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Schiffbruch

in Betroffenen-Literatur 26.03.2014 13:38
von Garden Tool (gelöscht)
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Ich lege mich in das Bett und warte, dass etwas passiert. Es passiert auch etwas. Der Entzug kommt näher. Musik, zunächst leise, Midisequenzen. Dann lauter: Männerchöre. Ich warte weiter. Links von meinem Bett ein Heizkörper, daher kommt also die Musik. Die Gesänge werden sirenenartig. Ich bin auf einem Schiff, der Kapitän ist abgesoffen. Die Crew spielt und schäumt, tanzt lachend auf dem Deck. Hinter dem Bullauge steht mein Hund vor einem Supermarkt. Durch die Glasscheibe sehe ich auch den Maschinenraum, die Matrosen starren feixend ihren alten Käpt´n an. Ich rufe die Besatzung herbei. Schiffsjunge Sebastian, schalten Sie endlich diese schlimme Musik aus. Sebastian, wo bleibt der technische Offizier? Sebastian, Ihren Namen merke ich mir, Sie sind renitent! Das ging eine ganze Weile so, doch irgendwann kam Sebastian nicht mehr. Meine spitzen Schreie hatten die Besatzung kalt gelassen. Nun dröhnt wieder die Musik zu mir herein, jemand hatte eine Platte von Udo Jürgens aufgelegt. Ich suche immer noch nach dem Radio, irgendwo in meiner Koje muss doch dieses saudumme Radio versteckt sein. Die Musik ist laut und deutlich, etwas später bemerke ich, dass ich nur eine Endlosschleife höre. Der Refrain wiederholt sich ununterbrochen. Willst du gern einmal nach Paris, einfach so nur zum Spaß? Dann freue ich mich, denn mir fällt ein, dass ich ja noch einen dieser kostbaren Rotweine in meinem Spind stehen habe. Den guten Tropfen hatte ich an der Besatzung vorbeigeschleust, ich freue mich noch etwas mehr, weil es niemandem aufgefallen war. Ich trete an den Spind und meine heimliche Freude wird von der Erkenntnis abgelöst, dass ich von einem anderen Passagier bestohlen wurde. Man muss es dieser Kanaille unbedingt heimzahlen. Ich gebe eine offizielle Meldung heraus, dass auf dem Schiffsgelände gestohlen wird. Der Küper will sich darum kümmern.

Ein Sturm kommt auf, der Kahn schaukelt auf den Wellen hin- und her. Plötzlich Piraten, ich werde an den Armen und Beinen festgebunden. Stunden oder Tage vergehen, mein Gedächtnis liegt brach. Als ich aufwache, ist das Schiff verschwunden. Sonnenstrahlen betreten das Zimmer.


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