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#1

Hebephrene Schizophrenie - Frage an Comfortzone, Jenni

in Treffpunkt für Angehörige 16.02.2015 18:29
von Sommerkind (gelöscht)
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Hallo,

ich spreche euch direkt an, da ich beim Querlesen eurer Beiträge herausgelesen habe, dass bei euch Hebephrenie diagnostiziert wurde.

Vorab: Ich habe eine 24jährige Tochter, bei welcher während der Pubertät nach vielen Irrwegen hebephrene Schizophrenie mit Minusdiagnostik festgestellt wurde. Sie hat einen Behindertenausweis mit dem Status der 50 %igen psychischen Behinderung. Kein Schul- bzw. Berufsabschluß. Medikamente nimmt sie nicht(mehr). Das Sorge-/Betreuungsrecht wird von einem Sozialverein übernommen, auch, weil wir uns mit den Winkelzügen der Gesetzestexte nicht so auskennen bzw. die häusliche Situation immer wieder eskaliert. Wir wohnen in einem 3-Generationen-Haus.

Krankheitseinsicht besteht nicht. So ist es auch nicht möglich, mit ihr über die Krankheit bzw. irgendwelche Therapiemöglichkeiten o.ä., was ihre Situation verbessern könnte, zu sprechen.

Nun aber zum eigentlichen Anliegen: Seit Mai 2014 hat uns die Familienkasse das Kindergeld für unsere Tochter gestrichen. Zur Weiter- bzw. Nachzahlung des Kindergeldes ist eine Bescheinigung des hiesigen Amtsarztes erforderlich. Aufforderungen unsererseits bzw. ihrer Großeltern beantwortet sie mit Rumbrüllen, Türen schlagen u. ä. Aktuell hat sie sich die Haare abrasiert/abrasieren lassen als Form des Protestes. Gespräche mit ihrem Betreuer lehnt sie konsequent ab bzw. hat ihn noch nicht einmal gesehen (wenn Haustermine anstehen, verläßt sie frühzeitig die Wohnung).

Parallel kommt sie jedoch mit Forderungen wie z. B. Bekleidung von EMP bzw. den neuen Nintendo 3 DS nebst Zubehör + Spielen.

Ok, kommt sie der Forderung zum Besuch des Amtsarztes nach (es geht um die Entscheidung der lebenslangen Zahlung von Kindergeld), sehe ich keinen Grund, diese Wünsche/Forderungen nicht zu erfüllen, aber so...? Als "Dankeschön" dafür, dass sie mir Anfang
diesen Monats während einer Diskussion ins Gesicht gerot...ähm gespuckt hat?

Never!

Habt ihr bzw. andere Forenteilnehmer noch irgendeine Idee, wie man meine Tochter zum Arztbesuch bewegen könnte? Oder irgendwie oder -was? Irgendwelche Ideen zur Situationsverbesserung?

Einer sonstigen Tätigkeit geht sie nicht nach. Es gibt ja die Möglichkeit, eine leichte Tätigkeit gegen cash unter Betreuung aufzunehmen. Davon ist sie leider mehr als nur weit entfernt, obwohl sie eigentlich ein Pfiffiskus ist und wirklich 'was "auf den Kasten hat" - wenn sie will.

Momentan sind wir wieder auf das Verhalten von vor 10 Jahren zurückgefallen, d. h. Forderungen werden an Schranktüren geklebt, die Katze (an der sie sonst sehr hängt) aus ihrem Wohnbereich gejagt, wenn diese ihre Zimmer betreten möchte.

Allmählich zerstört sie unser wieder mühsam errichtetes Familienleben. Ihr Bruder (knapp 18 Jahre) beschwert sich ständig beí mir, dass er keine Freunde/Freundin mit nach Hause bringen kann, da er sich schämt"...so eine Schwester zu haben" (Zitat). Es geht ihm hierbei auch darum, seine erkämpfte gute Position in der Klasse (12.) zu behalten und zu verteidigen. Die mentale Stärke, zu (s)einer psychisch kranken Schwester zu stehen, kommt erst, wenn er älter und reifer ist. Mit knapp 18 Jahren kann ich die Haltung nachvollziehen.

Puuhhh, langer Text, länger als von mir vorgesehen. Danke für's Lesen!


zuletzt bearbeitet 16.02.2015 18:30 | nach oben springen

#2

RE: Hebephrene Schizophrenie - Frage an Comfortzone, Jenni

in Treffpunkt für Angehörige 16.02.2015 19:25
von snuggles (gelöscht)
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Hallo,

spielt eigentlich keine Rolle, ob Hebephrenie oder Schizophrenie. Hebephrene Psychosen sind nicht wesentlich anders als paranoide Psychosen. Hebephrenie ist nur ein Unterbegriff, die Prognose ist da anders, aber die Symptome sind meines Wissens vergleichbar.

Was du beschreibst, klingt allerdings mehr nach einer pubertierenden Göre und nicht nach einem Psychosepatienten. Rebellion und Aufsässigkeit sind doch keine Krankheitssymptome?

