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#1

Sendung über "Mord in der Familie" mit schizophrenem Beigeschmack

in Schizophrenie in den Medien 07.04.2014 11:26
von frog91 | 319 Beiträge | 845 Punkte
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Hallo Leute,

am Wochende bin ich beim Zappen auf die Themensendung von Maischberger über "Mord in der Familie" gestoßen. Dabei saß ein Mann, dessen Frau unerkannt an Schizophrenie erkrankte, und ihren Sohn im Schlaf tötete, weil sie Wahnvorstellungen über den Weltuntergang hatte. Mich hat es wütend gemacht, dass mal wieder so einseitig und unbedacht über die Erkrankung Schizophrenie geredet wird. Meiner Meinung nach, hätte, auch wenn es nicht um das Thema direkt ging, noch ein netter kommunikativer Psychose-Erkrankter dabei sitzen müssen, der den Leuten erzählt, dass nicht jeder Schizophrene gleich auf seine Kinder losgeht.

Was denkt ihr darüber? Sehe ich das zu eng? Oder wird hier die Angst der Bevölkerung geschürrt?

Auch glaube ich nicht daran, dass eine Mutter von heute auf Morgen ihre Kinder opfert. Ich kann mir das einfach nicht ohne Vorgeschichte vorstellen. Auch wenn sie für unzurechnungsfähig erklärt wurde.

http://www.daserste.de/unterhaltung/talk...amilie-100.html

lg,
frog


zuletzt bearbeitet 07.04.2014 11:26 | nach oben springen

#2

RE: Sendung über "Mord in der Familie" mit schizophrenem Beigeschmack

in Schizophrenie in den Medien 07.04.2014 11:39
von Garfield (gelöscht)
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Interessant!

Aber in dem Fall ging es ja nicht um Schizophrenie sondern um Mord in der Familie und das mit der Schizophreniebetroffenen war nur einer der hier vorgestellten Fälle.


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#3

RE: Sendung über "Mord in der Familie" mit schizophrenem Beigeschmack

in Schizophrenie in den Medien 07.04.2014 11:54
von ScheissLebenGeh_tWeiter (gelöscht)
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Hallo,

dann möchte ich auch nochmal meinen Senf dazugeben.

Ich persönlich halte nichts davon, den Medien nun die Schuld dafür zuzuschieben, wenn von Schizophrenen mal wieder Gewalttaten verübt werden.
Lange bevor ich etwas mit dem Thema zu tun hatte, wurde eine Frau aus meinen Haus von einem Geisteskranken am hellichten Tage in einer Einkaufspassage ermordet, zu der der Mörder zuvor keine Bekanntschaft gehabt hatte.

Ich selbst habe zwar keinen Menschen auf dem Gewissen, neigte während meiner ersten beiden schizophrenen Episoden aber zu aggressivem und gewalttätigem Verhalten. Sicher korrespondiert der "Grundcharakter" einer Person in Zusammenhang mit möglichen anderen Komorbiditäten, wie es im Psychiaterjargon so schön heißt, wie beispielsweise Trunksucht mit der Gewalttätigkeit, aber selbst ich, der ich im Grunde ein wirklich friedfertiges bis langweiliges Kerlchen bin und zu keiner Schandtat imstande, habe beinahe eine Frau überfahren, weil mich ihre orangefarbene Jacke derart aggressiv hat werden lassen, weil Farben eben u.a. Inhalt meiner zweiten nicht versorgten Psychose gewesen sind, während der ich leider Auto gefahren bin.

