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#1

Patchwork-Roman

in Spiele 26.08.2012 04:46
von Demented (gelöscht)
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Hatte die Idee bereits für ein anderes Forum und finde das sehr interessant.

So funktioniert es: Jeder nimmt sich aus dem Bücherregal wahllos 4-5 Bücher und und schreibt nach dem Zufallsprinzip drei Sätze heraus, die hier im Rahmen eines Patchwork-Romans aneinandergereiht werden.

Ich beginne mal, damit das klar wird.

Anfang

Wir suchen, wohin das Hellsehen verschwunden sei. Ein Fluss versiegt im Boden. Plötzlich taucht weit davon entfernt ein anderer Fluss auf, der nie vorher an dieser Stelle zu sehen war, der mindestens in diesem trockenen Gebiet keine Quelle hat. Sein Schlaf war ein gesunder, doch wiederholten sich die Träume der vergangenen Nacht, und ihre wollüstigen Sensationen setzten ihm in noch stärkeren Maße zu. Die männlichen, versucherischen Visionen fluteten an seinem inneren Auge vorbei: Matilda, im vollen Glanze ihrer Schönheit, in all ihrer lebenswarmen und zärtlichen Üppigkeit, zog ihn an ihre Brüste, herzte und küsste ihn, ja erwies ihm die brennendsten Liebkosungen, welche er nicht minder eifrig wiederholte! Er sah ein kleines Kind sich nach der Türklinke des Bäckerladens strecken und sie mit dem Händchen nicht erreichen. Dem konnte er helfen, und manchmal fand sich auch einer, der noch ärmer war als er selbst, ein Blinder oder Gelähmter, dem er ein wenig auf seinem Wege helfen und wohltun konnte. Und wo er das nicht konnte, da gab er doch freudig das wenige, was er hatte, einen hellen, gütigen Blick und einen brüderlichen Gruß, eine Gebärde des Verstehens und des Mitleidens. Möglicherweise war ich der einzige Mensch auf der Welt, der Moses sah und seine kleinen Kopien, die auf Fahrrädern über die Bühne fuhren, doch die Sequenz als solche entsprach durchaus jenen neuartigen Kombinationen und Reproduktionen von Vorstellungsbildern, von denen alle Psychonauten berichteten. Das Drama ihrer Halluzinationen mochte andere Schauspieler und Kulissen haben, doch richteten sich alle nach der gleichen Grundstory. Wie aber konnten wir auf dem Vorhang genau dieselbe Szene mit den Dutzenden von Augen sehen?

Aus: Ernst Bloch - Geist der Utopie, M.G. Lewis - Der Mönch, Hermann Hesse - Die Märchen und Ronald K. Siegel - Halluzinationen


zuletzt bearbeitet 26.08.2012 04:48 | nach oben springen

#2

RE: Patchwork-Roman

in Spiele 04.09.2012 22:47
von Melody (gelöscht)
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Dieser Mann hatte nur für sich selbst gelebt. Zur strengen und verdienten Strafe war niemand an sein Sterbebett gekommen, um ihm die Augen zuzudrücken. Dieses Bild erteilte mir eine letzte Warnung: es war noch Zeit, ich konnte umkehren. Ich richtete mich auf einem Ellenbogen auf; der Kopf war mir merkwürdig schwer. Caterina, die am Kopfende stand, sah mich an wie erstarrt.
- "Aber was ist denn los?"
- "Herr Doktor, vollendete Manieren bei etwas nachlässiger Toilette. Scheu bis zur Demütigkeit. Von ausgesuchter Höflichkeit, anders als einige andere Herrschaften, die zu uns kommen - wie letzthin diese russische Dame."
Petit-Paysan sah den Unterbuchhalter ruhig an, legte den Band Hölderlin auf das grüne Spieltischchen, setzte sich, lud mit einer Handbewegung Archilochos ein, sich ebenfalls zu setzen. Sie saßen einander im Sonnenlicht gegenüber, auf weichen Polstern, Archilochos wagte kaum zu atmen, so feierlich kam ihm die Szene vor. Endlich würde er den Grund der rätselhaften Vorfälle vernehmen, dachte er.
"Because of their ignorance", las ich darin, "people are always thinking wrong thoughts and always losing the right viewpoint and, clinging to their egos, they take wrong actions. As a result, they become attached to a delusive existence."
Ich war mir nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden hatte, aber der letzte Satz veranschaulichte wunderbar meinen gegenwärtigen Zustand; er verschaffte mir genügend Erleichterung, um die Zeit bis zum Frühstück überbrücken zu können. Am Nachbartisch saß eine Gruppe von riesigen amerikanischen Schwarzen, man hätte sie für eine Basketballmannschaft halten können.


