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#1

Gestört, wie unerhört!

in Betroffenen-Literatur 10.09.2014 23:04
von Spiegelneuron (gelöscht)
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Eine meiner Kurzgeschichten, in der ich meine Erfahrungen mit der Psychiatrie verarbeite. Is a bissl längere Geschicht! Aber ulkig absurd..

Er starrte seinen Patienten ausdruckslos an: "Sie haben eine Störung, Patient" – wie er annahm, sei der Patient bereits seit seiner Geburt gestört. "Störung? Papalap, Empörung!", fabulierte der Patient mit wilden Gesten unterstreichend: "Mich hat in meinem ganzen Leben noch keiner oder keine als gestört tituliert!"

Der Professor blinzelte durch seine Hornbrille, zog das Klemmbrett schützend hoch, als der Patient weiterhin von Sinnen vor sich hin schrie: "Sperrt mich ein, nennt mich gestört, und obendrein: Mischen sie sich nicht in mein Leben ein!"

Jetzt war er sich dessen sicher, dass er gestört sein musste – keine Frage! Einen deratig gestörten Patienten hatte der Professor noch nie in seinem Büro gehabt.

"Wenn sie nicht gestört sind, werden wir das durch einen Test herausfinden!" Der Professor hielt symbolisch den Zeigefinger seiner rechten Hand hervor, um die Brillanz seiner Idee zu unterstreichen. "Fein, aber mir wär's lieber nicht mehr von Störung zu sprechen". Nun, der Patient hatte Recht. Diese Bezeichnung – so zeigten es Studien – war unter Patienten nicht sehr beliebt. Es wäre aus soziologischen Gesichtspunkten angebracht, auf den Patienten einzugehen. Der Professor willigte mit einer einladenden Geste seiner Hand ein, woraufhin sich der Patient in den Sessel gegenüber niederließ. "Also, um zu testen, ob sie gestör... Nein, um zu testen, ob sie krank sind, machen wir einen simplen Test!"

"Na, lass'n se' mal hör'n?", quengelte der Patient.

Ganz wichtig: Ruhe – so dachte der Professor und – unter Benutzung des gleichen rechten Zeigefingers – bat er um Ruhe. "Pssst", verkrampfte die Zunge des Patienten.

"Sie sollen doch ruhig sein!", lamentierte der Professor, ärgerlich über die Torpedierungsversuche des Patienten.

"Ich war doch ruhig!", entgegnete der Patient gereizt.

"Also nochmal!" Diesmal beugte sich der Professor zu dem Patienten vor, seine Stirn in Falten, offensichtlich war er in einer Art meditativen Kontemplation versunken, um diesmal ein Scheitern zu vereilteln.

Wieder fand der Zeigefinger seine Lippe, woraufhin der Patient wieder psste – "Nein, Nein – sie sind gestört, gestört, gestört!"

Der Professor sprang auf, gestikulierte wild, während er um seinen Sessel ging, fasste sich ans Kreuz und schüttelte seinen Kopf. "Sie sagten doch, ich solle leise sein. Meine Mutter machte, wenn sie den Zeigefinger vor den Mund hielt, auch immer "Pssst"". Der Professor schielte den Patienten ungläubig an. Innerlich kochte er trotz akademischer Schulung. Dieser Gestörte schaffte es glatt, ihn aus der Contenance zu bringen.

Der Professor kühlte wieder ab und saß erneut dem Gestör.. dem Patienten gegenüber.

"Also! Noch einmal – und bitte, Herr Gott, denken sie bei "Ich lege meinen Zeigefinger an den Mund" nicht an ihre geehrte Frau Mutter!"

"Nagut, wenn sie es so wollen!", willigte der Patient ein. Hoffentlich, beim Herrn Vater, dachte der Professor, sonst gibt es in seiner Klinik den ersten nicht selbst verschuldeten Todesfall.

"Also!", initiierte der Professor den Test. "Ich lege meinen Finger nun an meinen Mund" – "Psst, Psst, Psst!!!!" - "Teufel! Sie gestörter Hund!", schrie der Professor fassungslos.

"Ich sagte, sie sollen mich nicht gestört nennen!!!", schrie der Patient entgegen.

