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#31

RE: Sag ich´s der Familie ? SOS

in Treffpunkt für Angehörige 23.12.2014 21:09
von Hirnsehprogramm | 1.200 Beiträge | 2317 Punkte
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Ach und mein Punkt, worauf ich hinauswollte, ist doch wie so ein "Eingriff" dann im Detail aussehen würde! Ich hatte ja in Gänsefüsschen grobe Richtungen angedeutet. Hier wird auch viel in verschiedene Richtungen weiterargumentiert, wo noch garnicht klar ist ob's nun so passieren würde. Oder theoretische Gedankenspiele als klare Ansage empfunden oder ausgedrückt. So liest ein Hilfesuchender bestimmt nur mit viel Mühe einen gewissen nützlichen Informationsgehalt zur Thematik heraus!

Also die Situation ist ja, dass ein Mensch nach Aussage der Fragestellerin in einer kritischen Phase zu stecken scheint, das auch teils selbst zugegeben hat, aber unbedingt eine Ausbildung durchziehen will. Dazu noch Die Information, dass die Beziehung erst kürzlich zu ende gegangen ist - das erschwert die Beurteilung der Kommunikation natürlich erheblich, weil man auch nicht weiss ob es im guten oder schlechten passiert ist. Dazu auch die Anregung, den Eltern mal 'nen "Tipp" zu geben belangs der Beobachtungen und Äusserungen, eben aus Sorge der Mensch könnte sich in's Abseits rödeln.

Ich hatte nicht umsonst verschiedene Möglichkeiten angedeutet, in die so eine Eingriff/Unterstützung dann allein von der Grundtendenz gehen könne. Wir können natürlich nicht wirklich beurteilen, was genau passieren würde, oder? Einfach weil wir nicht dabei sind, und keinen der beteiligten kennen, und auch den genauen Gesundheitszustand garnicht einschätzen können.

Aber mal abseits, zur Originalfrage: ich denke zum Thema Psychose und "Medikamentenfrei", dass das oft eine "Lösung" ist, bei der es auch darauf ankommt, wie der Krankheitsverlauf ist, wie belastend die Symptome tatsächlich sind, wieviel Unterstützung der betreffende kriegt, wie er sich zurückziehen und schonen kann, unter was für Druck er lebenstechnisch steht, und vor allem wie gut er seine Lage eindeutig einsieht! Meine Erfahrung dazu wäre auch bei einem Versuch gewesen, dass es zumindest bei mir viel zu mächtig gewesen wäre einfach "weiterzumachen", mir ist jetzt klar, ich musste wieder die Medikamente nehmen, sonst wäre ich wahrscheinlich krepiert (z.B. an fortgesetztem Schlafentzug und dergleichen). Bei anderen kann es aber anders laufen, manche schaffen es durchaus. Aber ich glaube kaum, dass in einer einigermassen entwickelten Psychose der Abschluss einer fordernden Ausbildung möglich wäre. Und was "Therapie" abseits von Medikation angeht, denke ich nicht dass eine wöchentliche Sitzung mit einem Laberspezialisten ernsthaften psychotischen Druck würde lindern können, zumindest nicht auf kurze Zeit und bei gleichzeitiger Belastung. Aber wir können hier gar nicht genau abschätzen, ob da wirklich eine ernsthafte Psychose vorliegt oder sich anbahnt. Reine Überlastung in Leben/Beruf kann nach aussen auch ganzschönen Eindruck hinterlassen, und dann wäre bei Wunsch das fortzusetzen auch eine Konzetrierung auf das gewünschte Ziel, auch mit Abstrichen an's sonstige Privatleben, eine nachvollziehbare Reaktion, auch ohne Psychose!

