Einloggen
Zurück Vorwärts
Aktualisieren Drucken
Neuer TAB


Zum Seitenanfang Schritt hoch Schritt runter Zum Seitenende

#1

Das Leben eines Angehörigen

in Treffpunkt für Angehörige 07.04.2014 23:06
von Chosi (gelöscht)
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Chosi
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Hallo,

nun ich hätte vieleicht Schreiben müssen, "Mein Leben als Angehöriger", denn ich kann ja nur von mir Sprechen aber ich denke mal, das sich so ein paar Dinge doch schon ähneln werden. Wie mir Hirnsehprogramm schrieb, ist die Anzahl an Angehörigen in diesen Portal eher gering, was ich eigentlich sehr schade finde. Ja stellt sich mir die Frage, wieso?, ist es Dessinteresse oder Angst sich mit diesem, doch nicht so einfachen Thema, auseinander zu setzen?, vieleicht auch Scham oder peinlich einen solchen Menschen in der Familie zu haben?

Schreibt doch einfach mal, ob als Angehöriger oder als Betroffener, wie stehen Eure Familien dazu.

Zum eigentlichen Thema komme ich aber auch noch, muss das aber leider für heute erstmal beenden, ist doch schon wieder spät geworden und ich muss zur Zeit immer sehr früh raus. Hoffen tu ich aber ein reges Interesse geweckt zu haben und vieleicht noch ein paar mehr Angehörige zu gewinnen.

Eine Gute Nacht Ihr Lieben und bis Morgen!


1 Mitglied findet das Top!
nach oben springen

#2

RE: Das Leben eines Angehörigen

in Treffpunkt für Angehörige 07.04.2014 23:37
von Hirnsehprogramm | 1.201 Beiträge | 2342 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Hirnsehprogramm
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Hallo! Ich als selbst Betroffener schreibe mal:

Meine Familie bzw. meine Eltern stehen sehr wohlmeinend mittlerweile dazu, und empfinden mich nach ihren Aussagen mehr als grosse Bereicherung denn als Last. In der Anfangszeit war es sicher oft sehr schwierig, für beide Seiten. Meine Eltern haben mich dennoch nicht aufgegeben, und mich nach anfänglichem oftmaligem Verzagen irgendwann immer weiter unterstützt, mir immer weiter einen geschützten Raum geboten, der wann ich es brauchte genug Ruhe, aber auch mal gezielte Anregungen für kleine Aktivitäten beinhaltete, in dem ich langsam immer mehr zu mir kommen konnte - jenseits der offiziellen Therapien, die bei mir eher kontraproduktive Auswirkungen hatten. Ich bin ihnen sehr dankbar dafür, auch das sie dann doch noch an mich geglaubt haben - es hat sicher nicht jeder Betroffene das Glück einer solchen Unterstützung.

Ich bin auch nicht (mehr) ein wirklich schwieriger Fall, solange ich genug Ruhe und Zeit für mich habe komme ich gut zurecht. Andersrum geniesse ich sehr das Zusammensein mit meiner gesamten Verwandschaft - alle wissen von dieser Erkrankung und meinem Werdegang. Fast alle waren aber anfangs mehr oder weniger skeptisch, ob das einen guten Ausgang haben kann. Ich glaube aber nicht, das ich irgendjemandem von ihnen eine Belastung wäre, ich bin ja doch mittlerweile recht geistesklar die meiste Zeit. Auch der gesamte Freundeskreis, auch meiner Angehörigen weiss eigentlich davon - für mich und viele andere ist es "wie selbstverständlich".

Was bei meinen Eltern anfangs noch ein grosser Bedarf war, war überhaupt erst einmal Wissen über die Erkrankung zu erlangen. Sie sagen auch jetzt noch, sie hätten lange gebraucht, überhaupt zu verstehen "was das eigentlich ist". Neben Gesprächen mit mir selbst darüber, wie ich die Krankheit empfinde (als ich klarer wurde und nichts mehr von Geistern oder so erzählt habe ), haben ihnen dazu viele Informationen abseits der Ärzteschaft, oder auch aus Verbänden für Angehörige psychisch kranker, oder sonstigen Quellen geholfen, mehr auf mich und meine Bedürfnisse einzugehen und mich nicht mehr vollständig "der Psychiatrie zu übergeben", die auch hier im Forum und anderswo durchaus in einigen Punkten kritisiert wird.

Ich glaube dieses Forum hat deswegen auch wenn eigentlich nur Erkrankte unterwegs sind und waren, jetzt schon einen hohen Informationsgehalt auch für Angehörige von Betroffenen. So wie wir teils Informationsaustausch und Selbsthilfe betreiben, können auch Angehörige davon profitieren, grade wenn Erkrankte unterstützt werden sollen, die selbst nicht in der Lage für solchen Austausch sind.