Wenn die Tochter noch im elterlichen Haushalt lebt, dann ist es doch so, dass ihr als Eltern die Spielregeln festlegen könnt? Den Ansatz, der Tochter bestimmte Dinge nicht zu kaufen, finde ich richtig. Sie muss zu ihrem Lebensunterhalt selbst beitragen, dazu gehört auch, dass sie sich dem Gutachtergespräch unterzieht. Wenn deine Tochter das alles nicht möchte und lieber ihren eigenen Kopf durchsetzt, dann könnte man ihr erklären, dass sie sich eine eigene Wohnung suchen soll bzw. nicht mehr von den Eltern mitgetragen wird. Das wäre zumindest die logische Konsequenz daraus. Aber wie gesagt, für mich klingt das alles mehr nach einem bockigen Kind, also sollte man die Tochter in dieser Hinsicht vielleicht weniger als Patientin und mehr als jungen Erwachsenen behandeln (mit allen Querelen, die dazugehören). Damit möchte ich natürlich nicht die Erkrankung deiner Tochter herunterspielen, aber man kann das durchaus etwas trennen.

MfG


zuletzt bearbeitet 16.02.2015 19:29 | nach oben springen

#3

RE: Hebephrene Schizophrenie - Frage an Comfortzone, Jenni

in Treffpunkt für Angehörige 16.02.2015 23:27
von comfortzone | 394 Beiträge | 533 Punkte
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Hi,

was es mit Hebephrenie auf sich hat, kann man auf vielen Seiten nachlesen. Es ist eine Unterform mit anderen Schwerpunkten als z.B. bei der paranoiden Schizophrenie. Gemeinsamkeiten gibt es sicherlich, sonst wäre es keine Unterform. Ausgehen sollte man dann von der "allgemeinen" Schizophrenie.

Ich weiß nicht, ob ich ein guter Ratgeber bin. Angeblich soll bei mir die Krankheit in der Jugend ausgebrochen sein. Ich konnte jedoch das Abi, eine Ausbildung und einen Job stemmen, dem ich weiterhin nachgehe.

Vor meiner aktuellen Therapie war ich mal relativ kurz - vor geraumer Zeit - in Therapie wegen eines Zwischenfalls, habe diese Therapie aber abgebrochen und nicht weiter verfolgt. Eine Therapie habe ich erst wieder angefangen, nachdem es einfachgesagt "nicht mehr ging". Aktuell kann ich mich halbwegs mit der Krankheit identifizieren. Aus bestimmten Gründen, habe ich einen Teil der Therapie vor kurzem abgebrochen, werde aber in absehbarar Zeit weitermachen.

Mein Umfeld weiß nichts von meiner Erkrankung, was wieder ein Kontra als Hilfesteller ist.

In meiner Jugend habe ich ebenfalls sehr "allergisch" darauf reagiert, wenn man mein Zimmer ungefragt betreten hatte. Das dürfte aber erst recht der Fall sein, wenn die Person bereits 24 ist und hat vielleicht nicht so viel mit der Krankheit zu tun haben.

Das ist jetzt alles sicherlich keine Hilfe. Was könnt ihr noch tun, fragst du. Nun; ich würde erst einmal abwägen, wie weit ihr überhaupt noch gehen könnt. Ich interpretiere dein Anschreiben als Hilferuf. Deine Tochter wird mit ihrer neuen "Frisur" ebenfalls einen Hilferuf geleistet haben. Wenn man sich über Hebeprenie erkundigt, wird man einen eher negativen Verlauf sehen. Dem kann ich zustimmen. Es wird also - ohne Therapie - nicht auf einmal einfacher.

Jemanden dazu zu bringen eine Therapie anzufangen oder überhaupt zum Arzt zum gehen, muss von einem selber kommen. Je mehr Druck ihr ausübt, desto trotziger dürfte deine Tochter werden. Hebephrenie kann in Teilen mit einer Person verglichen werden, die in der Pupertät ist.

Mich persönlich hat die persönliche Verzweiflung zur Therapie getrieben, die nicht einfacher wird, aber sicherlich was gebracht hat. Vielleicht braucht deine Tochter diese Erfahrung. Sie ist 24 und sollte ihr Leben selber hinbekommen. Damit will ich jetzt NICHT sagen, dass ihr sie einfach vor die Tür setzt. Bei einem psychisch kranken Menschen kann das ohne Weiteres eine Tragödie beschwören. Lasst sie ihren Teil ihres Haushaltes selber erledigen. Sie sollte sich um die Wäsche, ihre 4 Wände und alles was mit ihr zu tun hat, selber bewerkstelligen. Mit diesem Punkt habe ich bis heute oft zu kämpfen. Drängt sie ein wenig mehr vor die Tür zu gehen und mit Freunden zu unternehmen. Das wird sie sicherlich stressen. Damit tut ihr euch nicht zu sehr raus und es besteht ein kontrollierbares Umfeld. Auch würde ich deiner Tochter klarmachen, dass ihr sie zwar unterstützt, sie sich aber Sachen darüber hinaus von ihrem eigenen Geld kaufen muss. Und wenn sie das nicht hat, sollte sie jobben gehen.

Das wird alles ebenfalls sehr stressig für euch, weswegen ich einfangs die Frage gestellt habe, wo euer "Limit" ist.
Was ich schreibe mag evtl. grob klingen, aber mit "Bonbons" werdet ihr sie sicherlich nicht zu einem Arzt bekommen.

Ein Problem kommt noch dazu. Der Faktor Zeit. Zwischen meiner ersten und aktuellen Therapie liegen circa. 8 Jahre. Erwartet daher nicht, dass alles schnell gehen wird. So, wie ich das alles lese, seid ihr leider weiterhin am Anfang.

Wie gesagt, lotet aus, wie weit ihr gehen könnt. Persönlich habe ich mir "damals" nicht wirklich viel sagen lassen. Solltet ihr nicht mehr viel Kraft haben, wäre ggfs. das Verfolgen eines betreuten Wohnens sinnvoll, auch wenn das in Sachen Finanzen noch mehr Probleme aufwerfen wird.

