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#1

Bericht aus der "Bild der Wissenschaft"

in Schizophrenie in den Medien 07.11.2014 22:35
von lutreola | 488 Beiträge | 2059 Punkte
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Hallo an alle,

ich habe gerade einen interessanten Artikel in der "Bild der Wissenschaft" vom November gelesen. Ich dachte, ich berichte hier im Forum einmal davon, da ich mir vorstellen könnte, dass er noch für andere interessant sein könnte.
Zunächst einmal geht es in dem Bericht um neu herausgefundene Verwandschaftsbeziehungen mehrerer Krankheiten.
Es ist wohl schon seit längerer Zeit bekannt, dass Nachkommen und Verwandte von depressiven und schizophrenen Menschen häufig nicht nur ebenfalls dieselbe Krankheit ausprägen, sondern auch andere psychische Krankheiten.
So Depressionen, Schizophrenie, manisch-depressive Formen und auch Autismus und ADS.

Nun sind von einer Ärztekooperation Genom ( also Erbgut) -Vergleiche durchgeführt worden.
Dabei ist folgendes auffällig geworden: Die strikte Trennung dieser Krankheiten in unterschiedliche Diagnosen sei genetisch nicht haltbar. Aus der gleichen genetischen Ursache können sich unterschiedliche Krankheiten entwickeln.
In dem Bericht wird erwähnt, dass man sich aus den genetischen Erkenntnissen neue Diagnosemöglichkeiten und demnach auch individualisiertere Behandlungsmethoden verspricht. Viele Schizophrene würden bekannterweise stark unter ihrer Medikamentierung leiden (aha), in Zukunft könnten sie, wie bereits in der Krebstherapie praktiziert, mit maßgeschneiderten Therapien behandelt werden. Das Stichwort lautet wohl: personalisierte Medizin.
Erwähnt wird erschreckenderweise auch, dass die Suche nach besseren Psychopharmaka im Bereich Schizophrenie von Seiten der Pharmakonzerne weitgehendst eingestellt worden ist. Es wird die Prognose ausgesprochen, eben diese Forschung durch neue Erkenntnisse wieder ankurbeln zu können.
Zusammenfassend gesagt: die Krankheiten sollen nicht mehr , wie bisher, nur nach Symptomen, sondern nach Genschlüssel diagnostiziert und optimalerweise behandelt werden.
Wobei neue Erkenntnisse über die betroffenen Stellen im Erbgut natürlich auch neue Erkenntnisse über das "Was" und "Wie" zulassen, so dass die Medikamentenforschung neue Richtungen einschlagen kann. Und natürlich die Überraschung: Unterschiedliche Krankheiten beruhen auf den selben Gendefekten!

Natürlich ist die gesamte Materie noch sehr neu und es gibt wohl auch in absehbarer Zeit keinen Gentest, um diese Krankheiten zu diagnostizieren.
Spannend scheint zu sein, dass eine Mutation an Genorten festgestellt werden konnte, die die Funktion vom Kaliumkanal regelt und das sei wohl eine Ursache, die bislang noch gar nicht vermutet worden ist.
Das würde bedeuten: neue Forschungsrichtungen in den nächsten Jahren(!!!), um bessere und, vor Allem, nebenwirkungsfreiere Medikamente entwickeln zu können.

Der Artikel wird natürlich noch sehr wissenschaftlich, was ich aber einmal auslasse, da es bestimmt nicht für jeden hier interessant ist. Wenn jemand noch spezifischere Fragen hat, so dachte ich, beantworte ich sie auf Nachfrage.