Aus: Jean-Paul Sartre - Der Ekel, Simone de Beauvoir - Alle Menschen sind sterblich, Irvin D. Yalom - Und Nietzsche weinte, Friedrich Dürrenmatt - Grieche sucht Griechin, Michel Houellebecq - Plattform


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#3

RE: Patchwork-Roman

in Spiele 05.09.2012 17:34
von cameron (gelöscht)
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Die erste wilde Reue, mit ihren Bekenntnissen unter die Leute gegangen zu sein, hat sich gelegt.
Dem Clemens, der sich empört stellt, der wohl empört ist, spielt sie Gelassenheit vor.
Aber ein feines Gift ist aus diesen Zeilen in sie eingedrungen, untilgbar, und eine neue Art von Furcht.
Sie will kein gemächliches kraftloses Erben, kein bloßes Fortsetzen und Weitertun von einem zum andern Geschlecht: immer stößt sie erst Gegensatz zwischen die Gleichgearteten und gestattet nur nach mühseligem und fruchtbarem Umweg dem Späteren Einkehr in der Voreltern Bahn.
Genug, daß mein Vater die Wissenschaft heilig sprach, und doch empfand meine Selbstbehauptung sie als bloßes Klügeln mit Begriffen; weil er die Klassiker als Muster pries, schienen mir sie lehrhaft und darum verhaßt.
Nun steckt aber in jedem Fall, auch im alltäglichsten von Liebe, der Grenzfall, den wir, bei näherem Zusehen, erblicken können und vielleicht uns bemühen sollten, zu erblicken.
Denn bei allem, was wir tun, denken und fühlen, möchten wir manchmal bis zum Äußersten gehen.
Der Wunsch wird in uns wach, die Grenzen zu überschreiten, die uns gesetzt sind.
Es wird wohl kaum einen Menschen geben, der nicht in einem gewissen Augenblicke von dem heißen Wunsch ergriffen wurde, seinen Zuhörer durch Umschreibungen zu quälen.
Der Sprecher - der die allerbeste Absicht hat, zu gefallen - weiß sehr wohl, daß er damit Mißfallen erregt, er spricht sonst gewöhnlich kurz, genau und klar, fühlt auch jetzt, wie sich ihm die Worte in lakonischer Deutlichkeit auf die Zunge drängen und wie er sie nur mit Mühe zurückhält; er fürchtet den Zorn des Zuhörers geradezu, und doch durchzuckt ihn der Gedanke, daß er mit ein paar EInschiebungen und Parenthesen diesen Zorn erregen kann.


Aus: Christa Wolf: Kein Ort. Nirgends; Stefan Zweig: Verwirrung der Gefühle; Ingeborg Bachmann: Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar; E.A. Poe: Der Geist des Bösen l


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#4

RE: Patchwork-Roman

in Spiele 07.09.2012 01:17
von UgoAdmin | 2.863 Beiträge | 11382 Punkte
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Du hast mir mal gesagt, ich hätte keine Gefühle. Du hattest recht und du hattest unrecht. Ich hab jetzt mehr Gefühle als je zuvor. Ich hab noch ne jemanden overmisst wie dich.Die Traurigkeit beim Lesen in deinem Gesangbuch ist eine Mischung aus Ohnmacht, Resignation, Wertosigeit. Von dir geht eine Lähmung aler Initiative aus, ein Gefühl von Vergeblchket alenirichn Tns. Ic hör ieer die schrlen Stiimen älterer Frauen, die versuchten, beiim Singen der Choräle in eine kleine Ekstase zu geraten, zumindest aber in das Gefühl, weggetragen zu werden. Die Stellung wird in der Weise arrangiert, dass ich außerdem noch Jeronimus meinen Mund darbieten kann; so hat es zu geschehen. Clemens begibt sich in meine Hände; ich bin gezwungen, ihn zu erregen; alle Priesterinnen umgeben diese scheußliche Guppe. "Wer ist deine Mutter, und warum suchst du sie?" Und es antwortete: "Meine Mutter bettelt wie ich, und ich habe sie schlecht behandelt; und ich bitte euch, lasst mich hinein, dass sie mir ihre Verzeihung gebe, wenn sie in dieser Stadt weilt." Aber sie wollten nicht und stachennach ihm mit ihren Speeren.
Ich will nämlich nur in Worten spielen, nur im Kopf träumen, in Wirklichkeit aber brauche ich, weißt du was: Daß euch der Teufel holt, das brauche ich! Ich will meine Ruhe haben Ich würde ja dafür, daß man mich nicht belästigt, die ganze Welt sofort für eine Kopeke verkaufen. Soll die Welt untergehen, oder soll ich jetzt keinen Tee trinken?

Aus: Natural Born Killers, Oscar Wilde - Die Erzählungen, Marquis de Sade - Justine, Tilmann Moser - Gottesvergiftung, Fjodor Dostojewskij - Aufzeichnungen aus dem Kellerloch


Ugos Homepage: http://www.hummelreich.net
zuletzt bearbeitet 07.09.2012 01:17 | nach oben springen


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