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#1

Umgang mit akuter Psychose...

in Treffpunkt für Angehörige 20.01.2015 23:59
von schauhin (gelöscht)
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Seit 2012 ist mein Sohn 34J. an einer Psychose/ Schizophrenie erkrankt. Zur Zeit befindet er sich auf einer geschlossenen Station, ist zwangseingewiesen worden. Nun ist es schon das 4.Mal und die Abstände werden immer kürzer. Er ist überzeugt davon, dass Kiffen ihm gut tut, lehnt eine Psychotherapie ab, nimmt die verordneten Medikamente nicht ein, kifft weiter, ist nicht krankheitseinsichtig.
Nun hat er einen Einzelfallhelfer (nach der zweiten Einweisung), der auch nur begrenzte Zeit hat, sich um ihn zu kümmern.
Die Wahnvorstellungen, Realitätsverlust, in Rapsongs wird er denunziert, überzeugt davon, dass er eine berühmte Persönlichkeit ist, man will ihn töten, man beobachtet ihn, man hätte bei ihm eingebrochen.....und - wenn er mit das erzählt, wie reagiere ich?
Wenn ich ihm sage, überlege doch mal, das kann doch garnicht sein - reagiert er massiv aggressiv, beschimpft mich.
Wenn ich ihm helfe, helfe ich ihm nicht - das wurde mir immer wieder empfohlen.
Trotzdem, ich besuche ihn und ihn dort so zu sehen, verzweifelt und depressiv, traurig macht mir sehr viel Kummer.
Habe Angst, dass er aus diesem Tal nicht mehr herauskommt.
Wenn ich an das Chaos in seiner Wohnung denke, das er ab Mitte des Monats kein Geld mehr hat, um was zum Essen zu kaufen, dann zu mir kommen will, um sich satt zu essen - macht es mich ratlos und bin dann auch zeitweise wütend, dass er in seinem Alter als 34 jähriger Mann nicht in der Lage ist, Eigenverantwortung für sein Leben zu übernehmen und immer wieder diese Selbstzweifel, was alles falsch gelaufen ist bei uns.
Er hat keine Freunde mehr, die sich um ihn kümmern - der Einzelfallhelfer hat wohl auch Angst vor ihm, weil er ihn beschimpft und bedroht hat.
Im Krankenhaus ist er aber meistens ruhig, weil er jetzt die Medis bekommt.
Ich werde ihn besuchen 1-2 mal die Woche und dann wird es mir auch wieder schlecht gehen. Ich überlege noch, ob es richtig wäre, wenn ich einen Teil des Chaos in seiner Wohnung beseitige. Es ist schon spät - vielleicht kann ich heute Nacht besser schlafen.


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#2

RE: Umgang mit akuter Psychose...

in Treffpunkt für Angehörige 21.01.2015 10:20
von snuggles (gelöscht)
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Hallo,

spontan fällt mir dazu nur ein, dass man eventuell jetzt im Krankenhaus versuchen könnte, einen besseren Zugang zu ihm zu finden. Wenn er daheim ist, nimmt er ja seine Medikamente nicht ein, aber die Klinik ist ein geschützter Ort und dort könnte man ansetzen und Vorkehrungen treffen, damit er nach seiner Entlassung wieder ein geregeltes Leben führen kann. Man hört immer wieder, dass Betroffene rückfällig werden, weil sie ihre Medikamente nicht einnehmen und dann ist es ein ständiges Auf und Ab mit vielen Klinkaufenthalten, die Psychiatrie hat eine Drehtür. Vielleicht kannst du ja deinen Sohn davon überzeugen, dass er wenigstens in der Akutphase seine Neuroleptika einnimmt. In Krankenhäusern wird auch Psychoedukation angeboten und es gibt Sozialarbeiter, an die man sich wenden kann, damit Patienten nach dem Klinikaufenthalt wieder ins Leben zurückfinden.

Für Angehörige ist der Umgang mit Betroffenen in der akuten Phase sehr schwer, ohne Krankheitseinsicht kann man da kaum von außen eingreifen. Du kannst deinem Sohn die Wahnideen nicht einfach ausreden, leider. Du kannst ihm aber zum Beispiel während deiner Besuche im Krankenhaus klarmachen, dass er etwas ändern muss, sonst ist die nächste Zwangseinweisung vorprogrammiert. Vor allem muss dein Sohn auf Drogen verzichten.

Was ist denn ein Einzelfallhelfer? Ist das eine gesetzliche Betreuung? Falls es noch keinen gesetzlichen Betreuer gibt, könntest du den für deinen Sohn bestellen. Es ist auch möglich, eine Betreuung nur in Teilbereichen zu veranlassen, zum Beispiel wenn dein Sohn seine finanziellen Angelegenheiten nicht besorgen kann, dann bekäme er Hilfe, damit das in Zukunft besser funktioniert.