Ich wünsche abschliessend jedem Angehörigen, der das liest genug Kraft, die Erkrankten gut zu tragen - geborgen zu sein und verständnisvoll behandelt zu werden hat mir, grade am Anfang, sehr viel geholfen.


1 Mitglied findet das Top!
nach oben springen

#3

RE: Das Leben eines Angehörigen

in Treffpunkt für Angehörige 08.04.2014 03:15
von comfortzone | 394 Beiträge | 533 Punkte
avatar_m
X

Auszeichnungen


des Mitglieds comfortzone
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Meiner einer meldet sich so selten bei der Familie, dass ich es nicht für nötig halte damit hausieren zu gehen. Alle paar Wochen oder Monate ein Lebenszeichen reicht mir. Vielleicht liegt es daran, dass ich mit der Diagnose noch Identitätskrisen habe, aber aktuell besteht für mich kein kommunikationsdrang. Ist vielleicht nicht der richtige Weg, aber ich empfinde ihn derzeit als angenehmsten.


nach oben springen

#4

RE: Das Leben eines Angehörigen

in Treffpunkt für Angehörige 08.04.2014 11:46
von lutreola | 534 Beiträge | 2474 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds lutreola
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

hallo Chosi,
tja, wie steht meine Familie dazu?
Zuerst einmal finde ich es toll, dass du dich so intensiv einbringst. Gerade in den ersten Anfangsmonaten, als ich noch so verstrahlt war, habe ich es als sehr schwer empfunden, selber diese Krankheit zu verstehen und mich zurecht- bzw. wiederzufinden. Wie meine Familie sich verhalten hat,weiß ich gar nicht. Sie haben gesagt, dass sie Ahnung haben und verstehen, worum es geht, aber über die Jahre hinweg habe ich mehr und mehr rausgefunden, dass sie einfach sehr wenig darüber wissen. Vermutlich ist es auch normal, dass man sich als Betroffener stärker damit auseinander setzen muß. Mein Vater, in zweiter Ehe, ist schon da für mich, aber sehr reduziert. Er hat mir zwar mehrfach angeboten, dass ich auch mal ein paar Tage zu ihm kommen darf, wenn es mal richtig schlimm ist, aber eher lauwarm. Er scheint das ganze eher auf Abstand halten zu wollen, was mich viele Jahre sehr unglücklich gemacht hat. Inzwischen komme ich aber damit klar. Was mich sehr betrifft ist seine neue Frau, die mich mit richtiger Abneigung betrachtet, wann immer es möglich ist. Ich durchschaue es nicht ganz, da ich ihr schon mehrfach erklärt habe, dass die Krankheit organische Ursachen hat, aber sie scheint zu glauben, dass ich es selber verschulde. Starke Menschen sind nicht schizophren und eines schönen Tages hat sie mir verkündet, dass Schizophrenie ganz einfach asozial sei. Ich habe da, wie bereits gesagt, sehr drunter gelitten und es nicht verkraftet, dass mein Vater mit einer solchen Frau verheiratet ist (meine Mutter ist tot), aber nun, inzwischen habe ich es "wegsortiert" . ( Auf entsprechende Gespräche antwortet mein Vater, sie meine es nicht böse, wäre nur etwas "direkt") daher habe ich es für mich zum Glück schließlich abhaken können. Meine beiden Schwestern informieren sich selber nicht aktiv, hören mir aber gut zu, worüber ich sehr dankbar bin.
du siehst also, es ist ein sehr zweiseitiges Thema für mich. Ich bin mir natürlich bewußt, dass es sich um eine, auch für die Angehörigen, sehr belastende Krankheit handelt. Gerade deshalb finde ich dein Engagement toll und möchte dir einmal für deinen erkrankten Angehörigen dafür danken. Wie man aus meiner Erfahrung sieht ist das nicht unbedingt selbstverständlich. Ich wünsche dir viel Kraft und die nötige Souveränität, laß dich nicht unterkriegen, irgendwann wird es besser.
Liebe Grüße, Lutreola


nach oben springen

#5

RE: Das Leben eines Angehörigen

in Treffpunkt für Angehörige 08.04.2014 23:14
von Chosi (gelöscht)
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Chosi
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Hallo Hirnsehprogramm,

nun da kannst Du Dich wirklich glücklich Schätzen das Deine Familie und Freunde so hinter Dir stehen. Wenn ich den Beitrag von Lutreola lese, ja das ist ja das ganze Gegenteil. Mal eine Frage nebenbei, wenn ich auf "Antworten" drücke, kannst nur Du das dann Lesen oder die anderen auch?. Es wäre schade! Ja irgendwie habe ich immer noch nicht den richtigen Durchblick.