Ich finde dieses politisch Korrekte Lamentieren, dass von Schizophrenen ausgehende Gewalt nicht verschwiegen wird, unangemessen.
Hier wurde an anderer Stelle fälschlicherweise behauptet, dass es unter Schizophrenen statistisch gesehen keine Häufung von gewalttätigen Verhalten gäbe. Ist gibt statistische Erhebungen, die das Gegenteil nahelegen

Mir erschließt sich auch die Intention einer Tabuisierung nicht. Früher oder später kommen die gewalttätigen Exazerbationen doch ans Tageslicht und alle werden Lügen gestraft, die im Sinne jeder aberwitzigen Entstigmatisierungskampagnen zuvor den friedfertigen Schizophrenen das Wort geredet hatten. Das Geschrei in der Bevölkerung und das Echo in den Medien wird ob einer solchen bewussten Irreführung dementsprechend größer sein. Entstigmatisierung durch Tabuisierung aber ist meinen Augen nicht der richtige Weg.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich, auch das sollte man nicht verschweigen, von schizophrenen Pychosen Betroffene, die während ihrer akuten Phasen Opfer von Gewalttaten anderer werden, weil sie die Kontrolle über die Funktionsweisen des Alltags (kurzzeitig) verloren haben.

Zusammengefasst lasse ich mich hier vielleicht zu der Aussage hinreißen: Nicht jeder Schizophrene ist ein Mörder, aber mancher ungeplante wie planlose Mord hat vielleicht einen schizophrenen Hintergrund.


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zuletzt bearbeitet 07.04.2014 11:57 | nach oben springen

#4

RE: Sendung über "Mord in der Familie" mit schizophrenem Beigeschmack

in Schizophrenie in den Medien 07.04.2014 12:03
von Isabell (gelöscht)
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Hi Frog,

ich finde, es spricht grundsätzlich nicht gerade für die Qualität eines Drehbuches, wenn man Mord und Totschlag mit einer Geisteskrankheit begründet. Leider ist das sehr häufig der Fall und ich bekomme da auch immer Bauchschmerzen, wenn sich am Ende des Films herausstellt, dass der Mörder einfallsloserweise schizophren ist. Der Grundgedanke ist dabei wohl, dass gesunde Menschen keine Verbrechen begehen, sondern nur Psychopathen. Schizophrene sind aber nicht grundsätzlich Psychopathen, psychopathologische Tendenzen können sich viel subtiler äußern und von einem Krimi im Abendprogramm wünsche ich mir auch mehr Subtilität und Tiefe als dass nur mal wieder der Gärtner der Mörder war.

Du sprichst nun von einer bestimmten Sendung und nicht von einem Film. "Menschen bei Maischberger" habe ich noch nie gesehen und jetzt bin ich froh, dass mir sowas bisher erspart geblieben ist. Ich finde auch, die öffentlich-rechtlichen Sender spielen sehr viel mit solchen platten Klischees, ich ärgere mich dann immer über die Rundfunkgebühren.

Den Machern solcher Sendungen und Filme ist wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass sie damit zum schlechten Ruf von psychisch Kranken beitragen. Das Konzept von diesen Sendungen ist karoeinfach und soll wohl vor allem seichte Unterhaltung anbieten.

LG,
Isa


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#5

RE: Sendung über "Mord in der Familie" mit schizophrenem Beigeschmack

in Schizophrenie in den Medien 07.04.2014 12:09
von frog91 | 319 Beiträge | 845 Punkte
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Hallo SGW,

Ich finde solche Darstellungen einfach als unzureichend. Kann sein, dass es unter Erkrankten solche und solche gibt. Aber die Darstellung und die Sachen die der Ehemann durcheinander bekommt, behagen mir nicht.Recht muss ich dir geben, dass man der Realität auch ins Auge blicken muss, und dass Gewalttaten bei psychisch Kranken vorkommen, auch wenn es nicht die Regel ist. Trotzdem kann ich mich überhaupt nicht damit identifizieren.

lg,
frog


zuletzt bearbeitet 07.04.2014 12:10 | nach oben springen

#6

RE: Sendung über "Mord in der Familie" mit schizophrenem Beigeschmack

in Schizophrenie in den Medien 07.04.2014 12:36
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Also ehrlich gesagt, ich kann mir nicht vorstellen daß ein Mensch der einen Familienangehörigen umbringt bzw dies versucht psychisch völlig gesund ist.