Einfach ist das ganze eher weniger.


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#4

RE: Hebephrene Schizophrenie - Frage an Comfortzone, Jenni

in Treffpunkt für Angehörige 17.02.2015 08:25
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Hallo und guten Morgen,

danke für Deine schnelle Rückantwort.

Im Web habe ich mich über die Verlaufsform informiert, deshalb auch meine Anfrage hier im Forum nach "praktischer Erfahrung/Hilfe" von Dritten, welche ebenfalls Hebephrenie diagnostiziert bekamen.

Das mit der Eigenstädigkeit ist so eine Sache...Wie im Eingangsthread beschrieben, wohnen wir in einem 3-Generationen-Zweifamilienhaus, d. h. meine Eltern (die Großeltern also) im EG, wir als Eltern im 1. OG und unsere Tochter hat 2 Zimmer im Dachgeschoß.
Das Gesetz sagt, so der Betreuer, welcher sich sehr gemüht, die Situation im Rahmen der Gesetzlichkeit zu verbessern, ist es nicht möglich, sofern Wohnraum vorhanden ist, die Person, in dem Falle unsere Tochter, in ein betreutes Wohnen zu integrieren.

Da eine 50 %ige psychische Behinderung vorliegt, ist eine Tätigkeitsaufnahme nicht möglich bzw. gerade DAS soll beim Besuch des Amtsarztes festgestellt werden. Und damit wäre ich wieder beim Eigentlichen, nämlich unsere Tochter überhaupt zum Amtsarzt, unter Zuhilfenahme von gutem Zureden auch seitens unseres Hausarztes, zu bewegen...

Ihr Essen - auch aus Trotz - bereitet sie sich in der Küche der Großeltern zu (auch, weil sie gerne asiatisch ißt). Die Wäsche erledigt meine Mutter, ich nehme lediglich - auch aus Wirtschaftlichkeit - das Badetuch. Hört sich jetzt poofig an, hat aber 'was mit Auslastung der WM zu tun. Vor eeewig langer Zeit hatte ich die Kurzbedienung der Waschmaschine kopiert, damit sie diese benutzen kann. Da es sich hierbei um ein einfaches Modell handelt, kann man nichts falsch machen. Die Kopie verschwand in der Schublade und "gut".

Freunde? Welche Freunde denn? Meine Eltern fahren einmal die Woche shoppen, dann fährt sie mit, aber sonst...? Ihr momentaner Tagesablauf? Aufstehen gegen 8.45 Uhr, dann im Hause etwas 'rumkramen. Seit sie auch von meinen Eltern Gegenwind bekommt, hilft sie nicht 'mal dort (was vor der letzten Eskalation noch der Fall war). Dann Mittagessen und anschließend rufen der PC und der Crosstrainer. Sie bevorzugt, da sie Mangafan ist und sich für Cosplayer (sry, falls ich's falsch geschrieben habe), diverse Animeefilme.

Körperlich 24, mental aber stehengeblieben bei 15/16 Jahren, so kann ich's in einem Satz zusammenfassen.

Finanziell sieht's bescheiden aus. Da Wohnraum und Essen gestellt werden, bekommt sie nur eine Minizuwendung von nicht einmal 200 €.

Zitat: "Ich konnte jedoch das Abi, eine Ausbildung und einen Job stemmen, dem ich weiterhin nachgehe."

Super! Du hast eine Perspektive und durch den Job immer die Möglichkeit, Dich aus dem - sorry - Mist an den "eigenen Haaren" (wie es so schön heißt) herauszuziehen". DAS ist doch garnicht gegeben. Durch Deine Tätigkeit bist Du in die Pflicht genommen, früh aufzustehen und einen normalen/selbstverständlichen Tagesablauf abzuspulen. Das fehlt hier völlig. Da die Krankheit (offensichtlich) schon in der Frühpubertät (gibt's das?), so in der 7. Klasse (erste Anzeichen?) auftrat, wurde unsererseits natürlich alles falsch gedeutet, zumal wir nicht im Entferntesten an eine mögliche Erkrankung dachten. Klarheit und Antworten fanden wir ansatzweise erst in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Ja, wir stehen - wieder einmal - völlig am Anfang. Die Hauptbezugsperson ist meine Mutter, auch weil sie vom Charakter her lieb und friedvoll ist und möglichst alles in Zuckerwatte packt. "Friede - Freude - Eierkuchen" eben. Wir als Eltern haben - so gesehen - keinen Kontakt mehr zur Tochter, lediglich von der Örtlichkeit her.

Unser Limit ist eigentlich schon weit überschritten...Kennst Du die Darstellung der drei Affen, welche nichts sehen, nichts hören und nichts sagen? Als die ersten Krankheitsanzeichen vor 10 Jahren auftraten, handelte meine Mutter genau nach diesem Muster: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Meinem Vater wurde nichts erzählt, alles unter dem Tisch gekehrt; auch weil mein Vater ein regelrechter Patriarch ist (geb. 1938). Mibekommen hat er es erst, als wir unsere Tochter in die Psychiatrie einweisen ließen, weil nichts mehr ging. Mit meinem Vater spreche ich, u. a. aus diesem Grunde, seit ca. 10 Jahren nicht mehr.