Also ich finde es wirklich klasse das Du da voll und ganz Unterstützt wirst, meine Hochachtung an Deine Familie. Ja daselbe wünschte ich mir auch von seitens meiner Frau´s Familie und Verwandschaft. Klug Quatschen können sie alle aber wirklich verstehen tun sie garnichts.

Ich habe mir auch damals, als sie an der Psychose erkrankt ist, viel, viel Wissen aneignen müssen um diese Krankheit richtig zu verstehen, auch mit ihrer MS aber eins wusste ich vorweg, wie real das für Betroffene ist. Ich rede jetzt von Stimmen hören. Ich hatte das damals bei der Armee gehabt, ausgelöst durch einen Sonnenstich, nun es ist vieleicht nicht ganz mit Schizophrenie zu vergleichen, kommt dem aber sehr nahe. Das war damals auch so ein typisches Armeesyndrom, na jedenfalls hörte ich meine Mutter immer im Nebenraum reden und das so klar als wäre sie wirklich da. Der Unterschied zur Psychose ist das ich aber völlig bei klaren Verstand war und das als nicht Real einschätzen konnte. Zur Sicherheit hat man mich dann aber trotzdem in ein Armeekrankenhaus geschafft. Dort war ich fast zwei Monate, danach wars dann auch wieder weg.

Es muss furchtbar für Euch sein, da kann ich Dir nur bei Seite stehen, in der Hoffnung das sich nicht nur Angehörige, sondern alle sich mal ein bisschen Zeit nehmen diese Krankheit Verstehen zu lernen und den nötigen Respekt und Verstandnis entgegen zu bringen.

So nun wird es aber wieder Zeit für mich, eine schöne und ruhige gute Nacht wünscht Euch Chosi!

Achso, ich kann mich leider erst am Donnerstag wieder melden, also Ihr anderen beiden lieben, ich hab Euch nicht vergessen. Bis Donnerstag!


nach oben springen

#6

RE: Das Leben eines Angehörigen

in Treffpunkt für Angehörige 08.04.2014 23:25
von silber (gelöscht)
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds silber
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Meine Tochter hatte vor 7 Jahren, mit 30, die erste Psychose.
Seitdem war sie nicht länger als 10 Monate stabil, musste immer wieder stationär behandelt werden.
In den ersten Jahren ihrer Krankheit habe ich alles versucht, um ihr zu helfen und beizustehen und war fest davon überzeugt, dass Heilung und ein gutes Leben für sie möglich sind.
In den letzten beiden Jahren hatte sie, nachdem sie ihr Medikament abgesetzt hatte, die bisher schwersten und längsten Psychosen. In dieser Zeit hat sie begonnen, mir die Schuld an ihrer Krankheit zu geben und mich zu hassen.
Seither wechseln sich Phasen von Vorwürfen, Beschimpfungen, endgültigem Abbruch des Kontaktes zu mir mit Phasen fast kindlicher Abhängigkeit und fordernder Haltung ab.
Ich habe mich zur Zeit sehr zurückgezogen und bemühe mich um innere Distanz. Am meisten macht mir zu schaffen, dass ich nicht mehr weiß, wer meine Tochter wirklich ist.
Ich habe immer wieder (im Gespräch mit anderen Familienangehörigen und Freunden) die Aussage gehört "Aber das ist doch nicht sie, das ist ihre Krankheit !".
Ist das wirklich so ?


nach oben springen

#7

RE: Das Leben eines Angehörigen

in Treffpunkt für Angehörige 09.04.2014 10:35
von Garfield (gelöscht)
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Garfield
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Wenn jemand wirklich eine ganz miese Kindheit hatte ist es erheblcih wahrscheinlicher daß derjenige eine Krankheit aus dem Spektrum der Persönlichkeitsstörungen entwickelt als eine Psychose.

Ich kenne allerdings eine Psychosebetroffene (über einen Verein) die ich schon lange VOR der Psychose kennengelernt hatte, und ich weiss von ihr daß sie eine extrem problematische Kindheit hatte und sie hat sich auch vor der Psychose schon ziemlich neurotisch verhalten.