Aber ich vermute mal daß bei Gewaltdelikten die Psychosen nicht unbedingt den grössten Anteil haben. Ich sehe da mehr Potential bei Menschen mit gewissen Formen von Persönlichkeitsstörungen


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#7

RE: Sendung über "Mord in der Familie" mit schizophrenem Beigeschmack

in Schizophrenie in den Medien 07.04.2014 13:16
von ScheissLebenGeh_tWeiter (gelöscht)
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Zitat von Garfield im Beitrag #6
Also ehrlich gesagt, ich kann mir nicht vorstellen daß ein Mensch der einen Familienangehörigen umbringt bzw dies versucht psychisch völlig gesund ist.


Ich im Grunde dagegen sehr wohl. Es gibt so viele, oftmals rational (scheinbar) "gute", Gründe, einen anderen Menschen umzubringen. Rache für Demütigungen, Missbrauch u.v.a.m. - auch und gerade im familiären Bereich. Freunde kann man sich bekanntlich aussuchen, mit denen aber, mit denen einen die Familienbande unaufhebbar bis an das Lebensende zusammenknüpft, ist man, ob gewollt oder nicht, für Zeitspannen des Lebens jedenfalls, örtlich umso näher dran.

Ich halte dagegen überhaupt nichts von allgegenwärtiger Pathologisierung und der Überstrapazierung des Etiketts von psychischer Krankheit bzw. Gesundheit.
Nach der Lesart wäre Kain nicht der erste Mörder der Geschichte, sondern der erste Persönlichkeitsgestörte, demnach seine Eifersucht auf den Bruder als eine behandlungsbedürftige Persönlichkeitsstörung hätte therapiert werden sollen.

Zitat von Garfield im Beitrag #6

Aber ich vermute mal daß bei Gewaltdelikten die Psychosen nicht unbedingt den grössten Anteil haben. Ich sehe da mehr Potential bei Menschen mit gewissen Formen von Persönlichkeitsstörungen


Beispielhaft nur zwei Fälle von Tausenden/Millionen:

1)Die nicht verhinderte "Dramaturgie" einer Psychose

Geisteskranker tötet in Passau zwei Frauen

Passau (ddp). Ein offenbar geistesgestörter Mann hat im bayerischen Passau zwei Frauen getötet. Wie die Polizei mitteilte, stach der 28-Jährige am Dienstagvormittag in einem Kaufhaus in der Innenstadt mit einem Klappmesser eine Frau nieder. Die 61-Jährige erlag einige Stunden später ihren schweren Verletzungen. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Mannes in Thyrnau im Landkreis Passau entdeckten Polizeibeamte auch noch die Leiche seiner 22-jährigen Freundin. Die junge Frau hatte der Mann offenbar einige Stunden zuvor ebenfalls erstochen.

Nach der Messerattacke in dem Kaufhaus wurde der Mann von zwei Angestellten verfolgt, die ihn gemeinsam mit einem zufällig anwesenden Polizisten überwältigten. Mit einem Klappmesser hatte er auf einer Rolltreppe des Einkaufszentrums «Donaupassage» mehrmals von hinten auf die zufällig vor ihm stehende 61-jährige Frau eingestochen. Die Frau wurde mit schweren Verletzungen an Hals und Rücken ins Krankenhaus gebracht. Zunächst schien sie nach Auskunft der Ärzte außer Lebensgefahr, erlag dann jedoch den schweren Schnittverletzungen und Stichwunden. Nach Angaben der Polizei hatte der Mann zu der Frau keinerlei Beziehung.

