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#1

Meine Schwiegermutter ........

in Treffpunkt für Angehörige 11.02.2015 18:00
von Gwendelly (gelöscht)
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Hallo,
es ist so gut, dass es diese Internetseite gibt.

Ich möchte kurz erzählen, um wen es in unserer Familie geht und welche Schwierigkeiten wir auch gerade aktuell wieder haben – ich hoffe, mein Text ist nicht allzu lang – ich befürchte aber doch ;-)
Kurzum: Meine Schwiegermutter (Jahrgang 1945) war - lt. meinem Ehemann - immer ein Mensch, der jemanden hatte, der sie "geführt" hat (ihren Ex-Mann, dann ein sehr dominanter Lebenspartner, in ihrer Kindheit sehr dominante Eltern). Zu ihrer Tochter hat sie keinen Kontakt mehr, zu ihrem Sohn ein differenziertes und unemotionales Mutter-Sohn-Verhältnis.
Dadurch geprägt ist sie eher nicht so rasch offen für andere Kontakte, eher zurückhaltend, aber doch dabei sehr bestimmend. War das ein Problem, als ich meinen Mann kennenlernte .... ;-) Wir haben uns aber gut zurecht"gerauft", ich bin eher ein offener, emotionaler Mensch.
Sie wohnt in einer Wohnung (gar nicht isoliert, schlechte Fenster, schlechte Heizung), die bereits für ihre Eltern ein Wochenenddomizil war, sehr ländlich, aber gerade im Winter eine echte Katastrophe.
Sie ist lediglich – wie mein Mann und ich auch – Mitglied in einem Hundeverein.
Vor einigen Jahren veränderte sich meine Schwiegermutter plötzlich, zog sich noch mehr aus dem Vereinsleben zurück. Ihre Schwester rief an, dass sie die Nacht zuvor mit ihrem Auto bei ihnen gewesen sei und sie beschuldigte, ihren Hund getötet zu haben (der allerdings noch lebte).
Als ich dann nachschaute, weil wir uns Gedanken machten, fand ich sie völlig neben der Spur vor, sie trippelte vor sich hin, blieb immer wieder stehen, um zu beten, in ihrer Wohnung befanden sich viele abgebrannte Zigaretten, selbst im Bettzeug waren Brandlöcher. In einer Not rief ich den Rettungsdienst, da sie aber wusste, wer sie war und was für ein Tag ist etc., sahen sie erst keine Notwendigkeit, sie mitzunehmen, als ich sie drängte zu erzählen, was mit ihr sei, sagte sie schließlich: Sie sei Auswerwählte der himmlischen Mächte und im telepathischen Kontakt mit den Schutzengeln. In Kürze entwickelte sie telepathische Kontakte mit vielen anderen Personen.
Sie ist dann in eine Psychiatrische Klinik eingeliefert worden, von wo aus sie weiterhin u. a. in der Tierarztpraxis anrief, dass ihr Hund angeschossen worden sei und sie Hilfe brauche. Es war also insgesamt ein echtes Drama – auch für uns.
Sie wurde dann dort einige Wochen behandelt, auf ein Medikament eingestellt und „normal“ wieder entlassen. Meine Schwiegermutter ist allerdings sehr bequem, koch selbst für sich nicht, macht sich nicht mal Sachen warm, auch nicht, wenn z. B. ein Menüservice anliefert. Wir hatten damals bereits überlegt, ob u. B. nicht eine Wohngruppe oder ein kleines Apartment in einem Seniorencenter für sie das Richtige sei, was sie rigoros ablehnte: Sie sei gesund, immer schon selbständig gewesen … Sie fing dann an, nicht mehr zu schlafen (trotz Schlafmittel!).
Nach ca. 9-10 Monaten starben nach kurzer Zeit ihr alter Hund und ihre alte Katze und sie äußerte einer Halbschwester, die weiter entfernt wohnt, gegenüber, dass sie nicht mehr wolle und Schlaftabletten genommen habe, das Medikament gegen die Psychose habe sie nicht mehr genommen. Alarmiert von dieser, fuhr ich mit ihrer hier lebenden Schwester zu ihr, um sie mit der Aussage zu konfrontieren. Sie war völlig aufgelöst (wegen dem Tod der beiden Tiere, was ich nur zu gut nachvollziehen konnte); wir überredeten sie zu einem erneuten Aufenthalt in der gleichen Psychiatrischen Klinik, da sie einfach sehr depressiv gewesen war, Medikamente abgesetzt hatte. Dieser Aufenthalt dauerte nicht so lange und sie kam wieder „normal“ aus der Klinik heraus. Wieder keine Spur von irgendeiner Hilfe, die sie annehmen wollte. Mit einem neuen Hund, den sie sich dann kurze Zeit später gekauft hatte, kam sie nicht mehr klar und verkaufte ihn wieder in gute Hände.