Alles Gute, denk in dieser schwierigen Zeit auch mal an dich und nicht nur an deinen Sohn.

MfG


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#3

RE: Umgang mit akuter Psychose...

in Treffpunkt für Angehörige 21.01.2015 11:52
von schauhin (gelöscht)
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Hallo snuggles,
danke dir für deine Antwort.

Ich bin immer sehr aufgeregt und unsicher wenn ich ihn besuche. Wie soll ich darauf reagieren, wenn er beispielsweise sagt, er verklagt alle, die ihn im KH festhalten, er sei nicht psychisch krank, sondern nur körperlich?? Meistens kann ich dann garnichts sagen, bin nur traurig, dass er nicht einsichtig ist. Durch die Medis wird er noch träger und seine Kooperation, an den angebotenen Therapien teilzunehmen ist kaum vorhanden.
Außer Musik hören, die Rapsongs, hat er keine Interessen - seit einem Jahr beschäftigt er sich mit Religionen, liest den KORAN UND DIE BIBEL - er sei jetzt konvertiert - und das in der heutigen schwierigen Zeit. Er ist auf der Suche nach Antworten, nach Anerkennung - er sagt aber auch, dass er nicht radikal ist.
Habe aber auch den Eindruck, dass die Religion, wenn es ihm besser geht keine große Wichtigkeit hat.

Der Einzelfallhelfer wurde vom Sozialpsychiatrischen Dienst beauftragt.
Er kümmert sich auch um die finanziellen Dinge, Schuldnerberatung, Anforderungen des Alltags bewältigen, geht mit ihm zum Arzt etc. - aber bei Einsetzen von zweimal die Woche ist eine Verschlechterung vorauszusehen, da er die Medis nicht eingenommen hat und die Dauermedikation in Form einer Injektion, die 14 Tage wirken soll bringt da nicht den Erfolg.

Wie du sagst, er muss auf die Drogen verzichten - leider sieht er das nicht ein. Dass es ihm schlecht geht, liegt ja nicht am Cannabis!!Was ihm schadet seien die Medikamente, die ihm gegen seinen Willen verabreicht werden.
Ja, es wird wohl ohne gesetzlichen Betreuer nicht gehen oder eine Sozialstation, die ihm täglich die Medis gibt.
Der Arzt meinte, dass ginge aber nur mit seinem Einverständnis.

Liebe Grüße und einen schönen Tag, schauhin


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#4

RE: Umgang mit akuter Psychose...

in Treffpunkt für Angehörige 21.01.2015 13:17
von snuggles (gelöscht)
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Hallo,

ein bisschen Wille zur Mitarbeit muss von seiner Seite schon gegeben sein, ansonsten wird er es ziemlich schwer haben in der Zukunft. Auf Diskussionen über Wahnthemen würde ich mich gar nicht einlassen, er würde auch keine gegenteiligen Meinungen akzeptieren. Du solltest auch nicht nur nach seiner Pfeife tanzen, auch wenn er krank ist, gibt es Grenzen und er muss sich an die Spielregeln halten. Du darfst ruhig auch ein paar Regeln vorgeben, zum Beispiel kannst du ihm erklären, dass du ihm gerne hilfst, das aber nur unter der Bedingung, dass er keine Drogen nimmt und im Krankenhaus an seinen Therapien teilnimmt. Es geht ja auch um dich und du musst auch etwas auf dich achten, Angehörige haben oft genauso unter dieser schwierigen Situation zu leiden wie Betroffene.

Wenn dein Sohn entlassen wird und wieder anfängt Drogen zu nehmen, seine Medikamente nicht nimmt und den ganzen Tag nur Rapmusik hört, dann hat er keine sehr rosige Zukunft vor sich. Vielleicht kannst du im Gespräch mit Ärzten und Therpeuten deine diesbezüglichen Sorgen mitteilen, so dass man im Krankenhaus gezielt darauf eingehen und ihm etwas Hilfestellung an die Hand geben kann.

Für eine gesetzliche Betreuung ist übrigens nicht unbedingt das Einverständnis des Betroffenen notwenig. Persönlich lehne ich diese Betreuungsangebote auch ab, aber wenn es gar nicht anders geht und dein Sohn nicht anders über die Runden kommt, dann ist es wohl nötig. Es muss ja nicht für immer sein und mir sind sehr viele Betroffene begegnet, die einen Betreuer haben und sogar sehr dankbar sind, dass einmal pro Woche jemand vorbeikommt und sich etwas kümmert.

Wenn Drogen im Spiel sind, ist das allerdings die erste Baustelle. Vielleicht kannst du gemeinsam mit deinem Sohn auch mal eine Suchtberatung aufsuchen? Im Krankenhaus gibt es ja meist auch Suchtstationen für Psychosekranke, ich denke, da kann er ebenfalls etwas Unterstützung bekommen - vorausgesetzt, dass er mit dem Klinikpersonal kooperiert.