Im April 2000 war der 28-Jährige wegen geäußerter Selbstmordabsichten in das Bezirkskrankenhaus Mainkofen gebracht worden. Damals wurde bei ihm eine akute Psychose diagnostiziert. Zum Motiv für seine Taten gebe es noch keine Erkenntnisse, sagte ein Polizeisprecher. (17.09.2002)

Zeitung: Möglicherweise Justiz-Skandal um Passauer Messerstecher

Passau (ddp-bay). Die Bluttat des psychisch kranken Johannes D., der vor einer Woche zuerst seine Freundin in der gemeinsamen Wohnung und anschließend eine unbeteiligte 61-jährige Passantin in einem Passauer Einkaufszentrum erstochen hat, hätte womöglich verhindert werden können. Der laut psychiatrischen Gutachten unter "endogenen Psychosen" leidende Täter hatte im Juni 2001 einen Rechtsanwalt als amtlichen Betreuer zur Aufsicht gestellt bekommen, berichtet die "Passauer Neue Presse" (Mittwochausgabe). Doch diese Betreuung habe das Vormundschaftsgericht am 11. Februar 2002 auf Antrag des 28-Jährigen wieder aufgehoben - gegen den ausdrücklichen Rat des betreuenden Anwalts. Der Betreuer hätte unter anderem darauf geachtet, dass sein Mandant die ihm ärztlich verordneten Medikamente regelmäßig in so genannten Depot-Spritzen verabreicht bekam.

Über die Gründe des Aufhebungsbeschlusses wollte das zuständige Amtsgericht Passau aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nach Angaben des Blattes noch keine Angaben machen. Es solle aber auch schon Kritik aus der Ärzteschaft über einen angeblich zu laschen Umgang der Passauer Justiz mit Betreuungsfällen gegeben haben. (25.09.2002)


2)"Die wahre Geschichte eines Mannes, der seinen Vater getötet hat":

http://www.welt.de/vermischtes/article13...nen-Vater.html#
(Amerk.: Er wird die schizophrene Psychose kaum bestreiten, denn anschließend schrieb er ein Buch darüber.)


zuletzt bearbeitet 07.04.2014 13:32 | nach oben springen

#8

RE: Sendung über "Mord in der Familie" mit schizophrenem Beigeschmack

in Schizophrenie in den Medien 07.04.2014 13:48
von snuggles (gelöscht)
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Zitat
Beispielhaft nur zwei Fälle von Tausenden/Millionen:



Ist das dein Ernst? Du zitierst einen Zeitungsartikel, um das Gewaltpotential von psychisch Kranken zu beweisen?

Also eine Studie dazu wäre mir lieber, dann aber bitte auch die entsprechende Gegenstudie.

Am Ende werden wir dann alle feststellen, dass wir gar nichts bewiesen haben, weil ein Beweis nicht möglich ist.

MfG


1 Mitglied findet das Top!
zuletzt bearbeitet 07.04.2014 13:50 | nach oben springen

#9

RE: Sendung über "Mord in der Familie" mit schizophrenem Beigeschmack

in Schizophrenie in den Medien 07.04.2014 14:13
von ScheissLebenGeh_tWeiter (gelöscht)
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Zitat von snuggles im Beitrag #8

Zitat
Beispielhaft nur zwei Fälle von Tausenden/Millionen:


Ist das dein Ernst?



Ja, bitterer sogar.

http://www.lapkmv.de/psychisch-kranke-re...medien-_52.html

http://www.psychosoziale-gesundheit.net/...nie_gewalt.html

Wenn du richtig gelesen hast, habe ich oben von meinen eigenen Erfahrungen als Schizophrener berichtet. Als Betroffener mit besonders schwerem Verlauf könnte man also sagen, gelte ich gewissermaßen als exemplarisch für diese "Krankheit." Infos aus erster Hand sozusagen.

Wenn du darüber hinaus noch den vorhin zitierten Gerichtsbeschluss des LG Bochum von 2010 gelesen hättest, der als der von dir erwünschte Beweis für eben diesen schizophrenen Verlauf herhalten kann, wüsstest du bereits Bescheid über mein eigenes Gewaltpotential als Schizophrener.
Wobei man dazu sagen muss, dass all das, was ich tatsächlich verbockt habe, natürlich in keinem Beschluss der Welt festgehalten worden ist, eben weil es unentdeckt geblieben ist und ich niemandem davon erzählt habe. Nur so viel: Niemand wurde getötet oder verletzt. Und das ist (-nicht zuletzt mein-) großes Glück.
Vor weiterem Unglück möchte ich die Welt bewahren. Was mich betrifft, ist das ein Versprechen. Und mit mir hat es seit dem auch keine Probleme mehr gegeben, seit ich weiß, dass das, was in der Psychose alles passiert, nicht wirklich passiert und man mithilfe gering(st)er Dosen von Neuroleptika Abhilfe schaffen kann.