Bei der letzten Eskalation mit unserer Tochter verwies ich meine Mutter darauf, 'mal meinen Vater zu fragen, WAS in seiner Familie schiefgegangen ist, hatte ich doch eine Cousine mit ähnlichem Verhaltensmuster. Dazu kann ich aber kaum etwas sagen, da ich damals selbst noch ein Kind von ca. 10 Jahren war, mit Kindern über "so etwas" nicht spricht und "so etwas " nicht sein kann und darf.

Einziges Verbindungsglied zu meinem Vater ist mein Ehemann, welcher charakterlich meiner Mutter sehr nahe steht. Über ihn bekam ich auch die Info, dass mein Vater ggf. auch mit mir "darüber" sprechen würde. Donnerwetter, er (mein Vater) wird endlich wach! Nach knapp 10 Jahren. Welch eine Weiterentwicklung. *Ironie OFF*

Die Zeit....Die Zeit läuft uns irgendwann davon, meine Elten (1938 + 1941) sind ja auch nicht mehr die Jüngsten und dann? Spielen wir weiter Pseudofamilie? Sicherlich wird es irgendwann auf ein betreutes Wohnen hinauslaufen, nämlich dann, wenn wir als Eltern auch nicht mehr wollen, d. h. "wollen" machen wir schon lange nicht mehr, lediglich das Minimum.

Beobachten, dokumentieren und notfalls eingreifen - daraus besteht momentan unser Verhalten. Zu mehr reicht es nicht und so wurde es auch mit dem Betreuer abgesprochen. "Aktives Eingreifen nur bei Gefahr für sich und andere" - diesen Passus kennst Du bestimmt auch.

__________________________________________________________________________________________________________

Weshalb bekam ich keine E-Mail-Benachrichtigung, dass eine Antwort zu meiner Frage kam, obwohl meinerseits das Häkchen in "Bei Antworten informieren" gesetzt wurde?


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#5

RE: Hebephrene Schizophrenie - Frage an Comfortzone, Jenni

in Treffpunkt für Angehörige 17.02.2015 18:32
von Wolf (gelöscht)
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Hallo Sommerwind,

ich habe leider nur wenig beizusteuern. Aber ich mag trotzdem, wenn ich merke, dass jemand in Not ist.
Sicher sind deine Eltern auf Gund ihres Alters mit sochen Problemen überfordert. Das dürfen sie aus meiner Sicht auch.

Bleibt mir, von meinem Sohn zu berichten: Wir haben ihn damals, als er uns in seinen Launen über den Kopf gewachsen ist, einfach vor die Tür gesetzt. Ich glaube noch heute, dass solche Zeichen einer Grenze notwendig sind, obwohl mir das heute noch weh tut. Ich bin froh darüber, dass ich keine jüngeren Kinder habe, mit denen ich das nochmal durchleben müsste.
Was ich damit sagen will: es ist schwer, immer die richtigen Entscheidungen zu treffen... Man muß aber Grenzen aufzeigen, denn das ist die Plicht der Menschen, mit etwas mehr Lebenserfahrung.

Herzlichen Gruß vom Wolf


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#6

RE: Hebephrene Schizophrenie - Frage an Comfortzone, Jenni

in Treffpunkt für Angehörige 17.02.2015 20:04
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Hallo,
habe zwar keine Hebephrenie, aber Schizophrenie.
Mir hat es geholfen, dass ich Kontakt zu Leuten hatte, die mich weitesgehend "normal" behandelt haben.
Klar, früher oder später wussten sie um die Krankheit, hat aber nichts an ihrem Verhalten geändert.
Dafür bin ich recht dankbar, da ich mich dadurch eben "normaler" gefühlt habe... auch wenn das sehr schwierig war.

Anfangs war ich auch nicht krankheitseinsichtig. Das wurde ich erst, als ich mit Suizidgedanken an einer Brücke stand. Hatte aber noch so viel Verstand, dass ich weitergehen konnte. Erst dann habe ich mich sogar freiwillig einweisen lassen. In der Klinik selbst wurds dann krasser. Ich habe mich da sehr allein gelassen gefühlt, weil es in erster Linie darum ging Medikamente zu bekommen, Gruppentherapien auszusitzen und ggf. (wenn überhaupt möglich) am Therapieangebot teilnehmen. Da habe ich mich gefühlt wie ein Ausgetroßener auf einem völlig fremden Planeten.
Erst als ich wieder zu Hause war, ging es einigermaßen. Ich habe darum gebeten mich möglichst normal zu behandeln.
Zwar habe ich nicht (mehr) viele Freunde, aber die behandeln mich auch normal. Normalität ist den Unnormalen wichtig, auch wenn sie es selber nicht unbedingt wissen.

Grüße,
MD


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#7

RE: Hebephrene Schizophrenie - Frage an Comfortzone, Jenni

in Treffpunkt für Angehörige 17.02.2015 20:16
von Sommerkind (gelöscht)
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Hallo Wolf,

ist doch kein Problem; bei der hiesigen Forensuche purzelten mir Comfortzone und Jenni entgegen, daher auch die direkte Ansprache.

Wie alt war denn Dein Sohn, als Du ihn vor die Tür setztest?

Gedanklich habe ich schon oft dieses Szenario durchgespielt; praktisch ist's aber nicht durchführbar. Zum einen haben wir keine Fürsorgepflicht/-recht mehr, als Vormund fungiert ein Sozialverein, zum anderen streubt sich bei mir/uns alles dagegen. Warum? Keine Ahnung; vll. bin ich - trotzallem - noch zu sehr "Mutter", ohne jedoch Glucke zu sein (bloß nicht!).