Vielleicht gibt es ja auch ein paar andere Meinungen/Ideen dazu.

MfG


zuletzt bearbeitet 21.01.2015 13:19 | nach oben springen

#5

RE: Umgang mit akuter Psychose...

in Treffpunkt für Angehörige 21.01.2015 15:54
von Snoopyyy | 135 Beiträge | 212 Punkte
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Hallo Schauhin,

das hört sich ja sehr schwierig an. Mein Beileid.
Ich denke auch, für Angehörige/Freunde ist es immer eine Gradwanderung zwischen dem, wie sehr sie helfen können und wie sehr sie sich selbst damit belasten. Oft kann man eben auch nur geduldig und dezent unterstützend Helfen.
Ein paar Grenzen sollte man also schon ziehen und auch für die eigene psychische Stabilität sorgen.

Wenn ich mir das so anhöre, hat er ja schon sehr viel verloren in seinem Leben und bekommt von seinen Mitmenschen permanent gesagt, was er zu tun hätte und so weiter. Das er da Drogen nimmt um mal entspannen zu können von dem äußeren Druck und Bevormundungen könnte man schon auch ein wenig verstehen, auch wenn es sicherlich nicht sonderlich hilfreich ist um gesünder zu werden.
Du hattest erwähnt, du überlegst seine Wohnung/Zimmer aufzuräumen....wenn, dann frag ihn doch zuvor erst, ob er damit einverstanden ist. Es ist ja letztendlich ein recht starker Eingriff in die Privatsphäre der betroffenen Person.

Ich für meinen Teil fand es erschreckend zu sehen, wie kaum eine umliegende Person mir wirklich zuhörte und akzeptieren konnte, dass mir dies oder jenes jetzt hilft, oder eben auch nicht hilft. Sie berufen sich immer auf die Aussagen von Ärzten und irgend welche Proschüren, etc...
Letzendlich ist es aber die betroffene Person die sich oft doch noch am meisten kennt und deshalb sollte man so denke ich versuchen möglichst stark mit ihr gemeinsam einen hilfreichen Lösungsweg zu erarbeiten. Bei fremden, aufgedrückten Maßnahmen ohne eigenes Einverständnis bringt das oft eher weitere Schwierigkeiten/Traumata und Differenzen. Auch das Gefühl von seinen Mitmenschen nicht mehr ernst genommen zu werden verstärkt sich so und deshalb versinkt man als Betroffener auch schnell in eine immer stärkere Abgrenzung zu seinen Mitmenschen.

Rap ist oft auch ein guter Weg um Eindrücke und Emotionen verarbeiten zu können. Viele Raper behandeln in ihren Texten ja einschlagende Erlebnisse und machen ihren Stunk so Luft.

Meiner Meinung nach ist das größte Heilmittel, wenn der Betroffene wieder motivierter in die Zukunft schauen kann und wieder Interessen und Ehrgeiz zu Irgendetwas entwickeln kann. Da hindern einen natürlich die ständigen Rückschläge, schlechten Prognosen und auch behindernde Medikamente oft, weshalb man sehr antriebslos und unmotiviert/depressiv werden kann.

Vielleicht hilft dir/euch das ein oder andere, was ich hier angesprochen habe. :)
Viele Grüße und ich wünsche euch alles Gute, dass es wieder bergauf geht. toitoitoi!


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#6

RE: Umgang mit akuter Psychose...

in Treffpunkt für Angehörige 21.01.2015 18:11
von JeffreyGoines (gelöscht)
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hallo schauhin,

ich bin vor ein paar tagen auf einen artikel aufmerksam gemacht worden, der wie ich finde, sehr gut die gratwanderung zwischen sorge um den angehörigen und sorge um sich selbst beschreibt.

http://www.apk-hochfranken.de/wer_fragt_nach_mir.htmlLink

vielleicht hilft dir diese lektüre ja auch ein wenig.

ich drück dir die daumen, dass dein sohn bald einsichtiger wird, sowohl was seine krankheit betrifft, als auch das kiffen, denn ich denke, dass das sehr wichtig ist für seinen weiteren weg.


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#7

RE: Umgang mit akuter Psychose...

in Treffpunkt für Angehörige 21.01.2015 19:40
von schauhin (gelöscht)
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Ich grüße snuggles, snoopyyy und JeffreyGoines,

danke für eure Anmerkungen und Ratschläge - ich bin jetzt schon etwas ruhiger und gelassener und lerne auch weiter hinzu, wenn ich eure Beiträge lese.
Diese Empfehlung von JeffreyGoines

http://www.apk-hochfranken.de/wer_fragt_nach_mir.html

möchte ich hiermit auch noch weiterempfehlen, kann man als Angehöriger ruhig mehrmals lesen, um auch die eigene Rolle immer wieder zu hinterfragen und sich vieles bewusstmachen.

Danke und noch einen schönen Rest-Abend,
Gruß schauhin


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