zuletzt bearbeitet 07.04.2014 14:19 | nach oben springen

#10

RE: Sendung über "Mord in der Familie" mit schizophrenem Beigeschmack

in Schizophrenie in den Medien 07.04.2014 14:20
von Serendipity | 279 Beiträge | 781 Punkte
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Ich möchte auf ein Buch des Psychiaters Thomas Stompe "Vom Wahn zur Tat - wahre Fälle aus der forensischen Psychiatrie" verweisen.
Er ist Leiter eines psychiatrischen Gefängnisses in Österreich ( Maßnahmenvollzug nach 21/1 StGB - unzurechnungsfähige geistig abnorme Rechtsbrecher; heißt in Deutschland Maßregel).

Er schreibt, daß zwar prozentual mehr Schizophrene als Gesunde aus der Gesamtbevölkerung ein Delikt begehen, da aber die Gruppe der Schizophrenen kleiner ist, ist die Wahrscheinlichkeit größer, von einem Gesunden ermordet zu werden - und da wieder vom Beziehungspartner in den eigenen vier Wänden.

Österreich hat ca. 8 Mill. Einwohner, wovon im Jahre 2009 268 wegen Tötungsdelikten im Maßnahmenvollzug saßen, das sind 19 % der schizophrenen Gefangenen. Die meisten Schizophrenen im Maßnahmenvollzug sitzen wegen gefährlicher Drohung, Nötigung oder schwerer Körperverletzung. Wer im Rahmen seiner Einweisung einen Polizisten physisch auch nur leicht verletzt, wird als schwere Körperverletzung in den Maßnahmenvollzug gebracht!

Erwähnt wird u.a. ein Fall, wo ein junger Mann sich von Zeitungskolporteuren verfolgt gefühlt hat und irgendwann einen mit einem Messer getötet hat. Ein anderer hatte seine Freundin plötzlich als Vampir halluziniert und sie getötet. ...
Da kommen schon ganz spezielle Wahrnehmungen vor.

Ich kenne einige, die Stimmen hören, daß sie jemanden töten sollen. Die haben das aber nicht umgesetzt! Eine Frau hat es als Zeichen gesehen, sich von ihrer Mutter (die sie laut Stimme töten sollte) abnabeln soll, um ihr eigenständiges Leben als erwachsene Frau zu leben. Nicht jeder, der halluziniert oder einen Wahn hat, tötet oder ist aggresiv und verletzt jemanden. Das sollte unterschieden werden!

Wahrscheinlich ist das Buch von Mathias Illigen "Ich oder Ich" gemeint, wo ein Philosophiestudent beschreibt, wie es dazu kam, daß er seinen Vater mit einem Bügeleisen erschlagen hat. In einem offiziellen Psychopathie-Test konnte ihm keine Psychopathie nachgewiesen werden. Wenn man jedoch sein Buch liest, konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß er viele Merkmale einer Persönlichkeitsstörung zeigt und keine Verantwortung für seine Tat übernimmt. Die böse Schizophrenie hätte ihn dazu getrieben, so als hätte das alles nichts mit seiner Persönlichkeit zu tun. Es gab einen Aufschrei in Österreich, weil Illigen nach nur vier Jahren wieder aus dem Maßnahmenvollzug entlassen wurde. Ein Mörder bekommt bei einem Strafmaß von 10 Jahren bis lebenslänglich erst nach mind. 15 Jahren die Chance of vorzeitige Entlassung.