Das Haus ist so groß, dass ich sie - von heutigen Tage 'mal ausgehend - nicht einmal gesehen habe (2 in sich abgeschlossene Wohnungenen, da früher noch Mieter mit drin wohnten). Da meine Tochter, wenn man sie nicht angreift, sondern ihren Rhythmus "machen läßt", relativ unauffällig ist, kommen wir uns nicht ins Gehege.

Ausgelotet wurde, in Zusammenarbeit mit dem Betreuer, bereits alles und - wie bereits erwähnt und bekannt - "nur bei Gefahr für sich und andere - blablabla".

Das Grenzen aufzeigen legt sich momentan so dar, dass Extrawünsche wie die erwähnte Bekleidung vom EMP bzw. der neue Nintendo DS 3 nebst Zubehör selbstverständlich nicht gekauft werden.

Tja, dass mit meinen Eltern ist so ein Ding für sich...Da meine Mutter schon immer bevorzugte Kontaktperson war (meine Arbeitszeit war besch....), war sie es, welche meine Tochter wochentags betreute...Weder optimal noch von uns so gewünscht...leider gab es zur damaligen Zeit keinen anderen Weg...


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#8

RE: Hebephrene Schizophrenie - Frage an Comfortzone, Jenni

in Treffpunkt für Angehörige 17.02.2015 20:41
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Hallo MDark,

Zitat
Mir hat es geholfen, dass ich Kontakt zu Leuten hatte, die mich weitesgehend "normal" behandelt haben.



na, da geht's doch schon los! Sie hat keinen Kontakt zu anderen Personen außerhalb der Familie, lediglich zu ihrer/meiner Friseuse und diese ist 70 Jahre alt.

Da sie aufgrund ihres Verhaltens bereits in der 7. Klasse gemobbt wurde, ihre alte Schule schloß, die Klasse aufgeteilt wurde, dadurch ein neues Umfeld nebst einen Teil der mobbenden Klasse vorhanden war sowie ihre Freundinnen zum Gymnasium ging bzw. die in einen anderen Stadtteil zog, war keine gleichaltrige Person in unmittelbarer Nähe/in der Klasse. Ach, und so nebenbei wurde ihr auch noch Diebstahl innerhalb der Klasse (Geldbörse) nachgesagt. Letztendlich stellte sich aber heraus, dass es eine Pseudofreundin aus der Klasse war.

Im Nachhinein bin ich der - vll. irrigen Auffassung - dass das Zusammenspiel all dieser Dinge den Ausbruch der Krankheit begünstigten.

Krankheitseinsichtig ist sie bis heute nicht, da sie die Räume verläßt, sobald der Betreuer kommt. Als sie noch 17/18 Jahre alt war, bemühte sich - im positiven Sinne - ein Hilfeverein, welcher mit psychisch kranken Kindern und Jugendlichen arbeitet, diese betreut, etwas mit ihnen unternimmt - na, eben wieder in den Alltag integriert. Als die Betreuer (Mann + Frau) ihr Zimmer betreten wollten, hat sie denen Schuhe u. ä. entgegengeschmissen. Nach 2 aussichtslosen Kontaktversuchen wurde der Therapieversuch (sry, mir fällt momentan kein besserer Ausdruck ein, vll. später noch) mit "keine Chance" abgebrochen.

*winke*
Sommerkind


zuletzt bearbeitet 17.02.2015 20:45 | nach oben springen

#9

RE: Hebephrene Schizophrenie - Frage an Comfortzone, Jenni

in Treffpunkt für Angehörige 18.02.2015 19:46
von Wolf (gelöscht)
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Hallo Sommerwind,

Ich komme erst jetzt dazu, deine Fragen zu beantworten:
Unser Sohn war damals 18 Jahre. Das ist nun 6 Jahre her. Ich sagte ja, ich bin mir, trotz etwas psychologisch geschulter Mensch mir unsicher, alles richtig zu machen...
Anderseits meine ich, dass man sich eben auch im gegenseitigen Miteinander positionieren muss.
Klar kann ich verstehen, dass deine guten Mütterinstinkte, die ja erst Familie ermöglichen, dich daran hindern, konsequent zu sein.
In so fern ist das schon für dich eine schwere Sache. Denn du müsstest ja alle Beteiligten "auf deine Seite bringen" um nachhaltig bei deiner Tochter etwas zu verändern. Ich bin mir aber auch sicher, dass deine Tochter ganz genau weiß, wie sie ihre ganz persönlichen Belange durchsetzen kann. Ihr ist das "System" sehr gut bekannt, denn sie hatte das ja täglich, ohne wie du einer Arbeit nachgeneh zu müssen. Da ist für mich eben die Frage, wie ihr sie noch aufrütteln könnt.

Was ich daran für mich schlimm finde: Eure Tochter wird eines Tages eine volle Bauchlandung machen, spätestens wenn ihr nicht mehr für sie sorgen könnt. Mein Gedankenansatz ist immer. lieber die Kinder rechtzeitig auf das schwierige Leben vorzubereiten, solange man sie noch auffangen kann. Vielleicht findes du mit diesen Gedankenansatz eine "Mehrheit" für konsequentere Entscheidungen.

Herzlichen Gruß vom Wolf


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#10

RE: Hebephrene Schizophrenie - Frage an Comfortzone, Jenni

in Treffpunkt für Angehörige 18.02.2015 20:25
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Hallo Wolf,

vorab: Du wohnt ja quasi "um de Ecke und auch im SAW-Land"

Dann sagt Dir vll. auch die Kinder- und Jugendpsychiatrie Uchtspringe etwas...