Ich würde auch sagen, dass bei einer eventuellen Medikation mit Neuroleptika nicht wirklich vorhergesagt werden könnte, wie genau das hinhaut. Manchmal können sicher recht kleine Dosierungen Stabilisierung bringen, ohne zu grosse Einschnitte zu bedeuten. Von der Verträglichkeit her kann es aber auch passieren, dass grade die direkten Nebenwirkungen ein Hinderniss darstellen, vor allem bei höherer Dosis - ich schätze dass ist wo die betreffende Person Angst vor hat, sie scheint ja schon einen starken Schub erlebt zu haben, und weiss daher wie diese Mittel wirken? Es ist auch so, dass in der Behandlungspraxis bei akuten Fällen, vor allem ohne sehr gute Selbsteinsicht, gleich volle Kanne draufgeballert wird, und mit solchen Nebenwirkungen wäre für viele sicher eine Ausbildung mit Prüfung garnicht erst denkbar. Auf der anderen Seite steht natürlich der versuch es ohne zu schaffen (falls sich stärkere Symptome entwickeln könnten), mit einem heftigen auf-die-schnauze-fliegen als Möglichkeit. Mehr kann nicht direkt gesehen kaputtgehen, und im Zweifelsfalle wäre das direkte Umfeld sowieso schnell im Bilde über die Probleme.

Ein schwieriger Stand der Dinge. Möglich zwar, dass Therapeutischer Eingriff die Einsicht (z.B. zur Schonung bei Überlastung) steigern könnte, aber das Problem wäre nicht behoben, so denn ein gravierendes da sein sollte. Ich fände es durchaus gangbar, wenn ein gutes Verhältnis besteht, das Umfeld vorsichtig darauf anzusprechen, aber wie hier in Gegenmeinungen schon zum Ausdruck gekommen ist, können wir nicht abschätzen auf welche Weise dann mit der persönlichen Freiheit (und sei es nur zum Ärgernis) des betroffenen umgegangen werden würde. Das ist wichtig, ich habe von hingabevoller Unterstützung, auch in positiver Weise zur Einsicht, bis hin zu aggressivem Druck zu Behandlung oder sogar in Heime etc. schon so einiges von Angehörigen geschildert bekommen.


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#32

RE: Sag ich´s der Familie ? SOS

in Treffpunkt für Angehörige 24.12.2014 00:56
von Lightning (gelöscht)
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Das sehe ich auch so.. es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Der eine ist ein Rudeltier.. der andere ein einsamer Wolf und glücklich damit. Der eine will Hilfe.. der andere will sich selbst helfen.

Was er selbst angeblich zu seiner Krankheit sagte, schwankt ja auch ganz schön in den letzten Nachrichten und wir können es nicht wissen. Anfangs wird geschrieben, dass er sagte er kommt klar und packt das bis zur Prüfung.. dann wurde geschrieben, er hat selbst gesagt es würde ihm nicht gut gehen und er könne nicht einschätzen ob es akut wäre oder nur eine Phase.. jetzt wird geschrieben, er sagte selbst es wäre schon wieder akut.. und das sind gewaltige Unterschiede. Was zutrifft, musst du (Cortex) selbst wissen.

Grob betrachtet kann ich nur sagen, so lange er nicht öfter mal krank macht, wird es ihm schon nicht so schlecht gehen. Und dass er dir sagen konnte wie es ihm geht zeigt eigentlich auch, dass er selbst noch ein Auge auf sich hat. Dass er sich Hilfe in Form von Gesprächen gesucht hat, zeigt auch dass er im Notfall evtl. doch bereit wäre, sich die nötige Hilfe zu nehmen und auch erkennt, wann es angebracht wäre. Und wenn es ihm schlecht geht, sollte seinem Chef das z.B. ziemlich schnell auffallen.. wie auch seinen Eltern, wenn er sowieso bei ihnen wohnt. Und wenn die Eltern von den vorherigen akuten Phasen wissen, werden sie auch auf ihr Kind achten ohne es nochmal gesagt zu bekommen.

Und wenn du im Hinterkopf hast der Beziehung noch eine Chance zu geben - falls er das überhaupt möchte - dann versuche ihn bei seinen Entscheidungen zu unterstützen und ihm beizustehen und nicht ständig an ihm zu zweifeln. Falls es trotzdem nochmal zu einer akuten Phase kommt, kann man dies auch nicht ändern. Die kann auch mit Tabletten und Hilfen wieder kommen. Mein bisher einziger Rückfall kam auch als ich Medis nahm.