Die Zeitschrift ist die Ausgabe vom November diesen Jahres, falls es jemand direkt nachlesen möchte.
(Es geht im Speziellen noch um die entsprechenden Genorte, und die Möglichkeit, z.B. Schizophrenie oder auch Autismus über "Risikogene" in Subtypen aufteilen zu können, um, wie bereits erwähnt, besser und gezielter medikamentieren zu können. ( Setzt natürlich voraus, dass diese Medikamente erst einmal entwickelt werden, Stichwort: Kalium-Kanäle und ähnliches)


Das klingt doch sehr positiv und optimistisch für uns. Im Artikel formuliert die Autorin : es brechen für Psychiater neue, spannende Zeiten an! Ich habe schon über einen Leserbrief nachgedacht, man hätte wenigstens aus Höflichkeit erwähnen können, dass das auch neue, glückliche Zeiten für die Betroffenen sein könnten. Aber es ist eine Fachzeitschrift, da scheint es eher um die Wissenschaftler und weniger über die Erkrankten zu gehen....
Naja

Schönen Abend euch allen

Lutreola


zuletzt bearbeitet 07.11.2014 22:36 | nach oben springen

#2

RE: Bericht aus der "Bild der Wissenschaft"

in Schizophrenie in den Medien 07.11.2014 23:31
von Hirnsehprogramm | 1.199 Beiträge | 2288 Punkte
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Allerdings...bis jetzt wurde ja immer die "Dopaminhypothese" vor sich hergetragen, auch in der Wahl effektiver Mittel um Psychosen zu behandeln. Dann kamen schon manche atypischen Neuroleptika, die auch auf das Serotoninsystem wirken, und dadurch teils bessere Wirkung haben können. Anschliessend dann Experimente mit der Manipulation des Anandamidhaushalts, und auch des glutaminergen Systems, wo wohl auch schon erfolgsversprechende Ergebnisse dokumentiert wurden. Da habe ich mir immer gedacht: wenn so unterschiedliche Systeme als Angriffspunkt wirksam sein können - wie ist es vielleicht bei manchen Fällen, wo die eine Strategie nicht hilf, sondern die andere, oder andersrum, dann müsste die Psychose ja unterschiedliche Ursachen haben, auch wenn sie sich ähnlich äussert? Zur Zeit ist die Standardbehandlung ja Neuroleptika - und es gibt so einige Patienten, bei denen sie garnicht oder nur schwach zu wirken scheinen! So sollte es ja auch ein Segen für die Betroffenen sein, mehr mögliche Ursachen und ihre Behandlungen in der Hand zu haben, und vor allem irgendwie ohne Jahrelanges Probieren mit dem Patienten herauszufinden, welcher Weg eigentlich der günstigste dabei ist!

Ich muss auch bei der Sache mit "gleiche Ursache, verschiedene Krankheitsbilder" spontan an die Wirkung manche Drogen denken - da kann es teils von Person zu Person extrem unterschiedlich sein, was passieren kann, obwohl die Veränderung durch die Substanz ja ähnlich sein müsste!

Das mit den Gentests finde ich natürlich interessant - ich stelle mir das so als erweiterten Sensor vor, nach dem man im Erbgut eines Menschen schauen könnte, was für Risikogene identifiziert werden. Aus diesen Informationen könnte man dann vielleicht sehen: Aha, Dopaminfehlsteuerung möglich, oder eher wahrscheinlich gestörtet Anandamidhaushalt, und gleich ein passendes Mittel dazu probieren um zu lindern. Also auf kurze Sicht gesehen - ich kann mir auch vorstellen, dass selbst sowas auch nur vage Ideen zur Behandlung liefern wird. Genau in's Gehirn schauen um zu sehen was schiefläuft, kann ja noch keiner!

Interessant wahrscheinlich auch in der Prävention, wenn man weiss dass man ein bestimmtes Risikogen trägt. Fragwürdig allerdings unter dem Gesichtspunkt, dass Menschen nach Bekanntwerden eines Risikogens diskriminiert werden könnten.

Ich kann mir ergänzend zu dem Thema auch vorstellen, dass es auch nicht-genetische Faktoren geben kann, die durch eine Veränderung verschiedene Probleme hervorrufen können. Wie etwa die Drogen, die ich oben erwähnt habe. Oder bestimmte Infektionen, oder belastungen mit schädlichen Substanzen.

Bei allen Unklarheiten finde ich es aber sehr gut, dass sich Forschung in diesen Bereichen langsam aber sicher weiterentwickelt. Wenn man mal ein Thema recherchiert, dann ist man oft sehr überrascht was alles dazu in der Denke ist, obwohl ansonsten noch nach dem Stand von vor 20 Jahren gehandelt wird. Fortschritt braucht eben immer seine Zeit.


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