Von daher, ich kann mir vorstellen daß starke innere Konflikte, das Unterdrücken von inneren Anteilen aufgrund von mieser Erziehung den Ausbruch der Krankheit begünstigt. Aber die Psychose hat eine starke organische Komponente, wenn man nicht organisch anfällig dafür ist, dann bekommt man auch keine, egal was vorgefallen ist. Aber wenn man anfällig ist kann schon einmaliger Drogenkonsum einen Ausbruch anschieben.

Es ist ihre Krankheit? Ich würde sagen, Jein. Auf der einen Seite stimmt es daß ein akut psychotischer Mensch wenig bis kein Steuerungsvermögen besitzt sondern der Wahn die Person beherrscht. Aber wenn man mit Hilfe der Medikamente zeitweise in der Lage ist zu reflektieren was vor sich geht dann hat man die Chance zu reflektieren was los ist.


Wenn die psychische Krankheit aber mal auf einem hohen Level so richtig chronfiziert ist dann würde ich auch sagen, aufhören das was die Person tut inhaltlich auf sich beziehen (ich kenne da eine manisch depressive Person die auf ihrer Krankheit komplett abgestürzt ist, und krankheitsbedingt nur noch seltsames Zeug macht und ein Fall für ein geschlossenes betreutes Wohnen ist. Wir musstem dem Verfall in den letzten 20 Jahren zuschauen.


Hat deine Tochter die Medikamente nach längerer Einnahme abrupt abgesetzt? Oder unter ärztlicher Aufsicht langsam ausgeschlichen?

Auf die Frage, wer deine Tochter ist würde ich sagen, sie ist ein MENSCH. Und zwar einer mit einer schweren psychischen Krankheit. Darüber hinaus würde ich dir raten, die Grübeleien wer deine Tochter ist einzustellen, weil sie nicht zweckdienlich sind.


1 Mitglied findet das Top!
zuletzt bearbeitet 09.04.2014 11:01 | nach oben springen

#8

RE: Das Leben eines Angehörigen

in Treffpunkt für Angehörige 09.04.2014 21:39
von silber (gelöscht)
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds silber
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Ja, meine Tochter hat ihr Medikament (Solian) immer wieder abrupt abgesetzt. Immer in Phasen, in denen es ihr gut ging, in denen sich ihre Lebenssituation verbessert hatte, in denen sie begonnen hatte zu arbeiten, eine Schulung zu machen oder ein neues Hobby (zuletzt Fotografie) gefunden hatte.
Im nachhinein hat sie darüber gesprochen und das damit begründet, dass sie geglaubt habe, sie sei gesund. Dabei ist sie eine hochintelligente Person und weiß von den Risiken, die das plötzliche Absetzen eines Neuroleptikums mit sich bringt.
Die heftigen Psychosen in den letzten Jahren haben dann immer alles zerstört, was sie versucht hat sich aufzubauen. Sie war mehrfach zwangseingewiesen und ist jetz besachwaltet.
Mir ist klar, dass Grübeleien mich nicht weiterbringen. Aber ich suche nach Wegen, mit dem, was ich mit meiner Tochter erlebt habe, umzugehen und es irgendwie zu verstehen und zu verarbeiten.
Drogen hat sie nie genommen und eine ganz miese Kindheit hatte sie sicher nicht.
Ihr Ex-Lebensgefährte, bei dem ihre Kinder leben, formuliert es immer so: "Sie ist wieder in ihrer Parallelwelt".
Mir kommt es so vor, als hätte sie in den letzten beiden Jahren ihre gesamte Geschichte und alle Beziehungen wie ein Drehbuch umgeschrieben und alles neu bewertet. Jedes negative Erlebnis in ihrer Vergangenheit ist ein Beweis für die Grausamkeit, Lieblosigkeit und Schlechtigkeit der Anderen (z.B. der Umzug der Familie vom Land in die Stadt als sie 7 Jahre alt war).
Das betrifft nicht nur mich, sie hat mit allen Freunden gebrochen - auch nach bitteren Vorwürfen und Anschuldigungen.
Und dabei leidet sie sehr unter Einsamkeit.
Ich habe mich, wie schon gesagt, sehr zurückgezogen - ich warte, bis sie von sich aus Kontakt zu mir aufnimmt und gebe keine unerbetenen Ratschläge.
Aber dabei habe ich Angst davor etwas zu übersehen, zu versäumen, nicht zu verstehen.
Und ich vermisse die liebevolle Begegnung, die Offenheit im Gespräch, das gegenseitige Vertrauen, die früher in der Beziehung zu meiner Tochter da waren.


nach oben springen

#9

RE: Das Leben eines Angehörigen

in Treffpunkt für Angehörige 09.04.2014 22:03
von comfortzone | 394 Beiträge | 533 Punkte
avatar_m
X