Hmmm, dann ist ja Dein Sohn genauso alt wie meine Tochter...

Rechtlich sind wir als Eltern völlig 'raus - und das ist gut so. Die Vormundschaft hat der Paritätische...
und der Betreuer setzt sich auch dafür ein, dass das Machbare im Rahmen der Gesetze durchgeführt wird.
Sry, liest sich jetzt etwas geschwollen, aber wenn ich's so schreiben würde, wie ich's denke...ahhh nein...
lieber nicht.

Aber auch Dir werden die Gesetzestexte bekannt sein. Sinngemäß heißt es dort "...Zwangsunterkunft nur bei
Gefahr für sich und andere...wöchentliches betreutes Wohnen mit Aufnahme einer Tätigkeit..." tja, da wäre ich
dann wieder beim Termin beim Amtsarzt.

Nein, den Rest der Familie bekomme ich nicht auf meine Seite, dass steht fest. Unsererseits, als wir als Eltern und meine Eltern,
sagten ihr schon oft, dass sie irgendwann eine Bruchlandung vom Feinsten hinlegt, wenn sie nicht endlich in irgendeiner Form
(Stichwort Amtsarzt) einlenkt. Als Antwort gab's diverse Verbalattacken u. ä.

Und eigentlich warte ich nur darauf, dass sie in irgendeiner Form eine Bruchlandung hinlegt. Jaaa ich weiß, DAS liest sich gehässig, aber ich bin der Meinung, dass sie erst so eine Bruchlandung hinlegen muß, ehe sie etwas verständiger wird.

Wie bereits geschrieben, wohnen wir zwar alle im selben Haus, agieren jedoch die Nachbarn, welche sich "nicht grün" sind. Kein Gruß, kein Blick - wie Fremde eben. Und NEIN, es tut mir nicht weh, falls jetzt diese Frage aufkommt, über diese Phase bin ich sein 8 Jahren hinweg.

Wenn Dein Sohn damals bei Diagnosestellung 18 Jahre alt war, dann hat er ein Vorsprung/ein Plus von 4 Jahren. Viele ziehen ja ins Lehrheim, wenn sie eine Ausbildung beginnen. Von daher ist 18 Jahre schon korrekt.

Herzliche Grüße

Sommerkind


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#11

RE: Hebephrene Schizophrenie - Frage an Comfortzone, Jenni

in Treffpunkt für Angehörige 18.02.2015 21:38
von Wolf (gelöscht)
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Oh nein, Sommerkind,

mein Sohn ist nicht erkrankt. Ich selbst bin es, der an paranoider Schizophrenie erkrankt ist. Aber das ist eben eine völlig andere Geschichte. Deshalb bin ich hier in diesem guten Forum angekommen.

Aber ich bin froh, dass bei meinem Sohn diese Atacken der Pubertät aufgehört haben. Ideal ist das auch nicht, aber er ist eben umgänglich geworden.

Natürlich seid ihr einerseits rechtlich raus. Aber ihr seit nicht raus, wenn es darum geht, mit deiner Tochter umzugehen. Ich finde es immer sehr schade, wenn rechtliches geregelt wird, ohne das sich Menschen über deren Tragweite bewußt sind. Da kann ich die Ablehnung deiner Tochter gegen Amtsärzte und alle daran Beteiligten verstehen.
Das geht so nicht im Interesse des Jugentlichen. Aus meiner Sicht wird da viel zu schnell eine Maschinerie ausgelöst, die heute unumkehrbar erscheint.
Als mein Beispiel: Selbst habe ich damals an Erkrankter abgelehnt, verrentet zu werden. Das wollte ich nicht. Denn es nützt mir nicht. Ähnlich ist das mit der Bevormundung. Eure Tochter hatte vielleicht nicht mal die Chance, darüber ihre eigene Meinung zu äußern. Das sieht keiner vor. Da kann ich verstehen, dass sie verbittert ist, wenn es um dieses Thema geht.
Es gibt Menschen, die reagieren mit Angst auf das, was sie nicht akzeptieren können, und es gibt Menschen, die werden äußerlich wütend.
Vielleicht kannst du verstehen, warum und in welcher Situation deine Tochter reagiert?
Dann wäre es gut, wenn gute Gespräche mit deiner Tochter entstehen könnten.

Sorry, ich habe lernen müssen, Probleme von allen Seiten zu bertachten. Ich glaube heute, dass das so gut ist.

Herzlichen Gruß vom Wolf


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#12

RE: Hebephrene Schizophrenie - Frage an Comfortzone, Jenni

in Treffpunkt für Angehörige 19.02.2015 02:00
von galizier | 164 Beiträge | 330 Punkte
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Hallo Sommerkind,

warum nun deine Tochter nicht zum Amtsarzt gehen möchte, obwohl sie ja eigentlich davon auch Vorteile und ihre gewünschten Sachen evtl. bekommen würde, kann ich jetzt auch nicht nachvollziehen.

Hat sie denn vielleicht einen Grund gesagt, warum sie nicht zum Amtsarzt gehen möchte? Aus Angst? Aus Trotz?