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#11

RE: Sendung über "Mord in der Familie" mit schizophrenem Beigeschmack

in Schizophrenie in den Medien 27.04.2014 17:42
von lutreola | 566 Beiträge | 2767 Punkte
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Hallo alle miteinander,
ich will mich hier in eure Diskussion gar nicht einmischen, sondern einmal einen ganz anderen Gedanken äußern, der mir beim Lesen dieses Beitrages nicht aus dem Kopf will. Eine Schizophrene tötet also ihr eigenes Kind. So, jetzt frage ich mich aber einmal, was denn im Vorfeld zu dieser Tat passiert ist. Ich habe den Filmbeitrag nicht gesehen, aber erzählt mir doch mal bitte nicht, dass diese Frau völlig klar war und dann, von jetzt auf gleich, ins Schlafzimmer ihres Kindes geht und es im Wahn tötet. Ich könnte dafür auch ein ganz neues Thema öffnen, aber ich habe das Gefühl, dass es hier an dieser Stelle auch ganz gut passt. Ich für meinen Teil bin schockiert, was es da Draußen für sonderbare Beziehungen gibt. Es ist doch nicht normal, dass mein Partner psychotisch wird, wahnhafte, gefährliche Ideen entwickelt und ich bekomme davon so gar nichts mit? Ich habe mir das schon oft gedacht, wenn ich, auch hier in diesem Forum, einige der Beiträge lese. Beziehungspartner fühlen sich von Regierungen verfolgt, wittern entsetzliche Komplotte, sehen Außerirdische und grüne Männchen durch das Wohnzimmer wandern und alles, was so ein Partner macht, ist sich etwas zu wundern und nach zwei Monaten totalem Wahn und Kontrollverlust ein Schizophrenieforum zu kontaktieren??? Niemand fragt einen Psychater oder die Polizei oder wer weiß wen um Rat??? Da muß sich dann im Nachhinein niemand wundern, wenn entsetzliche Dinge passieren. Ich bin auch im Wahn nicht gewalttätig geworden, aber in dieser Frau kann eine vollständig, verzweifelte Mutter sitzen, die jetzt ihr eigenes Kind getötet hat, weil niemand sie hat einweisen lassen. Wie gesagt, ich habe den Bericht nicht gesehen, aber ich frage mich echt, was für Partner sind das, die einen Menschen damit herumlaufen lassen? Und dann heißt es, die bösen Schizophrenen. Man muß einfach doch bitte sehr auch mal Mitleid mit den Erkrankten haben, die teilweise im Wahn schon entsetzliche Dinge versehentlich getan haben. Wieviele z. B. haben sich selber umgebracht? Ich bin meiner Familie jedenfalls sehr dankbar, dass sie mich in eine psychatrische Klinik bugsiert haben, als ich "sonderbar" wurde. Und sie haben es auch bemerkt, ohne dass wir zusammenwohnten. Wer weiß, was sonst noch alles passiert wäre. Also hier bitte einmal mein Statement: Was jeder im Wahn tut ist glaube ich sehr unterschiedlich und wird wohl auch in bestimmten Maßen auf den Charakter zurückzuführen sein. Erschreckend ist aber, wie entspannt Freunde und Familie damit umgehen. Scheinbar dauert es oft ewig, ehe ernstzunehmende Schritte zur Hilfe eingeleitet werden. Dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn es auch zu schlimmen Ereignissen führen kann. Und eines sage ich euch, ich finde Menschen psychisch nicht normal, die monatelang mit einem wahnhaften, paranoiden Partnerzusammenleben und der Meinung sind, immer noch eine Beziehung zu führen.
endlich habe ich mich einmal ausgeschimpft,
liebe Grüße


zuletzt bearbeitet 27.04.2014 18:06 | nach oben springen

#12

RE: Sendung über "Mord in der Familie" mit schizophrenem Beigeschmack

in Schizophrenie in den Medien 28.04.2014 04:27
von BerndEb (gelöscht)
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@lutreola ,