"Gestört!"

Es war hoffnungslos. Ohne seinen in der Welt der Wissenschaft etablierten und renommierten Gestörten-Test konnte er nicht herausfinden, ob der Gestörte tatsächlich gestört war, obwohl er davon ausging, dass der Gestörte gestört war.

"Ich habe eine Idee", sann der Professor begeistert mit seinem Zeigefinger in der Luft – noch höher und die Decke wäre durchbohrt gewesen. "Bleiben sie sitzen, bewegen sie sich nicht weg!", ordnete der Professor an. "Ich werd' schon nicht abhaun!", empfahl sich der Patient und schlug sein Bein übers andere.

Wenige Minuten der geistigen und körperlichen Abstinenz, über die der Patient sehr froh gewesen war, kam der Professor wieder zu ihm. Paatsch! - "Und ja nicht abreißen!"

Der Professor empfand es als kluge und solide, sehr praktische Lösung, dem Patienten den Mund mit einem Stück Klebeband zu verschließen. "Mmshh ge..stö..rt", erstickte der Patient, als ob er Mumps hätte. "Wunderbar, nun können wir den Test absolvieren!"

Diesmal – mit froher Miene und einem brillanten Gesichtsausdrück in seinen Falten, denn er war wundervoll entzückt über seine Versuchsvorbereitungen - würde es gelingen!

"Also!", initiierte der Professor in einem heißeren Ton. "Ich lege meinen Finger nun an meinen Mund" – und so tat er, wie gesprochen.

"Mmhpsspstmhmh"

"Was? Ich kann sie garnicht hören? Also!", überhörte der Professor scheinheilig das Mhmhmh des Patienten.

"Jetzt kommt der Test, also Achtung!", terminierte der Professor die Vorbereitungen und leitete nun den eigentlichen, genialen – wie er fand – Test ein.

"Sie sind nicht gestört, wenn sie folgende Frage beantworten können!". Der Professor hielt kurz inne, der Patient murmelte "Mmjhhgestörmnhmt".

Der Professor atmete tief ein und dann wieder aus,

wieder ein und wieder aus – plötzlich kam es aus ihm heraus:

"Was ist der Unterschied zwischen einem Professor, der sehr, sehr klug und genial ist, und einem Patienten, der ganz ersichtlich, aber leider nicht ganz bewiesen, gestört ist?". Spannung! Der Professor hoffte auf die Antwort des Patienten, der aber nur Mmhgsmmhstörtmnh vor sich her mumpsen konnte.

"Ach, stimmt ja", fiel es dem Professor ein. "Sie sind ja des Sprechens beraubt!" Pfftsch -"Au!", schrie der Patient, der des Klebebandes beraubt und endlich wieder mündig wurde und nun endlich die Frage beantworten konnte.

"Also?!?", fragte der Professor ungeduldig wie ein kleines Kind . "Also,", legte der Patient konzentriert an. Um seine Konzentration zu gestikulieren, ließ er seine Augen geschlossen und seine Finger an der Schläfe kreisen. Gleich würde er darauf kommen! Hurra!

"Also...mhhh, sie sind der Professor und ich der Patient..!"

"Ja, das ist bewiesen – was ist ihre Antwort?"

"Sie sind ein dummes Arschloch und ich nicht, das ist der Unterschied!", schrie der Patient den Professor mit voller Wut und rotem Kopf an.

Der Professor sprang aus seinem Sessel, der dabei umflog, und schrie "Gestört, gestört, gestört!! Wie unerhört!".

In seiner Panik knallte der Professor bei seinem ersten Versuch, dem Gestörten zu entkommen, mit seinem Kopf gegen die dicke Eichentür, die zum Flur führte. Erst im zweiten Akt konnte er die Tür öffnen und auf den Flur gelangen, den er kreischend "gestört, gestört, gestört" entlang rannte und sich in einer Gummizelle versteckte. Der Professor ward nicht mehr gesehen.



Der Patient ließ sich wieder nieder

und schrieb auf dem Klemmbrett nieder:

"Heilung abgeschlossen, Patient gesund!"


zuletzt bearbeitet 10.09.2014 23:05 | nach oben springen

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