Ich könnte aber ein wenig erklären, was das Verhalten deiner Tochter in Bezug auf die Zurückgezogenheit und pupertierendes Gehabe angeht. Ich selber habe zwar keine Psychose aber eine Persönlichkeitsstörung mit schizoiden Akzentuierungen. Und bei einer Hebephrenen Psychose sind schizoide Störungen stark vertreten. Natürlich viel stärker und ausgeprägter als bei einer Persönlichkeitsstörung. Wenn sich deine Tochter so zurückziehen tut und mit keinen Menschen weiter kontakt haben will, dann ist das nicht aus Angst wie bei der paranoiden Schizophrenie (Verfolgungsangst) oder sonstigen fehlverhalten, sondern weil sie wirklich keinen Menschen braucht. Es gibt auch völlig psychisch gesunde Menschen mit einer schizoiden Persönlichkeit, die zurückgezogen als Eremiten völlig abgeschnitten von anderen Menschen leben. Und sie brauchen auch keine Menschen. Sie meistern ihr Leben auch alleine ganz gut und fühlen sich auch wohl. Und so eine tief verwurzelte Persönlichkeitsstrucktur kann man nicht mehr verändern. Alle gut gemeinten Versuche, solche Menschen zu mehr sozialen Kontakt zu bewegen führen immer zum gegenteilige ergebnisse und mitunter zu aggressiven oder abweisenden Verhalten des Schizoiden.

Ich würde deine Tochter auf keinen Fall unter Druck setzen, was soziale Kontakte angehen tut oder das sie aktiver sein sollte. Solche Menschen wirken in der tat arrogant, abweisend, depressiv, in sich gekehrt, verträumt und träge. Aber sie haben ein sehr reges und intensives Innenleben und können sich sehr gut selber beschäftigen ohne andere Menschen. Und sie leiden auch nicht unter der Einsamkeit.
Ich würde ihr natürlich keine Vergünstigungen mehr zukommen lassen und auch vielleicht andere Sachen, die sie benötigt drosseln um ihr sanft beizubringen, dass es ohne ihre mithilfe nicht mehr finanziell tragbar ist. Und wen sie nicht mit sich reden lässt, dann würde ich es genauso machen wie sie es macht. Einfach eine Erklärung, warum dies und jenes nicht mehr geht oder gekauft werden kann auf einen Zettel schreiben und an der Tür kleben.

Natürlich ist eine schizoide Persönlichkeitsstörung nicht mit einer Psychose zu vergleichen, wo noch andere schwerwiegendere Symptome auftreten. Natürlich braucht gerade eine Hebephrene Psychose eine fachärztliche Behandlung. Aber ich wollte nur den Charakter deiner Tochter aus psychologischer Sicht ein wenig erklären.

Dieses kindische pupertärende Verhalten ist sehr typisch bei vielen hebephrenen formen. Leider ist es auch so, dass schon bei Krankheitsbeginn eine Veränderung der Hirnstrucktur eintritt und damit auch geistige und kognitive Entwicklungen im Jugendalter sich nicht mehr weiterentwickeln können. Sie bleiben praktisch in ihrer Entwicklung im alter eines pupertierenden Jugendlichen stehen und bleiben so bis ins hohe alter. Das kann man schon mit einer geistigen Behinderung vergleichen. Die hebephrenie wird ja auch als Jugendschizophrenie bezeichnet. Früher gab es auch noch bezeichnungen wie Jugend-Irresein oder läpische Verblödung usw. Natürlich müssen nicht alle hebephrenen Formen so dramatisch verlaufen. Es gibt ja auch mischungen mit paranoider oder affektiver Psychose.

Damit wollte ich nur erklären, warum sich deine schon mit 24 Jahren eigentlich schon erwachsene Tochter so kindlich und uneinsichtig benehmen könnte.


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#13

RE: Hebephrene Schizophrenie - Frage an Comfortzone, Jenni

in Treffpunkt für Angehörige 19.02.2015 14:16
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Hallo Sommerkind,

ich bin selber seitdem ich 16 bin an der paranoiden Schizophrenie erkrankt. Von 18 bis 22 Jahren war ich in einer Jugendhilfeeinrichtung untergekommen, die mir eine wichtige Tagesstruktur und eine voll anerkannte Ausbildung zum Tischler bot. In dieser Einrichtung lernte ich natürlich eine Menge Leute mit ähnlichem Krankheitsbild kennen, einige davon sind bis heute feste, gute Freunde. Heute bin ich 27.

Einer meiner Freunde hat ebenfalls die Diagnose Hebephrene Schizophrenie, er wurde mit 18 Jahren diagnostiziert, hatte allerdings schon mit 14 die ersten paranoiden Beziehungsideen entwickelt, also eine recht lange Prodromalphase (Je länger diese Phase, desto schlechter die Prognose). Auch er schaffte es eine Ausbildung, wenn auch nur die Helferausbildung, zu absolvieren.
Leider musste er schlechte Erfahrungen auf dem ersten Arbeitsmarkt sammeln, weswegen er in den letzten drei Jahren relativ zurückgezogen lebt und zudem leider dem Alkohol recht stark zugewandt ist. Immer wieder versuche ich ihn zu motivieren, er solle irgendeiner Beschäftigung nachgehen, Sport machen oder insgesamt mehr machen. Irgendwie hat er keine Lust, ist ihm wohl zu anstrengend, was ich aber aufgrund seiner beständigen Symptomatik (Gefühl beobachtet zu werden) dann doch ganz gut nachvollziehen kann.
Ich würde ihn keinesfalls als dumm oder gar ''stehen geblieben'' in der Entwicklung bezeichnen, dafür kann er viel zu gut Witze erzählen :-) Er kann eher schlecht auf neue Menschen treffen, ist da sehr verschlossen und unsicher, wirkt deshalb auf andere ein wenig befremdlich. Wir spielen schon eine ganze Weile Schach miteinander, früher habe ich zu 90% gewonnen, heute gewinnt er zu 90% (er übt jeden Tag fleißiger als ich beim Onlineschach).

