sehr viel Kraft. Man steht auf, fühlt sich durch die Medikamente wie gerädert - so als hätte man durchgesoffen, nur ohne den Kater, aber genauso schlapp und kraftlos. Man zieht sich durch die Tage und wenn er dann einen Tag braucht, um sich zu regenerieren, wenn er sich schon durch die ganze Woche gekämpft hat, dann finde ich das nicht zu viel. Auch, wenn das für dich anstrengend und nervig ist, er braucht diese Ruhephase.
Liebe Grüße,
Quietschi


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#5

RE: Wie geht man damit lockerer um?

in Treffpunkt für Angehörige 27.02.2015 21:29
von orange_orchidee (gelöscht)
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Erstmal, vielen Dank für eure Antworten!

Das bedeutet mir wirklich sehr, von anderen Menschen gehört zu haben, wie diese Krankheit eigentlich ist. Ich habe wahrscheinlich an Gespräche mit meinem Mann so gewöhnt, dass fange an zu denken, dass er von Zeit zur Zeit übertreibt... :(

Ich habe in meiner Nachricht sehr egozentrisch die Situation beschrieben. Das sehe ich jetzt, wenn ich mich emotional beruhigt habe und wieder mit dem Kopf denken kann... Es ist heute genau eins von diesen Tagen in unserer Familie, wo ich wieder auf mich alleine gestellt bin, und ich habe wieder zu emotional darauf reagiert.

Das Wort Party habe ich wahrscheinlich etwas falsch benutzt - wir sind beide keine große Fans von Disco oder Ähnliches, aber gerne uns mit unseren Freunden treffen und irgendwohin essen gehen (zu jemandem nach Hause oder in ein Cafe) - das eigentlich ist, was ich unter "Partys" gemeint habe, eine Verabredung, einfache soziale Kontakte :) Deswegen bitte ich um Entschuldigung für den Missverständnis.

@Wolf , die Fragen, die Du gestellt hast... Darauf habe ich die Antworten mir und auch ihm gegeben. Ich will mit ihm sein und ihm helfen, soweit ich kann. Ich will, dass wir uns zusammen weiterentwickeln und trotz der Krankheit glücklich leben. Ich bin aber gerade immer noch in der Lehrphase, wo ich lerne, damit zu leben. Wir sind seit 1,5 Jahre (so wenig noch:) ) verheiratet, wir haben Pläne, wann wir Kinder haben wollen. Ich wünsche mir keine andere Zukunft, als mit diesem unperfekten Menschen.

Mein Problem ist aber genau die emotionale Seite:
Ja, ich habe riesige Angst alleinerziehende Mutter zu sein (oder sich so zu fühlen, wie ich in meinen Depri-Phasen mir denke). Das ist rein emotionale Angst, weil wenn ich logisch daran denke, würde ich es bestimmt durchziehen können.
Und ja, natürlich möchte ich idealerweise, dass meinem Mann es genug wäre, einfach seine Medikamente zu kriegen und sonst ganz normales Leben zu führen, ohne extra empfindlich zu sein und Schlafpausen machen zu müssen. Das wünscht sich jeder, auf erster Stelle er selbst. Aber das ist nicht möglich. Und er braucht meine Unterstützung. Das alles verstehe ich rein logisch. Und trotzdem kann meine Emotionen nicht im Griff halten, wenn er wieder ein Tag seines Lebens auslassen und schlafen muss.

Ich denke manchmal, dass vielleicht bei mir selbst etwas nicht stimmt. Weil ich verstehe, was ihr hier beschrieben habt. Dass ich an meinen Mann denken soll, dass er das ganze tausendmal schlimmer überlebt, als ich. Aber wenn die Emotionen kommen, dann vergesse ich das alles sofort. Ich male mir die Welt schwarz und denke nur an mich, und vergesse, dass eigentlich logisch gesehen, ist die Welt und mein Leben gar nicht so schlimm, wie ich es im Moment fühle... Tut mir leid, das ist sehr schwer zu beschreiben.