Zum Thema von Lutreola:

Zitat von lutreola im Beitrag #21

Er scheint ja noch sehr naiv zu sein, wenn er der Schizophrenie mit: ich schaffe das schon ! begegnen will.
Seid mal ehrlich. Ein Erkrankter, keine Medikamente trotz Symptomen, aus eurer Erfahrung , wie oft habe ihr schon gehört, dass das gut geht?
Ich noch nie! Gerade nicht, wenn Prüfungsstreß im Spiel ist.


Mit welcher Einstellung würdest du der Krankheit denn sonst begegnen? Hier schreibt dir jemand, bei dem es ohne Medis relativ gut geht, zumindest hatte ich seit 4-5 Jahren keine akute Phase und bin mit mir zufrieden, auch wenn ich momentan am öffentlichen Leben kaum teilnehme.. das habe ich aber schon vor der Psychose kaum noch getan. Ich musste mir auch lange selbst Mut machen, weil es eben kein anderer tat.. da sagte ich auch zu mir selbst "du packst das schon", "alles wird wieder gut", "morgen ist alles besser", "das geht vorbei", "das wird mir nicht nochmal passieren", "denk an deine Mutter" usw usw.. das sind eben Gedanken, die man auch teilweise braucht um durchzuhalten.

Meine akuten Phasen mit Zwangseinweisung, Fixierung, Zwangsmedikation und einige Wochen Aufenthalt auf der Geschlossenen (2x) waren sicher auch eher eine "schwere" paranoide Schizophrenie, als eine leichte Psychose. Meine Ärzte bezeichneten es oft als kleines Wunder, dass ich mich überhaupt so gut erholt habe. Und trotzdem habe ich die Medis ziemlich schnell weg lassen. Die Probleme die ich noch habe, habe ich auch mit Medis (schon getestet). Wenn bei mir Symptome auftreten, vermeide ich Stress so gut es geht. Das sollte er eben auch im Griff haben.. er muss erkennen, wann Symptome so lange anhalten, dass er sich zurückziehen muss.. oder Medis nehmen muss.

Und ja, es gibt sicher nicht viele, die es auf diesem Weg schaffen.. es wird einem ja schon in der Geschlossenen erklärt, dass es angeblich weit unter 10% sind. Ich verstehe auch, warum das so ist.. es ist ein steiniger Weg. Und mit dem Wissen, dass die Chancen schlecht stehen wird es auch nicht leichter. Und so ein "Versuch" ist auch keine Naivität sondern Entschlossenheit, Willenskraft, Hoffnung und zum Teil auch Rebellion gegen Zweifler. Aber es gibt ja auch "professionelle" Hilfen, die so gut es geht auf Medis verzichten.. also scheint es ja auch auf "professioneller" Ebene möglich zu sein ohne Medis die Krankheit zu überwinden. Siehe "offener Dialog" in Finnland, wo der Erfolg dann eher bei 80% liegt.. und das sicher nicht, weil alle zweifeln.. oder die Herangehensweise in antroposophischen Einrichtungen. Das ist dann eben wieder eher was für die "Rudeltiere" unter uns. Mir persönlich würde eine mir wichtige Person als Beistand reichen. Im Moment bin ich eben selbst diese Person und habe trotzdem Antworten gefunden, mit denen ich zufrieden bin. Und einige Dinge möchte ich auch gar nicht mehr missen.. ich kann mich z.B. selbst in einen Zustand des Glücks denken/fühlen.. warum sollte ich das los haben wollen? ;)

Finde es echt schlimm immer davon auszugehen, dass ohne Medis überhaupt nichts mehr geht.

Na denn.. erstmal frohe Weihnachten an Alle! :)

LG, Lightning


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zuletzt bearbeitet 24.12.2014 00:57 | nach oben springen


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