Ich glaube deine Tochter braucht ihre ganz eigene Umgebung, ohne Eltern und Großeltern, um sich überhaupt noch eigenständig entwickeln zu können. Ich hätte überhaupt keine Lust noch zu Hause zu wohnen, unvorstellbar. Betreutes Wohnen und irgendwann vielleicht eine eigene kleine Wohnung bieten mehr Perspektive.

Nachtrag:
Der Betreuer der gesagt hat betreutes Wohnen geht nicht wegen verfügbarem Wohnraum, hat absolut überhaupt keine Ahnung. Natürlich hat deine Tochter das gute Recht in ein betreutes Wohnen zu kommen, alleine schon wegen der Aussicht auf erhebliche Verbesserung ihrer Gesundheit. Du als Mutter, ihr als Familie seit ja zudem auch überfordert mit der Situation. Ich kenne mehr als genug Erkrankte, die reiche Eltern haben und trotzdem im betreuten Wohnen untergebracht sind. Jugendliche wie Erwachsene.
Wenn ihr soweit sein würdet mit solch einer Unterbringung, dann wäre das mit dem Kindergeld eh erstmal egal, weil es dann m.E. keinen Anspruch bei einer Heimunterbringung gibt.


zuletzt bearbeitet 19.02.2015 14:35 | nach oben springen

#14

RE: Hebephrene Schizophrenie - Frage an Comfortzone, Jenni

in Treffpunkt für Angehörige 19.02.2015 15:03
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Ahh ok Wolf, ich hab's falsch verstanden.

Das wir als Eltern rechtlich 'raus sind, ist gut. Bei den hiesigen Gesetzen und Winkelzügen sind wir alles andere als allumfassend wissend. Die Möglichkeiten, welche sich mit Unterstützung des Betreuers boten bzw. bieten, hätten wir SO nicht gekonnt.

Natürlich wird wir nicht als Eltern 'raus; da gebe ich Dir vollkommen Recht. Aber wie verhält man sich, wenn man versucht, mit der Tochter im Kontakt zu bleiben und völlig abgelehnt wird? D. h., der Vater - als "Übeltäter" (denn "DER" hat sie ja zum Arzt geschleift" - Zitat Ende) wird seit ca. 10 Jahren negiert. Nachdem sich das Verhältnis zwischen mir als Mutter und ihr als Tochter nach 3 - 4 Jahren so nach und nach gebessert hat, wir konnten zusammen lachen, quatschen, feixen, haben uns gegenseitig geholfen usw., verschlechterte sich die Beziehung rapide, als im Mai '14 das Kindergeld wegen der fehlenden Amtsarztbescheinigung eingestellt wurde. Als ich ihr klarmachte, dass ihre Forderung nach hipper Kleidung von EMP erst nach Weiter-/Nachzahlung des Kindergeldes erfolgen würde, gab's zuerst 'ne große Diskussion über das WARUM. Wochen später, als erneute Forderungen diesbezüglich kamen, kopierte ich das Schreiben von der Familienkasse, auf welchem verzeichnet war, wie ihre Diagnose lautet und dass eine 50 %ige psychische Behinderung vorläge. Reaktion: WTF!

Ähm ja, ich mußte erst einmal die Abkürzung googlen...

D. h., erst nachdem ich ihr die Kopie hinlegte, hat sie mitbekommen (zwangsläufig), wie ihre Diagnose lautet. Versuche, ihr diese schon vor Jahren zu erläutern bzw. überhaupt mit ihr über dieses Thema zu sprechen, wurden jedesmal abgeschmettert. Mit "wir" sind alle Personenkreise gemeint: Eltern - Großeltern - Betreuer - Ärzte.

Bei der letzten Eskalation durfte ich mir als Mutter anhören - Zitat - "Warum ich sie nicht abgetrieben hätte..." Nett, oder?

Es gibt Menschen, die reagieren mit Angst auf das, was sie nicht akzeptieren können,


Ja genau. Da wir sie damals von Arzt A bis Arzt Z schleppten und uns keiner eine Antwort geben konnte, bis auf die Ärzte in Uchtspringe, wird es einfach Angst/Panik sein, dass sie wieder in eine Klinik gesteckt wird, was unsererseits absolut nicht gewollt und gewünscht ist/wird. Da sie aber keine Berufsausbildung hat, ist/kann nur der Amtsarzt für eine Untersuchung zuständig sein, ansonsten wäre es ja der Betriebsarzt, welcher erst einmal zum Tragen käme.

Ach, da fällt mir so beim Text tippen ein, die ersten Hinweise auf Auffälligkeiten bekamen wir in der 5. oder 6. Klasse; waren aber der Auffassung, dass dies die ersten Anzeichen der Pubertät sind. Allein dadurch sind uns vermutlich 2 wertvolle Jahre verloren gegangen.

Von Gesprächen sind wir z. Zt. meilenweit entfernt. Es wurde - wieder einmal - der Reset-Knopf gedrückt und die Kommunikation findet in Form von Zettelchen bzw. Forderungen an der Kinderwandtafel statt. Ähm ja, so'n Teil hängt noch bei uns im Flur. Äußerst praktisch; es muß nicht immer WA sein.


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#15

RE: Hebephrene Schizophrenie - Frage an Comfortzone, Jenni

in Treffpunkt für Angehörige 19.02.2015 15:08
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Was für ein Betreuer ist denn das? Ein amtlich bestellter Betreuer (vom Amtsgericht bestellt)?


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