Ich schreibe hier ständig "ich", weil mein Ziel ist nicht meinen Mann zu ändern, sondern mit mir selbst klar zu kommen - wie ich mich kontrollieren, von Emotionen ablenken und in solchen Situationen richtig benehmen kann. Ich lasse Emotionen sehr ungern nach draussen, dafür kriege aber Wirbelwind in meinem Kopf :(

Deswegen ich würde mich sehr freuen, zu hören, wie die anderen Angehörige damit klar kommen, falls sie solche Probleme haben...


1 Mitglied hat sich bedankt!
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#6

RE: Wie geht man damit lockerer um?

in Treffpunkt für Angehörige 27.02.2015 22:50
von Schneepferdchen (gelöscht)
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Hallo,

ich bin auch Angehörige und mir hilft es sehr, wenn ich mir sage, daß es in jeder Beziehung auch mal Probleme gibt. Wichtig ist, daß man, wie in jeder anderen Beziehung auch, auf sich selbst achtet. Allerdings habe ich damit noch so meine Schwierigkeiten. Hatte ich immer schon und habe mir vorgenommen, das jetzt endlich mal anzugehen.

LG
Schneepferdchen


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#7

RE: Wie geht man damit lockerer um?

in Treffpunkt für Angehörige 28.02.2015 10:39
von Wolf (gelöscht)
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Hallo orange_orchidee,

danke für deine Erklärungen. Ja, das macht es für mich nachvollziehbar.
Dann bist du weiter, als ich gedacht habe.
Unabhängig von meiner Erkrankung habe ich mich genau so wie du gefragt: Was tun, wenn Logik und Gefühl gegensächliches sagen?
Leider habe ich darauf auch keine Antwort gefunden. Viele Menschen, mit denen ich mich darüber unterhalten habe, konnten auch mit dieser Frage gar nichts anfangen. Diejenigen, die das nachvollziehen konnten, haben mir aber auch keine Antwort geben können.
Daher glaube ich, jeder muß da elbst entscheiden.
Genau wie du, entscheide ich mich jetzt immer für die Logik. Denn ich glaube, wenn man sich nur nach seinen Gefühlen richtet, wird man dadurch auch nicht glücklicher.

Was eure Kinder anbetrifft, so glaube ich, dass dein Mann dich sehr wohl unterstützen wird. Das habe ich auch immer getan. Ich gehe dann auch mal über meine Kräfte hinaus, denn es ärgert mich selbst, weniger Leistungsfähig zu sein. Ich denke, das wird bei deinem Mann ähnlich sein. Mann läuft dann schon mal zur "Höchstform" auf, wenn die Umstände er nötig machen.

Zitat von orange_orchidee im Beitrag #5

Ich denke manchmal, dass vielleicht bei mir selbst etwas nicht stimmt. Weil ich verstehe, was ihr hier beschrieben habt. Dass ich an meinen Mann denken soll, dass er das ganze tausendmal schlimmer überlebt, als ich. Aber wenn die Emotionen kommen, dann vergesse ich das alles sofort. Ich male mir die Welt schwarz und denke nur an mich, und vergesse, dass eigentlich logisch gesehen, ist die Welt und mein Leben gar nicht so schlimm, wie ich es im Moment fühle... Tut mir leid, das ist sehr schwer zu beschreiben.

Ich schreibe hier ständig "ich", weil mein Ziel ist nicht meinen Mann zu ändern, sondern mit mir selbst klar zu kommen - wie ich mich kontrollieren, von Emotionen ablenken und in solchen Situationen richtig benehmen kann. Ich lasse Emotionen sehr ungern nach draussen, dafür kriege aber Wirbelwind in meinem Kopf :(


Nein, ich denke, mit dir stimmt schon alles. Denn ich halte das, wie du empfindest als sehr nachvollziehbar. Aber du darfst deine Gefühle auch nicht verachlässigen. Das kenne ich auch von mir.
Und es ist doch richtig, dass du hier "ständig ich" schreibst. Denn hier geht es in erster Linie erstmal um dich. Das ist gut und wichtig so.