meine Erfahrung ist: Die Angehörigen bzw Partner sind oft hilflos, was die Symptome der Schizophrenie bzw der Depression angeht. Manche erkennen das nicht mal als Krankheit. Mein Vorschlag wäre daher, eigene Unterrichtseinheiten zum Thema "Psychische Krankheit" in die Schul- und Berufsausbildung aufzunehmen. Kürzlich habe ich zB mit meinem Vater über sein Verhalten während meines letzten Schubes und der anschließenden Antriebslosigkeit gesprochen: Er sagte, er wäre hilflos gewesen, bis ich ihm während der Behandlung der auf den Schub folgenden Depression eine Comic-Broschüre für Angehörige meiner Psychotherapeutin gegegben hatte. Ich möchte daher ausdrücklich alle Leser des Forums ermutigen, ihre Psychotherapeuten und Psychiater nach Material für Angehörige und den Möglichkeiten, Angehörige in die Behandlung einzubeziehen, zu fragen oder die Angehörigen einfach mal zu einem Termin zwecks Aufklärung und Mitwirung an der Behandlung mitzunehmen.

Was die Persönlichkeitsstörungen bei Schizophrenie angeht: Mein ehemaliger Psychiater aus Darmstadt hat mir auch gesagt, dass der Schizophrenie oft eine Persönlichkeitsstörung zugrunde liegt. Leider hat er mich fälschlich in der Beziehung als "austherapiert" abgestempelt ... aber das ist eine andere Geschichte. Meine eigenen Nachforschungen haben dann ergeben, dass Persönlichkeiten, die gegenüber Anderen distanziert, ja reserviert und selbst höchst empfindlich sind, Schwierigkeiten im Umgang mit ihren eigenen Gefühlen haben und gegenüber anderen nur eine geringe "empathische" Verbindung haben, bei entsprechenden Lebensereignissen sshizophrenie-gefährdet sind. Daher scheint mir was dran zu sein, dass mangelndes Selbstbewußtsein ("Ich-Schwäche" bzw. "Ich-Entwicklungsdefizite") Grundlage einer Schizophrenie sein können. In meinem eigenen Fall bestand tatsächlich die Mutter-Kind-Symbiose in das Erwachsenenalter hinein und war eine Grundlage der paranoiden Schübe.

Das Kernproblem dieser fortbestehenden Mutter-Kind-Symbiose war, dass ich keine eigene Wahrnehmung der Welt und von mir selbst entwickeln, und eigene Gefühle und Bedürfnisse spüren und äußern konnte. Mein Vater hat mir dazu gesagt, dass meine Mutter mich nie wirklich angenommen hätte. Dazu kam, dass ich kurz nach der Geburt an einer lebensgefährlichen Nierenbeckenentzündung erkrankte, was zu einem längeren Krankenhausaufenthalt und einer weitgehenden Trennung von den Eltern führte. Man kann sich sicher vorstellen, dass das Fehlen der Mutter in den ersten Lebenswochen einen frühzeitigen Abbruch der Mutter-Kind-Symbiose bedeutet haben könnte - auf jeden Fall aber schon aufgrund der Erkrankung Todesangst bestand. Bei einem solchen Kampf ums Überleben kann man als Säugling wohl keine anderen Gefühle spüren, als Todesangst. Möglicherweise war ich deswegen bis ins Erwachsenenalter von vielen Gefühlen weitgehend "entkoppelt" und es gab nur "Gut" und "Böse" - Mutter ist da - gut, Mutter ist weg - böse.

Offensichtlich habe ich bis ins Erwachsenenalter hinein die (schizomanische) Verschmelzung mit meiner Umwelt gesucht und habe diese nach Ende dieser schizomanischen Idealisierungsphase -jedesmal, wenn mir bewußt wurde, es ist doch alles "normal"- abgebrochen und meine Ängste in Form von Paranoia auf die Umwelt projeziert - anstatt um die "verlorene" Symbiose zu trauern und mich entgültig von meinem symbiotischen Ersatzmutter-Bindungsmuster zu distanzieren.

Aber ein bischen Verschmelzung mittels Empathie bzw Liebe ist normal ...


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