Auszeichnungen


des Mitglieds comfortzone
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Hallo

leider weiß ich nicht was besachwaltet bedeutet. Wenn ich mich nicht irre sollen die Medikamente geholfen haben, bis es wieder schlimmer wurde, weil Sie die Medikamente abgesetzt hatte.
Ich habe mal ein Wochenende gedacht ich stände über den Medikamenten und habe sie an einem Wochenende auf eigene Faust weggelassen. Mir wurde von Tag zu Tag komischer. Darauf habe ich sie wieder normal genommen und fühlte mich nach ein paar Tagen besser. Vielleicht hilft es, wenn man sie auf die Medikamente anspricht und immer daran erinnert.

Bei den anderen Punkten bin ich selber was im Zwiespalt und kann keine klare Aussage treffen


nach oben springen

#10

RE: Das Leben eines Angehörigen

in Treffpunkt für Angehörige 09.04.2014 22:38
von silber (gelöscht)
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds silber
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Besachwaltet bedeutet, sie hat die Selbstverantwortung für die materielle Seite des Lebens abgegeben. Von ihren ohnehin geringen Bezügen aus der Berufsunfähigkeitsrente plus Aufstockung zur Mindestsicherung gehen jetzt noch die Kosten des Sachwalters weg.
Sie bekommt 10 EUR pro Tag zum Leben.
Aber sie selbst sagt, das wäre die bessere Alternative. Denn sie verschenkt Geld, verspielt Geld, verliert Geld, könne damit nicht umgehen.


nach oben springen

#11

RE: Das Leben eines Angehörigen

in Treffpunkt für Angehörige 10.04.2014 21:31
von Chosi (gelöscht)
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Chosi
Gold
Gold
Silber
Silber
Bronze
Bronze
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal

Bester User-Support
Bester User-Support
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Goldene Feder
Goldene Feder
Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Hallo da bin ich wieder,

erstmal möchte ich mich ganz herzlich für die rege Teilnahme an meinem Beitrag bedanken und freue mich das ich solch ein großes Interesse bei Euch gewegt habe. Es ist erstaunlich wie hoch das Spektrum und wie unterschiedlich die Auswirkung auf Betroffene sowie Angehörige dieser Erkrankung wirkt bzw. beinflusst. Bei einem steht die ganze Familie dahinter, bei einer das ganze Gegenteil, bei einer stellt sich die Betroffene selbst Quer, anderen ist die Familie eigentlich egal und bei meiner Frau ist es, das sie keine Hilfe annimmt.

Nun ich denke das ist nur ein Bruchteil vom ganzen, die Spitze vom Eisberg, ja eine Thematik die sehr, sehr breit gefächert ist und sich als äußerst schwierig gestaltet. Vieleicht ist das die Scheu einiger Angehöriger oder Aussenstehender sich mit diesem Thema zu befassen, die lieber den leichten Weg gehen oder wie manche sagen, "das Thema würde ich nicht mal mit der Kneifzange anfassen". Ich glaube Lutreola das ist das Problem in Deiner Familie. Wie Du selbst schon geschrieben hast, auf Abstand gehalten, Abneigung ja sogar assozial, spätestens da hätt ich ihr eine geklatscht. Ja es ist leicht jemanden als Irre abzustempeln zu beleidigen zu kränken. Richtig ist es, das es für Angehörige eine sehr, sehr belastende Erkrankung ist aber für den Betroffenen doch genauso oder?

So morgen gehts weiter, bis dahin wünsch ich Euch alles Liebe

Chosi


nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Erinnerungen an ein anderes Leben
Erstellt im Forum Betroffenen-Literatur von MDark
82 10.11.2015 21:44goto
von MDark • Zugriffe: 5203
Die Psychose hat mein Leben verändert
Erstellt im Forum Erfahrungsberichte von Smilla
9 18.01.2017 16:13goto
von Sartorius77 • Zugriffe: 2448
Narrationen - Wie Geschichten, die wir uns selbst immer wieder erzählen unser Leben beeinflussen
Erstellt im Forum Allgemeines von Serendipity
1 08.04.2014 19:07goto
von Isabell • Zugriffe: 448
Google Translator

Besucher
10 Mitglieder und 32 Gäste sind Online:
Jela, erdbeere, Henri, Sirod, Sonnenschein, escargot, Sartorius77, PapaRa113, Gordo_Pelican, Eleonore

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Lisa
Besucherzähler
Heute waren 759 Gäste und 47 Mitglieder, gestern 2098 Gäste und 69 Mitglieder online.


Xobor Ein eigenes Forum erstellen