Herzlichen Gruß vom Wolf


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#8

RE: Wie geht man damit lockerer um?

in Treffpunkt für Angehörige 28.02.2015 15:09
von Hotte | 1.638 Beiträge | 4790 Punkte
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Hallo orange_orchidee,

erstmal herzlich willkommen hier (und sorry an die anderen, die ich nicht explizit begrüsse... das Forum ist zu groß geworden, ich komme nicht mehr hinterher, jeden einzelnen Beitrag zu lesen)!

Ich mag mal etwas anders herangehen und frage Dich, warum es Dir so schwerfällt zu akzeptieren, dass Dein Mann Zeit für sich braucht und sich nimmt ohne das vorher mit Dir vereinbart und vllt. in den Kalender eingetragen zu haben - denn das nehme ich mal an, dass man so einen Schlaf-Tag nicht so gut vorherbestimmen kann.

Stell Dir mal vor, er wäre gar nicht krank und bräuchte gar keine Medikamente, sondern er würde einfach manchmal "aus heiterem Himmel heraus" sagen: "Du Schatz, heute mag ich mal in die Berge gehen und wandern und mag Dich nicht dabeihaben, weil ich etwas Zeit für mich brauche."
Könntest Du damit besser umgehen? Warum?

Glaubst Du, ein Vater muss rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr voll funktionsfähig und jederzeit auf Abruf für sein Kind verfügbar sein? Warum?
Und wie war eigentlich Dein Vater zu Dir?
Muss eine Mutter immer perfekt sein? Darf sie auch Hilfe von anderen Personen als vom Kindsvater annehmen?

Die Antworten sind eher für Dich als an mich, möchte Dir in erster Linie Denkanstöße geben.


---
Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, mach Limonade draus! (G. Sielaff)
Mein Blog: https://ingo-schreibt-anders.blog
Ich schreibe auch in der http://www.schreibkommune.de/. Dort findet ihr Geschichten und Artikel mit Themen rund ums Schreiben.
1 Mitglied hat sich bedankt!
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#9

RE: Wie geht man damit lockerer um?

in Treffpunkt für Angehörige 02.03.2015 11:37
von Snoopyyy | 135 Beiträge | 212 Punkte
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Hallo orange_orchidee,

man sieht ja, du bist dir deiner emotialeren Phasen schon bewusst und betreibst auch viel Selbstreflexion und suchst nach einer Lösung. :)

Ich denke auch, dass es hilfreich sein könnte für euch beide als einzelne Personen, dass ihr mit eurer Gedankenkraft nicht so viele Zweifel schürrt. Wenn man sich auf die positiven Aspekte konzentriert ist vieles viel einfacher.
Was deinen Mann betrifft, vielleicht macht er sich selbst viele Sorgen und hat Hintergedanken. Genau das macht auch Müde und Schlapp.
Vergleiche es einmal mit einem total selbstbewussten und egoistischen Menschen, der hat immer die Energie sich auf das hier und jetzt zu konzentrieren und hat eine auspowerndere Allgemeinleistung, da er sich einfach gar nicht großartig gedanken um die Auswirkungen seiner Taten auf Mitmenschen macht...

Versuche doch die Zeit für dich zu nutzen, wenn ihr einmal etwas nicht gemeinsam macht. Ich denke jeder Mensch muss auch lernen mit sich selbst und alleine eine gewisse Zeit klar zu kommen.

Zusätzlich möchte ich noch die Ernährung und ausreichende bewusste Auszeiten im Alltag ansprechen, da es einen unglaublichen unterschied macht, wie fit sich der Körper anfühlt. Dies überträgt sich automatisch auch auf das eigene Wohlbefinden. Auszeiten sind eben wichtig um seinen Kopf hin und wieder leeren zu können und um neue Energie zu tanken. Ebenso sind wohlige Grundeinstellungen und wenig Zweifel/Zerzetteltheit ratsam.
+ Erwartungen an ein perfekt-Live aus dem Fernsehen abschütteln.
+ Krankheitssymptome-gesuche einschränken!

Ich hoffe ich konnte dir auch ein paar nützliche Denkanstöße geben. Ich wünsche euch viel Erfolg! :)


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