Ca. 6-7 Monate später erhielten wir die Nachricht von ihrer Schwester, dass sie sagte, wir – mein Mann und ich – hätten Geldsorgen (was aber nicht war), zudem erzählte sie, dass mein Mann verstorben sei – er habe einen Autounfall gehabt, sei noch zu mir nach Hause gefahren, sei blass gewesen, ich sei mit ihm ins Krankenhaus gefahren und er sei dort angekommen gestorben – alles richtig plastisch und erschreckend. Sie war erstaunt, dass mein Mann lebte, als wir natürlich sofort zu ihr fuhren. Sie hatte viele Anrufe erhalten von verschiedenen Menschen (Familie, Nachbarn etc.), in denen ihr mitgeteilt wurde, wer alles wann und woran verstarb oder verunfallte oder erkrankte. Natürlich alles ohne wahr zu sein. Sie war davon nicht zu überzeugen. Krönung war, dass ihr verstorbener ehemaliger Lebensgefährte sie besucht habe! Wir brauchten viele Abende mit sehr vielen Nerven, um sie davon zu überzeugen, dass sie ins Krankenhaus muss, zumal sie auch berichtete, ihre Medikamente nicht mehr nehmen zu müssen (die Oberärztin der Psychiatrischen Klinik hätte sie angerufen) und wieder die Nacht zum Tag machte, auch nicht mehr regelmäßig aß etc. Ich muss gestehen, dass ich in mehreren Gesprächen mit ihr auch langsam die Geduld verlor – ich konnte eigentlich auch nicht mehr. Schließlich waren wir aber wieder auf dem Weg in die Psychiatrische Klinik, natürlich ohne Koffer, da sie lediglich zu einem Gespräch bereit war. Die diensthabende Ärztin nahm sie natürlich als Notfall auf. Noch während sie in der Klinik war, bekam ich einen Anruf von einer entfernten Verwandten, wie es mir denn ginge … ich verstand erst gar nicht was sie meinte. Tja, meine Schwiegermutter hatte ihr und ihren Eltern auch gesagt, dass mein Mann verstorben sei; meine Verwandte hatte sogar eine Trauerkarte für mich besorgt. Ich war echt entsetzt und noch mehr wütend. An dem Punkt entschloss ich mich, mich vorerst aus der Situation mit meiner Schwiegermutter zurückzuziehen; wobei ich aber den Spagat schaffte, meinen Mann trotzdem zu unterstützen. Nach der Entlassung sah sie natürlich keine Notwendigkeit, etwas an ihrem Leben zu verändern.
Sie hatte u. a. mittlerweile Rückenbeschwerden (ich meine auch einen Bandscheibenvorfall), gegen die sie aber nichts unternimmt (außer heftige Medikamente nehmen). Ich habe sie gefragt, was denn der Arzt wegen ihres Rückens gesagt habe – ihr Antwort: Da könne man nichts machen, das Beste wäre, wenn sie in ihrem Sessel sitze und in Ruhe gelassen werde. Sie macht nichts mehr außer Fernsehen!

Nun, lediglich 5 Monate nach der letzten Entlassung aus der Klinik, erhielt ich erneut einen Anruf, dass es meiner Schwiegermutter nicht gut ging. Ich war eher von der Arbeit zu Hause, da ich eine große Feier vorbereiten wollte und entschloss mich (gegen meine eigentliche Absicht) sie zu holen und zu fragen, was los sei. Erst wirkte sie depressiv, dann kamen wieder Berichte über verschiedenste Anrufe: Das Bankinstitut habe sie mehrfach angerufen, der Bankmitarbeiter Herr ??? habe ihr Geld veruntreut und sitze jetzt im Gefängnis. Ihre Halbschwester sei hier bei ihrer Schwester (was auch nicht stimmte); ihr Neffe sei an irgendeinen Tresor gegangen. Die Oberärztin habe sie wieder angerufen, sie müsse ihre Medikamente nicht nehmen, sei alles nur Panikmache gewesen etc. etc. Alles wieder von vorne nach nur ca. 5 Monaten! Diesmal haben wir auf einen regulären Platz in der Klinik gewartet (sind nicht als Notfall aufgetaucht), damit sie wieder auf die ihr vertraute Station konnte (um sowas mache ich mir dann echt Gedanken und sie sagt, ihr sei es egal, wie wir uns mit der Situation fühlen), dafür musste ich mehrere Telefonate führen, denn entsprechend ihres Alters sollte sie eigentlich in die Gerontopsychiatrie. Jedenfalls ist sie jetzt wieder auf der Station, wo sie vorher auch war. Sie lehnt alles an Therapie ab, sitzt den ganzen Tag nur auf ihrem „Allerwertesten“, ist sich keiner gesundheitlichen Schwierigkeit – außer Rücken – bewusst und heute kam dann die tolle Nachricht, dass sie eine Thrombose hat – von diesem ganzen nutzlosen Herumsitzen in den letzten Monaten! Und muss sie was ändern, ach was.
Nächste Woche gibt es einen Austausch, wie es dieses Mal nach Entlassung weitergehen soll: Sie wird natürlich wieder alles blockieren und ablehnen. Wenn ich jetzt noch daran denke, dass aufgrund der Thrombose eine regelmäßige Medikamenteneinnahme absolut lebensnotwendig ist sowie eine Veränderung ihrer Verhaltensweisen – na dann prost Mahlzeit. Das wird dann nichts.
Wir haben auch bereits den Sozialpsychiatrischen Dienst eingeschaltet und hoffen, dass wir nun endlich auch Unterstützung in dieser Frage von der Klinik erhalten (zumindest hat die Klinik diesmal angesprochen, dass es ja so nicht weitergehen könne, da sie ja in immer kürzeren Abständen dort aufgenommen werden würde).
Mein Mann ist beruflich sehr eingespannt, ich habe jetzt innerhalb meiner Arbeitsstelle (einem Krankenhaus) die Stelle gewechselt – wir können die Nachsorge nicht so gewährleisten wie es notwendig ist.

Sorry für den langen Text, aber das tat mal richtig gut. Ich bin mittlerweile so erschöpft und genervt von der ganzen Geschichte, zumal sie alles ablehnt.

Viele Grüße und vielen lieben Dank

Gwendelly

PS: VIelleicht sollte ich erwähnen, dass ich vor einigen Jahren selbst Psychopharmaka nehmen musste, da ich unter Panikattacken litt, die mich dermaßen beeinträchtigten, dass ich mein Leben nicht mehr "normal" leben konnte. Ich habe alles gemacht, damit es mir besser ging, deswegen ist es für mich umso weniger nachvollziehbar


zuletzt bearbeitet 11.02.2015 18:07 | nach oben springen

#2

RE: Meine Schwiegermutter ........

in Treffpunkt für Angehörige 12.02.2015 08:46
von snuggles (gelöscht)
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Hallo,

du hast ja bereits sehr viel unternommen, damit deine Schwiegermutter in guten Händen ist. Ich stelle mir die Hilfe sehr schwierig vor, wenn die Betroffene so hartnäckig die Medikamente ablehnt und keine Krankheitseinsicht hat. Der sozialpsychiatrische Dienst kann eigentlich auch nur mithelfen, wenn die Schwiegermutter bereit ist, die Hilfe anzunehmen. Das Stichwort Gerontopsychiatrie finde ich in diesem Zusammenhang wichtig, aber das läuft wahrscheinlich auch nur auf weitere Klinikaufenthalte hinaus.

Wenn deine Schwiegermutter zudem ihre eigenen Angelegenheiten nicht mehr besorgen kann und sogar das Essen vernachlässigt, wäre es vermutlich sinnvoll, ein betreutes Wohnen in Betracht zu ziehen. Das ist in der Tat schwierig, wenn sich die Schwiegermutter permanent dagegen sträubt. Krankenhäuser sind keine Wohnheime, sie stellen lediglich die Akutversorgung sicher, man müsste also einen Plan B haben, wenn die Schwiegermutter aus der Klink entlassen wird. Hast du ja auch schon versucht. Vielleicht kannst du eine gesetzliche Betreuung für deine Schwiegermutter beantragen, auch für deine eigene Entlastung. Vielleicht käme auch ein ambulanter Pflegedienst in Betracht? Auf diese Weise könnte die Schwiegermutter immerhin in ihrer Wohnung bleiben.

Aus meiner Sicht deutet so ein Verhalten auf eine Altersdemenz hin; da sind natürlich auch psychotische Symptome möglich. Für Demenzkranke gibt es aber Hilfsangebote und es gibt Gutachter, die das feststellen können. Wie lautet denn eigentlich die Diagnose deiner Schwiegermutter?

MfG


zuletzt bearbeitet 12.02.2015 08:47 | nach oben springen

#3

RE: Meine Schwiegermutter ........

in Treffpunkt für Angehörige 12.02.2015 21:16
von Wolf (gelöscht)
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Hallo Gwendelly,

vielen Dank für deinen Beitrag.

Wahnvorstellungen sind schlimm. Und deine Schwiegermutter wird ensprechend der Erkrankung weiterhin so gar keine Krankheitseinsicht haben und weiter blockieren.
Das ist das Heimtückische an der Ergkrankung, dass man sich so gar nicht krank fühlt.
Bleibt zu hoffen, dass die Ärzte und Pädagogen eine Änderung bei ihr hervorrufen konnten.

Herzlichen Gruß vom Wolf


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